Apropos Albanien — Geo und Sozialkunde Auffrischung

Als wir unse­ren Freun­den, Bekann­ten und Fami­lie eröff­net haben, dass wir eine Ent­de­ckungs­tour durch Alba­ni­en pla­nen – waren die Reak­tio­nen sehr ver­hal­ten. Von Arbei­ter bis mehr­fach pro­mo­viert hieß es: „Alba­ni­en??? – kann man da über­haupt hin?“, „… da ist doch noch Krieg“ oder (das war der Bes­te) – „Alba­ni­en, das liegt doch nicht in Euro­pa“.

Es herrscht defi­ni­tiv Unwis­sen­heit, im Vol­ke der Dich­ter und Den­ker,  was Alba­ni­en angeht. Im bes­ten Fal­le schwant es man­chen, dass es irgend­wo im Süden Euro­pas liegt – das ist schon mal Top … 3 Pkt. für die­se Ant­wort. Dass es direkt an Grie­chen­land und übers Was­ser an Ita­li­en grenzt weiß schon kaum jemand. Huuuuuuh … Angst … Jugo­la­wi­en … Koso­vo … Krieg .… da wird es beson­ders pein­lich für uns Deut­sche.

Was den Krieg angeht – der letz­te Krieg der in Alba­ni­en herrsch­te war der 2. Welt­krieg … ziem­lich genau wie bei uns. Die meis­ten haben sicher den Zer­fall von Jugo­sla­wi­en im Kopf .. scha­de nur, dass Nie­mand weiß, dass sich da in der Haupt­sa­che Ser­ben und Kroa­ten bekriegt haben. Zagreb und Dubrov­nik wur­den beschos­sen bzw. bela­gert – es ist 27 Jah­re her und heu­te fragt kei­ner, der eine Rei­se nach Kroa­ti­en bucht, … „wird da noch geschos­sen?“

Viel­leicht ist den Leu­ten auch Koso­vo beson­ders in Erin­ne­rung. Schließ­lich waren „unse­re Jungs“ dort sta­tio­niert und der Koso­vo grenzt ja an Alba­ni­en. Rich­tig dort leben auch ganz vie­le s.g. Koso­vo-Alba­ner – und die woll­ten auch unab­hän­gig wer­den von den Jugos. Sie grün­de­ten einen eige­nen Staat und da wur­de der böse Milo­se­vic zor­nig und schick­te die Ser­bi­sche Armee mal hin. Nach 15 Mona­ten war dann der Spuck vor­bei. Seit­dem über­wacht eine UN Trup­pe (ähn­lich wie auf Zypern) den Frie­den in der Regi­on und die Ser­ben haben offi­zi­ell auf den Ter­ri­to­ri­al­an­spruch ver­zich­tet.

Alba­ni­en ist zwar ein armes aber ein sehr siche­res Land. Es wird von sehr gemä­ßig­ten Mus­li­men und ortho­do­xen Chris­ten bewohnt, die alle samt eins gemein­sam haben – sie sind gast­freund­lich.

In vie­len Tei­len des Lan­des herrscht (unge­schrie­ben) der Kanun. Ein Gesetz, das von Dorf- und Stam­mes­äl­tes­ten aus­ge­übt wird und an das sich die Bewoh­ner unter­ein­an­der hal­ten. Was ähn­lich dem Scha­ria – etwas mit­tel­al­ter­lich und über­holt klingt – ver­hin­dert in Wirk­lich­keit seit Jahr­hun­der­ten Stam­mes­feh­den und schlim­me­re Kon­flik­te. Ein fried­li­ches Mit­ein­an­der herrscht in die­sem Land. Dank die­ser uralten Tra­di­tio­nen ist seit Jahr­zehn­ten kei­nem Frem­den auch nur ein Haar gekrümmt wor­den. Alba­ni­en zählt zu den sichers­ten Län­dern der Welt. In Sta­tis­ti­ken hat es sogar Deutsch­land hin­ter sich gelas­sen.

Wir freu­en uns auf das wun­der­schö­ne Land … von den Alba­ni­schen Alpen bis an die Mit­tel­meer­küs­ten, auf sei­ne Natur, sei­ne Men­schen und zau­ber­haf­ten Orte.

Nicht in Watte gepackt und trotzdem Überlebt.

Ein W U N D E R ist geschehen und das gleich millionenfach.

Im Inter­net fan­den wir einen Text, so ganz anders und ehr­lich, dass wir ihn wie­der­ge­ben, ohne den Ver­fas­ser zu ken­nen.

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jah­ren leb­test, ist es zurück­bli­ckend kaum zu glau­ben, dass wir so lan­ge über­le­ben konn­ten! Als Kin­der saßen wir in Autos ohne Sicher­heits­gur­te und ohne Air­bags. Unse­re Bett­chen waren ange­malt in strah­len­den Far­ben vol­ler Blei und Cad­mi­um. Ganz zu schwei­gen vom Tape­ten­leim, dem Kle­ber des Lin­ole­ums oder den PVC-Dämp­fen des Spann­tep­pichs. Die Fläsch­chen aus der Apo­the­ke konn­ten wir ohne Schwie­rig­kei­ten öff­nen, genau­so wie die Fla­sche mit Bleich­mit­tel. Steck­do­sen, Schrank­tü­ren und Schub­la­den waren noch nicht kin­der­si­cher. Mes­ser, Sche­re, Gabel und Licht wur­den uns zwar ver­bo­ten, aber meis­tens muss­ten wir uns erst ein­mal dar­an ver­let­zen, um es zu glau­ben. Unse­re
Fahr­rä­der, Rol­ler und die Roll­schu­he fuh­ren wir ohne Knie- und Arm­schüt­zer und ohne Helm.

Wir tran­ken Was­ser aus Was­ser­häh­nen und nicht aus Fla­schen. Wahn­sinn! Wir aßen fet­ti­ge Schmalz­nu­deln und frisch­ge­ba­cke­nes Brot mit fin­ger­dick But­ter drauf, dazu gab es über­zu­cker­te Limo­na­den oder künst­li­ches Sirup­was­ser. Über­mä­ßig dick gewor­den sind wir des­we­gen nicht, weil wir immer drau­ßen her­um­tob­ten. Wir haben zu fünft aus einer Limo­fla­sche getrun­ken — und es ist tat­säch­lich kei­ner dar­an gestor­ben! Wir bau­ten Wagen aus Sei­fen­kis­ten und ent­deck­ten wäh­rend der ers­ten Fahrt den Hang hin­un­ter, dass wir die Brem­sen ver­ges­sen hat­ten. Damit kamen wir nach eini­gen Unfäl­len klar. Wir ver­lie­ßen nach den Schul­ar­bei­ten das Haus zum Spie­len. Höchs­tens unter­bro­chen von Essens­pau­sen kamen wir erst wie­der heim, als es dun­kel wur­de und man den Fuß­ball nicht mehr rich­tig sehen konn­te.
Wir waren nicht zu errei­chen. Kei­ne Han­dys. Unvor­stell­bar! Wenn es reg­ne­te, spiel­ten wir bei Freun­den Mono­po­ly oder Mensch ärge­re dich nicht, Müh­le und Dame und lie­ßen Match­box-Autos in selbst­ge­bas­tel­ten Städ­ten fah­ren. Wir hat­ten kei­ne Play­sta­ti­on, Nin­ten­do, X‑Box, Video­spie­le, 64 Fern­seh­ka­nä­le, Fil­me auf Video oder DVD, Sur­round-Sound, eige­ne Fern­se­her, Com­pu­ter, Inter­net-Chat-Rooms.

Wir hat­ten Freun­de. Wir gin­gen ein­fach raus und tra­fen sie auf der Stra­ße. Oder wir mar­schier­ten ein­fach zu deren Heim und klin­gel­ten. Manch­mal brauch­ten wir gar nicht klin­geln und gin­gen ein­fach hin­ein. Ohne Ter­min und ohne Wis­sen unse­rer gegen­sei­ti­gen Eltern. Kei­ner brach­te uns und kei­ner hol­te uns. Wie war das nur mög­lich? Wir haben Fuß­ball gespielt mit allem, was sich kicken ließ. Und wenn einer einen ech­ten Leder­ball hat­te, war er der King und durf­te immer mit­spie­len, egal, wie schlecht er war. Um im Ver­ein mit­spie­len zu dür­fen, gab es Auf­nah­me­prü­fun­gen, die nicht jeder bestan­den hat. Wer es nicht schaff­te, lern­te mit der Ent­täu­schung umzu­ge­hen. Wir spiel­ten Völ­ker­ball bis zum Umfal­len. Manch­mal tat es weh, wenn man abge­wor­fen wur­de. Wir sind von Bäu­men und Mau­ern gesprun­gen, haben uns geschnit­ten, auf­ge­schürft und haben uns den Arm gebro­chen, manch­mal sogar Zäh­ne aus­ge­schla­gen.

Wir hat­ten Unfäl­le!
Es waren ein­fach Unfäl­le, an denen wir schuld waren. Es gab nie­man­den, den man dafür ver­ant­wort­lich machen konn­te und viel­leicht sogar noch vor den Kadi brach­te. Wer erin­nert sich noch an Unfäl­le?
Unse­re Knie und Knö­chel waren von Früh­jahr bis Herbst lädiert. Ein Schien­bein ohne blaue Fle­cken gab es nicht.
Wenn wir uns an Brenn­nes­seln gebrannt oder uns eine Mücke gesto­chen hat­te, haben wir ent­we­der drauf­ge­spuckt oder des Nach­bars Hund drü­ber lecken las­sen oder drauf­ge­pin­kelt. Gehol­fen hat alles. Wir haben gestrit­ten, gerauft und uns geprü­gelt. Damit muss­ten wir leben, denn es inter­es­sier­te die Erwach­se­nen nicht. Wir haben Spie­le erfun­den — mit
Stö­cken und Ten­nis­bäl­len. Mit Ästen haben wir gefoch­ten, und wir haben Wür­mer geges­sen. Und die Pro­phe­zei­un­gen tra­fen nicht ein: Die Wür­mer leb­ten nicht in unse­ren Mägen für immer wei­ter, und mit den Stö­cken sta­chen wir nicht beson­ders vie­le Augen aus.

Man­che Schü­ler waren nicht so schlau wie ande­re. Sie ras­sel­ten durch Prü­fun­gen und wie­der­hol­ten Klas­sen. Das führ­te nicht zu emo­tio­na­len Eltern­aben­den oder gar zur Ände­rung der Leis­tungs­be­wer­tung. Unse­re Taten hat­ten manch­mal Kon­se­quen­zen. Und kei­ner konn­te sich ver­ste­cken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz ver­stieß, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schla­mas­sel her­aus­hol­ten. Im Gegen­teil: Sie waren der glei­chen Mei­nung wie die Poli­zei! So etwas!

Unse­re Eltern trau­ten uns zu, die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Meis­tens hat es geklappt. Die paar Mal, die dane­ben gin­gen, zäh­len wir zu unse­ren Lebens­er­fah­run­gen. Unse­re Genera­ti­on hat eine Fül­le von inno­va­ti­ven Pro­blem­lö­sern und Erfin­dern mit Risi­ko­be­reit­schaft her­vor­ge­bracht. Wir hat­ten Frei­heit, Miss­erfolg, Erfolg und
Ver­ant­wor­tung. Mit all­dem wuss­ten wir umzu­ge­hen. Und Du gehörst auch dazu.
Herz­li­chen Glück­wunsch!

Weltreise an einem Tag

Wir haben ja nun die wei­te Rei­se nach Gel­sen­kir­chen gemacht, um unse­re Lieb­lings­band “PUR” live zu erleben…fragt mich doch mein Raben­prinz ob ich Lust hät­te, die ZOOM Erleb­nis­welt zu besu­chen. Mein ers­ter Gedan­ke war, dass ich kei­ne Lust auf Tech­nik habe …kei­ne Ahnung wie ich dar­auf kom­me.

Es soll­te der aller schöns­te Besuch eines Zoos in mei­nem gan­zen Leben wer­den! Eigent­lich ist das Wort Zoo schon falsch. Man ent­deckt die Tier­welt von drei Kon­ti­nen­ten: Asi­en, Afri­ka und Alas­ka und zwar haut­nah. Die Revie­re der Tie­re sind natur­ge­treu und sehr groß­räu­mig ange­legt, mit typi­schen Pflan­zen ‚Bäu­men ‚klei­nen Bächen, Was­ser­fäl­len, Inseln und jeder Men­ge an Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten für Ihre Bewoh­ner. Man merkt die Lie­be zum Detail .… Wir hat­ten nicht das Gefühl in einem Tier­park zu sein.

Die Tie­re waren sehr aktiv und sogar sehr foto­gen:) und als Besu­cher begibt man sich auf eine Aben­teu­er­rei­se. Ob schma­le Wege, geschlän­gel­te Pfa­de, Wege in Tun­neln unter Was­ser, in der “Afri­ka Queen” zu Was­ser, über bau­meln­de Hän­ge­brü­cken oder in schwin­deln­der Höhe.…Wir fühl­ten uns als Aben­teu­rer und Ent­de­cker und hat­ten die eine oder ande­re beson­de­re Begeg­nung.

Sehr zur Belus­ti­gung und zum Stau­nen ein Oran Utan der auf einer grü­nen Wie­se vor aller Augen die neu­es­ten Übun­gen zum Affen Yoga demons­triert.

Bei der Fahrt mit der “Afri­ka Queen” dem Juras­sic Park ein biss­chen näher .… ganz nah am Elek­tro­zaun. Beim Mit­tag­essen in der Afri­ka Lounge dem Nas­horn auf die Pel­le gerückt .… der Mara­bu, der auf dem höchs­ten Hügel der Savan­ne sitzt und “sein” wei­tes Revier mit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln prä­sen­tiert und .…. ein Strauß, der auf­merk­sam sei­ne Pfle­ger beim Keh­ren der Wege beob­ach­tet — klei­ne Staub­wölk­chen — ab und zu die gesam­mel­ten Stei­ne wie­der aus der Schub­kar­re mopst und sich zu guter Letzt nie­der­lässt und anfängt mit sei­nen Flü­geln auch zu keh­ren und klei­ne Staub­wölk­chen zu fabri­zie­ren … ein­fach gött­lich anzu­se­hen.

Noch nie haben wir Eis­bä­ren so nah gese­hen und erst recht nicht unter Was­ser beim Schwim­men beob­ach­ten kön­nen. Noch nie waren wir einem Rudel Wöl­fe so nah … noch nie durf­ten wir ein Löwen­paar so aus nächs­ter Nähe beob­ach­ten. Einen Dachs haben wir auch noch nie in frei­er Natur gese­hen. Dass es einen nord­ame­ri­ka­ni­schen Baum­stach­ler gibt wuss­ten wir noch nicht mal. Sehr beein­dru­ckend fan­den wir eine ganz spe­zi­el­le Tus­si 🙂 — die 5000 Jah­re alte Rin­der­ras­se Watus­si­rind, eine Kreu­zung des Alt­ägyp­ti­schen Haus­rin­des mit dem indi­schen Buckelrind.Nicht ver­ges­sen möch­ten wir die Tüp­fel­hyä­ne  die die war­men Strah­len der Sep­tem­ber­son­ne unge­niert genos­sen hat.

Wir sind him­mel­hoch jauch­zend vor Glück und ein­zig­ar­ti­gen Momen­ten .… und sagen Euch “das müsst Ihr gese­hen haben”

Where the fuck is .… Boleslawiec?

Bunz­lau­er Kera­mik — Kunst zum täg­li­chen Gebrauch 

Bunz­lau­er Kera­mik ist in Deutsch­land ein Begriff. Ob vie­le Haus­frau­en die teil­wei­se ein Ver­mö­gen für das Geschirr mit dem mar­kan­ten Mus­ter aus­ge­ben wis­sen, dass Bunz­lau heu­te Bole­s­la­wi­ec heißt und in Polen liegt? Kei­ne Ahnung – wahr­schein­lich genau­so vie­le (und womög­lich die Glei­chenJ, die den­ken, dass Rügen­wal­de (die Wurst mit der Müh­le) – heu­te Dar­lo­wo — auf Rügen liegt.

Das Nie­der­schle­si­sche Städt­chen Bole­s­la­wi­ec liegt ziem­lich genau zwi­schen Dres­den und Bres­lau — in bei­de Rich­tun­gen sind es rund 120 Km. Für uns kaum ein Umweg auf der Rück­tour von Kar­pacz. WIR WOLLEN ES WISSEN – was es mit dem so begehr­ten gebrann­ten Ton aus Bunz­lau auf sich hat.

Die  berühm­ten kobalt­blau­en Deko­re mit den Pfau­en­au­gen­mus­ter hat sicher jeder schon mal gese­hen. Es ist kein Mar­ken­zei­chen einer ein­zel­nen Kera­mik Werk­statt – son­dern ein typi­sches Mus­ter die­ser Gegend. Heu­te exis­tie­ren noch drei gro­ße Manu­fak­tu­ren und etwa 20 klei­ne­re Betrie­be die in und um Bunz­lau Kera­mik pro­du­zie­ren. Wir erspa­ren uns einen wis­sen­schaft­li­chen Abriß – das alles kann man im Wiki­pe­dia nach­le­sen.

Was im Wiki nicht drin steht bzw. falsch steht ist, dass die Kera­mik in all die­sen Betrie­ben in Hand­ar­beit ent­steht. Als Aus­gangs­ma­te­ri­al wird bis heu­te Ton und Lehm aus der unmit­tel­ba­ren Umge­bung benutzt. Das hat auch sei­nen Grund. Genau wegen die­sem Ton haben sich bereits im 15. Jahr­hun­dert Töp­fer­meis­ter in der Stadt ange­sie­delt. Falls Sie genau­er drü­ber nach­den­ken … Ton­ge­fä­ße sind in aller Regel braun – erd­far­ben – in allen mög­li­chen Schat­tie­run­gen. Nicht so der Bunz­lau­er.  Das ist er übri­gens ….

Gewa­schen, gemah­len, gesiebt und wie­der zur einer Mas­se zusam­men­ge­fügt kommt er in Gips­for­men. Das ist der ein­zi­ge „halb­in­dus­tri­el­le“ Arbeits­schritt. Mit einer Leh­re wird er von einem Mit­ar­bei­ter, auf einer rotie­ren­den Töp­fer­schei­be in eine Gips­form gedreht. Dank die­ser For­men  gleicht ein Stück in den Aus­ma­ßen den ande­ren. Nach dem Trock­nen wer­den die Roh­lin­ge aus den For­men genom­men, Uneben­hei­ten und über­ste­hen­de Ton­res­te abge­schlif­fen und anschlie­ßend glatt poliert.

Danach wer­den die Roh­lin­ge auf einer gro­ßen Schamott-„Palette“ auf­ge­schich­tet und gesta­pelt (sie  kön­nen ein­an­der ruhig berüh­ren) und wer­den das ers­te Mal gebrannt und zwar vier Stun­den lang bei etwa 800 Grad Cel­si­us. Das Mate­ri­al trock­net dabei end­gül­tig (Ton ist immer etwas feucht), wird dabei schon viel hel­ler und kann ver­ziert wer­den. Nach die­sem Bren­nen erfolgt eine ers­te Sicht­kon­trol­le. Tei­le in denen sich Ris­se gebil­det haben wer­den aus­sor­tiert — noch kann das Mate­ri­al wie­der ver­wen­det wer­den.

Was folgt ist kunst­vol­le aber auch mono­to­ne Male­rei und Stem­pe­lei. Die Manu­fak­tur die wir besucht haben beschäf­tigt 240 Mit­ar­bei­ter – rund 80 davon sind Kera­mik­ma­ler. In einem lan­gen, hell erleuch­te­ten Raum, an Vie­rer­ti­schen, stem­peln und bema­len sie jedes ein­zel­ne Stück Kera­mik, das die Manu­fak­tur ver­lässt. Es ist unfass­bar mit wel­cher Kon­zen­tra­ti­on und Genau­ig­keit die Frau­en, die Pfau­en­au­gen, Blüm­chen und ande­re Moti­ve stem­peln. Ganz beson­de­re Stü­cke wer­den auch frei­hän­dig bemalt. Eine Kera­mik­ma­le­rin benö­tigt bis zu einer hal­ben Stun­de für ein Teil. Unter den Malern – sor­ry, gen­der­ge­recht – Male­rin­nen – haben wir nur einen ein­zi­gen Mann gese­hen.

 

Nach dem Bema­len muss natür­lich die Far­be trock­nen. Übri­gens wer­den aus­schließ­lich Natur­far­ben benutzt die was­ser­lös­lich sind. Unter ande­rem aus die­sem Grund wur­den die Kera­mik aus Bunz­lau, auf inter­na­tio­na­len Mes­sen, mehr­fach aus­ge­zeich­net. Bei der gesam­ten Her­stel­lung wird kei­ne Che­mie ver­wen­det. Sogar beim Ankle­ben .… falsch: Anhef­ten der Hen­kel wird auf Kle­ber ver­zich­tet und statt­des­sen flüs­si­ger Ton ver­wen­det. Eine Kurio­si­tät ist die rosa Far­be die als Unter­grund auf eini­gen Gefä­ßem zu sehen ist. Sie wird nach dem Bren­nen zu dem Bunz­lau typi­schen Blau. Aber der Rei­he nach.

Nach dem Bema­len wer­den die Stü­cke in eine mil­chi­ge, wei­se Brü­he getaucht. Wie­der eine Bunz­lau­er Beson­der­heit. Es ist eine natür­li­che Gla­sur aus Lehm der in der Gegend abge­baut wird. Die schö­nen Mus­ter und Male­rei­en ver­schwin­den kom­plett unter einer wei­sen Schicht. Wir haben schon gedacht, dass es sich um „ver­mal­te“ Exem­pla­re han­delt, die noch­mal in die Male­rei kom­men.

Nein – alles gut — nach dem zwei­ten Bren­nen, dies­mal über ZWÖLF STUNDEN!!!! — bei 1250 Grad, wird die Gla­sur trans­pa­rent und glas­hart. Das Geschirr ist danach sehr stra­pa­zier­fä­hig und sogar Spül­ma­schi­nen geeig­net. Die­ser Brenn­vor­gang, frü­her in Elek­tro­ö­fen, heu­te in Gas­öf­fen —  von den drei betrie­ben wer­den, sorgt für die Lang­le­big­keit der klei­nen Kunst­wer­ke.

Wir haben den kom­plet­ten Her­stel­lungs­pro­zess gese­hen, konn­ten alles genau in Augen­schein neh­men, alles anfas­sen und bei der deutsch­spra­chi­gen Füh­rung der net­ten Ange­stell­ten Löcher in Bauch fra­gen. Ganz genau genom­men, war die Füh­rung zwei­spra­chig. Es war Mon­tag, wir waren eine klei­ne 10 „Mann“ Grup­pe. Eul­chen und Jungrä­bin waren die ein­zi­gen „sprach­min­der­be­mit­tel­ten“. Außer dem Raben war noch ein „Hybrid“ dabei – und der Rest waren Polen.  Unse­re Füh­re­rin gab sich den­noch dol­le Mühe den Thü­rin­ger Madels alles auf Deutsch zu erklä­ren.

Eine schö­ne Idee, das “leben­de Muse­um” wie die Füh­rung heißt. Wir waren begeis­tert. Von Anfang an bis zur Fer­tig­stel­lung wird hier jedes Gefäß hand­ge­macht. Die Pro­duk­te unter­schei­den sich von den in einer Fabrik seri­en­mä­ßig her­ge­stell­ten Erzeug­nis­sen nicht nur im The­ma der Tech­no­lo­gie und des Designs; sie haben mehr als ein gewis­ses Etwas. Es ist eine nicht greif­ba­re Prä­gung der Mühe, die sich die Schöp­fer geben, wel­che mit einer äußerst gro­ßen Sorg­falt den kera­mi­schen Erzeug­nis­sen Gestalt, Form und ein effekt­vol­les Bild ver­lei­hen.

Ist die Gebrauchs­ke­ra­mik mit Kunst gleich­zu­set­zen? Hand­ge­macht, nach ein­ma­li­gen Mus­tern ihrer Urhe­ber ver­ziert wird sie zur Kunst, was sie den Urge­wal­ten zu ver­dan­ken hat: Erde, Wind, Was­ser, Feu­er, und auch dem fünf­ten Ele­ment: dem mensch­li­chen Stre­ben nach der Schön­heit in der Umge­bung. Das leben­di­ge Muse­um in der Fabrik der Stein­zeug­ge­fä­ße „Manu­fak­tu­ra“ in der ul. Gdans­ka in Bunz­lau kön­nen wir allen wärms­tens emp­feh­len.

Die Eulen­tät war sogar so Begeis­tert, dass wir jetzt um zwei gro­ße Tee­tas­sen und eine But­ter­do­se rei­cher sind – jaaaa, dem Raben gefal­len sie auch;))) Das Ange­bot im Werks­ver­kauf ist über­wäl­ti­gend. Dazu kom­men die, man muss es echt so sagen, lach­haf­ten Prei­se. In Deut­schen Geschäf­ten zählt man den sel­ben Betrag in Euro den man in Bole­s­la­wi­ec in Zlo­ty zahlt. Der Wech­sel­kurs steht bei 1:4 — nur soviel dazu;)

Folklore mit Spaßfaktor

Ers­ter Tag, ach was sage ich, unse­re ers­te Stun­de in Kar­pacz (Krumm­hü­bel) und wir wer­den vom Glück geküsst. Eigent­lich bil­den wir die inof­fi­zi­el­le, Thü­rin­ger Abord­nung zum dies­jäh­ri­gen Polish Bike Week — einem der größ­ten, euro­päi­schen Tref­fen von Lieb­ha­bern und Ver­eh­rern der legen­dä­ren Motor­rad­mar­ke Har­ley David­son, aber auch ohne Tau­sen­der Har­ley-Maschi­nen ist hier immer was los.

Kaum unse­ren Freund Pio­tr und unser gelieb­tes Bia­ly Jar begrüßt, kaum den Kof­fer aus­ge­packt, treibt uns der Hun­ger in das Prä­si­den­ten Wirts­haus — die Bau­de “Dom ducha gor”. Wenn Andrzej Duda hier speist — muss es hier schme­cken, aber davon konn­ten wir uns schon aus­gie­big und oft wäh­rend frü­he­rer Besu­che die­ses Geschmacks­tem­pels über­zeu­gen.

Kaum das tra­di­tio­nel­le Grimm­ber­gen-Bier­brettl und Żurek bestellt laden uns die Kell­ner und die Che­fin ein drin­nen Platz zu neh­men — bei dem herr­li­chen Wet­ter sind wir zuerst drau­ßen “geplatzt”:))) — und wir hör­ten auch war­um.

Gau­di und Spaß ver­brei­te­ten drin “Kowarskie wrzo­sy”. Schmie­de­ber­ger Hei­de­kräu­ter als Über­set­zung des Grup­pen-Namens gibt im Deut­schen nicht im Gerings­ten wie­der, was den Reiz die­ser Frau­en­trup­pe aus­macht.

http://www.mok.kowary.pl/muzyka/kowarskie-wrzosy/

Das Ama­teur-Folk-Ensem­ble ist vor gut 15 Jah­ren, auf Initia­ti­ve von Zofia Tro­j­nar, der Lei­te­rin des Teams, im Städ­ti­schen Kul­tur­zen­trum in Kowa­ry ent­stan­den und ver­brei­tet bis heu­te Folk­lo­re, gute Lau­ne und den Geist pol­ni­scher Fei­er­kul­tur.

Pracht­vol­le, bun­te Trach­ten-Out­fits schmü­cken die rei­fen Damen und jeden Raum in dem sie auf­tre­ten.  Apro­pos — seit 2002 hat das Ensem­ble über 350 Auf­trit­te in  Nie­der­schle­si­en und der Tsche­chi­schen Repu­blik absol­viert — und mit einem wer­den wir heu­te beschenkt. Gesel­li­ge pol­ni­sche Volks­wei­sen ver­wan­deln die Frau­en in ein Feu­er­werk — da sprüht die Sla­wi­sche Men­ta­li­tät und das Tem­pe­ra­ment Fun­ken.

Wir klat­schen, pfei­fen, schrei­en und schun­keln mit — die Frau­en strah­len vor Freu­de, dass da doch wel­che mit­ma­chen, und legen noch einen Zahn zu. Die (von einem Rei­se­bus hier­her gekarr­ten) Deut­schen Rent­ner kom­men erst in “Fahrt” als die Trup­pe deut­sche Schen­kel­klat­scher anstimmt.

Wir haben jeden­falls Mords­spaß. Nebst einer vor­züg­li­chen Küche erlebt man im Duch Gor auch hoch­wer­ti­ge Folk­lo­re. Vol­le 10 Punk­te auf der Rabeneul­schen Ver­gnü­gungs­sca­la. Unnö­tig zu erwäh­nen, dass auch des Nacht­jä­gers Rin­der­bra­ten, des Raben Haxe und der Jungrä­bin schle­si­sche Klöß­chen samst Hün­chen­sa­lat revo­lu­tio­när waren.

Den Abend ver­brin­gen wir mit Pio­tr  im Kamin­zim­mer beim Aus­tausch der Neu­ig­kei­ten und lecke­rem Likör­chen. Obwohl unser Schwarm mor­gen Gro­ßes vor hat und dazu aus­ge­schla­fen sein soll­te, wird’s wie­der spät;))) Die Kon­se­quenz lässt mor­gens nicht auf sich war­ten.