Als wir unse­ren Freun­den, Bekann­ten und Fami­lie eröff­net haben, dass wir eine Ent­de­ckungs­tour durch Alba­ni­en pla­nen – waren die Reak­tio­nen sehr ver­hal­ten. Von Arbei­ter bis mehr­fach pro­mo­viert hieß es: „Alba­ni­en??? – kann man da über­haupt hin?“, „… da ist doch noch Krieg“ oder (das war der Bes­te) – „Alba­ni­en, das liegt doch nicht in Euro­pa“.

Es herrscht defi­ni­tiv Unwis­sen­heit, im Vol­ke der Dich­ter und Den­ker,  was Alba­ni­en angeht. Im bes­ten Fal­le schwant es man­chen, dass es irgend­wo im Süden Euro­pas liegt – das ist schon mal Top … 3 Pkt. für die­se Ant­wort. Dass es direkt an Grie­chen­land und übers Was­ser an Ita­li­en grenzt weiß schon kaum jemand. Huuuuuuh … Angst … Jugo­la­wi­en … Koso­vo … Krieg .… da wird es beson­ders pein­lich für uns Deut­sche.

Was den Krieg angeht – der letz­te Krieg der in Alba­ni­en herrsch­te war der 2. Welt­krieg … ziem­lich genau wie bei uns. Die meis­ten haben sicher den Zer­fall von Jugo­sla­wi­en im Kopf .. scha­de nur, dass Nie­mand weiß, dass sich da in der Haupt­sa­che Ser­ben und Kroa­ten bekriegt haben. Zagreb und Dubrov­nik wur­den beschos­sen bzw. bela­gert – es ist 27 Jah­re her und heu­te fragt kei­ner, der eine Rei­se nach Kroa­ti­en bucht, … „wird da noch geschos­sen?“

Viel­leicht ist den Leu­ten auch Koso­vo beson­ders in Erin­ne­rung. Schließ­lich waren „unse­re Jungs“ dort sta­tio­niert und der Koso­vo grenzt ja an Alba­ni­en. Rich­tig dort leben auch ganz vie­le s.g. Koso­vo-Alba­ner – und die woll­ten auch unab­hän­gig wer­den von den Jugos. Sie grün­de­ten einen eige­nen Staat und da wur­de der böse Milo­se­vic zor­nig und schick­te die Ser­bi­sche Armee mal hin. Nach 15 Mona­ten war dann der Spuck vor­bei. Seit­dem über­wacht eine UN Trup­pe (ähn­lich wie auf Zypern) den Frie­den in der Regi­on und die Ser­ben haben offi­zi­ell auf den Ter­ri­to­ri­al­an­spruch ver­zich­tet.

Alba­ni­en ist zwar ein armes aber ein sehr siche­res Land. Es wird von sehr gemä­ßig­ten Mus­li­men und ortho­do­xen Chris­ten bewohnt, die alle samt eins gemein­sam haben – sie sind gast­freund­lich.

In vie­len Tei­len des Lan­des herrscht (unge­schrie­ben) der Kanun. Ein Gesetz, das von Dorf- und Stam­mes­äl­tes­ten aus­ge­übt wird und an das sich die Bewoh­ner unter­ein­an­der hal­ten. Was ähn­lich dem Scha­ria – etwas mit­tel­al­ter­lich und über­holt klingt – ver­hin­dert in Wirk­lich­keit seit Jahr­hun­der­ten Stam­mes­feh­den und schlim­me­re Kon­flik­te. Ein fried­li­ches Mit­ein­an­der herrscht in die­sem Land. Dank die­ser uralten Tra­di­tio­nen ist seit Jahr­zehn­ten kei­nem Frem­den auch nur ein Haar gekrümmt wor­den. Alba­ni­en zählt zu den sichers­ten Län­dern der Welt. In Sta­tis­ti­ken hat es sogar Deutsch­land hin­ter sich gelas­sen.

Wir freu­en uns auf das wun­der­schö­ne Land … von den Alba­ni­schen Alpen bis an die Mit­tel­meer­küs­ten, auf sei­ne Natur, sei­ne Men­schen und zau­ber­haf­ten Orte.

3 Kommentare

  1. Kanun herrscht in sehr weni­gen und nicht in sehr vie­len Tei­les des Lan­des, eigent­lich nur bei den Katho­li­ken im Nor­den des Lan­des. Kanun war frü­her ein Geset­zes­buch um das sozia­le Leben zu Regel. Heut­zu­ta­ge gibt es kein Kanun, son­dern ein dem deut­schens Geset­zes Buch. Heut­zu­ta­ge wird Kanun von Kri­mi­nel­len miss­braucht, um Ihre Taten recht­fer­ti­gen, den die­se Leu­te haben Kanun nie gele­sen und befol­gen nicht sei­ne Regeln.

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    • Nun, ver­läss­li­che Zah­len zum “Hoheits­ge­biet der Kanun-Ver­­brei­­tun­­g/­An­wen­­dung” wird es kaum geben — kor­ri­gie­re uns wenn es Quel­len gibt — Fakt ist, dass der Kanun von Kri­mi­nel­len in Ihren Struk­tu­ren benutzt wird. Fakt ist, dass der Kanun mit Blut­ra­che gleich­ge­setzt wird — die nur einer von unzäh­li­gen Punk­ten dar­in ist. Das Wört­chen “herrscht” soll­te viel­leicht bes­ser hei­ßen “ist Tra­di­ti­on” … ähn­lich den christ­li­chen Gebo­ten. Und an die­ser Stel­le wie­der der Hin­weis — es ist unse­re sehr sub­jek­ti­ve Mei­nungs­bil­dung hier — ohne irgend einen Anspruch auf Objek­ti­vi­tät.

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      • In Alba­ni­en hat­te frü­her jede Regi­on ein Kanun, also ein Gesetz­buch. Das berühm­tes­te Gesetz­buch, war das von Leke Dukagji­ni und es war ein Gesetz­buch der Katho­li­ken im Nor­den des Lan­des. Dort gab es auch die Blut­ra­che, im übri­gen Alba­ni­en war Blut­ra­che unbe­kannt! Ich per­sön­lich iden­ti­fi­zie­re mich nicht mit die­sem Kanun bzw. die­ser Tra­di­ti­on, da ich aus dem Süden des Lan­des kom­me und gab es kei­ne Blut­ra­che. Wie gesagt, es betrifft bur eini­ge weni­ge Leu­te im Nor­den des Lan­des. Heu­te wird es aber aus diver­sen Grün­den miss­braucht, unter ande­rem auch für fal­sche Nach­rich­ten von aus­län­di­schen Medi­en.

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