Nach einer ange­neh­men Fahrt über meist gut aus­ge­bau­te Ver­bin­dun­gen lan­den wir gegen Nach­mit­tag in Berat. Ob es die schöns­te Stadt in Alba­ni­en ist oder „nur“ eine der Schöns­ten – wir wol­len uns, auch nach zwei Tagen hier, nicht fest­le­gen. So vie­le Men­schen kön­nen jeden­falls nicht irren. Schon 1961 wur­de Berat zur Muse­ums­stadt ernannt,  2008 zum UNESCO Welt­kul­tur­er­be. Um hier das Flair des Ori­ents und des Mit­tel­al­ters ein­zu­at­men ver­zich­ten wir auf  Vlo­re, eine gro­ße Hafen- und Tou­ris­ten­stadt — aber auf Mas­sen­tou­ris­mus ste­hen wir eh nicht.

Wir benö­ti­gen zwei Lan­de­ver­su­che um an unse­rer heu­ti­gen Über­nach­tung anzu­do­cken. Die manu­el­le Ein­ga­be der Adres­se führt uns zuerst in die Mit­te eines gro­ßen Kreis­ver­keh­res am Stadt­rand. Die Göög­li-Mäps Tan­te behaup­tet steif und fest m Ziel zu sein. Das Eul­chen läuft der­weil blass an. SIE hat das traum­haf­te Guest­house Omer, im his­to­ri­schen Stadt­teil Man­ga­lem aus­ge­sucht. Hmmm, von Alt­stadt ist hier nix zu sehen.

Der Rabe reka­li­briert  die Navi­ga­ti­ons­ein­heit mit den Ziel­ko­or­di­na­ten aus der Buchungs-App und … Voi­la – wir sind inmit­ten des berühm­ten Vier­tels Man­ga­lem. Eul­chen ist sicht­lich erleich­tert, miss­traut der Lage aber immer noch. Kein Wun­der, nir­gend­wo ist etwas von OMER zu lesen — so heißt unser heu­ti­ges Quar­tier.

  • Das Eul­chen fragt „Bist Du ganz …“   —    „Ja“ fällt der Rabe ins Wort, ahnend was jetzt kommt.
  • Bist Du wirk­lich sicher, dass wir ….“   —    „Jaaaaa“ ent­ge­gent der Rabe ganz ruhig
  • Bist Du wirk­lich sicher, dass wir hier rich­tig sind?“   —    „Jaaaaaaaaa, bin ich“ Rabe immer noch völ­lig gelas­sen und lächelnd.

So ganz sicher ist sich der Rabe nicht, nur zu etwa 98,354% aber er soll­te Recht haben. Eini­ge Jugend­li­che beob­ach­te­ten die lus­ti­ge Sze­ne und eilen zu Hil­fe. Wir ste­hen GENAU vor dem Guest­house — nur ein Schild hat Omer nicht ange­bracht. Viel­leicht bes­ser so. Stän­dig wür­de jemand klin­geln, fra­gen, ein­fach nur stö­ren.
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Eine jun­ge Frau mit ihrer Teen­ager-Toch­ter kommt schon strah­lend auf uns zu. Sil­vja kann noch schlech­ter Eng­lisch als wir:), lacht aber und bemüht sich sehr. Die Toch­ter zeigt uns unser Zim­mer und erklärt uns alles — auch eine ganu net­te und lus­ti­ge. Das Haus ist total lie­be­voll ein­ge­rich­tet, steckt vol­ler prak­ti­scher Design-Kunst­wer­ke aus Holz und Rohr­ma­te­ri­al. Man spürt die Lie­be zum Detail an jeder Stel­le. 

 

Ob Tür­fut­ter, Holz­rah­men, Tische, Stüh­le, Bet­ten, Rega­le – alles strahlt eine Wär­me aus – auf einer Ver­pa­ckung im Bau­markt wür­de das Prä­di­kat „Lie­be­voll hand­ge­macht“ ste­hen.

 

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Gorice — die Ruhe am anderen Ufer

Wir par­ken unser Miet­wä­gel­chen hin­ter der Xha­mia e Beqarë­ve, der Jung­ge­sel­len-Moschee, die genau neben „unse­rem“ Haus steht. Die ers­te Ende­ckungs­tour führt uns auf die gegen­über­lie­gen­de Sei­te des Osum in den Stadt­teil Gori­ce. Es ist das zwei­te von drei Vier­teln, die gemein­sam die „Alte Stadt“ bil­den. Das drit­te ist die rie­si­ge, bewohn­te Burg auf dem Hügel ober­halb von Man­ga­lem. Wir strei­fen durch die engen Gas­sen, zün­den im St.-Spyridon-Kloster Ker­zen für unse­re Liebs­ten (lei­der ist die Kir­che des Kon­vents für Besu­cher geschlos­sen) und fan­gen an zu begrei­fen war­um Berat – „Die Stadt der 1000 Fens­ter“ genannt wird.
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Ein Blick auf das Ufer an dem wir woh­nen macht alle Beschrei­bun­gen über­flüs­sig. Wir sind wie­der ein­mal ver­zau­bert und begeis­tert. Gori­ca ist ein ruhi­ges Fleck­chen Erde mit den typi­schen, his­to­ri­schen, wei­ßen Häu­sern. Ledig­lich eini­ge Gast­stät­ten stö­ren die Ruhe der Ein­woh­ner. Das Leben spielt sich in Man­ga­lem ab und auf dem Bule­var­di Repu­bli­ka, der Fla­nier­mai­le im moder­nen Stadt­zen­trum.

Es ist spä­ter Nach­mit­tag. Wir suchen so lang­sam ein schö­nes Lokal für die Haupt­mahl­zeit des Tages. Men­schen­mas­sen bevöl­kern den Bou­le­vard, den angren­zen­den Park und die Tische der Cafés. Cafés gibt’s in Alba­ni­en mehr als Bewoh­ner – und das hat sei­nen Grund wie auch die gro­ße Zahl Men­schen auf der Stra­ße.

Xhiro  — der abendliche Spaziergang

Hier in Berat gibt es, wie in ganz Alba­ni­en, eine Tra­di­ti­on. Sie heißt Xhi­ro. Alba­ner jeden Alters spa­zie­ren am spä­ten Nach­mit­tag durch ihre Städ­te und Dör­fer, tref­fen Bekann­te und Freun­de, trin­ken Kaf­fee oder Spie­len Schach, Back­gam­mon oder Domi­no. Haupt­sa­che die Stim­mung ist locker, man läuft etwas und kann sich unter­hal­ten.
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Wir haben älte­re Men­schen gese­hen, die zwei Stun­den und län­ger, qua­si im Kreis, durch ihr Dorf lau­fen. Irgend­wann tref­fen sie dann doch jeman­den zum Erzäh­len, und wenn nicht, haben sie sich jeden­falls bewegt.
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Wir heu­ern im „WilDor“ an – tra­di­tio­nell ara­bi­sche Küche, guter Haus­wein, Eins der weni­gen Loka­le mit wenigs­tens ein paar Stüh­len drau­ßen. Die Bedie­nung ist nett, das Essen kei­ne Revo­lu­ti­on aber wir sit­zen im Her­zen des Gesche­hens. Beob­ach­ten das abend­li­che Trei­ben auf der Haupt­ader der City. Tou­ris­ten, Bewoh­ner: Jung und Alt, Pär­chen: ver­liebt und sich fast fremd, Roma mit einer Esel- und Pfer­de-Kara­wa­ne zwi­schen all den Autos und Bus­sen. Wer braucht da noch das Fern­se­hen.
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Wir sin­nie­ren lan­ge über das Leben, sei­nen Sinn und unse­ren Wil­len es zu bestim­men. Wir sind Glücks­kin­der … haben es geschafft.
Spät abends fal­len wir in unser zucker­sü­ßes Bett­chen.
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Engelshaar und Zuckergeld

Am Mor­gen fällt eins auf. Wir sind in einem mus­li­mi­schen Vier­tel auf­ge­wacht … aber nicht weil ein Muez­zin uns wach gesun­gen hat. Von kei­nem der vie­len Mina­ret­te hört man ein Lied. Auch hier schei­nen Bek­ta­schi, Ale­vi­ten, Sufi oder Der­wisch zu leben. Erst jetzt wird uns klar, dass wir ges­tern in Gori­ce nur christ­li­che Got­tes­häu­ser gese­hen haben. Bei­de Vier­tel lie­gen Seit an Seit über den Fluss, seit über 1000 Jah­ren. Auch hier scheint es zu funk­tio­nie­ren mit der Tole­ranz und gegen­sei­ti­ger Ach­tung der Reli­gio­nen.
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Wir hören Sil­vja im Haus wirt­schaf­ten. Was dann pas­siert ver­schlägt uns den Atem. Die Gast­freund­schaft der Alba­ner ist sagen­haft und unnach­ahm­lich. Wir wur­den über­all ver­wöhnt. Das Früh­stück war über­all frisch, lecker, gesund und reich­lich – aber Sil­vja über­trifft alles. Kaf­fee, Tee, fri­sche Säf­te nach Wunsch, haus­ge­mach­ter Zie­gen-Joghurt, Gli­ko (gelee­ar­tig ein­ge­leg­te Früch­te), ein rie­sen Obst­tel­ler und alba­ni­sche Süß­spei­sen – heu­te mor­gen extra für uns geba­cken … der hel­le Wahn­sinn.
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Es gibt Kadaif, auch Engels­haar genannt, aus fei­nen Teig­fä­den mit einer Fül­lung aus Man­deln oder Wal­nüs­sen und Zucker­si­rup zube­rei­tet, und She­qer­pa­re („Zucker­geld“) — geba­cke­ne Klöß­chen in Zucker­si­rup ein­ge­legt. Unse­re Süßig­kei­ten-Spe­zia­lis­tin kos­tet nur vor­sich­tig – der Rabe kann sei­ne Ver­zü­ckung kaum ver­ste­cken. Wir heben die Haus­her­rin in den Him­mel, loben das Haus, scher­zen gegen­sei­tig (wie­der mit Hän­den, Füßen und dem Goog­le­trans­la­ter) und kugeln uns vor Lachen. Zum wie­der­hol­ten Mal bekom­men wir das Kom­pli­ment das net­tes­te und lus­tigs­te Gäs­te-paar, das hier je da war, zu sein. Wir erfah­ren, dass OMER, der eigent­li­che  Namens­ge­ber und Besit­zer des Hau­se der Schwa­ger von Sil­vja ist.
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Es dau­ert nicht lan­ge da ler­nen wir auch Omer ken­nen. Ein sym­pa­thi­scher, jun­ger dis­tin­gu­ier­ter Mann. Char­mant, wit­zig, spricht flie­ßend eng­lisch. Wir ver­ste­hen uns auf Anhieb – sind Omer offen­sicht­lich sym­pa­thisch. Omer zählt zur jun­gen, gut aus­ge­bil­de­ten, auf­stre­ben­den Mit­tel­schicht in Alba­ni­en. Er hat 6 Jah­re lang Hol­z­in­ge­nieur­we­sen in Tira­na stu­diert. Dazu 4 Jah­re Jura an der Uni­ver­si­tät von Berat – ein Jahr lang par­al­lel. Er ist bis heu­te Sin­gle … hat­te “kei­ne Zeit” 🙂 für eine ernst­haf­te Bezie­hung gefun­den. Dafür führt er mit sei­nem Bru­der, dem Mann von Sil­vja, eine Holz­ma­nu­fak­tur wo vier Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt wer­den, eine Bar nah des Uni-Cam­pus wo er sechs Ange­stell­ten Arbeit gibt und die­ses Gast­haus. Omer lädt uns in sei­ne Bar ein – wir wer­den ver­su­chen ihn zu besu­chen.

Königsmoschee und Halveti-Tekke

Zuerst aber bedan­ken wir uns bei Sil­vja für ihre fan­tas­ti­schen Back­küns­te und das lecke­re Früh­stück. Sie freut sich rie­sig – fragt uns ob sie Bil­der ins Face­book stel­len darf … natür­lich. Wie­der haben wir das Glück so offe­ne, net­te und wit­zi­ge Men­schen ken­nen zu ler­nen, In Alba­ni­en scheint es nahe­zu täg­lich der Fall zu sein. Zu Hau­se ver­mis­sen wir das Gefühl zuneh­mend. Sicher fal­len wir aus der Rei­he aber hier scheint unse­re Ver­rückt­heit nie­man­den zu brüs­kie­ren – im Gegen­teil – wir schei­nen Gleich­ge­sinn­te zu tref­fen. Scha­de, wir müs­sen uns ver­ab­schie­den … wol­len doch noch so viel sehen, hier in Berat.

Unser Auto las­sen wir beim Gast­haus ste­hen — es sind nur weni­ge Meter zu lau­fen. Man­ga­lem ist offen­sicht­lich ein altes ara­bi­sches Vier­tel. So dau­ert es nicht lan­ge bis wir auf die ers­te Moschee sto­ßen. Dass es gleich die wich­tigs­te in Berat und eine der bedeu­tends­ten in Alba­ni­en ist erfah­ren wir erst viel spä­ter. Die Xha­mia e Mbre­tit, die Königs-Moschee, wur­de 1492 vom osma­ni­schen Sul­tan Bay­e­zid II. errich­tet, daher auch der Name. Seit 1948 zählt sie zu den Kul­tur­denk­mä­lern Alba­ni­ens. Sie bil­det mit einer Kara­wan­se­rei aus dem 17. Jahr­hun­dert und der Hel­ve­ti-Tek­ke aus dem 18. Jahr­hun­dert einen gemein­sa­men Hof.

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Die Moschee ist Men­schen­leer. Eul­chen zögert mit dem Ein­tre­ten, ist unsi­cher ob sie als Frau, ohne Kopf­tuch den Tem­pel über­haupt betre­ten darf. Da erscheint plötz­lich ein Mann – staat­li­che Erschei­nung, Ende fünf­zig, wie­der flie­ßend Eng­lisch spre­chend (wir  müs­sen unser Eng­lisch unbe­dingt auf­po­lie­ren) und lädt uns lächelnd ein, das Got­tes­haus zu besich­ti­gen. Es ist der Imam der Moschee. Er nimmt sich Zeit, führt uns rum und erklärt die His­to­rie wie die Gegen­wart.
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Fas­zi­niert hören wir sei­nen Erzäh­lun­gen zu. Die Eulen­kö­ni­gin darf auf der Frau­en-Empo­re sogar in dem über 250 Jah­re alten Koran blät­tern. Als er uns spä­ter die Hal­ve­ti-Tek­ke zeigt und erläu­tert, betont er uns gegen­über wie sich die Men­schen ver­schie­de­ner Glau­bens­rich­tun­gen in Alba­ni­en seit Jahr­hun­der­ten ver­tra­gen.

Zusam­men ihre jewei­li­gen Fei­er­ta­ge fei­ern, sich gegen­sei­tig respek­tie­ren und ach­ten. Der Rabe über­setzt sei­nem Eul­chen was er den eng­lisch spra­chi­gen Aus­füh­run­gen des Imams ent­nimmt. An einer Stel­le „ergänzt“ der Rabe die Über­set­zung und erklärt, dass über­all sonst –  Sun­ni­ten und Schii­ten (bei­des Mus­li­me) nicht mit­ein­an­der aus­kom­men, und schlägt dabei mit sei­ner rech­ten Faust in die lin­ke Hand­flä­che. Als der Imam das sieht (viel­leicht ver­stand er auch etwas Deutsch) – wird sei­ne Stim­me fes­ter und er sagt sehr ein­dring­lich

HIER NICHT, hier in Albanien nicht.
Wir verstehen uns untereinander,
Es gibt keine Probleme.“

Wir sind geplät­tet und beein­druckt zugleich. War­um funk­tio­niert es in einem Land und woan­ders nicht??? Wie vie­le Kon­flik­te wer­den noch im Namen von Reli­gio­nen geführt??? Wie vie­le Men­schen wer­den noch ster­ben müs­sen im Namen Got­tes, wie auch immer er hei­ßen mag?

Eine Tek­ke ist das kul­tu­rel­le Zen­trum der Sufi-Brü­der­schaft – deren Glau­be auf dem Koran basiert aber bei Wei­tem nicht so ortho­dox aus­ge­legt wird. Das heu­ti­ge Gebäu­de der Hal­ve­ti-Tek­ke ist viel­leicht die herr­lichs­te Tek­ke Alba­ni­ens. Erbaut wur­de sie im Jah­re 1785 von Ahmet Kurt Pascha. Die Innen­wän­de des Haupt­raums mit Gale­rie sind mit Male­rei­en aus­ge­schmückt; beson­ders reich­hal­tig gestal­tet ist die Decke. Die Grä­ber in der Tür­be wur­den wäh­rend des Kom­mu­nis­mus ent­fernt. Die fünf Säu­len der Vor­hal­le der Tür­be sind aus Mar­mor und stam­men ursprüng­lich aus Apol­lo­nia.
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Wir erkun­den Man­ga­lem wei­ter. Man wird das Gefühl nicht los, dass man in einer ande­ren Zeit ist. Das Ein­zi­ge was an das 21. Jh., erin­nert sind die Autos. Nach der aus­führ­li­chen Besich­ti­gung der Königs­mo­schee, schau­en wir uns die Hysen-Pascha-Moschee und die Blei­mo­schee nur von außen an. Weni­ge Meter von der Blei­mo­schee ent­fernt erzwingt sich die ortho­do­xe St Deme­tri­us Kathe­dra­le Auf­merk­sam­keit im Stadt­bild.
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Impo­sant Außen – drin kein ganz gro­ßes High­light aber sehr schön.

Omer


Die Hit­ze macht uns lang­sam zu schaf­fen. Da war doch noch was. Wir lau­fen die Rru­ga Anti­pa­trea zurück zum Auto und fah­ren zum Cam­pus. Das Gebäu­de der Bera­ter UNI ist neu, vor weni­gen Jah­ren gebaut und erin­nert ein wenig an das Capi­tol in Washing­ton. Omer’s Honey-Bar ist nicht zu über­se­hen gleich neben dem Haupt­ge­bäu­de. Die Mit­ar­bei­ter sind infor­miert. Der ers­te der uns sieht meint gleich „Ihr seid Omer’s Gäs­te, stimmt’s?“
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Omer kommt weni­ge Minu­ten spä­ter. Dies­mal erzählt er frei über sein Leben und über sei­ne Hoff­nun­gen. Wie­der lachen wir viel – viel­leicht will der Zufall, dass er nicht mehr lan­ge Sin­gle bleibt. Wir erzäh­len ein wenig von unse­ren Sehn­süch­ten. Die Zeit ver­geht wie im Flug. Als wir uns ver­ab­schie­den wol­len, erle­ben wir erneut wie tief alba­ni­sche Gast­freund­schaft ihre Wur­zeln schlägt. Auch ein jun­ger Mensch wie Omer – ist fast belei­digt als wir­be­zah­len möch­ten. Wir sind sei­ne Gäs­te!!! Bas­ta:)))
Bewun­derns­wert. Noch oft in Alba­ni­en und noch oft spä­ter wird uns bewusst wie fremd uns die west­eu­ro­päi­sche Umgangs­kul­tur ist. Viel näher füh­len wir uns sol­chen Län­dern wir Alba­ni­en und Polen.
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Kala­ja – die leben­de Fes­tung

Von der Uni fah­ren wir die stei­le Stein­stra­ße zur Burg. Gji­ro­cas­ter lässt grü­ßen. Die Stra­ße ist so steil, dass die Räder unse­res Klein­wa­gens, im ers­ten Gang, teil­wei­se durch­dre­hen (es ist tro­cken). Ans Anhal­ten und Anfah­ren ist nicht zu den­ken. Eul­chen klam­mert sich still an den Griff­über Ihren Kopf.  Nach weni­gen Minu­ten errei­chen wir die Fes­tung. Eine Beson­der­heit!!! — die Fes­tung ist bewohnt. Das Burg­vier­tel besteht noch heu­te aus zahl­rei­chen klei­nen Stein­häu­sern. In den ver­win­kel­ten Gas­sen fin­den sich klei­ne ortho­do­xe Got­tes­häu­ser mit auf­wen­dig geschmück­ten Iko­nen. Eben­so fin­den sich die Rui­nen der Roten und der Wei­ßen Moschee und einer tür­ki­schen Kaser­ne auf dem Burg­berg. Sehens­wert ist eine römi­sche Zis­ter­ne, die noch bis ins 19. Jahr­hun­dert in Benut­zung war.

Wir strei­fen lan­ge zwi­schen den alt­ehr­wür­di­gen Rui­nen und ent­lang der bewohn­ten Gas­sen. Die Hit­ze zollt irgend­wann ihren Tri­but und so las­sen wir uns im Bier­gar­ten des Hotels Kala­ja nie­der. Zwei Korce küh­len uns ab und der Rabe tut es Sokra­tes gleich und recher­chiert.
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Auf der Rück­fahrt von der Burg bestau­nen wir noch kurz die aus dem 17 Jh. Stam­men­de osma­ni­sche Stein­bo­gen­brü­cke über den Osum, die Ura e Goricës. Sie ist ein Wahr­zei­chen Berats und war bis 2011 die ein­zi­ge Ver­bin­dung zwi­schen Berat und Gori­ca. Heu­te ist sie nur noch für Fuß­gän­ger pas­sier­bar. Angeb­lich wur­de in einem Trä­ger der Brü­cke ein Mäd­chen gefan­gen gehal­ten — als Opfer­ga­be für die Fluss­geis­ter, die gegen den Bau einer Brü­cke waren. Das Mäd­chen starb den Hun­ger­tod. Ob die Legen­de stimmt weiß man nicht. Eine Nische wur­de bei der Restau­rie­rung aber wirk­lich ent­deckt.
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Bye, bye Berat. Auch hier­her wer­den wir wohl wie­der­keh­ren. Die Stadt ist ein­fach wun­der­schön und gern wür­den wir auch Omer und sei­ne Fami­lie wie­der­se­hen. Der­weil hal­ten wir über (neu­mo­disch) soci­al media Kon­takt – lie­be Grü­ße nach Berat.

Hie noch ein kur­zer, schö­ner Mar­ke­ting-Film der Stadt.

Wir len­ken unse­ren Sko­da jetzt zu den Peli­ka­nen in der Kara­vas­te Lagu­ne.

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