Lost Places Grenzerfahrung und ein versüßtes “Jubiläum”

Schon lan­ge woll­te der Rabe sei­ner Köni­gin zei­gen, wo er sein Land “ver­tei­digt” hat. Vor vie­len Jah­ren gab es da eine Gren­ze, mit­ten durch ein wun­der­schö­nes Land. Hier und da stan­den jun­ge Män­ner und bewach­ten die­se, von ihren Sys­te­men, ihren Regie­run­gen, ihren Vor­ge­setz­ten mani­pu­liert als wür­de es sich um den hei­li­gen Gral han­deln. Anfang der 80er Jah­ren hat man zwar die schreck­lichs­ten Tötungs­werk­zeu­ge an die­ser Gren­ze abge­baut, die poli­ti­sche Stim­mung wur­de ent­spann­ter — den­noch bewach­ten, allein auf der Ost­sei­te durch­schnitt­lich 44000 Mann unter Waf­fen den s.g. Todes­strei­fen auf dem über 1000 DDR-Bür­ger gestor­ben waren.

Rabens Dienst­zeit war, bis auf weni­ge Aus­nah­men, nicht unan­ge­nehm. Als UaZ (Unter­of­fi­zier auf Zeit) genoss der Jung­vo­gel wöchent­lich Aus­gang und einen frei­en Tag, monat­lich 4 Tage Urlaub (macht 48 im Jahr😊, durch­schnitt­lich 6h Dienst­zeit am Tag und fast 1200 Ost­mark plus Zula­gen im Monat (DDR-Durch­schnitts­ge­halt lag damals bei etwas über 800 Mark). Wie gesagt — es war Kom­mu­nis­mus!

Die, zuge­ge­ben har­te, halb­jäh­ri­ge Grund­aus­bil­dung hat aus einem Jun­gen einen Mann gemacht der bis heu­te in der Welt zu recht kommt. Der anschlie­ßen­de Dienst in einem ver­schla­fe­nen, Süd Thü­rin­ger Dorf leg­te einen Grund­stein für Rabens Lie­be zur Natur und zum Wan­dern — und ver­edel­te Rabens Fähig­kei­ten im Umgang mit Men­schen sowie sei­ne orga­ni­sa­to­ri­sche und kul­tu­rel­le Ader. Einen Club­raum füll­te der jun­ge Rabe mit Leben — schmu­cke The­ke, täg­lich mit Geträn­ken und Kaf­fee (unter der The­ke gabs auch mal was ande­res😊) wöchent­li­che Spiel- und Film­aben­de, eine Rock­band die er aus der Sin­ge­grup­pe der Kom­pa­nie und dem ört­li­chen Mäd­chen­chor form­te und so vie­les mehr — lie­ßen die Zeit in die­sem 170 See­len Dorf nicht lang­wei­lig wer­den.

August 1961  war ein geschichts­träch­ti­ges Datum in der Deut­schen His­to­rie, der August 1988 war auch ein bewe­gen­des Datum im Lebens­lauf des Raben­prin­zen aber weder das eine noch das ande­re Datum hat uns ermun­tert die ehe­ma­li­ge inner­deut­sche Gren­ze zu besu­chen. Erst im Nach­hin­ein wur­de uns klar in welch einem his­to­ri­schen Kon­text unse­rer Wochen­end­aus­flug zu sehen ist.

So mach­ten wir uns los in den ent­le­gens­ten Zip­fel Thü­rin­gens nach Lich­ten­hain an der Gren­ze zu Bay­ern. Die Fahrt über end­los ver­schla­fe­ne Dör­fer und eine intak­te, wun­der­schö­ne Natur ließ erah­nen, dass hier zu DDR Zei­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes  “der Hund begra­ben war” (zum The­ma Sprich­wör­ter der 1.) und die Men­schen von der Außen­welt so ziem­lich abge­schnit­ten. Gleich am Orts­ein­gang die “Kaser­ne”  — in der der Rabe 28 Mona­te sei­nes Lebens zubrach­te.

Sei­ner­zeit die 7. Grenz­kom­pa­nie des 2.Grenzbatallions im Grenz­re­gi­ment 15  Son­ne­berg. Ich bekom­me gleich ein mul­mi­ges Gefühl, ob der Ört­lich­keit oder der Erin­ne­rung an zurück­lie­gen­de Zei­ten wegen.  Das Gelän­de und die Gebäu­de sind ver­las­sen und ver­wahr­lost. Alles wie in Tscher­no­byl zuge­wu­chert und zuge­wach­sen — und das obwohl die “Immo­bi­lie” wohl bis zum Jahr 2006 als Asyl­heim, dann als Jugend­her­ber­ge genutzt wur­de.

Schnell ist ein Loch im Zaun gefun­den und wir sind drin. Der Rabe voll im Erin­ne­rungs­wahn, ich mit Gän­se­haut, auf­ge­stell­tem Nacken­haar und die Augen wie ’ne Rund­um­leuch­te. Die Türen der ehe­ma­li­gen Gara­gen las­sen sich öff­nen, naja nur alter Krem­pel, unzäh­li­ge  Kar­tons mit Bier­glä­sern, Tische, Bar­ho­cker, Kron­leuch­ter, eine Dis­co­ku­gel. Der Rabe bringt sich vor dem Ein­gang in Pose für die abso­lut geils­ten Fotos. Dann .… ach du Schreck — die Tür der Kom­pa­nie ist nicht ver­schlos­sen. Jetzt gibt es kein zurück!

Zim­mer für Zim­mer wird unter die Lupe genom­men, jede Schrank­tür geöff­net, die Duschen und Toi­let­ten in Augen­schein genom­men …ich immer mit einem wachen Blick über die Schul­ter. Ich erfah­re wo geschla­fen, geges­sen und sich ver­sam­melt und berat­schlagt wur­de. Ach ist das auf­re­gend. Als der Rabe in den Kel­ler will, kapi­tu­lie­re ich, für heu­te reicht es. Ein letz­ter Blick auf den Sport­platz, der mitt­ler­wei­le mit dich­ten Gebüsch zuge­wach­sen ist.

Genug der Nost­al­gie und der war­nen­den Erin­ne­rung vor Zei­ten in denen sich jun­ge Men­schen mit gela­de­nen Maschi­nen­ge­weh­ren auf zwei Sei­ten gegen­über stan­den nur weil Poli­ti­ker das Den­ken und Han­deln der blin­den Mas­sen dik­tier­ten … durch­aus eine War­nung an die heu­ti­ge Zeit.

Eine kur­ze Rund­fahrt durch den ehe­ma­li­gen Grenz­strei­fen ergänzt das Besich­ti­gungs­pro­gramm. Die Grenz­an­la­gen sind ver­schwun­den. Im frü­he­ren benach­bar­ten Grenz­ab­schnitt, in Neu­en­bau, steht noch ein BT9 — damals eine s.g. Füh­rungs­stel­le. Lei­der ist sie abge­schlos­sen … viel­leicht bes­ser so.

Von einem der Beob­ach­tungs­tür­me sah der Rabe in den 80ern manch­mal die Dächer und Türm­chen einer Burg. Der Burg Lau­en­stein — der eigent­li­che Grund für Eul­chens Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung zum heu­ti­gen Aus­flug. In Lau­en­stein gibt es näm­lich eine Scho­ko­la­den­fa­brik — so zu sagen ein Eulen-Köni­gi­nen-Eldo­ra­do. Da müs­sen wir UNBEDINGT hin.

Aber zuerst noch etwas älte­re Geschich­te. Lau­en­stein ist eine wirk­lich traum­haf­te Burg. Die 3/4 stün­di­ge Füh­rung mit nur 6 Per­so­nen lässt viel Platz für Geschich­ten, Sagen und Erwäh­nens­wer­tes. Wir erfah­ren etwas üben den Besit­zer und die Ent­ste­hung eini­ger Sprich­wör­ter wie zum Bei­spiel “Etwas auf die hohe Kan­te legen”, “eine Gar­di­nen­pre­digt hal­ten”, “tief in der Krei­de ste­hen” oder “ins Bett stei­gen”.

Wir kön­nen foto­gra­fie­ren soviel wir wol­len und über­all hin­ein­schau­en — sel­ten in deut­schen Schlös­sern, Bur­gen und Muse­en. Für einen Moment füh­len wir uns wie die könig­li­chen Burg­her­ren — sor­ry für das Sel­fie:)

Nun will ich aber end­lich in die Pra­li­nen­fa­brik. Hal­le­lu­ja — ich wer­de nicht ent­täuscht. Es ist der Wahn­sinn — 99 Pra­li­nen­ar­ten und Bruch­scho­ko­la­de in tol­len Geschmacks­rich­tun­gen, da kann sogar der Rabe nicht wider­ste­hen.  Edel­mar­zi­pan, Him­beer­trüf­fel, Wal­nuss­nou­gat, Wald­meis­ter­trüf­fel, Trüf­fel mit Bal­sa­mi­co, wei­ße Scho­ko­la­de mit Hei­del­beer ‑Sah­ne- Geschmack, Cap­puc­ci­no­t­rüf­fel und und und . Ein ver­mö­gen für fast ein Kilo süßer Kalo­ri­en über­las­sen wir frei­wil­lig dem eins­ti­gen Klas­sen­feind😊

 

 

Wie immer nach einem auf­re­gen­dem Tag, suchen wir nun ein lau­schi­ges Plätz­chen für ein lecke­res Abend­essen. “Die Stein­bachs­müh­le” hat geschlos­sen wegen einer Fei­er zur Schul­ein­füh­rung. Erst etwas ent­täuscht machen wir dann DIE Ent­de­ckung, Hotel “Zum Stei­ger” in Gebers­dorf, das Dörf­chen kennt bestimmt jeder -:))) Von Außen unschein­ba­res Gebäu­de, dörf­lich, alt­ba­cken, mit DDR Charme aber die Küche .… vom Aller­feins­ten. Es gibt alles was das Herz begehrt, vom Reb­huhn, Tau­be, Gans über Wild­schwein und Wei­delamm. Dazu rich­ti­ge hand­ge­mach­te Thü­rin­ger Klö­ße, es ist der abso­lu­te Ham­mer. Ein­stim­mig ver­ge­ben wir 30 von 10 mög­li­chen Punk­ten — und das obwohl wir sehr streng sind in der Dis­zi­plin Gas­tro-Kri­tik — vor allem in Deutsch­land. Welch ein wun­der­schö­ner Tag auf den Spu­ren der Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart!

 

Ein Weinberg zum Verlieben … der Steinmeister

Roman­tisch in den Wein­ber­gen gele­ge­ne Hüt­ten oder Bänk­chen an Aus­sichts­punk­ten, waren schon immer Orte der Lie­be. Zar­te Lie­bes­ban­de began­nen in manch einer von ihnen aber auch amou­rö­se Affä­ren. Nicht von Unge­fähr ent­stan­den unzäh­li­ge Sprü­che wie z.B. der Fol­gen­de.Wenn mei­ne Zun­ge im Löch­lein steckt und gie­rig jedes Tröpf­chen leckt, den­ke nicht ich sei ein Schwein, ich red von einer Fla­sche Wein.”


 

Wo sich Maria War­ten­berg und Hein­rich Sau­er ken­nen & lie­ben lern­ten  wis­sen wir nicht. Die bei­den renom­mier­ten Pro­fes­so­ren der Medi­zin haben sich defi­ni­tiv aber noch ein zwei­tes Mal ver­liebt. In den Wein …  bes­ser, in den Wein­berg. Sie erwar­ben vor eini­gen Jah­re , das Wein­gut Stein­meis­ter bei Naum­burg an der Saa­le, wel­ches sich in einem trau­ri­gen Zustand, fern­ab sei­ner Bestim­mung, befand.  Zwei Jah­re Arbeit ver­gin­gen bis die dazu­ge­hö­ri­ge Bau­sub­stanz wie­der glänz­te und auch die, teil­wei­se 90 jäh­ri­gen, Wein­re­ben benö­tig­ten inten­si­ve Pfle­ge. Das Ergeb­nis lässt sich nicht nur sehen, es strahlt eine, hier zu Lan­de sel­ten gewor­de­ne, Gast­freund­schaft und (da haben wir’s wie­der) Lie­be zum Detail. Wie es sich für zwei Wis­sen­schaft­ler gehört wur­de inten­siv zum The­ma recher­chiert. Archi­ve und Hören­sa­gen för­der­ten Inter­es­san­tes wie Legen­den zu Tage, die Maria bei manch Gele­gen­heit char­mant, lie­be­voll und wit­zig an die “Fans” wei­ter gibt. Wir dür­fen ihren Erzäh­lun­gen wäh­rend  einer “süf­fi­gen” Wein­wan­de­rung lau­schen. Natür­lich wird dabei auch ver­kos­tet, jeweils da wo die ent­spre­chen­de Rebe wächst — aus einem, am Leder­riem­chen mit­ge­führ­ten, Glasel. Aber der Rei­he nach.

Wir sind gewohnt recht­zei­tig da und so kön­nen wir den schö­nen Gar­ten des Wein­guts genie­ßen. In der Strauß­wirt­schaft gibt’s ein Käse­spieß­chen und den ers­ten Rose … schon mal lecker. Sowohl in der Gast­stu­be als auch im Gar­ten muss man sich ein­fach wohl­füh­len. Eine statt­li­che Men­schen­men­gen fin­det sich all­mäh­lich zur „Gro­ßen Wein­bergs­wan­de­rung durch den Stein­meis­ter“ ein. Etwa 13:00 Uhr setzt sich der rund 30 Mann (und Frau) zäh­len­de Troß in Bewe­gung.

Die Mönchshütte“

Das klei­ne aber fei­ne Häus­chen stand hier schon im 13. Jahr­hun­dert. Davon zeugt die Tie­fe des Kel­ler­bo­dens, der sei­ner­zeit kein Kel­ler war. Im lau­fe der Geschich­te, und mit jeder Flut spül­te die Saa­le Sedi­men­te her­bei, die dafür gesorgt haben, dass das Häus­chen heu­te etwa 1,5 Meter tief in der Erde steht. Zu bestimm­ten Ver­an­stal­tun­gen wir aus der Boden­lu­cke Wein gereicht, die Bedie­nung ragt ab der Brust her­aus – sieht bestimmt lus­tig aus. Hier erfah­ren wir so eini­ges über das Wein­gut und sei­ne Anfän­ge. Es fal­len wit­zi­ge Begrif­fe. Zum Bei­spiel Spon­tan­gä­rung … wenn die Trau­ben in einem Gefäß begin­nen selb­stän­dig Che­mie zu ler­nen (wir erin­nern uns an den Film „Die Feu­er­zan­gen­bow­le“ … die alko­ho­li­sche Gärung ist die Gärung des Alko­hols ……🤣

… und semi­s­te­ril😉 – das soll­te nach dem mischen mit Wein das Was­ser wer­den. Frü­her war das Was­ser nicht immer rein. Mön­che haben es also mit Wein, den sie im Über­fluss hat­ten, ver­mischt — damit es trink­bar wur­de.

Das klei­ne Häus­chen gehör­te frü­her  einer gewis­sen Olga Thie­ne­mann, der Schwes­ter von Gerd Haupt­mann. Eini­ge Sze­nen des Buches „Das dra­ma­ti­sche Werk“ (Band zwei) von G. Haupt­mann, sol­len sich im Häus­chen abspie­len.

Neben den bei­den Wis­sen­schaft­lern gibt’s auch einen Win­zer. Einen jun­gen dazu. Auch er hat sich ver­liebt, zum einen in die Toch­ter der net­ten Medi­zi­ner und zum ande­ren in den Wein­an­bau. Schon sein Urgroß­va­ter ent­wi­ckel­te vor 100 Jah­ren in der Gegend Reb­sor­ten. Der jun­ge Mann kre­denzt uns an jeder Sta­ti­on Wei­ne und schmückt die­se Ver­kos­tun­gen mit fach­fun­dier­ten wie amü­san­ten Fak­ten zum jewei­li­gen Wein und zum Wein­an­bau über­haupt. An die­ser Stel­le ein rie­sen Dan­ke­schön. Selbst der Raben­prinz als „Semi­wein­ken­ner“😁 saugt neu­es Wis­sen auf wie ein Ele­fan­ten­schwamm Was­ser.

Am Mönchs­häus­chen gibt’s übri­gens einen Sil­va­ner. Die­se Reb­sor­te ist etwa 400 Jah­re alt.  „Unser“ Sil­va­ner stammt von teils 90 jäh­ri­gen Reb­stö­cken. Die tra­gen weni­ger, die Trau­ben sind klei­ner und ein rein am Gewinn inter­es­sier­ter Win­zer hät­te die­se Stö­cke längst ver­heizt, aber wenn man den weni­ger Ertrag in Kauf nimmt kann man einen exqui­si­ten, qua­li­ta­tiv uner­reich­ten Trop­fen genie­ßen. Das tun wir und sind begeis­tert. Im Abgang schmeckt er leicht nach Apfel … gar Lit­schi.

Höhlenwohnung

Wei­ter geht es zu den Höh­len­woh­nun­gen. Davon gibt es zwei. Eine klei­ne und eine grös­se­re. Die zwei­te inspi­zie­ren wir nun genaus­tens😁 Male­risch mit­ten im Wein­berg gele­gen – mit Aus­sicht über da gan­ze Tal und auf den Naum­bu­rer Dom, zeugt sie wie­der von alten Glanz­ta­gen.  Die Alt­ei­gen­tü­mer lager­ten hier Alt­rei­fen und zwar jede Men­ge davon. Wit­te­rung und Zeit haben ihr Übri­ges getan, doch heu­te wür­de man hier am liebs­ten sofort ein­zie­hen. Auch um die­se „Immo­bi­lie“ ran­ken sich Legen­den. Unter ande­rem sol­len die Pfor­ten­ser Mön­che hier ihren Schatz ver­steckt haben. Alles Lug und Trug ver­si­chert uns Frau War­ten­berg. Wir wür­den auch nie­man­dem ver­ra­ten wenn wir einen Schatz gefun­den hät­ten🤣


Und erneut springt der jun­ge Win­zer ein (scha­de, dass wir sei­nen Namen nicht erfah­ren haben)😫

Dies­mal gibt es zwei Wei­ne. Eine Weiß­bur­gun­der Spät­le­se von 2016 den bereits die Zis­ter­zi­en­ser Mön­che vor 1000 Jah­ren hier ange­baut haben, und einen Ries­ling Kabi­nett. Bei­de mun­den vor­züg­lich. Im ers­te­ren ver­liebt sich (… schon wie­der😘) die Eulen­kö­ni­gin. Wenn es nach ihr gin­ge müss­ten wir kei­ne wei­te­ren Sor­ten ver­kos­ten. Hier erfah­ren wir auch war­um die Aka­de­mi­ker in ihrem Wein­gut (fast) kei­nen Eis­wein her­stel­len. Sie trin­ken ihn lie­ber selbst.

Eis­wein wird im Win­ter, bei minus acht bis zehn Grad geern­tet. Einen Berg Trau­ben braucht man dafür. Die Men­ge wür­de rei­chen um gut 1000 Liter Wein her­zu­stel­len — her­aus­kom­men aber ledig­lich gan­ze 5.5 Liter erst­klas­si­gen Eis­wein. Wei­ter erfah­ren wir, dass nur Sor­ten­rei­ne Wei­ne abge­füllt wer­den und dass man hier fast ohne Dün­ger aus­kommt. Teil­wei­se wird zehn Jah­re lang nicht gedüngt. An sol­che Details spürt man schon die Phi­lo­so­phie der Wein­berg­be­sit­zer. Der klei­ne Betrieb pro­du­ziert auf 4,4 Hekt­ar etwa 25 000 Liter des Lebens­saf­tes. Das sind gut 33 Tau­send Fla­schen pro Jahr­gang die in der Staruß­wirt­schaft und in zwei Läden (Leip­zig und Erfurt) ver­kauft wer­den.

Das Türmchen

Das Türm­chen ist unse­re nächs­te Sta­ti­on. Oben auf dem s.g. Kai­ser­hü­gel thront es über dem Besitz und dien­te frü­her dem Schutz des sel­bi­gen vor … Wein­die­ben. Spä­ter dien­te es einem sei­ner Besit­zer, dem Herrn Golon­eck, mehr als Lie­bes­nest. Angeb­lich schwer im Wein­berg schuf­tend, beglück­te der Lust­molch jun­ge Mäd­chen aus den umlie­gen­den Orten hier oben. Ein wun­der­schö­nes Fleck­chen Erde ist es hier um das Türm­chen her­um.  Eine 800 Jah­re alte Sou­bi­se-Eiche (so benannt wahr­schein­lich nach dem fran­zö­si­schen Prin­zen Sou­bi­se, der hier im Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg weil­te und tafel­te, ver­leiht dem Ort zusätz­lich einen geheim­nis­vol­len Charme.

 

Die­ser Stand­ort war auch im Kai­ser-Manö­ver 1903 Füh­rungs­stand … und sicher auch 1850 als die unver­schäm­ten Ross­ba­cher wegen zu hoher Steu­ern gegen die Mön­che im Klos­ter Pfor­ta mar­schier­ten. Scha­de, dass heut zu Tage nie­mand mehr aus sel­bi­gen Grund mar­schiert. Zeug­nise jener Tage fan­den sich bei der Reno­vie­rung der Gebäu­de – hier Patro­nen­hül­sen aus dem 19. Jh.

Nun ist wie­der Schwie­ger­sohn an der Rei­he. Es gibt einen Johan­ni­ter – eine Neu­zich­tung eines Dr. Becker aus Frei­burg im Breis­gau (eine Rebe die kei­nen Pflan­zen­schutz benö­tigt) und einen Mus­ka­ris Aus­le­se. Eine eben­falls sehr sel­te­ne Rebe, die wegen ihrer Süße nicht unser Favo­rit wird aber bestimmt man­chen Nicht­wein­trin­ker vom Wein über­zeu­gen könn­te.

 

Und dann kommt end­lich ein Roter. Dar­auf hat der Rabe gedul­dig gewar­tet. Ein Spät­bur­gun­der aus dem Holz­fass, natür­lich tro­cken😉 Die­ser gedeiht in der Frey­bur­ger Steil­la­ge dem zwei­ten Wein­berg der Guts. 2016 wur­de er zum bes­ten Rot­wein in der Unstrut prä­miert. Der Rabe ist hap­py. Ein edler Trop­fen und hier wird auch gepick­nickt. Lecke­re Baguettes mit Käse und Sala­mi, Hack­bäll­chen mit Gur­ke, Schmalz­bro­te und Käse­spie­ße dazu Toma­ten satt. Alles lie­be­voll zube­rei­tet.

Beim schlem­men fra­gen wir unse­rem Win­zer Löcher in den Bauch. Mit einer Engels­ge­duld, mit Charme und Stolz stillt er unser Wiss­be­geh­ren. Über eine Stun­de genie­ßen wir sei­ne Erzäh­lun­gen, die Aus­sicht, den Wein und die Häpp­chen. Es ist ein­fach herr­lich hier. Beim Abstieg über die, bereits vor Jahr­hun­der­ten von Mön­chen ange­leg­te, ganz schma­le Wein­berg-Trep­pe zählt das Eul­chen über  250 Stu­fen. Schööööööönnn war es und bestimmt nicht nur wegen der lecke­ren Häpp­chen wer­den wir wie­der kom­men. Die  Wein­ern­te wol­len wir im Herbst eben­falls mit­er­le­ben — Hil­fe wird hier dan­kend ange­nom­men.

 

Zum Abschluss noch etwas zum The­ma Gesund­heit und Wein … Frau War­ten­berg ver­bin­det im Vor­trag Pas­si­on und Pro­fes­si­on.

Dan­ke und bis zum nächs­ten Mal.

Dorsch-Angeln auf einem polnischen Kutter — zwei Städter auf Selbstversorgungs-Trip

Der Win­ter will heu­er, so früh im März noch nicht frei­wil­lig wei­chen. Die Son­ne lässt sich immer­hin schon etwas län­ger bli­cken. Wir wol­len mal Ost­see-Luft schnup­pern. Der Rabe tele­fo­niert, im Vor­feld des Auf­ent­halts, mit eini­gen Fischern in Ust­ka und ver­ein­bart einen Hoch­see-Angel-törn. Auch unse­re Freun­de aus Köpe­nick wer­den da sein. Wölf­chen ist von der Angel-Idee begeis­tert. Gecko (des Wölf­chens sin Fru) bestellt spe­zi­ell zu die­sem Zweck, sogar extra zwei wet­ter­fes­te,  modi­sche, Ost­frie­sen-Krea­tio­nen. Das ist Spon­ta­ni­tät.
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Der Zeit­punkt des Angel­turns soll vom Wet­ter abhän­gig fest­ge­legt wer­den. Der Anruf des Käpt’n des klei­nen Fisch-Kut­ters kommt wäh­rend des Mon­tags­früh­stücks. Mor­gen ist es so weit. Der Diens­tag beginnt für uns “Essens­be­schaf­fer” sehr zei­tig. Fein in Signal­gelb raus­ge­putzt mel­den wir uns bei­de, kurz nach drei Uhr mor­gens an Bord de Kut­ters. Bis zu den Stol­per Fang­ge­wäs­sern fährt die 230PS Ein­heit gute vier Stun­den.  Die “Ame­lia Bis” ver­fügt über eine klei­ne Mes­se und eini­ge Kojen. Von den Letz­te­ren erfah­ren wir aber erst, als gegen sie­ben Uhr plötz­lich eini­ge, zer­knit­ter­te Gestall­ten aus den “Untie­fen” hin­ter dem Steu­er­stand empor krie­chen. Für alle  zehn “Pas­sa­gie­re” hät­ten sie eh nicht gereicht.
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Wir ver­trei­ben uns die Zeit mit zwei älte­ren  pol­ni­schen Pro­fi-Ang­lern. See­manns­garn und Angel­tipps. Einer davon ist pol­ni­scher Meis­ter im Flie­gen­fi­schen und auch dem Hoch­see­an­geln nicht abge­neigt. Nach sei­ner Pro­phe­zei­ung wird der Rabe, mit sei­ner Tele­skop Angel, nix holen. Angeb­lich unge­eig­net — eine leich­te, zwei­tei­li­ge Rute ist das ein­zig Wah­re. Nun, eini­ge Zei­len wei­ter unten — wer­den wir sehen ob er Recht behielt. Kurz vor halb acht wird’s an Bord geschäf­tig. Ein Signal­horn sagt “die Spie­le mögen begin­nen”. Die Bun­des­li­ga-Ang­ler an Bug und Heck des Kut­ters wer­fen ihre teu­re­ren Vor­fä­cher mit ihren noch teu­re­ren Angeln ins tie­fe Ost­see­was­ser.
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Wir ver­pas­sen den Start etwas. Dem Wölf­chen fällt näm­lich erst hier ein, dass eine Angel samt Haken und “Weih­nachts­baum-Schmuck” ganz nütz­lich beim Hoch­see­an­geln wäre. Der Cap­tain ist leicht amü­siert, als der Rabe um 7:20 Uhr eine Rute und Zube­hör für den Wolf aus­leiht. Mit etwas Gefum­mel bas­teln Wölf­chens unge­üb­te Hän­de alles hin­ter­ein­an­der an die Hard­ware. Der pol­ni­sche Meis­ter hilft .… so sind sie, die Polen.

Eine vier­tel Stun­de spä­ter ist alles bereit. The Show must go on. Auch unse­re Vor­fä­cher ver­sin­ken in den Flu­ten. Noch ist kein Fisch an Deck. Erneut ertönt das Horn, alle Angeln wer­den ein­ge­rollt. Der Cap­tain bewegt das Boot eine hal­be See­mei­le nach Nor­den … wie­der Signal … aus­wer­fen … angeln … hof­fen. So ver­ge­hen die ers­ten zwei Stun­den. Bis auf einen Zwerg­dorsch hat nie­mand etwas am Haken.
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Die Ang­ler wer­den unru­hig, miss­mu­tig, der Kapi­tän ange­spann­ter, die Wech­sel­ma­nö­ver fol­gen in immer kür­ze­ren Abstän­den. Bis­her viel­leicht zwei Fische an Deck.
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Der Rabe kämpft mit sei­ner “teu­ren” Aus­rüs­tung. Die leuch­tro­te Schnur hat sich schon beim letz­ten Angel­ritt (vor 15 Jah­ren😁) ver­hed­dert und ist alle fünf Meter mit einem Kno­ten “ver­edelt”. Ver­nünf­ti­ges Aus­wer­fen, Abrol­len und Ein­rol­len ist kaum mög­lich. Plötz­lich Wie­der­stand beim Zie­hen. Ent­we­der der Drei­zack hat sich im Mee­res­bo­den ver­hakt oder .….  Es ist oder. Die Schnur lässt sich ein­ho­len, aber nur mit Kraft­auf­wand. Weni­ge Sekun­den spä­ter sieht der Rabe knapp unter der Was­ser­ober­flä­che das “gewal­ti­ge Mee­resun­ge­heu­er”. Kurz dar­auf ist ein Halb­me­ter-Dorsch in der Plas­te­wan­ne (halb mit See­was­ser gefüllt). Unser ers­ter Fisch … Es geht doch was … Wir wer­den uns nicht gänz­lich vor unse­ren Frau­en bla­mie­ren.
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Zwi­schen­zeit­lich hat der Cap­tain das Fang­ge­biet gewech­selt. “Ame­lia Max” ein befreun­de­ter Kut­ter hat grö­ße­re Schwär­me ent­deckt und teilt sie nun mit uns. Wir nut­zen die fang­ar­me Zeit zum Mit­tag­essen. Der Smut­je hat eine lecke­re Erb­sen­sup­pe mit Kass­ler gezau­bert — Tee bzw. Kaf­fee bekommt man auf Wunsch jeder­zeit zube­rei­tet. Ein Pole spen­diert uns ein Bier … wir sind dank­bar, geben eine Run­de Ziga­ril­los aus. Auf deut­schen Boo­ten kann man Alko­hol kau­fen — hier ist der Genuss ver­bo­ten, steht jeden­falls auf dem Schild. Schil­der sind aber gedul­dig — selbst Mit­ge­brach­ten kann man trin­ken. Wie­der was gelernt — wie­der zu spät☺.
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Noch was steht groß auf einem Schild im Steu­er­haus. Min­dest­län­ge des Fangs 37cm — maxi­ma­le Fisch­zahl pro Nase: SIEBEN. (in Deutsch­land 50–5) Die Mann­schaft ist nicht für die Ein­hal­tung zustän­dig. Wir fra­gen rum … es wird nicht kon­trol­liert, auch nicht im Hafen.

Nun geht es vor­wärts. Der Rabe hat etwa 30 Meter sei­ner ver­kno­te­ten Angel­schnur abge­schnit­ten — jetzt macht das Rol­lern Spaß. Abwech­selnd holt mal Wolf mal der Rabe einen Dorsch an Bord. Wölf­chen lässt “aus Dank­bar­keit” 😇 fünf Vor­fä­cher am Mee­res­grund lie­gen. Der Cap­tain bangt schon um sei­ne Vor­rä­te — freut sich aber über den Extraum­satz. Ein Pole zitiert eine See­ang­ler­weis­heit — “schenkst du dem Meer was, gibt das Meer Dir auch etwas”.
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Kurz vor 15 Uhr ertönt das letz­te Horn. Der Kapi­tän bedankt sich bei sei­nen Gäs­ten. Ins­ge­samt ent­rei­ßen wir bei­de der Natur 11 Dor­sche. Die Ost­see bekommt von uns dafür acht Vor­fä­cher. Fai­rer Tausch wie ich fin­de. Spaß und Aben­teu­er hat­ten wir alle mal. Das Wet­ter war per­fekt — Son­ne den gan­zen Tag lang, und die Tem­pe­ra­tur merkt man im Ost­frie­senn­erz über­haupt nicht. Jetzt noch die Rück­fahrt. Vier Stun­den … Rund 30 See­mei­len bis Ust­ka. Wölf­chen macht ein Nicker­chen — der Rabe dampft gemein­sam mit dem Die­sel.
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Genau die­se 30 Mei­len haben übri­gens die Opfer der “Gust­loff”, der “Steu­ben” und der “Goya” vor 73 Jah­ren vom ret­ten­den Ufer bei Stolp­mün­de getrennt. Rund 20 000 Men­schen star­ben 1945 genau hier. Ver­senkt von sowje­ti­schen U‑Booten, im eis­kal­ten Was­ser der Ost­see. Die größ­ten See­ka­ta­stro­phen der Mensch­heits­ge­schich­te über die man bis heu­te all­zu gern schweigt. Irgend­wo da unten lie­gen die Wracks noch. Ein schau­ri­ges Gefühl über­kommt den Raben.
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Kurz vor 19:00 Uhr legen wir im Hafen an. Die 16 Stun­den auf See ste­cken uns im den Kno­chen — wir sehen etwas geschafft aus. Wie es sich für anstän­di­ge Fischer­bräu­te gehört, war­ten unse­re Frau­en an der Pier auf uns. Hal­le­lu­ja (oder .… ver­dammt😀) sie haben uns wie­der.

Ein opu­len­tes Abend­mahl mit unse­ren Köni­gin­nen krönt die­sen Tag.

Ihrer Eulentät — Jahresrückblick 2017

Hin­ter uns liegt ein tol­les Jahr, da sind wir uns einig. Ste­tig haben wir an unse­rer Ernäh­rung gear­bei­tet, jaaaa das ist das rich­ti­ge Wort geARBEITet !!!. Dabei sind wir Immer wie­der auf ver­steck­te Gefah­ren gesto­ßen, denen wir uns ein­fach nicht aus­set­zen wol­len — sei es Fluo­rid in der Zahn­pas­ta, Che­mie in  Lebens­mit­teln, min­der­wer­ti­ges Fleisch und Gemü­se aus der indus­tri­el­len Land­wirt­schaft, Kuh­milch mit all ihren schäd­li­chen Aspek­ten,  uvm. Schon seit 2016 steu­ern wir gegen — in den ver­gan­ge­nen 12 Mona­ten haben wir noch wei­ter vom der gut­gläu­bi­gen All­ge­mein­heit ent­fernt.

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Fleisch, Wurst, Eier, Obst und Gemü­se kau­fen wir  nur noch von einem klei­nen pri­va­ten Bau­ern­hof. Viel teu­rer ist es nicht, aber der Genuss beim Essen ist ein­fach unbe­zahl­bar. Wir sind ech­te “Grü­ner-Tee-Trin­ker” gewor­den, mit der rich­ti­gen Sor­te und der rich­ti­gen Zube­rei­tung. Auf indus­tri­ell gefer­tig­te Geträn­ke ver­zich­ten wir sowie­so, Lei­tungs­was­ser mit Zitro­ne, Gur­ke oder Ing­wer ist super. Brau­ne Säge­spä­ne kom­men, eben­falls nicht mehr in unse­re Tas­sen. Eine frisch­ge­rös­te­te Boh­ne von klei­nen Ver­trags-Far­men in Süd­ame­ri­ka und Afri­ka schmeckt seit Jah­ren end­lich wie­der nach ech­tem Kaf­fee … allein der Duft ist betö­rend.

Und … klingt jetzt unsen­si­bel  … aber dem “Essen” beim glück­li­chen Leben auf einem klei­nen Hof, in die Augen zu sehen  gibt irgend­wie auch ein gutes Gefühl. Egal ob Fleisch, Gemü­se, Obst, Tee oder Kaf­fee .. wenn man erst­mal den  ursprüng­li­chen, vol­len Geschmack die­ser fri­schen, unver­fälsch­ten Lebens­mit­tel gekos­tet hat, will man nie wie­der zurück. Es geht ein­fach nicht mehr.

Für die täg­li­che war­me Mahl­zeit wird frisch ein­ge­kauft und das Zube­rei­ten ist zum Ritu­al gewor­den. Zu unse­rem kon­ti­nu­ier­li­chen Bewe­gungs­pro­gramm (4–5 x pro Woche) gehö­ren die Rücken­schu­le, Ten­nis, Bad­min­ton, Lau­fen und Schwim­men. Es waren 2017 immer­hin 2000 gelau­fe­ne Kilo­me­ter und 21 geschwom­me­ne!!! Wir sind stolz wie Bol­le.

2017 haben wir ein neu­es “Fami­li­en­mit­glied” aus einem “Heim” in Bay­ern abge­holt — wir haben ihn Kea getauft, damit er in unse­ren Schwarm passt. Ein lieb gewon­ne­ner Gefähr­te blieb dafür dort. Die Trau­er hielt sich in Gren­zen — der Freu­de über­wog.
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Auch sonst sind wir ech­te Glücks­kin­der. Zwei tol­le Urlau­be haben unse­ren Hori­zont erwei­tert und aus uns end­gül­tig indi­vi­du­ell Aben­teu­rer gemacht. Auf Zypern konn­ten wir haut­nah Schild­krö­ten bei der Eiab­la­ge beob­ach­ten. Unser Alba­ni­en­ur­laub war der schöns­te über­haupt in mei­nem Leben. Mit dem Miet­au­to unbe­rühr­te Natur ent­de­cken, in urna­tür­li­chen Ther­mal­quel­len baden und Men­schen Ken­nen­ler­nen, deren Gast­freund­schaft über­wäl­ti­gend ist.
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In Par­ty-Stim­mung waren wir eben­falls oft. Wir waren dabei als die Sie­ger von “The Voice auf Ger­ma­ny” ihre Stim­men in der Erfur­ter Mes­se­hal­le prä­sen­tier­ten und auch die  Nacht mit “Traum­hits” wird unver­ges­sen blei­ben. Wir fei­er­ten zum zwei­ten Mal zusam­men mit 10 000 Biker’n das größ­te Har­ley­tref­fen unse­rer Brei­ten­gra­de. Das Jahr bescher­te uns die pol­ni­schen Rock­le­gen­den BAJM (im Dezem­ber) und PERFECT (im August) die hier­zu­lan­de völ­lig unbe­kannt sind aber gigan­ti­sche Auf­trit­te lie­fern samt fan­tas­ti­scher Songs.

Auch bei Auf­trit­ten rich­ti­ger “Grö­ßen” durf­ten wir live dabei sein. Zusam­men mit 70 Tau­send Fans bei PUR auf Schal­ke, in der Mer­ce­des Benz Are­na in Ber­lin beim DJ BOBO und beim kusche­li­gen Stu­dio­kon­zert mit NENA im Natur­thea­ter Stein­bach-Lan­gen­bach . Das Kon­zert von PINK in der Ber­li­ner Wald­büh­ne (es gab euro­pa­weit nur 4 Auf­trit­te) war die abso­lu­te Krö­nung — him­mel­hoch jauch­zend, ein­fach unbe­schreib­lich … wie geil war das denn! Wir freu­en uns auf die kom­men­de Tour­nee, hof­fent­lich 2018.
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Fast hät­te ich ver­ges­sen das Klez­mer-Orches­ter in der Erfur­ter Luther­kir­che zu erwäh­nen. Ange­fan­gen hat es mit einem unschein­ba­ren Fly­er und es wur­de ein wun­der­vol­les, ein­zig­ar­ti­ges musi­ka­li­sches Erleb­nis. Manch­mal sind es ja die klei­nen Din­ge die Freu­de machen. So zum Bei­spiel in der Kar­wo­che, als in Erfurt die tra­di­tio­nel­le “Nacht der klei­nen Haus­mu­sik” statt­fand. Wir waren das drit­te Jahr hin­ter­ein­an­der dabei. Es ist immer wie­der über­ra­schend anders und schön. Genau­so fin­det in Erfurt alle 2. Jah­re die ” Lan­ge Nacht der Wis­sen­schaft” statt, naja alles kann man ja noch­mal ganz genau bis ins kleins­te Detail in unse­rem Blog nach­le­sen.
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Besu­che sport­li­cher Ver­an­stal­tun­gen zwei­er tol­ler Teams ste­hen bei uns fest im Pro­gramm. Ein Hoch auf die “Black Dra­gons” und die Vol­ley­bal­le­rin­nen von SWE Vol­ley Team!  Trotz allem blieb sogar noch für die Fami­lie Zeit. Der Rabe dach­te, es ist Zeit die Eulen­kö­ni­gin beson­ders lie­ben Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen vor­zu­stel­len. Es war Sym­pa­thie auf den ers­ten Blick, Dan­ke an Bet­ty, Chris, Mati, Jani­na, Janusz, Hele­na und Egon.

Unser Städ­te­trip führ­te uns 2017 zusam­men mit Freun­den nach Kra­kau. Da hat uns beson­ders das jüdi­sche Vier­tel gefal­len. Das Flair, die Knei­pen mit Live­mu­sik und kosche­ren Spei­sen beglück­ten uns auf beson­de­re Wei­se.
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2017 war ein tol­les Jahr — wir sind gesund, glück­lich und vol­ler posi­ti­ver Ener­gie und ob es das Glas Wein am Sams­tag­mit­tag vor dem Erfur­ter Dom ist oder ein gemüt­li­cher Sonn­tags­spa­zier­gang mit “Grün­mom” zwi­schen Schneck­chen und Kreuz­chen … das Leben ist schön und kost­bar .… jede Minu­te! Wir sind dank­bar, dass wir  in die­ser ver­rückt gewor­de­nen Welt mit sol­chen Erleb­nis­sen beschenkt wur­den.

Und es geht doch … Islam ist nicht gleich Islam

Die Gegen­stän­de auf den fol­gen­den zwei Fotos hei­ßen in Alba­ni­en bei­de: DER KORAN. Viel­leicht ist das schon ein ers­ter Hin­weis dar­auf, dass in Alba­ni­en irgend­et­was anders ist als in der GANZEN übri­gen Welt. Die Mehr­heit der Alba­ner sind Mus­li­me … aaaaaber … auf die Aus­le­gung der Fer­se des Buches der Bücher kommt es an. Ein Ver­sucht der Ergrün­dung die­ses Phä­no­mens.
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Trotz der oft ver­laut­bar­ten Beden­ken, dass der isla­mi­sche Fun­da­men­ta­lis­mus auch in Alba­ni­en und im Koso­vo Fuß fas­sen könnte, scheint es hie­für kei­ne Bestä­ti­gung zu geben. Im Koso­vo und West­ma­ze­do­ni­en, wo ein libe­ra­ler Islam wie in Bos­ni­en durch eini­ge fana­ti­sier­te ortho­do­xe Ser­ben und Maze­do­ni­er ange­grif­fen wird, scheint es höchst unwahr­schein­lich, dass der Fun­da­men­ta­lis­mus sich fest­set­zen könnte. Der Kampf der Koso­vo-Alba­ner um Frei­heit und Unabhängigkeit ist und bleibt ein natio­na­ler und poli­ti­scher Kampf. Von alba­ni­scher Sei­te spielt die Reli­gi­on dar­in kei­ne Rol­le.

In der alba­ni­schen Bevölkerung fehlt immer noch das Inter­es­se an der Reli­gi­on. Die Men­schen sowohl in Alba­ni­en wie auch im Koso­vo sind viel zu sehr mit der Bewältigung ihres täglichen Lebens beschäftigt – mit dem nack­ten Überleben, als dass sie Zeit hätten, über Grund­fra­gen des Glau­bens nach­zu­den­ken. Den­noch ist nicht zu leug­nen, dass der Islam wesent­lich dazu bei­getra­gen hat, aus den Alba­nern das zu machen, was sie heu­te sind. Er ist ein wich­ti­ger Bestand­teil der Natio­nal­kul­tur Alba­ni­ens. Dass es so ist, ist der sehr mode­ra­ten und gemä­ßig­ten Aus­le­gung des Islams zu ver­dan­ken. Die Zau­ber­for­mel heißt

Alevitentum

Ob das Ale­vi­ten­tum in sei­ner heu­ti­gen Form dem Islam zuzu­ord­nen ist oder eine eigen­stän­di­ge Reli­gi­on dar­stellt, ist in der For­schung und unter den Ale­vi­ten selbst umstrit­ten. Ziel eines Ale­vi­ten ist die Erleuch­tung / Voll­kom­men­heit durch Wer­te wie Nächs­ten­lie­be, Beschei­den­heit und Geduld. Huma­nis­mus und Uni­ver­sa­lis­mus prä­gen den ale­vi­ti­schen Glau­ben. Die Mehr­heit der für Sun­ni­ten und Schii­ten gel­ten­den Ver­bo­te und Gebo­te aus dem Koran wer­den von Ale­vi­ten nicht befolgt. Die grund­le­gen­den Unter­schie­de zwi­schen Ale­vi­ten und Sun­ni­ten sind seit der osma­ni­schen Zeit der Grund für die Unter­drü­ckung und Ver­fol­gung der Ale­vi­ten.
Die zwei­te Zau­ber­for­mel heißt …

Bektashi

Die reli­giö­se Pra­xis der Bek­ta­schi weicht von der isla­mi­schen Ortho­do­xie ab. Das Gebet ist nicht an bestimm­te Tages­zei­ten gebun­den, son­dern kon­zen­triert sich auf die Abend­stun­den, in denen die Arbeit ruht …  und die Gläu­bi­gen sich mit Hin­ga­be den Zere­mo­ni­en des Cem wid­men. In die­sem Ritus wer­den die Gläu­bi­gen (Frau­en UND Män­ner) durch Gesang, Musik und die Rezi­ta­ti­on von Hym­nen und Hel­den­sa­gen, beglei­tet von Klän­gen einer Saz (einer Art Lau­te)  in mys­ti­sche Stim­mung des ‚Eins-Seins‘ (El ele ve el hak­ka) ver­setzt.

Alle stre­cken dabei gemein­sam ihre Hän­de dem Schöp­fer (Hak-Tan­ri-Allah) ent­ge­gen. Der Semah-Tanz ist der ritu­el­le Tanz der Ale­vi­ten und Bek­ta­schi, der inner­halb der Cem-Zere­mo­nie statt­fin­det. Er ist Aus­druck der ewi­gen Wie­der­kehr aller Schöp­fun­gen, denn im Semah-Tanz dre­hen sich Frau­en und Män­ner (als Sinn­bild der Gegen­sät­ze) im Kreis und bil­den sym­bo­lisch den Umlauf der Pla­ne­ten um die Son­ne nach.

Ihr höchs­tes Fest bege­hen die Bek­ta­schi all­jähr­lich eine Woche lang am Berg Tomorr bei Berat in Süd­al­ba­ni­en. Um die Lebens­hal­tung der Bek­ta­schi zu beschrei­ben, wird gern fol­gen­de Anek­do­te erzählt: „Der Kalif besuch­te das Ober­haupt des Bek­ta­schi-Ordens. Als er die üppi­gen Wein­ber­ge um das Kon­vent des Ordens erblick­te, frag­te er: ‚Mein lie­ber Freund, was macht ihr denn mit den vie­len Wein­trau­ben?‘ ‚Ach‘, ant­wor­tet der Der­wisch, ‚wir essen ger­ne süße, rei­fe Trau­ben.‘ Der Kalif dar­auf: ‚Aber es ist doch unmög­lich, so vie­le Wein­trau­ben zu ver­spei­sen.‘ Der Der­wisch dar­auf­hin: ‚Das ist kein Pro­blem. Was wir nicht essen kön­nen, das pres­sen wir und lagern es in Holz­fäs­sern. Und was dann geschieht, ist allein Allahs Wil­le.‘“

Wie tief die­ser Wil­le zum fried­li­chen Mit­ein­an­der ver­wur­zelt ist ver­deut­lich­te uns der Imam der Xha­mia Mbret (Königs­mo­schee in Berat). Fas­zi­niert hör­ten wir sei­nen Erzäh­lun­gen zu. Die Eulen­kö­ni­gin war ver­wun­dert, dass sie ohne Kopf­tuch sein Got­tes­haus betre­ten durf­te und sogar in dem über 250 Jah­re alten Koran blät­tern durf­te. Als er uns spä­ter die Hal­ve­ti-Tek­ke zeigt und erläu­tert, geht er eben dar­auf ein, dass in Alba­ni­en die Men­schen, Fami­li­en­mit­glie­der, Nach­barn ver­schie­de­ner Reli­gio­nen sich seit Jahr­hun­der­ten ver­tra­gen.
Zusam­men ihre jewei­li­gen Fei­er­ta­ge fei­ern, sich gegen­sei­tig respek­tie­ren und ach­ten. Der Rabe über­setzt sei­nem Eul­chen was er den eng­lisch spra­chi­gen Aus­füh­run­gen des Imams ent­nimmt. An einer stel­le “ergänzt” der Rabe die Über­set­zung und erklärt, dass über­all sonst —  Suni­ten und Schii­ten (bei­des Mus­li­me) nicht mit­ein­an­der aus­kom­men, und schlägt dabei mit sei­ner rech­ten Faust in die lin­ke Hand­flä­che. Als der Imam das sieht (viel­leicht ver­stand er auch etwas Deutsch) — wird sei­ne Stim­me fes­ter und er betont sehr ein­dring­lich

HIER NICHT, hier in Albanien nicht. Wir verstehen uns untereinander, Es gibt keine Probleme.”

Wir sind geplät­tet und beein­druckt zugleich. War­um funk­tio­niert es in einem Land und woan­ders nicht??? Wie vie­le Kon­flik­te wer­den noch im Namen von Reli­gio­nen geführt??? Wie vie­le Men­schen wer­den noch ster­ben müs­sen im Namen Got­tes, wie auch immer er hei­ßen mag?

Ein­mal beim The­ma Reli­gi­on, hier noch ein Text von EDUARD Q. GASHI (vom 26. Dezem­ber 2015) zum The­ma

Albanische Weihnachten — Nata e Krishtit

Wenn in die­sem Text von Alba­ni­en gespro­chen wird ist immer der alba­ni­sche Kul­tur­raum gemeint. Die­ser erstreckt sich über wei­te Tei­le  Alba­ni­ens, des Koso­vo, Ost- und Süd Mon­te­ne­gro, Süd-West Ser­bi­en, West-Maze­do­ni­en und sowie West-Grie­chen­land.

Die christ­li­chen Alba­ner gehö­ren der ortho­do­xen und katho­li­schen Kon­fes­si­on an. Daher gibt es inner­halb der christ­li­chen Alba­ner Unter­schie­de in der Art und Wei­se wie man Weih­nach­ten fei­ert. Seit Mit­te des 20. Jahr­hun­derts wech­sel­ten die Ortho­do­xen in Alba­ni­en zum gre­go­ria­ni­schen Kalen­der über und fei­ern Weih­nach­ten nun im Dezem­ber. Was man beson­ders erwäh­nen soll­te ist, dass die reli­giö­sen Fes­te in Alba­ni­en gemein­sam gefei­ert wer­den. Auch die reli­giö­sen Füh­rer besu­chen sich gegen­sei­tig zu den gro­ßen Fes­ten und beglück­wün­schen sich. So beglück­wünscht die Isla­mi­sche Ver­ei­ni­gung die christ­li­chen Gläu­bi­gen zu deren Fes­ten genau­so wie die alba­ni­schen Bischö­fe die mus­li­mi­schen Gläu­bi­gen zu deren Fes­ten.

Schießereien in Albanien

In eini­gen Regio­nen Alba­ni­ens war es Brauch, einen Wid­der zu schlach­ten und den Armen einen Teil des Flei­sches als Almo­sen zu geben: Bei dem Stamm Kel­men­di wur­den zu die­ser Jah­res­zeit Almo­sen auf die Grä­ber von ver­stor­be­nen Ver­wand­ten gelegt. Bei den Sha­la war es Sit­te, Käse, Brot, Sah­ne und Joghurt auf die Grä­ber zu legen und eine Ker­ze auf das Kreuz zu stel­len. Die Lebens­mit­tel wur­den anschlie­ßend an die Armen ver­schenkt. In Boga behiel­ten die Schaf­hir­ten am Hei­li­gen Abend den gan­zen Tag lang einen Stein im Mund, den sie erst vor dem Abend­mahl aus­spuck­ten. Die gan­ze Nacht wur­de gewacht, damit die am Hei­li­gen Abend ange­zün­de­te Ker­ze nicht erlosch. Um Mit­ter­nacht läu­te­ten die Kirch­glo­cken und man besuch­te die hei­li­ge Mes­se. Im Anschluss an die hei­li­ge Mes­se fand eine mit­ter­nächt­li­che Schie­ße­rei statt. Heu­te wird mit einem Feu­er­werk die­se Tra­di­ti­on wei­ter auf­recht erhal­ten. Das Schie­ßen galt für die Alba­ner immer als ein Zei­chen der Freu­de und Fei­er.  Bis heu­te wird bei Hoch­zei­ten gern ein Feu­er­werk ver­an­stal­tet.

In der Regi­on um Mir­d­i­ta wur­de am Hei­li­gen Abend schon bei Son­nen­un­ter­gang geschos­sen. Wenn der Abt der Mir­di­ten am Weih­nachts­tag nach der Mes­se die nie­der­kni­en­den Gläu­bi­gen, mit den Reli­qui­en des hei­li­gen Alex­an­der, seg­ne­te — ant­wor­te­ten sie, ohne auf­zu­ste­hen, mit Schüs­sen.

Um eine gute Obst­ern­te im Som­mer zu sichern, berühr­te man zu Weih­nach­ten mit einem Beil das Stroh, das sich unter dem Küchen­tisch befand. Der Besit­zer von Obst­bäu­men sag­te dabei “Bin­de oder ich zer­ha­cke euch!” Dann ging er mit dem Stroh nach drau­ßen und band es um die Obst­bäu­me, um sicher zu sein, dass im Som­mer das Obst nicht vor­zei­tig vom Baum fal­len wür­de. Die­se Sit­te wird noch in vie­len alba­ni­schen Dör­fern West­ma­ze­do­ni­ens auf­recht­erhal­ten, wo Weih­nach­ten unter der sla­wi­schen Bezeich­nung Bozhiq genannt wird. In  Nord­al­ba­ni­en und im Koso­va wur­de Stroh zu Weih­nach­ten auf die Fel­der gestreut, um eine gute Ern­te zu sichern.

Weihnachtsklotz

Der Weih­nachts­klotz (alba­nisch BUMM) ist in vie­len christ­li­chen Län­dern der Erde bekannt. Am Hei­li­gen Abend, geht ein Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger, in den Hof, ruft den Namen des Haus­her­ren und ver­kün­det “Heu­te kommt der Weih­nachts­klotz. Er kommt mit Brot, er kommt mit Käse, er kommt mit But­ter und er kommt mit allem Guten!” Hier­auf ant­wor­tet der Haus­herr “Sei will­kom­men!”
Der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge kommt nun wie­der her­ein und bringt auf sei­nem Rücken einen gro­ßen Holz­klotz hin­ein, der von allen gegrüßt wird. Er wird “edler Weih­nachts­klotz” genannt und mit Wür­de behan­delt, als ob es sich um einen wer­ten Gast han­delt.
Aus Gast­freund­schaft, und im über­tra­ge­nen Sin­ne als Opfer­ga­be, stellt man einen guten Teil der Spei­sen und Geträn­ke auf dem Weih­nachts­klotz. Dann wird der Klotz ange­zün­det und muss die gan­ze Nacht über bren­nen. Die vom Klotz übrig geblie­be­ne Asche wird danach auf die Fel­der bzw. unter die Obst­bäu­me gestreut, um für das kom­men­de Jahr eine gute Ern­te zu sichern. In Nord­al­ba­ni­en bemüh­ten sich die Pries­ter frü­her die­sen Brauch zu unter­bin­den, angeb­lich wegen des gro­ßen Ver­lusts an Lebens­mit­teln.

Im Koso­vo ist es brauch auf dem Klotz auch ein Kreuz zu malen oder zu rit­zen. Auch wur­den Äste zu einem Kreuz geformt und im Hof stan­den Kin­der die dann mit dem Weih­nachts­klotz ins Haus gin­gen. Es wur­de oft geru­fen “Der Weih­nachts­klotz kommt mit Gesund­heit, Wohl­stand, Reich­tum und Fort­schritt” Der Brauch des Weih­nachts­klot­zes wur­de nicht nur von Katho­li­ken, son­dern auch von Mos­lems ein­ge­hal­ten und lässt auf ein vor­christ­li­ches Fest schlie­ßen, das mit der Win­ter­son­nen­wen­de in Ver­bin­dung steht. Aber es zeigt auch, dass die alba­ni­schen Mus­li­me sich ihrer christ­li­chen Wur­zeln bewusst sind, so fei­ern sie auch den hei­li­gen Georg (Shen Gje­rg­ji) und ande­re Fes­te deren Ursprung im Chris­ten­tum lie­gen.

In eini­gen Gegen­den Alba­ni­ens wur­de der Weih­nachts­klotz am Heii­li­gen Abend ange­zün­det und aus­ge­löscht, am Syl­ves­ter­abend wie­der ange­zün­detund wie­der aus­ge­löscht und schließ­lich am Drei­kö­nigs­tag, den 6. Janu­ar, zum drit­ten und letz­ten Mal ange­zün­det. Im Tal der Reka e Eper­me (Maze­do­ni­en) wird der Brauch des Weih­nachts­klot­zes, dort BENIK genannt, nur am Drei­kö­nigs­tag ein­ge­hal­ten. Vor Son­nen­un­ter­gang gehen die Män­ner der ortho­do­xen Fami­li­en in den Wald, um eine Buche zu fäl­len. Dabei wer­den Wett­be­wer­be ver­an­stal­tet, um aus­zu­ma­chen, wer mit dem Baum­stamm als ers­ter nach Hau­se kommt. Die Stäm­me wer­den zunächst in die Innen­hö­fe gebracht und gegen die Haus­mau­er gelehnt. Wenn man am Abend den Klotz ins Haus bringt, muss man dafür Sor­ge tra­gen, dass das gefäll­te Ende des Baums auf die letz­ten Son­nen­strah­len gerich­tet wird. Erst nach Son­nen­un­ter­gang wird der Klotz ange­zün­det.

Speisen am Heiligen Abend

Der hei­li­ge Abend heißt auf alba­nisch “Nata e Krish­tit” (Die Nacht des Chris­tus). Unter den Katho­li­ken im Koso­vo war es brauch an die­sem Tag als Zei­chen der Vor­be­rei­tung auf Weih­nach­ten zu Fas­ten. So kommt an die­sem Abend kein Fleisch auf den Tisch. Tra­di­tio­nel­le Spei­sen sind Boh­nen­sup­pe, Fisch und Blät­ter­teig gefüllt mit Wal­nüs­sen und Kür­bis. Am Hei­li­gen Abend wird der Tisch nicht abge­deckt. Er muss als Zei­chen für die Dank­bar­keit für den Wohl­stand und als bit­te für Wohl­stand im kom­men­den Jahr voll mit Lebens­mit­teln blei­ben. Auch wird über Nacht das Licht an dem reich gedeck­te Tisch nicht aus­ge­macht.

In den fol­gen­den Weih­nachts­ta­gen besucht man sei­ne Ver­wand­ten, Bekann­ten und Freun­de und man erhält viel Besuch. Cha­rak­te­ris­tisch für den Koso­vo sind die übli­chen und teil­wei­se lang aus­fal­len­den Gruß­wor­te des Haus­her­ren und der Gäs­te.
— Der Haus­herr begrüßt sei­ne katho­li­schen Gäs­te Gelobt sei Jesus Chris­tus”
- die Gäs­te ant­wor­ten “in Ewig­keit und wäh­rend des gan­zen Lebens”.
- D
er Haus­herr “wir dan­ken Gott, dass er euch zu uns geführt hat. Will­kom­men Fro­he Wei­hach­ten. Mögen die­se Weih­nach­ten euch alle behü­ten und euch alles gute brin­gen. Möget ihr jedes Jahr aufs neue immer bes­se­re Weih­nach­ten fei­ern und so wie es euer Herz wünscht!
— die Gäs­te ant­wor­ten der Rei­he nach “Gelobt sei Jesus Chris­tus”
— der Haus­herr “In Ewig­keit und wäh­rend des gan­zen Lebens”
— der Gast “Gott schen­ke euch Wohl­stand. Es freut uns, dass ihr die­ses Fest gut behü­tet und Gesund fei­ert. Möget ihr vie­le wei­te­re Weih­nach­ten fei­ern. Mögen die­se Weih­nach­ten euch Glück, Gesund­heit und Wohl­stand schen­ken” Die­sen Gruß spricht man aus mit einem Gläs­chen Raki oder Rot­wein in der Hand.

Geschenke spielen zu Weihnachten keine große Rolle wie in Deutschland. Die Kinder bekommen paar Kleinigkeiten. Weihnachten ist mehr ein religiöses Familienfest, wo der Kommerz und Konsum nur drittrangig ist.

Obwohl die alba­ni­schen Gebie­te mus­li­misch geprägt sind, wer­den die Städ­te und Plät­ze in der Advents­zeit weih­nacht­lich deko­riert und es gibt auch Weih­nachts­märk­te in den grö­ße­ren Städ­ten. Das zeigt, dass die Alba­ner eine gesun­de Ein­stel­lung zur Reli­gi­on haben. Sie prak­ti­zie­ren ihre eige­ne Reli­gi­on und doch respek­tie­ren sie die Reli­gi­on des ande­ren. Dies ist beson­ders gut sicht­bar da, wo Fami­li­en  stark ver­mischt sind. Wo es inner­halb einer Groß­fa­mi­lie, Mus­li­me und Chris­ten gibt. Denn als letzt­end­lich einend, wird die Spra­che, das Land und die Nati­on ange­se­hen. Es ist nicht unüb­lich in Kir­chen und Mosche­en die alba­ni­sche Natio­nal­flag­ge vor­zu­fin­den, denn wer sei­ne Nati­on nicht liebt, kann auch Gott nicht lie­ben, so die ver­brei­te­te Mei­nung.