Georgien — Freunschaft auf den ersten Blick

Geor­gi­en??? Krieg, Gewalt, Kri­mi­na­li­tät, Mafia — Seid ihr jetzt völ­lig über­ge­schnappt? Und dann noch in die abge­le­gens­ten Regio­nen. Die Reak­tio­nen unse­rer Freun­de und Fami­li­en auf die Aus­wahl unse­rer Rei­se­zie­le ken­nen wir bereits. Hej Leu­te, ist ja echt put­zig und süß von Euch. Wie immer stimmt kein ein­zi­ges Vor­ur­teil deut­scher Schäf­chen mit der Rea­li­tät über­ein. Im Gegen­teil — wir wer­den von unbe­schreib­li­cher Herz­lich­keit und Gast­freund­schaft der Geor­gi­er schier über­wäl­tigt.

Bera­tungs­re­sis­tent (was die “über­legt es euch noch­mal” Stim­men angeht) und Stolz lan­den wir am Sonn­tag-Nach­mit­tag mit­ten im Mai auf dem klei­nen, net­ten Flug­ha­fen von Kutai­si in West­ge­or­gi­en. Vier Stun­den Flug ver­gin­gen wie im .… Flug. Auch wenn es hier kei­ne ein­zi­ge Bou­tique gibt (das führt bei Eul­chen auf dem Rück­flug zu depres­si­ven 5 Minu­ten;))) — bekommt man hier alles was der Tou­ri zum “über­le­ben” braucht. Den net­ten Mann der ein Mega-Schild mit unse­rem Namen hält — kann man nicht über­se­hen. Der Ankunfts­be­reich ist nicht grö­ßer als unse­re Woh­nung. Er hat’s nicht eilig. Wir sol­len in Ruhe alles erle­di­gen. Wir zap­fen die ers­ten Lari aus einem Geld­au­to­ma­ten und bestü­cken unser “Rou­ting-Navi­ga­ti­ons-Dritt­han­dy” mit einer loka­len SIM … zum Spott­preis übri­gens, 30GB für umge­rech­net ’n Zeh­ner.

Kurz dar­auf begrüßt uns Kakha strah­lend. Er betreibt in Kutai­si ein Guest­house, ein klei­nes Büro das Tou­ren und Aus­flü­ge für Tou­ris­ten orga­ni­siert und neben­bei wird hin und wie­der auch einer sei­ner drei Jeeps ver­mie­tet. Alles läuft völ­lig unkom­pli­ziert und unbü­ro­kra­tisch, bereits ab dem ers­ten Kon­takt vor über einem hal­ben Jahr. Der Rabe hat eng­lisch­spra­chig im geor­gi­schen Inter­net gesucht und wur­de fün­dig. Per Whats­app han­deln wir alles nöti­ge aus — fer­tig. Jaaa — ich weiß — ein typi­scher Deut­scher wür­de Fie­ber, Zit­tern und Krät­ze bekom­men bei dem Gedan­ken nicht alles gere­gelt, ver­si­chert und sechs Mal schrift­lich bestä­tigt — (und das jeweils vom Ver­mitt­ler, Ver­mie­ter und Ver­si­che­rer) — aber so läuft das nun mal in man­chen Ecken die­ser Welt .… und es ist gut so. (Eini­ge Sei­ten Papier wer­den vor Ort unter­schrie­ben, natür­lich)

Für rund 450 Dol­lar bekom­men wir einen gut ein­ge­fah­re­nen (10 Jah­re ~ 120 000 Km) Mitsu­bi­shi Paje­ro. Top Hard­ware um in ent­fern­te Regio­nen des Kau­ka­sus zu kom­men. Krat­zer, Del­len, Beu­len inter­es­sie­ren weder Kakha noch uns, weder bei der Über­ga­be noch bei der Rück­ga­be. Der Rabe lässt sich noch schnell die Zau­ber­kräf­te der Maschi­ne erklä­ren (SS4-II Super Select All­rad­an­trieb, Vor­der­achs­dif­fe­ren­ti­al, sperr­ba­res Zen­tral­dif­fe­ren­ti­al mit Vis­ko­kupp­lung, elek­tro­ni­sche Trak­ti­ons­kon­trol­le, Gelän­de­un­ter­set­zung) und es geht los.

Unse­re Fahrt­rich­tung steht bis zum letz­ten Moment nicht fest. In den schwer zugäng­li­chen Berg­re­gio­nen des Kau­ka­sus, sol­len von Regen und Gewit­tern heim­ge­sucht wer­den. Da die Wet­ter­apps nicht ein­mal das gest­ri­ge Wet­ter genau ansa­gen kön­nen beschlie­ßen wir am Vor­tag doch auf “Risi­ko” zu gehen. Wir steu­ern Rich­tung Gro­ßer Kau­ka­sus. Bis in die Ber­ge sind es gut 300 Kilo­me­ter. Auf geor­gi­schen Stra­ßen und Berg­schot­ter­pis­ten sind das locker 5–7 Stun­den Fahrt. Wir suchen uns unge­fähr auf der Hälf­te ein Quar­tier. Zuvor wol­len wir aber noch eine Sowje­ti­sche inge­nieur-tech­ni­sche Meis­ter­leis­tung mit eige­nen Augen sehen.

Enguri Staudamm

Den Engu­ri Stau­damm. Er ist mit 750m Brei­te und 271,5 m Höhe das größ­te Bau­werk im Kau­ka­sus. Eini­ge Zeit war er das größ­te gewölb­te Bau­werk der Welt. (seit 2012 ist es ein Stau­damm in Chi­na). Defi­ni­tiv ist die Stau­mau­er die fünft­höchs­te auf der Welt. Das dazu­ge­hö­ri­ge unter­ir­di­sche Was­ser­kraft­werk pro­du­ziert jähr­lich rund 4,5 Mil­li­ar­den Kilo­watt­stun­den. Das deckt fast 50 % des Strom­ver­brauchs Geor­gi­ens. Meh­re­re Quel­len behaup­ten — der Engu­ri-Damm wäre, dank der ihn umge­ben­den Berg­land­schaft, einer der schöns­ten Däm­me der Welt.


(diese atemberaubende Aufnahme stammt ausnahmsweise nicht von uns sondern von den Profis vom Urbexplorer.com)

Der Fluss Engu­ri bil­det einen Teil der Gren­ze zum abtrün­ni­gen Abcha­si­en. Stau­mau­er und Kraft­werk ste­hen auf Geor­gisch kon­trol­lier­tem Gebiet — Trans­for­ma­to­ren und ande­re tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen auf Abcha­si­schem Gebiet. Inter­es­sant ist, dass man beim Strom — trotz erbit­ter­ter Feind­schaft — zusam­men­ar­bei­ten kann. Die Navi­ga­ti­ons-Apps tun sich schwer. Wir bewe­gen uns im Grenz­ge­biet zu einem ver­fein­de­ten Staat. Der Damm ist trotz sei­ner gewal­ti­gen Aus­ma­ße von geor­gi­scher Sei­te nicht zu sehen. Wir fol­gen unse­rem Gefühl und schlän­geln uns zwi­schen zwei Ber­gen soweit wie es geht ran, bis wir auf ein­mal vor einen Tor mit zwei Wach­män­nern ste­hen. Das Gelän­de ist weit­räu­mig ein­ge­zäunt. Wir par­ken im gebüh­ren­den Abstand, der Rabe kämpft mit den Fens­ter­he­bern unse­res Jeeps. Die­se wol­len unbe­dingt in der Mit­te zum Ste­hen kom­men. Einer der Män­ner kommt auf uns zu. Unse­re Befürch­tung es könn­te haa­rig wer­den zer­streut sich in Sekun­den. Der Mann will uns nur hel­fen das Fens­ter Pro­blem zu lösen. Nach ein paar Wor­ten und einem gemein­sa­men Ziga­ril­lo — ist das Fens­ter end­lich zu und wir dür­fen hin­ter den Zaun. 

Die letz­ten paar Meter geht’s zu Fuß. Erst 100m vor dem Damm bekommt man ihn zu Gesicht. Mons­trös und wun­der­schön, gewal­tig und gleich­zei­tig anmu­tend wie ein Kunst­werk. Wir sind fas­zi­niert. Solch Schön­heit in solch abge­le­ge­nen Regio­nen — und wir sind erst seit vier Stun­den in Geor­gi­en — was wer­den wir noch alles erle­ben????


Wie sehr wir mit die­sen Gedan­ken Recht haben — wird uns in den fol­gen­den Tagen mehr­mals täg­lich bewusst.

Vom Damm sind es nur weni­ge Kilo­me­ter zu unse­rem Quar­tier. In einem klei­nen etwas abge­le­ge­nen Dorf, unweit Jva­ri, fin­den wir es. Das Haus der Fami­lie Matua — Wein­bau­ern seit Genera­tio­nen. Ein paar Haus­tie­re hal­ten sie auch und, seit dem die Kin­der zum stu­die­ren in die Haupt­stadt sind, ver­mie­ten sie ab und zu an Rei­sen­de.

Wir sind heu­te die Ein­zi­gen. Platz ist genug. Zwei sym­me­tri­sche Haupt­häu­ser sind durch einen Mit­tel­trakt ver­bun­den — auf dem eine 200 m² Ter­ras­se deut­lich macht — uns geht es gut. In Euro­pa wäre es unbe­zahl­bar und sicher von einem Pro­mi bewohnt. Es beginnt zu grau­en. In Geor­gi­en wird es wegen der zwei über­sprun­ge­nen Zeit­zo­nen zwei Stun­den eher dun­kel. Dass Geor­gi­er tra­di­tio­nell eine unver­gleich­li­che Gast­freund­schaft pfle­gen wuss­ten wir im Vor­aus — was uns bei Jew­dok­ja und Abel wider­fährt lässt unse­ren west­eu­ro­päi­schen Kul­tur­kreis in vie­ler­lei Hin­sicht echt blass aus­se­hen.

Schon bei der Begrü­ßung funkt es — spür­ba­re Sym­pa­thie erleuch­tet die Stim­mung. In den fol­gen­den Stun­den und am Fol­ge­tag keimt dar­aus eine klei­ne Freund­schaft. Es ist vom unschätz­ba­ren Wert, dass der Rabe mal frü­her (vor 35 Jah­ren) fast flie­ßend Rus­sisch gespro­chen hat. Zuerst aber kön­nen wir uns unser Nacht­la­ger aus­su­chen. Es gibt hier zwei Dop­pel­zim­mer und ein Appar­te­ment — unter­schied 6€ — ein Lacher. Natür­lich näch­ti­gen die Eulen­kö­ni­gin und der Raben­prinz stan­des­ge­mäß. Allein das Schlaf­ge­mach ist gut 40m² groß — dazu ein rie­si­ger Salon und ein sehr groß­zü­gi­ges Bad — alles für umge­rech­net 26€. Geor­gi­en live eben😊 Jew­dok­ja ist Ukrai­ne­rin und erst vor 30 Jah­ren nach Geor­gi­en gekom­men … der Lie­be wegen. Rus­sisch, Ukrai­nisch, Pol­nisch alles ver­wand­te Spra­chen. Wir sind glück­lich, end­lich kön­nen wir uns frei unter­hal­ten, erzäh­len, fra­gen, wit­zig sein. Rabens Rus­sisch wird schon an die­sem Abend immer bes­ser ‚spä­ter im Ver­lauf der Rei­se, fal­len ihm sogar kom­pli­zier­te­re Voka­beln wie­der ein. Auch unse­re Gast­ge­ber sind neu­gie­rig. Zum ers­ten mal kön­nen sie etwas über das Leben in Gjer­man­ja erfah­ren. Es waren schon Deut­sche hier, spra­chen aber nur Eng­lisch.

Neben­bei, fast unbe­merkt, deckt Jew­dok­ja im Hof einen gro­ßen Tisch ein. Immer wie­der ent­schwin­det sie unbe­merkt in die Küche und berei­tet auch noch das Abend­mahl für uns zu. Wir dür­fen wäh­rend­des­sen schon mal unse­ren ers­ten geor­gi­schen Wein kos­ten — den gibt’s hier ein­fach über­all. Ihn auf einem Wein­gut zu trin­ken ist ein traum­haf­tes Erleb­nis. Abel schenkt uns ein … wei­ßen (der hier fast rose ist) und roten ein. Dann wird eine Karaf­fe voll­ge­macht. Zum Schluss wird aus dem “Rog” getrun­ken — aus dem Horn. Das Eul­chen lernt: das Horn muss man aus­trin­ken … abstel­len kann man es nicht 😊 Auch einen 38m tie­fen Brun­nen gibt’s hier — das kris­tall­kla­re Berg­was­ser ist erfri­schend kühl und schmeckt vor­züg­lich. Jew­dok­ja beginnt auf­zu­tra­gen. Wir den­ken zuerst es ist für vier. Nein, alles für uns … und das Auf­tra­gen geht im 10min Takt wei­ter. Immer neue­re Lecke­rei­en, deren Namen wir kaum aus­spre­chen kön­nen … Blin­chi­ki, Qat­mis, Chkhi­re­bi uvm. Alles für uns abso­lut neu, exo­tisch, pikant, wür­zig den­noch nicht scharf, vor allem aber unnach­ahm­lich lecker. Dazu fließt der Wein … und es wird noch lang ange­regt debat­tiert. Ein herr­li­cher ers­ter Abend unter Geor­gi­schem Him­mel.

Wir schla­fen in unse­rer feu­da­len Sui­te wie Babys — zehn Stun­den unun­ter­bro­chen. Nicht nur der Wein und die fri­sche Luft tra­gen dazu bei — auch das Bett. Fast alle Bet­ten in denen wir in Geor­gi­en näch­ti­gen dür­fen sind aus mas­si­ven Holz. HOLZ!!! Nicht wie in unse­ren Brei­ten­gra­den Holz­pro­duk­ten … Sperr­holz, Leim­holz, Press­holz, bil­li­gen Kie­fern­holz oder Kunst­soff. Kein wackeln, kein quiet­schen, nichts ist lawe­de. Kei­ne zwei Tage spä­ter erzählt uns ein Swa­ne eine Geschich­te aus sei­ner Fami­lie, die bezeugt wie wich­tig den Geor­gi­ern ihr Bett ist😊 (Dazu mehr im Bei­trag über Swanetien/Kaukasus)

маленькая дружба — Kleine Freundschaft

Jew­dok­ja, die wir seit ges­tern Abend Dus­ja (das ist ihr Kose­na­me) — nen­nen dür­fen berei­tet uns ein phä­no­me­na­les, geor­gi­sches Früh­stück. Unnö­tig zu sagen, dass alles was hier auf den Tisch kommt aus­schließ­lich aus eige­ner Zucht/Anbau/Herstellung stammt. Abel zeigt der Eulen­kö­ni­gin der­weil die Tier­stal­lun­gen und den Obst­gar­ten. Ein Schock für uns ord­nungs­ver­wöhn­te Deut­sche. Solch eine Ord­nung und Sau­ber­keit haben wir in unse­rem Leben noch nicht erlebt. Nir­gend­wo auch nur ein “Kleks” und das bei 30 Hüh­nern und etli­chen Puten. Auch zwei Schwei­ne und eine Kuh mit einem Kalb hau­sen hier .… und … nichts, kei­ne Fla­den, kei­ne Hau­fen, kein Unrat, kein Müll … alles säu­ber­lichst gerecht und gekehrt. Die Tie­re sind bes­tens ernährt und gepflegt — haben Aus­lauf und Frei­heit sich über­all zu bewe­gen. Der Umgang mit Tie­ren ist in vie­len sol­chen Län­dern ein völ­lig ande­rer als bei uns.

Noch vor dem Essen bekom­men wir ein Wein­horn geschenkt — aus Ton, rund­her­um ver­ziert und bunt ange­malt. Eine sehr schö­ne Hand­ar­beit — ob alle Gäs­te hier so emp­fan­gen wer­den? Ein­zig­ar­tig die­se Gast­freund­schaft — es über­trifft alles was wir über die­ses Land gele­sen haben.

Nach dem Früh­stück wer­den wir ins Haus ein­ge­la­den … in das pri­va­te Hei­lig­tum des Geor­gi­ers. Dus­ja zeigt uns stolz die Küche. Abel ist stolz auf das gro­ße Zim­mer, zeigt dem Raben “sei­ne” Biblio­thek. Hier­her zieht er sich zurück wenn er Ruhe braucht. Dar­in vie­le Erin­ne­rungs­stü­cke und Fotos von Fami­lie und Freun­den. Als Bur­sche spiel­te Abel bei der Jugend von Dîna­mo Tif­li­si zusam­men mit einem der bekann­tes­ten Geor­gi­schen Fuß­bal­ler. Wer denkt schon, dass ein Bau­er eine Biblio­thek hat oder fast Pro­fi­fuss­ba­ler war???

Das Schlaf­zim­mer und die Kin­der­zim­mer zeu­gen eben­falls vom Wohl­stand — und das sind nur die Räu­me eines der bei­den Haupt­häu­sern. Im ande­ren befin­det sich untern ein Raum das locker als gro­ßes Restau­rant die­nen könn­te .. mit super edlen Boden­flie­ßen aus­ge­legt. Dar­in wird die Hasel­nuss­ern­te zum trock­nen gela­gert. Die Eulen­kö­ni­gin hilft zugleich beim Sor­tie­ren.


man beach­te die Flie­ßen — der Ham­mer

Wir wis­sen, dass wir heu­te wei­ter wol­len — Rich­tung Kau­ka­sus — Swa­ne­ti­en. Eigent­lich haben wir beschlos­sen, dort wo es schön ist län­ger zu blei­ben. Das hal­ten wir bei die­ser Rei­se nicht ein. Die Neu­gier ist zu groß — es gibt soviel zu ent­de­cken. Aber bereits am ers­ten Abend bei den Matuo’s wis­sen wir 1000%ig — dass es nicht das letz­te Mal ist, dass wir die­ses para­die­si­sche Land berei­sen. Wir ver­ab­schie­den uns und ver­spre­chen im nächs­ten Jahr wie­der zu kom­men. Die klei­ne Freund­schaft pfle­gen wir nach der Rück­kehr wei­ter .. per Email .. schön. Bis bald Freun­de!

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Wilder Sex der Antike — die Lustmolche aus Pompeji

Bedeu­ten­de Städ­te der Anti­ke, Jahr­tau­send alte Rui­nen und Aus­gra­bungs­stät­ten ver­gan­ge­ner Hoch­kul­tu­ren kann man vie­ler­orts besich­ti­gen. In den letz­ten 2–3 Jah­ren haben wir bereit eini­ge davon bestau­nen dür­fen. Dar­un­ter Stagei­ra in Grie­chen­land (hier leb­te einst Aris­tó­te­les), Sala­mis in der Repu­blik Nord­zy­pern sowie Butrint und Appo­lo­nia in Alba­ni­en um die wich­tigs­ten zu nen­nen. Im bes­ten Fall sind von der eins­ti­gen Pracht noch eini­ge Stei­ne übrig. Mit viel Glück sind noch Res­te und Rui­nen eini­ger monu­men­ta­ler Bau­ten zu sehen. Pom­pe­ji über­trifft alles bis­her aus­ge­gra­be­ne um Wel­ten.

Ein­mal “in der Gegend” wol­len wir Pom­pe­ji natür­lich sehen … aller­dings, wie nicht anders von uns zu erwar­ten, unter einem etwas süf­fi­san­ten Blick­win­kel. Wir sind auf den Spu­ren der Lust. Nut­ten, Frei­er und Bor­del­le, sexu­el­le. Tech­ni­ken, Dienst­leis­tun­gen, Stel­lun­gen und Prak­ti­ken haben unser Inter­es­se (schon beim lesen des Wiki­pe­dia Arti­kels über die ver­schüt­te­te Stadt) geweckt.

Wir sind kei­ne Wis­sen­schaft­ler und möch­ten auch das Rad nicht neu erfin­den des­we­gen zitie­ren wir zum The­ma Lust in der Anti­keFranz van Dick aus “Man-on-a-mis­si­on” einem Online-Män­ner­ma­ga­zin.

Wenn du glaubst, dass die Sex­welt heu­te im 21. Jahr­hun­dert offen und tole­rant ist, liegst du FALSCH! Die Römer und Grie­chen in der Anti­ke sind der bes­te Beweis für ver­sau­te Sex- und Rol­len­spie­le und hem­mungs­lo­se Orgi­en.

Im alten Rom und in Grie­chen­land waren Homo­se­xua­li­tät und Päd­eras­tie kein Ding. Das war nor­mal und kei­ner scher­te sich dar­um, was ande­re dar­über den­ken könn­ten. Nie­mand war wäh­le­risch, ob gera­de ein Mann oder eine Frau griff­be­reit war. Haupt­sa­che Pop­pen.

Anal­ver­kehr war sehr beliebt. Kein Tabu und da wur­de nicht viel dis­ku­tiert. Wenn es die Män­ner anal woll­ten, muss­te der ande­re damit ein­ver­stan­den sein. Schluss. Aus. Punkt. Die sexu­el­le Bezie­hung von Män­nern zu jün­ge­ren Part­nern, in der Regel zwi­schen 12 und 18 Jah­ren, war akzep­tiert und NORMAL! Bei die­sem The­ma darf man aller­dings nicht ver­ges­sen, dass in der Anti­ke (bis ins Mit­tel­al­ter) Frau­en und Män­ner schon mit 11 oder 12 gehei­ra­tet haben.

Sex war nie­mals prü­de. Sex war nie­mals harm­los. Der­bes Trei­ben bis der Arzt kommt. Die Krea­ti­vi­tät und Fan­ta­sie in der Anti­ke stellt alles in den Schat­ten, was wir uns vor­stel­len kön­nen.

Römer und Grie­chen nutz­ten jede Mög­lich­keit zum Vögeln. Ihr Ein­falls­reich­tum kann­te kei­ne Gren­zen. Kei­ne Scham.  Sie lie­ßen sich von Ur-Instink­ten lei­ten, leb­ten ihre Trie­be und Lust aus. Alko­hol und Sex waren im alten Rom die Grund­nah­rungs­mit­tel. Der Alko­hol war bil­li­ger und tat­säch­li­cher rei­ner, als Trink­was­ser. Betrat man eine Gast­stät­te, wur­de der Krug Wein bei­na­he auto­ma­tisch mit einer Nut­te ser­viert. Sie wur­de auf der Geträn­ke­kar­te wie ein Extra-Tel­ler Brot oder Häpp­chen Käse ange­prie­sen. Und das Gan­ze für nur 1–2 As — etwa soviel wir ein Bier und ne Bre­zel heu­te. Da konn­te kein Römer Nein sagen.

Die  Lebens­er­war­tung lag damals bei 30–35 Jah­ren. Vie­le Kna­ben woll­ten angeb­lich von ihrem Her­ren ler­nen und waren geehrt, wenn sie sich lei­ten und (be)lehren las­sen durf­ten. Frau­en unter­war­fen sich mit Hin­ga­be und kos­te­ten ihre devo­te Rol­le in vol­len Zügen aus, weil sie damit unter­strei­chen woll­ten, wie sehr sie den Sex genos­sen.

Zuschau­er? Je mehr, des­to bes­ser. Die Grie­chen sind die Erfin­der des Gang­bangs. Kör­per­flüs­sig­kei­ten wur­den mit allen Geträn­ken ver­mischt, die gera­de griff­be­reit waren. Das galt als aphro­di­sie­rend und war eine Ehre. Die Stel­lun­gen und Ver­ren­kun­gen waren so krea­tiv, dass das Kama­su­tra dage­gen ver­blasst.

Dil­do? Alter Hut. Damals war man viel spon­ta­ner. Die Hilfs­mit­tel waren Gemü­se, Obst, Ker­zen­stän­der, alles, was in der Nähe war und wor­auf man gera­de Lust hat­te. Orgi­en waren aller­dings der Ober­schicht vor­be­hal­ten. Neben dem Rudel­bum­sen gab es Menüs mit meh­re­ren Gän­gen und ein Enter­tain­ment Pro­gramm mit Klein­kunst, Schau­spiel und Musik.

Alles Lüge? Das tie­ri­sche Trei­ben ist kein Mär­chen oder fik­ti­ve Geschich­te.  In den Rui­nen von Pom­pe­ji wur­den aus­rei­chend Bele­ge gefun­den. Hun­der­te von Tel­lern, Vasen oder Fres­ken sind mit dras­tisch ver­sau­ten Male­rei­en bemalt wor­den. Lan­ge waren die Fun­de nur in einem Geheim­de­pot im Muse­um von Nea­pel zu sehen, weil sie als por­no­gra­fisch ein­ge­stuft wur­den.

Nun sind wir hier und kön­nen es höchst­per­sön­lich in Augen­schein neh­men. Schon mal vor­ab .… hmmm lecker:)

Nationalmuseum von Neapel

Unse­re “Recher­che” beginnt im besag­ten Natio­nal­mu­se­um von Nea­pel. Wir bestau­nen die Aus­stel­lungs­stü­cke dar­un­ter die berühm­tes­ten wie den Dory­pho­ros, unter des­sen  Gehän­ge die Eule unbe­dingt abge­lich­tet wer­den will, den Atlas Far­ne­se (ja, vom jun­gen Kar­di­nal Ales­san­dro Far­ne­se um 1500 in sei­ne Samm­lung auf­ge­nom­men) und das Mosa­ik der Alex­an­der­schlacht, aus dem Haus des Faun in Pom­pe­ji, das aus über einer Mil­li­on kleins­ter 2x2mm Stein­chen bestand — heu­te feh­len ein paar.

Das Ziel unse­res Besuchs ist aber das Gehei­me Kabi­nett. Ein bis vor weni­gen Jah­ren der Öffent­lich­keit nicht zugäng­li­cher Bereich des Muse­ums in dem die “Lecke­rei­en” auf­be­wahrt und mitt­ler­wei­le aus­ge­stellt wer­den. Wir wer­den nicht ent­täuscht und der oben zitier­te Arti­kel lügt mit kei­nem Wort.

Tat­säch­lich gehör­te Sex zum All­tag der Pom­pe­ja­ner wie Essen und Trin­ken. Sex mit Kin­dern, gleich­ge­schlecht­li­cher Sex, Grup­pen­sex und Orgi­en — all das wird auf jedem erdenk­li­chen Gegen­stand, auf Fres­kos und als Figu­ren in beacht­li­cher Anzahl dar­ge­stellt. Eul­chen staunt nicht schlecht als sie die Grö­ße der Peni­se (im Ver­gleich zum Rest­kör­per) der anti­ken Män­ner sieht:) Eine Vitri­ne beher­bergt sogar nur Geschlechts­tei­le aus Stein.

Zitat aus Dan Browns “Illu­mi­na­ti”: “Im Jah­re 1857 hat­te der amtie­ren­de Papst Pius IX. ent­schie­den, dass die genaue Wie­der­ga­be männ­li­cher For­men Lust in den Mau­ern des Vati­kans pro­vo­zie­ren könn­te. Also hat­te er einen Ham­mer und einen Mei­ßel genom­men und per­sön­lich die Geschlechts­tei­le jeder ein­zel­nen männ­li­chen Sta­tue in der gan­zen Vati­kan­stadt abge­schla­gen. Er hat­te Arbei­ten von Michel­an­ge­lo, Bra­man­te und Berni­ni zer­stört. Hun­der­te von Skulp­tu­ren waren ent­mannt wor­den. Die Fei­gen­blät­ter aus Gips soll­ten die Beschä­di­gun­gen mas­kie­ren. Lang­don hat­te sich häu­fig gefragt, ob nicht irgend­wo auf dem Gelän­de eine gro­ße Kis­te mit Stein­pe­nis­sen lager­te.” 

Nun, nicht eine Kis­te son­dern eine Vitri­ne und wir haben sie, nicht im Vati­kan son­dern in Nea­pel, gefun­den:)

Nun weiter nach Pompeji.

Tag 2. Noch bevor Kara­wa­nen von Tou­ris­ten­bus­sen ihre Ladung in die anti­ke Stadt abla­den, betre­ten wir das Are­al. Es ist ein­fach gewal­tig. Etwa zwei Qua­drat­ki­lo­me­ter vol­ler bes­tens erhal­te­ner Stra­ßen, Gas­sen, Paläs­te, Häu­ser und öffent­li­cher Gebäu­de. Defi­ni­tiv die gewal­tigs­te und  beein­dru­ckends­te anti­ke Stät­te die wir je gese­hen haben und wahr­schein­lich je sehen wer­den. Und dabei ist Pom­pe­ji noch nicht ganz aus­ge­bud­delt wor­den — bis­her nur zu etwa 80%.

Hier kann man gan­ze Häu­ser, Gär­ten, Stra­ßen­kü­chen und -bars, Brun­nen, Ther­men, Bäder, sogar gut erhal­te­ne mehr­stö­cki­ge Gebäu­de fin­den. Forum, Kapi­tol, Macel­lum, eine Basi­li­ka, Tem­pel, Markt­hal­len, Wahl­lo­ka­le, Sta­tu­en sind erstaun­lich gut erhal­ten. Kein Wun­der sie waren über 1500 Jah­re lang von bis zur sechs Metern Asche und Bims­stein bedeckt.

Die Stra­ßen Pom­pe­jis sind viel tie­fer als die Geh­stei­ge gele­gen. Es gab in der Stadt vor 2000 Jah­ren bereits eine Was­ser­ver­sor­gung (für die Rei­chen bis ins Haus) — aber Abwas­ser, Urin und Abfäl­le wur­den auf die Stra­ße gelei­tet. Das Regen­was­ser hat es dann gerich­tet und alles ins Meer gespült. Um tro­cke­nen Fußes über die Stra­ße zu gehen gab (und gibt) es Tritt­stei­ne — qua­si die Vor­läu­fer der Zebra­strei­fen.

Häu­ser hat­ten (bei denen, die es sich leis­ten konn­ten) ein Atri­um von dem es in die Zim­mer und Flu­re ging. Je mehr Zim­mer vom Atri­um aus zu sehen waren — des­to rei­cher war der Haus­be­sit­zer. Weni­ger wohl­ha­ben­de haben des­halb manch­mal geflun­kert und Schein­tü­re auf Wän­de gemalt, damit es so aus­sieht als hät­te ihr Haus mehr Räu­me.

Neben der, aus inge­nieur­tech­ni­scher Sicht erstaun­li­chen, Was­ser­ver­sor­gung, fin­den wir die Imbiss­ver­sor­gung phä­no­me­nal. Unge­lo­gen alle 200–300 Meter fin­det man in Pom­pe­ji eine Gar- oder Stra­ßen­kü­che bzw. eine Geträn­ke­schen­ke. Eul­chen wäre damals wohl (der Auf­müp­fig­keit wegen) eine selb­stän­di­ge Imbiss­be­sit­ze­rin.

Das Lupanar

Nach gut zwei Stun­den fin­den wir es end­lich. Das Lupa­nar — ein Bor­dell — das Ziel unse­res Besuchs. Ein Bor­dell war in einer anti­ken Stadt kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit — Nut­ten bekam man in jedem Wirts­haus ange­bo­ten. Das in Pom­pe­ji ist das ein­zi­ge bis­her nach­ge­wie­se­ne.

Hier arbei­te­ten Athen­ais und Sabi­na (für 2 As pro Kun­de) und die Logas für 8 As. Bestimmt auch noch unzäh­li­ge ande­re — aber die­se Namen wur­den auf den Graf­fi­tis in Haus, samt der Prei­se gefun­den. Logas war eine “Haus­s­kla­vin” man konn­te also etwas der­ber mit ihr umge­hen — das kos­te­te etwas mehr. Auch der Stri­cher Mari­ti­mus leck­te hier die Muschis für 4 As. Wie wir sehen wur­de ein Bor­dell also von bei­den Geschlech­tern auf­ge­sucht — völ­lig nor­mal damals. Noch­mal zum Ver­gleich 1 As das war der Preis für ein Brot oder 1L Wein. Pop­pen war also preis­wert — muss­te aber schnell gehen. Man (und Frau) hat­te etwa 10 min, dann muss­te man fer­tig sein.

Betriebs­wirt­schaft­lich wars also die s.g. “Chi­ne­si­sche Metho­de”. Viel für Wenig zu ver­kau­fen. Mathe­ma­tisch auf­ge­rech­net konn­te eine Nut­te in 10 Stun­den rund 60 Kun­den beglü­cken. Wir sind uns sicher — Gleit­cremes waren da nicht von Nöten:)

Das Bor­dell ist zwei­et­a­gig ange­legt. Unten sind die “Gewer­be­räu­me”, oben haben die Ange­stell­ten oder die Besit­zer wohl gewohnt. Das gesam­te Amü­se­ment ist mit Fres­ken bedeckt. Es gilt als unstrit­tig, dass der Gast beim betre­ten des Hau­ses erst die­se Fres­ken (so zu sagen — die Spei­se­kar­te) stu­dier­te um dar­aus eine Dienst­leis­tung aus­zu­wäh­len. Es wur­den etwa 120 Inschrif­ten im und am Gebäu­de gefun­den, was auf die hohe Besu­cher­fre­quenz des Eta­blis­se­ments hin­deu­tet. Die Graf­fi­ti sind dem Inhalt nach recht ein­deu­tig, so heißt es: hic eg(o) puellas mul­tas futui („hier habe ich vie­le Mäd­chen gefickt“) oder Mur­tis bene fel­las  („Myr­te, du bläst gut“). Es wur­den auch Inschrif­ten der Pro­sti­tu­ier­ten selbst gefun­den, als Bei­spiel: futu­ta sum hic („hier wur­de ich gefickt“).

Goe­the sag­te bei sei­nem Besuch hier „Es ist viel Unheil in der Welt gesche­hen, aber wenig, das der Nach­welt so viel Freu­de gemacht hät­te“ … und da Goe­the kein Kost­ver­äch­ter war, kön­nen wir uns vor­stel­len was er mit FREUDE gemeint hat.

Auf Bären-Jagd in den Karpaten

Ohhhhhh … Bären­jagd, wie unzi­vi­li­siert … bei­nah nean­der­thal. Alle wie­der brav hin­setz­ten — wir “jagen” aus­schliess­lich nach Fotos und das gemein­sam mit rumä­ni­schen Tier­schüt­zern.

Rund 6000 Braun­bä­ren leben in Rumä­ni­en. Die mit Abstand größ­te Popu­la­ti­on in Euro­pa. Ein­mal hier wol­len wir die Bären in ihrem natür­li­chen Lebens­raum erle­ben. Man fin­det eini­ges an Rekla­me für Bären­sa­fa­ris von regio­na­len Anbie­tern im Inter­net. Was man da zu sehen bekommt kön­nen wir nicht sagen — aller­dings fällt die Vor­stel­lung schwer, dass sich bei den 2–3h Tou­ren nicht nur um wenig nach­hal­ti­ge, schnel­le, Ange­bo­te han­delt. Wir möch­ten mög­lichst nah ran, ohne die scheu­en Wald­be­woh­ner zu stö­ren — klingt wider­sprüch­lich — rich­tig umge­setzt funk­tio­niert es aber.

Wir enga­gie­ren für unser Vor­ha­ben Katha­ri­na Kur­mes. Die Deut­sche (ehe­ma­li­ge Bio­lo­gie Leh­re­rin) lebt mit ihrem Mann Her­man seit über 20 Jah­ren im Gebirgs­dorf Magu­ra, im unte­ren Kar­pa­ten­bo­gen, etwa 30 Kilo­me­ter von Bra­sow (Kron­stadt). Bei­de betrei­ben eine wun­der­schö­ne Pen­si­on  und enga­gie­ren sich im Natur­schutz. Der Schutz von Wöl­fen, Bären und Luch­sen in den Kar­pa­ten liegt ihnen sehr am Her­zen. Sie­he z.B das Car­pa­thi­an Lar­ge Car­ni­vo­re Pro­ject. Tou­ris­mus, und zwar sanf­ter und natur­ver­träg­li­cher spielt dabei eine wich­ti­ge Rol­le. Unse­re Wahl erweist sich als gold­rich­tig. Die Erleb­nis­se wer­den wir bis an unser Lebens­en­de nicht ver­ges­sen.

Wir rei­sen recht­zei­tig in der Vil­la Her­ma­ni an. Eigent­lich soll­ten wir bei einer befreun­de­ten Fami­lie unter­kom­me, in der Pen­si­on gab es kein Zim­mer mehr — als wir uns nach einer Über­nach­tung erkun­digt haben — aber wir haben Glück.  Her­man begrüßt uns per­sön­lich, schaut in das Bele­gungs­buch und lächelt. Ein schö­nes Zim­mer ist, wie von Zau­ber­hand, frei­ge­wor­den — oder sehen wir so sym­pha­tisch aus? Jeden­falls ist noch Zeit für ein lecke­res Bier­chen auf der aus­la­den­den Ter­ras­se der Gast­stu­be — immer­hin haben wir etwa 27 Grad. Wir sind auf etwa 1100m —  das Pan­ora­ma auf das  Pia­tra Craiu­lui-Gebir­ge ist über­wäl­ti­gend. Zum sagen­um­wo­be­nen Dra­cu­la-Schloss Bran sind es Luft­li­nie grad mal sechs Kilo­me­ter — von da kom­men wir gera­de.

Auf die “Jagd” bege­ben wir uns zusam­men mit Jut­ta, Ani­ta, Rapha­el und Cori­na. Die Schwes­tern Jut­ta und Ani­ta sind wasch­ech­te Sie­ben­bür­ger Säch­sin­nen — sie leb­ten frü­her hier und sind gemein­sam mit Her­man in die glei­che Schu­le in Wol­ken­dorf gegan­gen und in die glei­che Kir­che, man ist befreun­det. Cori­na ist in Rumä­ni­en auf­ge­wach­sen, lebt und arbei­tet aber schon eini­ge Jah­re in Deutsch­land — Rapha­el ist ihr Freund.

Zusam­men fah­ren wir mit einem Klein­bus zuerst etwa eine Stun­de Rich­tung Sin­ca bis wir irgend­wann in die Natur abbie­gen. Die fol­gen­den rund 10 Kilo­me­ter hol­pern wir durch Wie­sen und auf  Wald­we­gen. Es dau­ert, Katha­ri­na fährt vor­sich­tig, der Bus ist nicht Off­road taug­lich. Eine Pipi­pau­se wird eben­falls fäl­lig (fünf Frau­en onboard :-). Die­se machen wir am Ran­ger­pos­ten. Der Chef-Wild­hü­ter beglei­tet uns ab da. Wir drin­gen immer tie­fer in den Wald vor. Ab einer bestimm­ten Stel­le kom­men die Fahr­zeu­ge nicht wei­ter und auch die Ruhe in den Wäl­dern soll gewahrt blei­ben. Es geht also zu Fuß wei­ter.

Immer wie­der sehen wir Mila­ne, Fal­ken und sogar einen Adler. Auch Füch­se und Rehe sind all­ge­gen­wär­tig. In die­ser Anzahl bekommt man in einem Deut­schen Wald die­se Tie­re schon lan­ge nicht mehr zu Gesicht. Das allein wäre ein hin­rei­chen­der Grund hier in die Wild­nis ein­zu­tau­chen und sie aus­gie­big und in Ruhe zu genie­ßen. Heu­te sind wir aber alle auf Braun­bä­ren geeicht — ob wir über­haupt wel­che sehen wer­den????

Katha­ri­na erzählt, dass Sie hier schon etli­che Male kei­nen Bären ange­trof­fen hat. Die Ran­ger füt­tern zwar regel­mä­ßig mit Lecke­rei­en an (Früch­te und Mais­kol­ben mit Honig bestri­chen in klei­nen Men­gen) — die Haupt­nah­rung müs­sen die pel­zi­gen Kraft­prot­ze selbst fin­den. Bären sind übri­gens Alles­fres­ser, ernäh­ren sich aber haupt­säch­lich von Früch­ten, Grä­sern,  Pil­zen, Nüs­sen, Fischen und Ähn­li­chem. Sie kön­nen aber auch grö­ße­re Tie­re oder Vieh rei­ßen. Etwa 2–3 x im Monat führt Katha­ri­na inter­es­sier­te Tier­be­ob­ach­ter tief in die Wäl­der, in den nord-west­li­chen Aus­läu­fern des Faga­ras Gebir­ges (oben im Kar­pa­ten­bo­gen).

Die Kur­mes neh­men nur eige­ne Gäs­te mit auf so eine Tour … nicht alle sind geeig­net. Aus­dau­er wird ver­langt. Man sitzt stun­den­lang auf einem Rang­erhoch­stand — es wird abso­lu­te Stil­le ver­langt — kei­ne Gesprä­che, kein Nie­sen oder Hus­ten, kein Pipi in die­ser Zeit (Eul­chens größ­te Befürch­tung 🙂 Kein Blitz, und selbst Appa­ra­te die mit Geräusch aus­lö­sen sind ver­bo­ten. Die Tie­re sind sehr scheu — wird uns erklärt. Zumin­dest wenn sie sich der Lich­tung annä­hern. Gesät­tigt sind sie weni­ger vor­sich­tig — wie sich spä­ter zeigt.

Nach einem Fuß­marsch errei­chen wir einen geschütz­ten Hoch­stand. Um eini­ges grö­ßer als wir sie aus unse­ren Wäl­dern ken­nen. Frü­her dien­te er den Rumä­ni­schen Bon­zen zur Bären­jagd. Heu­te, von drei Sei­ten mit Bret­tern und vorn mit einer Plexi­schei­be ver­schlos­sen, dient er zur Bären­be­ob­ach­tung. Wir setz­ten uns lei­se und begin­nen die Gegend zu beob­ach­ten. Die Frau­en durch ein Fern­glas, der Rabe durch das Tele­ob­jek­tiv unse­rer Kame­ra. Es herrscht rela­ti­ve Stil­le. Nur der Ran­ger erklärt uns flüs­ternd eini­ges über die hier leben­den Bären. Katha­ri­na bzw. Cori­na über­setz­ten es uns. Bis auf uns bei­de und Rapha­el ver­ste­hen ja alle Rumä­nisch.

Es leben meh­re­re Männ­chen hier, einer davon, der ältes­te und größ­te ist aber der Platz­hirsch. Die ande­ren sind noch jung. Zwi­schen 3 und 6 Jah­ren. Jun­ge Bären leben oft bis zu zwei Jah­ren bei ihrer Mut­ter. Weib­chen soll es hier vie­le geben — ins­ge­samt wis­sen die Ran­ger von etwa 30 Bären die die­se Gegend bewoh­nen. Zur Zeit führt kein Weib­chen ein klei­nes Jun­ges bei sich. In die­ser Zeit grei­fen die Mamas alles an — auch Bären­männ­chen, egal wie mäch­tig, und Men­schen. Bären sind Ein­zel­gän­ger. Nur sel­ten bekommt man aus die­sem Grund meh­re­re Bären gleich­zei­tig zu sehen. Zwei Männ­chen unweit von­ein­an­der zu beob­ach­ten ist fast unmög­lich. Wir Glücks­kin­der sol­len aber Zeu­gen eines ganz beson­de­ren Schau­spiels wer­den.

Es ist etwa halb acht abends -wir suchen kaum län­ger als eine hal­be Stun­de den Wald­rand mit unse­rer Optik ab — da flüs­tert der Ran­ger, dass sich ein Weib­chen unse­rer Posi­ti­on nähert. Er sitzt drau­ßen bei der Lei­ter und sieht die Bärin von hin­ten kom­men. Irgend­ein Geräusch ver­schreckt das Tier aller­dings und sie läuft, erstaun­lich behän­de, davon. Bären kön­nen durch­aus bis zu 50 Km/h schnell wer­den — ein mensch­li­cher Top­ath­let max. 35 Km/h. Nun so schnell ent­fernt sie sich nicht — aber wir sind erst­mal wie­der allein.

Weni­ge Minu­ten spä­ter nähert sich aus gegen­über­lie­gen­der Rich­tung ein jun­ges Männ­chen, etwa 5 Jah­re alt meint der Ran­ger. Die­ser kann uns defi­ni­tiv nicht wit­tern und dies­mal herrscht wirk­lich eine abso­lu­te Ruhe. Das Tier kommt immer näher und sucht offen­sicht­lich nach Obst. Die Tier­schüt­zer ver­ste­cken es immer wie­der an ande­ren Stel­len. Wir kön­nen eine kom­plet­te Lich­tung ein­se­hen und gut zwei­hun­dert Meter Wald­rand dazu. Der Bär ist kei­ne 60 Meter vor uns. Durch das Tele kann der Rabe fast sein Fell anfas­sen. Plötz­lich kom­men nach­ein­an­der zwei Weib­chen aus dem Wald. Sie stö­ren sich nicht an dem bereits anwe­sen­den “Teen­ager”. Eins der Weib­chen soll wohl sogar sei­ne Mut­ter sein.

Auch die Damen begin­nen mit der Suche. Wei­te­re Weib­chen und ein etwas rei­fe­rer Jung­bär tre­ten aus dem Wald. Der ers­te Tee­nie begibt sich auf gebüh­ren­den Abstand zum Kon­kur­ren­ten. Ers­te Weib­chen ver­las­sen den Platz. Die nächs­ten zwei Stun­den zäh­len wir gut 12 Bären die kom­men und gehen. Kei­ne Inter­ak­ti­on unter unter­ein­an­der — sie wer­den ihrem Ein­zel­gän­ger-Image voll gerecht.

Als der Platz­hirsch irgend­wann sou­ve­rän aus dem Wald tritt und völ­lig sicher und ziel­ge­rich­tet auf die Lich­tung läuft (die meis­ten ande­ren Bären näher­ten sich wesent­lich vor­sich­ti­ger) — kommt etwas Bewe­gung unter den gra­de Anwe­sen­den auf. Die jün­ge­ren Männ­chen machen offen­sicht­lich Platz, bewe­gen sich an den Rand. Die Weib­chen blei­ben eher unbe­ein­druckt, sind aber etwas auf­merk­sa­mer — schau­en oft zum Alpha­tier hin­über.

Es ist span­nend, auf­re­gend, fes­selnd und über­wäl­ti­gend zugleich. Wir bekom­men teil­wei­se 6 Tie­re gleich­zei­tig vor die Lin­se, auch meh­re­re Männ­chen. Der Rabe schießt in der gan­zen Zeit gut 300 Fotos. Zwei der Bären trau­en sich bis auf 20 Meter an den Hoch­stand. Sie MÜSSEN uns gewit­tert haben. Wir bekom­men Gän­se­haut. Die Tie­re sind wun­der­schön — wohl genährt, gesund, man könn­te fast sagen — gepflegt. Ledig­lich ein Jung­männ­chen trägt Nar­ben eines Kamp­fes im Gesicht und sieht auch etwas aus­ge­zehrt aus.

Nach eini­gen Stun­den auf dem Hoch­stand nähert sich lang­sam auch die Nacht. Immer­hin müs­sen wir noch per Fuß­marsch durch den Wald zu unse­rem Fahr­zeug. Unter­wegs auf einen Bär zu tref­fen wäre in der Dun­kel­heit viel­leicht kein Spaß mehr.  Also run­ter vom Hoch­stand — aber das wird zum Pro­blem. Einer der Jung­bä­ren hat es sich kei­ne 5m hin­ter dem Hoch­stand, in einem Bach, ähn­lich wie in einem Jacuz­zi, bequem gemacht. Was nun? Unser Ran­ger ver­sucht es mit Wor­ten, mit Klat­schen, mit Brül­len — der Jung­zot­tel ist völ­lig unbe­ein­druckt. Erst nach eini­gen Minu­ten genüss­li­chen Plant­schens bewegt er sei­nen Popo aus dem Bach und macht sich betont lang­sam von dan­nen. Soviel zu scheu­en Bären 🙂 Wir tra­ben nun zum Wagen. Das klappt rei­bungs­los.

Das heu­ti­ge Erleb­nis wer­den wir wohl nie ver­ges­sen — ähn­lich wie sei­ner­zeit als wir der Eiab­la­ge von Mee­res­schild­krö­ten in Nord­zy­pern eine gan­ze Nacht lang bei­woh­nen durf­ten. Es ist ein­fach ein­ma­lig und, wie zeig­te es ein Wer­be­spot einst “Mit VISA nicht zu bezah­len” — ein Rie­sen­dank noch­mal an Katha­ri­na.

Die ein­ma­li­ge Bären-Foto-Safa­ri soll jedoch nicht das ein­zi­ge Wild­life-Erleb­nis an die­sem Tag blei­ben — aber dazu mehr im Fol­ge­bei­trag. Soviel sei vor­weg genom­men — die Rück­fahrt wird spek­ta­ku­lär!

Bärenreservat Zărnești — Liberty Bear Sanctuary

Einen Tag nach unse­rer Bären-Safa­ri in den Wäl­dern der Kar­pa­ten besu­chen wir noch das Bären­re­ser­vat in Zar­nes­ti. Es ist mit Abstand die größ­te Bären­schutz­ein­rich­tung in Euro­pa. Schon die Anfahrt über Zar­me­s­ti weckt im Raben­prin­zen etwas vom nie aus­ge­leb­ten Paris-Dakar Fee­ling. Die letz­ten fünf Kilo­me­ter geht es über buck­li­ge, stau­bi­ge Feld­we­ge auf denen sich ande­re Tou­ris mit ihren Kleinst­miet­wa­gen vor­sich­tig. mit 5 Km/h vor­wärts bewe­gen. Zum wie­der­hol­ten Mal fei­ern wir unse­re Ent­schei­dung, einen höher gele­ge­nen All­rad gemie­tet zu haben. Der Rabe fliegt mit 50–60 Klam­mot­ten förm­lich an den schlei­chen­den Wege­la­ge­rern vor­bei und läßt sie in einer rie­si­gen Staub­wol­ke hin­ter uns ver­schwin­den. Das macht Spaß — und bis sie oben ankom­men, haben wir uns längst irgend­wo ein­ge­parkt und nie­mand wird erfah­ren wer die Rou­dys in dem Jeep waren. Bei der Abfahrt gön­nen wir uns den Spaß erneut — eini­ge böse Bli­cke, als wir wie­der ins Auto stei­gen, töten uns erwar­tungs­ge­mäß nicht.

Übri­gens — die bewe­gen­de Geschich­te der Ent­ste­hung des Reser­va­tes (im Wiki­pe­dia nach­zu­le­sen)- erklärt auch die Wort­wahl bei der Namens­ge­bung. Sank­tua­ry bedeu­tet genau­so Schutz­ge­biet, Zufluchts­ort als auch Hei­lig­tum. Und das ist es auch. Vie­le geschun­de­ne, mal­trä­tier­te, unter erbärm­lichs­ten Bedin­gun­gen, in ver­dreck­ten, engen Käfi­gen gehal­te­ne Bären — hat die Grün­de­rin Cris­ti­na Lapi auf­ge­spürt, teils über Jah­re auf­ge­pep­pelt und schließ­lich befreit und in “ihrem” Reser­vat unter­ge­bracht. Etwa 90 Bären leben hier — kaum einer davon hat eine Chan­ce irgend­wann wie­der aus­ge­wil­dert zu wer­den. Ihre Art­ge­nos­sen in der Natur wür­den sie ver­trei­ben oder gar töten. An Men­schen gewöhnt, wür­den sie in der Frei­heit nicht über­le­ben kön­nen. 

Sie kön­nen aber, hier im Reser­vat, auf groß­zü­gig vor­han­de­nen Raum, unter mög­lichst natur­ge­treu­en Bedin­gun­gen gene­sen und leben. Wohl­ge­merkt — es ist kein ZOO. Um sich zu finan­zie­ren wer­den in der Woche, in den Mor­gen­stun­den zwei Füh­run­gen mit einer klei­nen, begrenz­ten Per­so­nen­zahl in eng­lisch ange­bo­ten. Ansons­ten haben die Tie­re ihre Ruhe. In uns pul­siert noch das Blut 3x so schnell wie nor­mal ob der Erleb­nis­se vom Vor­tag — viel­leicht des­we­gen wir­ken die Bären hin­ter Git­tern und Elek­tro­zaun auf uns befremd­lich … fast scho­ckie­rend. Wenn man aber die grau­sa­men Fotos der Bären sieht — als man sie vor­ge­fun­den hat — rela­ti­viert sich das Gan­ze. Sie haben hier einen Ort zum Leben von dem sie  nie zu träu­men gewagt hät­ten. Sie sehen gepflegt und gesund aus, sind wie­der leb­haft (die meis­ten waren bei der Befrei­ung nur noch apa­thisch) — spie­len, fres­sen, bewe­gen sich … und erin­nern sich wahr­schein­lich kaum mehr an sowas wie Frei­heit, Natur, Wäl­der und Wild­nis.

Übri­gens, in ganz Euro­pa leben ver­streut und gene­tisch von­ein­an­der getrennt nur noch weni­ge Braun­bä­ren. Mal von Russ­land abge­se­hen — gibt es in Euro­pa nur noch rund 8000 Tie­re. Davon gut 6000 in Rumä­ni­en.

      • Kantabri­sches Gebir­ge, Nord­spa­ni­en: bis zu 140
      • Pyre­nä­en: ca. 10
      • Süd­skan­di­na­vi­en: ca. 150 bis 200
      • Abruz­zen, Mit­tel­ita­li­en: etwa 70 bis 100
      • Norditalien/Österreich (Alpen): etwa 15 bis 30
      • West­bal­kan: etwa 550 bis 800
      • Kar­pa­ten: etwa 6600 in Rumä­ni­en
      • Polen: ca. 70
      • Gebir­ge Bul­ga­ri­ens: ca. 500
      •  Nord­grie­chen­lands: gut 100
      • Skan­di­na­vi­en Finn­land ca. 430 bis 600
      • euro­päi­sches Russ­land west­lich des Ural: etwa 26.000 bis 27.000

Foto­quel­le: Wiki­pe­dia
abge­lei­tet von https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Europa_blanco_subdivisiones.PNG -

(K)EIN bisschen schlauer … unser Jahr 2018

Die Zeit rennt so schnell. Wenn frü­her älte­re Men­schen sag­ten, dass die Tage im Alter schnel­ler ver­ge­hen, da wur­den sie belä­chelt. Heu­te wis­sen wir es bes­ser. Schon wie­der ist ein Jahr vor­bei. Es gab eini­ges zu Nör­geln und zu Meckern, und nicht immer war Ver­nunft im Spiel. Es wur­de gestrit­ten und gebrüllt und sich wie­der ver­söhnt. Im Nach­hin­ein rela­ti­viert sich die Sach­la­ge und uns wird klar : auch das Jahr 2018 ist im Gro­ßen und Gan­zen super gelau­fen. Aber der Rei­he nach.

Gleich im Janu­ar wur­de die Eulen­kö­ni­gin Opfer fie­ser Schmer­zen. Die unter­schätz­te, lin­ke Pohälf­te tat uner­träg­lich weh. Der Schmerz zog sich teil­wei­se bis in die Ober­schen­kel. Die Ärz­te dia­gnos­ti­zier­ten im Ver­lauf der ers­ten drei Wochen erst Ischi­as, dann ISG-Blo­cka­de, LWS-Blo­cka­de, Mus­kel­zer­rung und ande­re schlim­me Krank­hei­ten. Erst Eigen­re­cher­che in Zusam­men­ar­beit mit der Phy­sio­the­ra­peu­tin führt zur rich­ti­gen Erken­nung des Pro­blems und damit ver­bun­den, zur rich­ti­gen Behand­lung. Piri­for­mis-Syn­drom ist der Fach­be­griff für den bösen Schmerz. Piri, wie wir ihn lie­be­voll genannt haben, ist die Fol­ge eines Trau­mas … aber wel­ches? Egal.

Pro­fes­sor, Dok­tor Med. Goog­le sag­te — man kriegt es nie mehr los. Das woll­te die Eule so nicht hin­neh­men. Nach einer Pha­se des Selbst­mit­leids ging sie in die Offen­si­ve. Spe­zi­el­le Übun­gen schmück­ten täg­lich das tris­te Dasein des kran­ken Nacht­vo­gels. Anfangs noch unter der Ein­nah­me von star­ken Schmerz­mit­teln spä­ter dro­gen­frei. Ein gutes Vier­tel Jahr spä­ter — ein medi­zi­ni­sches Wun­der — Piri ist besiegt, Prof. Dr. Goog­le wird der Prof. aberkannt😊 Wen der Rücken, der Po oder die Schul­tern pla­gen kann die Übun­gen hier im Blog nach­le­sen und lus­ti­ge Bil­der schau­en -:)))

Das ers­te High­light des Jah­res ist Ollis Mot­to-Par­ty zu sei­nem 40. Wie­gen­fest. Alle, wirk­lich alle Gäs­te kamen im 70er-Jah­re Out­fit und es wur­de getanzt, getanzt, getanzt. Selbst der DJ hat­te noch nie eine Par­ty erlebt wo schon VOR dem Abend­essen getanzt wur­de und dann bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den … Dan­ke für die­ses tol­le Event!

Im März fängt der Rabe, beim Hoch­see­an­geln, “einen dicken Fisch” in der pol­ni­schen Ost­see. Wir mach­ten mit unse­ren Ber­li­ner Freun­den Geco und Wölf­chen Urlaub in Ust­ka. Das war ein Spaß und der Rabe stolz wie Bol­le, wie unse­re Ber­li­ner sagen wür­den.

Dann sind da noch unse­re Urlau­be. Wie Ihr wisst rei­sen wir gern indi­vi­du­ell, und mitt­ler­wei­le sind wir hung­rig auf die­ses Lebens­ge­fühl! Wir rei­sen nicht ein­fach nur, son­dern tau­chen mit allen Sin­nen in das frem­de Land ein. Wir las­sen unser Geld nicht bei gro­ßen Rei­se­an­bie­tern son­dern bei den “klei­nen Leu­ten”. Wir essen regio­nal und tra­di­tio­nell und über­nach­ten in lan­des­ty­pi­scher Guest­hou­e­ses oder direkt bei Ein­hei­mi­schen. Beim Erkun­den eines frem­den Lan­des durch­strömt uns die­ses unglaub­li­che Gefühl der Frei­heit. Wir ver­spü­ren ein ganz beson­de­res Pri­ckeln. Die­ses Gefühl, an einem frem­den Ort zu sein und alles in sich auf­zu­neh­men, ist ein­fach Gold wert. Neue Gerü­che, Ein­drü­cke und Bil­der durch­strö­men uns und wir kön­nen davon nicht genug bekom­men.

Der ers­te län­ge­re Urlaub des Jah­res führt uns nach Rumä­ni­en. Bes­ser nach Trans­syl­va­ni­en also Sie­ben­bür­gen. Auch die Wala­chei haben wir gestreift, das Mot­zen- und Sze­kler­land besucht. Wir lern­ten Rumä­nen, Sie­ben­bür­ger-Sach­sen, Mot­zen und Sze­kler-Ungarn ken­nen. Alles mehr als lie­bens­wer­te Völ­ker — offen, gast­freund­lich, sehr natur­ver­bun­den, tra­di­ti­ons­be­wusst und stolz. Wir haben viel Zeit in der Natur und auf dem Land ver­bracht. Sind über Hoch­ge­birgs­päs­se gefah­ren, haben Bären in frei­er Natur beob­ach­ten dür­fen, einen Rei­her das Leben geret­tet, Wild­pfer­de getrof­fen, einen Bern­har­di­ner als Freund gewon­nen uvm. Ein­zig das Essen in Rumä­ni­en hat uns (noch) nicht über­zeugt 😊.

Wie es sich für erfah­re­ne Glücks­kin­der gehört haben wir (schon 2017) Tickets für “Queen” ergat­tert. Unser “Stamm­lo­kal”, die Ber­li­ner Mer­ce­des Benz Are­na (wir lie­ben sie), prä­sen­tier­te die Hel­den unse­rer Jugend. Es war ein unver­gess­li­cher Abend … auch ohne Fred­die. Alte Män­ner vol­ler Ener­gie … das gibt uns Auf­trieb und Hoff­nung,. auch bis ins hohe Alter jung zu blei­ben, sowohl kör­per­lich als auch im Her­zen.

Tra­di­tio­nell schon, besuch­ten wir das Har­ley David­son Tref­fen in Kar­pacz. Immer wie­der ein High­light. Super Stim­mung, meh­re­re Bands, duf­te Typen aus ganz Euro­pa, spit­zen Orga­ni­sa­ti­on, lecker Essen und drei Tage Spaß. Etwa 10 000 Biker, Fans und Tou­ris­ten bevöl­kern an die­sem Wochen­en­de all­jähr­lich das Tref­fen. Die Har­ley-Para­de mit eini­gen Tau­send Motor­rä­dern war wie­der gigan­tisch.

Unser zwei­ter Besuch in Alba­ni­en, im Sep­tem­ber, eben­falls — unver­ges­sen. Dies­mal kam­men wir über Maze­do­ni­en und erkun­den­ten auch die­ses schö­ne Land. Wir besuch­ten alte Freun­de und ler­nen neue ken­nen. Es gab magi­sche Momen­te und neue Erfah­run­gen … mit­te­wei­le sind wir süch­tig danach. In die­ses Land wer­den wir noch öfter rei­sen — das steht fest!

Ein weni­ger schö­nes Ereig­nis stellt uns vor unge­wohn­te Her­aus­for­de­run­gen. Grün­mom wird von einem Auto ange­fah­ren und kann nicht lau­fen. Nun müs­sen wir regel­mä­ßig mit Put­zi (ihrem klei­nen Bie­wer York­shire Wuf­fi) Gas­si­ge­hen. Ja, auch wenn wir kei­ne Lust haben oder schlech­tes Wet­ter ist. Put­zi ist anfangs nicht beson­ders erbaut über die Ver­än­de­rung. Unse­re Gas­sirun­den sind viel län­ger und das Tem­po macht ihm zu schaf­fen. Aber wir blei­ben am Ball. Kur­ze Zeit spä­ter genießt er die Zeit mit uns genau­so wie die aus­gie­bi­gen Lauf­ein­hei­ten (teils im Wald auf noch unent­deck­ten Ter­ri­to­ri­um), die beson­de­ren Lecker­lis oder wenn der Rabe lie­be­voll sein Fell bürs­tet. Grün­mom geht es inzwi­schen, ein vier­tel Jahr spä­ter, dank Phy­sio­the­ra­pie und viel Selbst­dis­zi­plin wie­der bes­ser. Gott­sei­dank.

2018 hat uns noch tie­fer uns unse­rer Über­zeu­gung bestärkt, dass jeder höchst­per­sön­lich für sei­ne Gesund­heit ver­ant­wort­lich ist. Gesun­de und bewuss­te Ernäh­rung die schon beim Ein­kauf beginnt und sich beim Zube­rei­ten der Spei­sen fort­setzt. Indus­tri­ell her­ge­stell­te Lebens­mit­tel mei­den genau so wie Säf­te und zucker­hal­ti­ge Geträn­ke. Viel Bewe­gung, etwas Sport — eben aktiv sein. Und defi­ni­tiv nicht in die Fän­ge der Schul­me­di­zin gera­ten. Für vie­le Weh­weh­chen und Krank­hei­ten gibt es alter­na­ti­ve Hei­lungs­an­sät­ze. Der Rabe hat sei­nen Blut­hoch­druck so in den Griff bekom­men und ist auf dem bes­ten Wege sei­ne Zucker­wer­te wie­der in nor­ma­le Regio­nen zu krie­gen.

Natür­lich gab es noch vie­le klei­ne­re Erleb­nis­se, die unser Leben schön mach­ten. Und so gäbe es noch unend­lich viel auf­zu­zäh­len, aber alles könnt ihr bei uns im Blog nach­le­sen. Nur noch ein paar abschlie­ßen­de Wor­te. Das Leben möch­te täg­lich gelebt wer­den, mit posi­ti­ver Ener­gie und Acht­sam­keit. Bewahrt Euch den Blick auf
die klei­ne­ren Din­ge. Nutzt das neue Jahr für neue Chan­cen und Mög­lich­kei­ten. Seid glück­lich und lasst ab und zu Ande­re dar­an teil­ha­ben.

Metropole mit Charme und Stil — BRESLAU … etwas anders

Seit Jah­ren zu Indi­vi­dua­lis­ten mutiert unter­neh­men wir nur höchst­sel­ten eine Städ­te­rei­se. Men­schen­an­samm­lun­gen sind uns ein­fach suspekt. Ab und an gön­nen wir uns eine Aus­nah­me – meist zu Weih­nachts­zeit. So fiel dies­mal die Wahl auf Bres­lau. Der „Jar­mark bozo­na­r­od­ze­nio­wy“ (Weih­nachts­jar­markt) soll der schöns­te in Polen sein. Unse­re schle­si­schen Urwur­zeln befeu­er­ten die Idee und Eul­chens Shop­ping-Lust besie­gel­te die Ent­schei­dung. Wie nicht anders zu erwar­ten gehen wir den Trip etwas anders an als es die übli­chen Blog­wri­ter tun.

Bres­lau liegt an der Oder und zwi­schen vier wei­te­ren ihrer Zuflüs­se auf ins­ge­samt 12 Inseln die mit dem Fest­land über 100–300 Brü­cken ver­bun­den sind (Je nach der Zähl­wei­se zugrun­de geleg­ten Kri­te­ri­en. Wir ordern ein Zim­mer im Old Town Appar­te­ment. Ein luxu­riö­ser, moder­ner Kom­plex mit­ten im Her­zen der Alt­stadt – für ver­gleichs­wei­se erschwing­li­chen Taler. Bereits hier wer­den wir zum ers­ten mal über­rascht. Hoch­wer­ti­ge Mate­ria­li­en bis ins kleins­te Detail, mehr als voll­stän­di­ge Aus­stat­tung, groß­zü­gi­ge Räu­me (selbst das Bad), Pan­ora­ma­blick auf die impo­san­te, 1112 ein­ge­weih­te, goti­sche Adal­bert­kir­che und die fest­lich beleuch­te­te, gewal­ti­ge Gale­ria Domi­ni­kans­ka (Shop­ping Mall) und den Domi­ni­ka­ner Platz – wo selbst zu spä­ter Stun­de immer Betrieb ist.  Und den­noch schla­fen wir jede Nacht wie auf einer ein­sa­men Insel.  Ähn­li­che Appar­te­ment-Über­nach­tun­gen in Mün­chen und Ber­lin bescher­ten uns ziem­lich bil­li­ges Ambi­en­te weit ab des Zen­trums. Von den Kos­ten ganz zu schwei­gen. Ers­ter Plus­punkt für die Oder-Metro­po­le.

Gleich am Sams­tag star­ten wir zum Besuch des Weih­nachts­markts. Auch wenn es nur 500m dahin sind wird es ein sehr klei­ner Besuch ledig­lich eines der „Sei­ten­ar­me“  des Mark­tes. Unwäg­bar­kei­ten wie Buti­ken, Geschäf­te eine wei­te­re Shop­ping-Mall (davon gibt es in Bres­lau etli­che) und schließ­lich der klei­ne Hun­ger sor­gen für eine Plan­än­de­rung.

Shop­pen kann man in Polen präch­tig. Hun­der­te klei­ne und gro­ße Läden auf Schritt und Tritt – dazu für unser­eins immer noch attrak­ti­ve Prei­se, von den Schnäpp­chen ganz zu schwei­gen. Auch Essen ist in Polen ein Fest … mit einer Aus­nah­me. Der Sams­tag­nach­mit­tag bis frü­her Abend. Dazu muss man wis­sen, dass die Polen im Unter­schied zu den Deut­schen mehr­heit­lich zwi­schen 15–17 Uhr ihr Mit­tag zu sich neh­men und …. Wer was auf sich hält und es sich leis­ten kann (das kön­nen immer mehr) – führt sein Fami­lie am Sams­tag in die Gast­stät­te aus. So eine Art Sta­tus zei­gen.

Schaut der ger­ma­ni­sche Gas­tro­nom sei­ne Gäs­te zwi­schen 15–17 Uhr nicht mal mit dem A. an – kol­la­biert die gas­tro­no­mi­sche Infra­struk­tur in Polen (trotz drei bis fünf­fa­cher Anzahl der Loka­li­tä­ten) am Sams­tag fast regel­mä­ßig. In den ange­sag­tes­ten Eta­blis­se­ments geht ohne Reser­vie­rung Gar­nichts. Wenn zwei Engel auf Rei­sen sind gesche­hen aber manch­mal Wun­der. Hilf­reich ist auch unse­re gerin­ge Mann­schafts­stär­ke.  Wir ergat­tern einen Zwei­er­tisch im Masa­la – einem Indi­schen In-Lokal.

(Aus­nahms­wei­se nix von uns — son­dern ein Mar­ke­ting­vi­deo)

Hype, far­bi­ge Beleuch­tung, moder­ne Ein­rich­tung, bun­te Spei­se­kar­te und live coo­king mit drei ori­gi­nal indi­schen Köchen. Ein klei­nes Minus – die Kar­te gibt’s nur in pol­ni­scher Spra­che. Für uns kein Pro­blem😊 Nach dem raben­schen Über­set­zungs-Mara­thon tropft uns der Zahn nach 1000 ver­schie­de­nen Sachen. Geht wohl den meis­ten so – auf der Kar­te fin­den sich des­halb unter­schied­li­che Mix-Tel­ler – der umfangreis­te ist als­bald unser. Es wird eine Gau­men-Orgas­mus-Orgie. Vor­spei­sen, Cur­rys, Chi­cken, Sala­te, Soßen und natür­lich Reis – in einer Men­ge die wir trotz auf­op­fe­rungs­vol­len Ein­sat­zes nicht schaf­fen … und das will beim Raben was hei­ßen😊 Wir schaf­fen es gera­de so zurück in unser schi­ckes Appar­te­ment. Tag eins ist vor­bei – noch waren wir nicht auf dem berüch­tig­ten Weih­nachts­markt.

Der Sonntag 

begrüßt uns mit grau­em Him­mel. Hof­fent­lich bleibt es wenigs­tens regen­frei. Nach weni­gen Minu­ten Fuß­marsch errei­chen wir ein etwas indus­tri­ell anmu­ten­des, run­des Gebäu­de.

Dar­in ein­zig­ar­tig insze­niert ein monu­men­ta­les Rund­ge­mäl­de. 120 Meter breit, 15 Meter hoch, 1710 m² Flä­che. Pan­ora­ma Racla­wi­cka – Pan­ora­ma von Racla­wice heißt es und ist das ein­zi­ge sei­ner Art in Polen. Aber weder sei­ne Schön­heit noch die gigan­ti­schen Aus­ma­ße las­sen den Betrach­ter baff wer­den son­dern die Art der Prä­sen­ta­ti­on. Der Raum zwi­schen dem Zuschau­er und dem Bild wur­de kunst­voll und prä­zi­se genau mit Details aus dem Bild gestal­tet. An kei­ner ein­zi­gen Stel­le ist man sich auch nur annäh­rend sicher ob das gera­de Betrach­te­te – Deko oder Bild ist … und wir haben uns echt ange­strengt. Dage­gen ver­blasst die Dar­stel­lung des Bau­ern­kriegs­pan­ora­ma in Bad Fran­ken­hau­sen gewal­tig. Wenn die Polen schon was aus­stel­len oder zur Besich­ti­gung frei­ge­ben – dann hat das Pep, das muss man denen las­sen. (davon kön­nen wir Lie­der sin­gen und in den nächs­ten Tagen kom­men wei­te­re neue dazu).

Das Wet­ter will nicht bes­ser wer­den. Wir schlen­dern ent­lang der Oder in Rich­tung der Schlös­ser­brü­cke und kom­men an zwei Boots­an­le­gern vor­bei.

Ein Schaufelrad-Dampfer für 100 Zloty

Das größ­te Bin­nen­pas­sa­gier­schiff Polens – die Wra­tis­la­via fährt heut nicht obwohl Sonn­tag ist – shit Wet­ter eben. Am alten Hin­ter­schau­fel-Pas­sa­gier­damp­fer Wik­to­ria, weni­ge Meter wei­ter auf der Insel Pia­sek, steht ein Mann. Wir kom­men ins Gespräch. Noch ist der Kahn leer aber wenn wir fünf Kar­ten kau­fen gehört der Pott uns

… für etwa eine Stun­de. Der Deal steht – für umge­rech­net 25 Euro­nen mie­ten wir einen Rad­damp­fer samt Besat­zung. Abfahrt in 15 Minu­ten. Klei­ner Wer­muts­trop­fen – an Board gibt es kei­ne war­men Geträn­ke. Etwas aus­ge­kühlt holen wir uns, im nah gele­ge­nen Cafe, köst­lich hei­ßen Espres­so. Als wir wie­der­kom­men haben doch noch zwei Öster­rei­cher und drei Eng­län­der ein­ge­schifft. Der Deal ist hin­fäl­lig — Für nor­ma­les Ticket schip­pern wir also die Oder ent­lang nach Osten, Rich­tung ZOO. Vom Schiff aus bekommt am bes­ten mit wie groß, weit­läu­fig, grün und beson­ders Bres­lau ist. In die­ser, auf plat­tem Land gele­ge­nen Stadt gibt’s sogar eine rich­ti­ge Gon­del­bahn. Polin­ka, so heißt sie, hat eine Län­ge von 380 Metern und ver­bin­det zwei Stand­or­te der Uni­ver­si­tät mit­ein­an­der. Sie lie­gen an unter­schied­li­chen Ufern der Oder. Ver­rückt die Bres­lau­er.

Das Wet­ter wird immer besch…eidener. Nach der Damp­fer­tour geht’s auf die s.g. Gro­ße Insel. Paläs­te, Kir­chen und Kathe­dra­len las­sen wir links lie­gen. Der klei­ne Hun­ger klopft an. In freu­di­ger Erwar­tung …. unse­res nächst­jäh­ri­gen Urlaubs, heu­ern wir im U Gru­zi­na“ an – einem geor­gi­schen Imbiss. Wir ordern ein Chat­cha­pu­ri mit Fleisch­fül­lung. Ein Blick auf die Nach­bar­ti­sche sagt uns – eine Por­ti­on reicht locker für uns bei­de. Dazu rus­si­schen Chai und der klei­ne Hun­ger hat sich in Luft auf­ge­löst. Schon läs­tig wenn einem der Magen knurrt. Außer­dem, wenn der Zucker­spie­gel der Eulen­kö­ni­gin abfällt wird es für Per­so­nen in ihrer Umge­bung gefähr­lich.

Näs­se und Käl­te trei­ben uns auf dem Rück­weg in das Natio­nal­mu­se­um – oder ist es die Suche nach einer Toi­let­te? Mit den Ein­tritts­kar­ten des Pan­ora­ma-Gemäl­des kann man drei wei­te­re Objek­te Besu­chen. Was solls, zum auf­wär­men tau­chen wir ins Natio­nal­mu­se­um ein. Gleich im Unter­ge­schoss dür­fen wir den größ­ten Stolz des Hau­ses bestau­nen. Der Gold­schatz von Neu­markt – Skarb średzki – stammt aus dem 14. Jahr­hun­dert und besteht aus fast 8000 Sil­ber­mün­zen, einer Gold­kro­ne für eine Frau und wei­te­rem Goldschmuck.Er wur­de 1985 und 1988 beim Abriss alter Häu­ser in der klei­nen schle­si­schen Ort­schaft Srod­za (Neu­markt) lus­ti­ger­wei­se vom glei­chen Bag­ger­fah­rer, qua­si aus­ge­bud­delt. Der Schatz gehör­te wahr­schein­lich dem Kai­ser Karl IV der sie an einen jüdi­schen Kauf­mann ver­pfän­de­te um sei­ne Krö­nungs­fei­er zu finan­zie­ren. Wegen der Pest flo­hen aber alle aus dem Ort, der Kauf­mann ver­bud­del­te den Schatz unter sei­nem Haus.  Etwa 630 Jah­re spä­ter sitzt Rys­zard Widur­ski in sei­nem Bag­ger und trifft mit sei­ner Schau­fel, im Abstand von 3 Jah­ren, zwei­mal vor­treff­lich genau dahin wo der Jude einst die nach heu­ti­ger Schät­zung, über 60 Mil­lio­nen Euro ver­gra­ben hat. Ham­mer … äh … bes­ser Schau­fel­hart. Und wie­der prä­sen­tie­ren die Polen den Schatz per­fekt. Er ist zum Grei­fen nah – man steht kei­ne 20 cm vor ihm. Treff­lich aus­ge­leuch­tet, von allen Sei­ten bes­tens sicht­bar, kei­ne Auf­sicht die einen arg­wöh­nisch beob­ach­tet … man ist allein mit dem Schatz (ok hin­ter Glas) und kann sich alle Zeit der Welt fürs Betrach­ten las­sen.

Auch die ande­ren Aus­stel­lun­gen fas­zi­nie­ren uns. Vom Mit­tel­al­ter bis in die heu­ti­ge Zeit betrach­ten wir Gemäl­de, Skulp­tu­ren und Arte­fak­te als wür­den wir durch das Haus eines Freun­des gehen. Gemäl­de von Jan Mate­j­ko (der berühm­tes­te pol­ni­sche Maler) hän­gen hier genau­so wie Arbei­ten von Aschen­bach, Feu­er­bach und Kan­din­sky. An jedes Gemäl­de kann man bis auf einen Zen­ti­me­ter her­an, es von allen Sei­ten bestau­nen, es genie­ßen – kei­ne Kor­deln zum wah­ren des Abstands, das Per­so­nal freut sich wenn es paar Tipps geben oder eine Anek­do­te erzäh­len kann. Wir, sonst kei­ne beson­de­ren Kunst­lieb­ha­ber, sind ver­zau­bert.

In der Par­terre genie­ßen wir noch eine Limo mit dem Blick auf Polo­nia, das rie­si­ge Gemäl­de von Jan Sty­ka, dem sel­ben Maler der das Pan­ora­ma von Racla­wice gemalt hat.

Beseelt, ent­leert und gewärmt ver­las­sen wir das Natio­nal­mu­se­um. Im Appar­te­ment wird eine klei­ne Sies­ta abge­hal­ten und schon müs­sen wir zum Ter­min eilen. Dies­mal sind wir schlau­er und das obwohl es gar nicht nötig ist. Ein Tisch im roman­ti­schen Sarah in der Wlod­ko­wi­ca Stra­ße, am Ran­de der Alt­stadt ist ab 17 Uhr für uns reser­viert. Das Sarah teilt sich den gewal­ti­gen Innen­hof, bes­ser Platz, mit der schick restau­rier­ten Syn­ago­ge zum Wei­ßen Storch und ist ein ….. rich­tig … ein jid­di­sches Restau­rant. Wir lie­ben jid­di­sches Essen. Die Spei­sen sind so man­nig­fal­tig und außer­ge­wöhn­lich gewürzt. Halb ori­en­ta­lisch halb ost­eu­ro­pä­isch – den­noch irgend­wie ver­traut und auf jeden Fall aus­ge­fal­len kom­bi­niert. Als Vor­spei­se muss es bei uns immer Humus sein. Dies­mal kön­nen wir nicht ent­schei­den ob der im Sarah oder der im Masa­la bes­ser war. Rin­der­bäck­chen so zart wie ein Kin­der­po­po mit Möh­ren­mousse und  Rinds­gu­lasch nach der Art der Brü­der Barasch – mit einer Kugel geba­cke­nem Kar­tof­fel­brei und roter Bete. Die Gebrü­der Barasch betrie­ben vor dem Krieg ein Kauf­haus in Bres­lau, das heu­ti­ge Feniks. In die­sem Kauf­haus befand sich, im drit­ten Stock, ein Restau­rant mit täg­lich wech­seln­der Mit­tags­spei­se. Am Mon­tag gabs Rind😊 .  Das Sarah ver­sprüht im Ker­zen­schein sei­nen vol­len Zau­ber. Lei­se Musik, die höf­li­che Bedie­nung, der jun­ge, moder­ne, welt­män­ni­sche Chef de Rang oder gar der Besit­zer sor­gen für ein traum­haf­tes Erleb­nis. Wie­der schlie­ßen wir den Tag mit einer kuli­na­ri­schen Fern­rei­se die per­fek­ter nicht sein konn­te. Noch lan­ge schau­en wir durch das Pan­ora­ma­fens­ter auf das pul­sie­ren­de Leben auf dem Domi­ni­ka­ner­platz und las­sen das Erleb­te Revue pas­sie­ren … bis das Sand­männ­chen uns abholt. Apro­pos, wie ihr schon merkt – mit dem Weih­nachts­markt wur­de es wie­der nichts.

Es ist Mon­tag. Paar Son­nen­strah­len täu­schen einen net­ten Sight­see­ing-Day-Anfang vor. Wir fal­len drauf rein und gleich­zei­tig aus dem Bett. Es gibt noch soviel zu sehen in die­ser leb­haf­ten Stadt. Dies­mal wol­len wir das Früh­stück nicht dem Zufall über­las­sen und kom­bi­nie­ren es mit dem ers­ten Pro­gramm­punkt. Die alte Markt­hal­le – Hala tar­go­wa ist eine Insti­tu­ti­on in Bres­lau und gleich­zei­tig eine Sehens­wür­dig­keit – ähn­lich einem ori­en­ta­li­schen Basar.

In dem von außen neu­go­tisch erschei­nen­den Kom­plex von 1907 gibt es unzäh­li­ge Stän­de mit Fleisch, Geflü­gel, Obs, Gemü­se, Fisch, Süßig­kei­ten aller Cou­leur, Gewür­zen, Blu­men sowie eini­ge Hand­werks­stän­de vor­ran­gig auf der Gale­rie ober­halb der Hal­le. Am Imbis­stand besor­gen wir uns „Früh­stück“. Es wird ein Mega-XXL-Schnit­zel (für umge­rech­net 2,40€) mit Roh­kost satt – gibt’s zu jedem Haupt­gang umsonst – so viel man will. Eulen­kö­ni­gin ver­lei­ert etwas die Augen – mampft aber ein hal­bes Schwein weg wie nichts. Nur um es klar zu stel­len – es ist rich­ti­ges Schnit­zel­fleich – kein Form­fleisch, wie in manch deut­schem Restau­rant für das sechs­fa­che Geld. Und die pol­ni­schen Sala­te sind eh an Geschmack und Fri­sche nicht zu über­tref­fen. Geplät­tet und gesät­tigt ver­las­sen wir die Hal­le und beschlie­ßen unse­ren Wochen­ein­kauf, kurz vor der Abfahrt hier zu erle­di­gen.

Bunte Höfe in Nadodrze

Des Wet­ters wegen sind wir heu­te mit dem Auto unter­wegs – kön­nen also auch wei­te­re Stre­cken zurück­le­gen. Der Rabe hat in einem bres­lau­er Blog einen Geheim­tipp ent­deckt. Es geht ins Nado­drze – ein Stadt­teil nörd­lich der Innen­stadt. Irgend­wo haben wir gele­sen „wer Nado­drze nicht gese­hen hat, kennt Bres­lau nicht“ und so ist es. Die Bebau­ung besteht aus präch­ti­gen Stadt­häu­sern und Vil­len den man von wei­tem ansieht, dass sie schon bes­se­re Zei­ten erlebt haben aber dem Charme des Gan­zen kann man sich irgend­wie nicht ent­zie­hen. Der Krieg hat hier kaum Scha­den ange­rich­tet und die Kom­mu­nis­ten haben kaum etwas an den Häu­sern gemacht. Aber es tut sich was. Nach dem Krieg kam man her wegen der Ein­käu­fe, der Hand­wer­ker wegen Ver­gnü­gen und Spaß. Irgend­wann dann hieß es in Bres­lau dann nur noch „das Bes­te was du in Nado­drze bekommst ist eine auf die Fres­se“. Es sind ein­fa­che Men­schen die hier leben aber sie fül­len die­sen Stadt­teil mit einer ganz spe­zi­el­len Atmo­sphä­re aus. Und die klei­nen Innen­hof-Hand­werks­be­trie­be, klei­ne Tan­te-Ema-Läden, leib­haf­ti­ge Nach­kriegs­bä­cker, Flei­scher, gibt es noch heu­te. Einen Kaf­fee bekommt man in jedem Hin­ter­hof, aus irgend­ei­ner Tür ser­viert. Natür­lich nicht wenns kalt und nass ist – unser Pech.

Apro­pos Hin­ter­hö­fe – genau des­halb sind wir hier. Street-Art-Künst­ler haben vor eini­gen Jah­ren zusam­men mit den Bewoh­nern begon­nen ihre schmud­de­li­gen Hin­ter­hö­fe zu gestal­len. Was wir in der ul.Roosvelta zu sehen bekom­men haut uns um. In Wor­te lässt es sich kaum fas­sen. Wir strei­fen im leich­ten Nie­sel zuerst durch den west­lich gele­ge­nen Hof. Ein Kin­der­gar­ten ist hier, über den Zaun ein Kar­me­li­ten­klos­ter, ein Sank­tua­ri­um, die Uni hat ein Insti­tut hier .. es sieht biss­chen aus wie in der Bronx .. und dann ….

Bil­der, bes­ser klei­ne und gro­ße Kunst­wer­ke sagen mehr als 1000 Wor­te.

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mich kann man auch live fotografieren“

Auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te geht’s wei­ter. Ein Kul­tur­zen­trum, eine Pfand­lei­he, eine Grund­schu­le, Geschäf­te von Des­sous über Com­pu­ter, Braut­klei­der, Lebens­mit­tel … usw. Wir foto­gra­fie­ren begeis­tert die unbe­schreib­li­chen Moti­ve. Fast alle Bewoh­ner haben sich in irgend­ei­ner Form hier ver­ewigt und sind stolz dar­auf, jeder hat etwas bei­gesteu­ert. Ton, Kera­mik, Tex­te, Papp­ma­schè … alles wur­de auf und in die Wän­de ein­ge­ar­bei­tet. Im Knips-Wahn über­se­hen wir fast Pani Kazia (Kazi­mie­ra). Der Rabe foto­gra­fiert eine Wand mit einer Frau und einer Kat­ze dar­auf als plötz­lich von hin­ten eine Stim­me ruft „mich kann man auch live foto­gra­fie­ren“. Als wir uns umdre­hen lächelt uns unser Wand­mo­tiv an – ok, ohne Kat­ze😊 Auch sie ist stolz auf ihr Vier­tel. Plötz­lich ist es hip hier zu leben – wo man sich frü­her geschämt hat. Es kom­men Men­schen her um es zu sehen. Niveau­vol­le Men­schen, auch aus dem Aus­land. Sogar paar Schwar­ze hat sie gese­hen, sagt sie uns. (Ist in Polen nicht selbst­ver­ständ­lich😊) Sie freut sich über ein Gespräch .. und wir erst.

Wir dach­ten hier in 20–30 Minu­ten weg zu sein um das Nächs­te zu besu­chen, nun sind es fast zwei Stun­den.

Der Skytower

Der Regen wird stär­ker. Wir ver­ab­schie­den uns von Frau Kazia und zie­hen wei­ter. Bres­lau ist zwar die viert­größ­te Stadt Polens (sechst­größ­te pol­ni­sche Stadt welt­weit nach: War­schau, Chi­ca­go, NY, Kra­kau und Lodz) aber einen Wol­ken­krat­zer hat Bres­lau erst seit sechs Jah­ren. Der Sky­to­wer ist das höchs­te Gebäu­de Polens und auf Platz 20 in Euro­pa … hej, wir wol­len da rauf. In der 49. Eta­ge gibt’s einen Aus­sichts­punkt Der Fahr­stuhl samt „Chauf­feur“ ist in etwa 50 Sekun­den oben. Wahn­sinns Pan­ora­ma (schon wie­der😊) eröff­net sich vor uns. Bei gutem Wet­ter kann man sogar die Schnee­kop­pe (1602m) sehen und die ist Luft­li­nie 98 Kilo­me­ter ent­fernt. Heu­te lei­der nicht. Immer noch nass und .. nass. Wenigs­tens nicht mehr kalt.

Weihnachtsmarkt

Ihr merkt schon, wir sind immer noch nicht auf dem Weih­nachts­markt gewe­sen. Zuerst noch Shop­ping was sonst. Shop­ping in der Gale­ria im Sky­to­wer, Shop­ping in der Are­na-Mall und Shop­ping in der Zielins­kie­go Pas­sa­ge, noch ein Schlüs­sel nach­ma­chen las­sen und die nächs­ten drei Stun­den sind weg wie nichts. Lang­sam kommt der klei­ne Quäl­geist wie­der … Huuuuuun­ger. Es ist bereits dun­kel, der Weih­nachts­markt leuch­tet aus der Fer­ne. Es fällt auf wie geräu­mig es hier ist. Viel Platz zwi­schen den Buden. Kei­ne Pol­ler, kei­ne Beton­klöt­zer, kei­ne Poli­zei­hun­dert­schaf­ten, viel­leicht eine Strei­fe. Es erklingt Musik, schö­ne, seich­te Pop­mu­sik – kei­ne schwe­ren Weih­nachts­lie­der. Alle sind aus­ge­las­sen, Ver­käu­fer haben gute Lau­ne, machen Späß­chen mit. Auf­fäl­lig auch, dass viel weni­ger Essens­stän­de und Glüh­wein­bu­den da sind. Wahr­schein­lich geht es in Polen bei einem Weih­nachts­markt um was ande­res.

Mehr­mals am Tag tre­ten Solis­ten, Zau­be­rer, Chö­re, Pan­to­mi­me und ande­re Künst­ler auf. Der Weih­nachts­markt erstreckt sich über meh­re­re Plät­ze, Stra­ßen und rund um das präch­ti­ge Rat­haus – er ist schon impo­sant. Aber zuerst wird was gemampft. Gegrill­tes für den Raben, Bak­la­va mit Humus, Fleisch und Grill­ge­mü­se für das Eul­chen … lecker.

Als es Zeit für einen Glüh­wein wird ent­de­cken wir das Hard Rock Cafe. Tja, da hat der Weih­nachts­markt wie­der Pech. Abschluss-Shop­ping (3 Shirts) ein Guin­nes und ein Sex on the Beach krö­nen den Bres­lau­be­such. Eine tol­le Stadt. Wir kom­men wie­der. Natür­lich gabs noch eine Glüh­wein im Niko­laus-Haus (auf dem Plac Sol­ny), ganz oben, im zwei­ten Stock. Mit traum­haf­ter Aus­sicht auf die vie­len Blu­men­stän­de ( … man haben die Geste­cke, Wahn­sinn) und den Bun­ten Baum auf dem Rat­haus­platz. Nun haben wir doch unse­ren ers­ten Weih­nachts­markt in die­sem Jahr besucht … und was für einen roman­ti­schen. Pan­ora­ma­fens­ter­gu­cken auf den Domi­ni­ka­ner­platz ist zum Ein­schlafri­tu­al gewor­den. Good Night.

Last Day — Dienstag

Heut müs­sen wir schon wie­der weg. Schaaaaaaaaaa­de. Ein biss­chen Zeit bleibt noch und in die­ser ent­de­cken wir … das Was­ser. Zuerst aber wird ein­ge­kauft. Leu­te, ehr­lich – soviel Spaß hat das Lebens­mit­tel-Ein­kau­fen lan­ge nicht mehr gemacht. Das fri­sches­te Fleisch, schle­si­sche Würs­te, pol­ni­sche Weiß­würs­te für Weih­nach­ten, Boc­zek (10ck Dicke-Rip­pe), Gemü­ße, But­ter, Süßig­kei­ten, Gewür­ze uvm. aber vor allem die net­ten Gesprä­che mit den Stand­frau­en mache das Bio-Shop­ping zum High­light. Und das Gan­ze für ‘n schma­len Taler. Klei­nes war­mes Früh­stück schie­ben wir in erwar­tung von 5h im Auto auch noch ein. Eul­chen Hack­bäll­chen mit Pilz­so­ße (reich­lich) für 1,50€, der Rabe wie­der Fleisch – rie­sen Hähn­chen­rou­la­de  mit Spi­nat und Gor­gon­zo­la gefüllt (3€) – dazu Roh­kost satt zur frei­en Wahl. Wie geht das .. und es schmeckt auch noch wie bei Mut­tern zu Hau­se.

Hydropolis

Von der Markt­hal­le sind es genau zwei Kilo­me­ter, ent­lang der Oder, Rich­tung Osten zum letz­ten Punkt unse­res Inter­es­ses. Ein alter, mäch­ti­ger, still­ge­leg­ter städ­ti­scher Was­ser­spei­cher wur­de zur einer phä­no­me­na­len Aus­stel­lung über Was­ser umfunk­tio­niert. Auf 4000 m² (Fuss­ball­feld) wird in die­sem Tank auf wun­der­schö­ne, fast zau­ber­haf­te Art und Wei­se alles Inter­es­san­te über das The­ma Was­ser, Unter­was­ser, Tief­see, Ozea­ne, Schif­fe: gesun­ke­ne, Grö­ßen­ver­glei­che, Tier­welt, uvm. wahn­sin­nig anschau­lich dar­ge­bo­ten. Wie­der kön­nen wir nur stau­nen wie die Polen sowas ange­hen. Ähn­li­che Aus­stel­lun­gen in D wir­ken dage­gen ange­staubt und tro­cken. Hier wird mit Licht, Visua­li­sie­run­gen, Ani­ma­tio­nen, Mul­ti­me­dia, Inter­ak­ti­on, Com­pu­ter­ef­fek­ten gear­bei­tet – man fühlt sich wie auf der Brü­cke der Enter­preis.

Kann Schal­ter dre­hen, Knöp­fe drü­cken, in die Zen­tra­le der Tri­es­te ein­stei­gen (Die Tri­es­te war ein von Augus­te Pic­card kon­stru­ier­ter Bathy­s­caph, ein U-Boot, das spe­zi­ell für die Tief­see­for­schung gebaut wur­de.), auch dort alles berüh­ren, ori­gi­nal Kame­ra­auf­nah­men sehen sowie ori­gi­nal Funk hören als wäre man per­sön­lich grad 11 000 Meter unter dem Mee­res­spie­gel, im in tie­fen des Maria­nen­gra­bens.  Es ist nicht über­trie­ben, dass es Euro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Aus­stel­lung ist. Wir sind gren­zen­los begeis­tert – wenn die Polen was machen, dann machen sie es rich­tig. Wenn es inter­es­siert hier gibt’s mehr Infos. https://hydropolis.pl/de/

Das wars auch schon – bye, bye schö­nes Bres­lau. Rich­ti­ger­wei­se Wro­claw – bis bald. Es gibt noch so viel zu ent­de­cken.

P.S. Nur am Ran­de sol­len die Kras­na­le erwähnt wer­den. Zwer­ge die im gesam­ten Stadt­ge­biet ver­teilt sind. Es gibt mitt­ler­wei­le 239 von ihnen und kei­ne zwei glei­chen. Einer schwimmt sogar auf unse­rem Damp­fer Wik­to­ria mit (haben wir erst danach gele­sen). Put­zig und wit­zig sind die klei­nen Kerl­chen und nicht mehr aus Stadt­bild weg­zu­den­ken. Gan­ze Stadt­tei­le sind nach ihnen benannt (Bis­ku­pin vom Bis­ku­pik, Sępol­no vom Sępik, Szc­ze­pin vom Szc­zepik, Oporów vom Opor­nik usw. …) 😊.
– hier eine Kar­te mit ihren Stand­or­ten — http://krasnale.pl/de/