Der Fünfzigste Tag … im Rauch und Weihrauch

Der Fünfzigste Tag … im Rauch und Weihrauch

Pfings­ten (gr. πεντηκοστὴ ἡμέρα pen­tē­kos­tē hēmé­ra ‚der fünf­zigs­ter Tag‘) ist ein christ­li­ches Fest. Am 50. Tag der Oster­zeit, also 49 Tage nach dem Oster­sonn­tag, wird von den Gläu­bi­gen die Ent­sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes gefei­ert – als Mys­te­ri­um oder iko­no­gra­fisch Aus­sendung des hei­li­gen Geis­tes oder auch Aus­gie­ßung des hei­li­gen Geis­tes genannt.

Die Super­la­ti­ve gehen uns lang­sam aus, wenn es dar­um geht unser öst­li­ches Nach­bar­land zu beschrei­ben. Dass wir Fans sind weiß jeder, der in unse­re Rei­se-Rubrik rein geschnup­pert hat. Dass wir jede freie Minu­te nut­zen um wie­der hin zu kom­men, eben­falls. Der jet­zi­ge Auf­ent­halt soll aus­nahms­wei­se “nur” der Erho­lung die­nen. Wer uns kennt dem ist bereits an die­ser Stel­le klar, dass wir damit nicht “extrem Pool-Lie­gen Miss­brau­ch­ing” und “Hea­vy Hotel all-inclu­si­ve Fres­sing” mei­nen. Aber der Rei­he nach.

Der Anfahrts­tag, ein Don­ners­tag mit­ten in Eulchen’s eh stres­si­ger Spät­dienst­wo­che und mit­ten in einer hek­ti­schen Pha­se in Raben’s Fir­ma, wird zu einer Prü­fung unse­rer Robust­heit dekla­riert. Mit ein wenig Glück und dem wohl­wol­len­dem Nicken des Über­stun­den-Got­tes, kön­nen wir pünkt­lich um 12:00 Uhr star­ten. Bei­de etwas hib­be­lig, wie im Voll­ga­lopp aus einem Ren­nen genom­men, sin­ken wir in den super­be­que­men Leder­ses­seln unse­res neu­en Tuff­tuffs (ver­dammt, es/er hat immer noch kei­nen Namen).

Jetzt wer­den, zum ers­ten Mal, die fünf Jah­re Unter­schied zwi­schen unse­rem alten und dem neu­en Sporta­ge spür­bar. Sitz­po­si­ti­on, Sitz­be­lüf­tung, Raum­kli­ma, Fede­rung, Fahr­ge­räu­sche, Stra­ßen­la­ge und alle Assis­tenz­sys­te­me gestall­ten bereits die Fahrt zur Erho­lung. Aus­ge­ruht errei­chen wir unser straff gesteck­tes Ziel — 16:00 Uhr beim Fri­sör Car­lo Bia­ni in Jele­nia Gora zu sein. Mar­ta freut sich schon. In den fol­gen­den zwei Stun­den ent­steht zum wie­der­hol­ten Male, bei per­sön­li­chen Gesprä­chen, Kaf­fee und viel Spaß, ein Kunst­werk des Fri­sör­hand­werks. Dies­mal lan­det  Eulchen’s neue Hair-Crea­ti­on sogar auf die FB-Sei­te des Salons. Wie­der ein­mal: Eule glück­lich, Rabe glück­lich — schööööööön.

End­lich, aus­ge­hun­gert im Bia­ly Jar gelan­det —  spei­sen wir nach der obli­ga­to­ri­schen Knud­del­or­gie,  zwei bereits vor Stun­den tele­fo­nisch bestell­te, Küchen-Pio­tr-Super­schnit­zel .…. dies­mal mit Kar­tof­fel­spal­ten, Surow­ka (Roh­kost) und selbst­ge­mach­ten Tza­z­i­ki .…. “nie­bo w gebie” zu deutsch: Him­mel im Gau­men. So gestärkt, aus­ge­ruht und ver­schö­nert ver­brin­gen wir den Rest des Abends im Kamin­zim­mer mit Pan­ora­ma­aus­blick auf die Ber­ge und spin­nen mit unse­rem Freund Gedan­ken zu unse­rem Pro­jekt.

FREITAG

Wie es sich für ein Erho­lungs-WE gehört wol­len wir heu­te eigent­lich “nur” etwas shop­pen — sonst alle Vier gera­de sein las­sen. Am Tagesen­de wer­den dar­aus 18 000 Schrit­te — rund 12 Km;)) Wir begin­nen in Kar­pacz. Die Eule braucht für die ein­zi­ge, geplan­te “Anstren­gung” des Wochen­en­des noch ein leich­tes, wei­ches, vor Wind und Regen schüt­zen­des, atmungs­ak­ti­ves und haut­ver­träg­li­ches, nach Mög­lich­keit nichts kos­ten­des Wan­der-Out­door-Jäck­chen.

Hat man noch vor drei Jah­ren das Pen­ser Joch mit Strand­kleid­chen und Flip­flops besucht (zwar im Juni aber es lag Schnee) so hat eine pro­fes­sio­nel­le Wan­dereu­le heut zu Tage: Wan­der­schu­he, Ruck­sack und eine Hima­la­ya-Expe­di­ti­on-Sur­viv­le-Rein­hol­de-Mess­ner Jacke. Für die, für den Sams­tag geplan­ten Wan­de­rung, suchen wir also solch eine — und wer­den als bald sogar fün­dig. Der Mann von Eve­lyn, unse­rer befreun­de­ten Bou­tique-Besit­ze­rin, ver­kauft mit­ten im Ort Jacken aller Art. Er erkennt uns sofort und freut sich rie­sig, dabei hat er uns ledig­lich drei Mal vor­her gese­hen und das letz­te Mal ist bestimmt ein hal­bes Jahr her. Genau sol­che Klei­nig­kei­ten, von denen Tau­sen­de den typi­schen Polen vom typi­schen Deut­schen unter­schei­den, machen Land und Men­schen lie­bens­wert. Die Traum­ja­cke ist schnell gefun­den. Die Ent­schei­dung wel­che Far­be es wer­den wird garan­tiert uns genug Zeit für ein aus­ge­dehn­tes Gespräch;)) Pink siegt — Eule glück­lich.

Wir bea­men nach Jele­nia Gora. Wir haben den gan­zen Tag Zeit und nichts wei­ter vor also kon­trol­lie­ren wir fast jeden Laden auf ver­steck­te Schät­ze. Als Ergeb­nis die­ser Rou­ti­ne­un­ter­su­chung wer­den am Tagesen­de drei Hem­den, ein kur­zes Hös­chen, ein Paar Schu­he und ein klei­ner Ruck­sack  ste­hen.  Ganz pas­sa­bel für 2–3 Stun­den Shop­ping.

Zwi­schen­durch besu­chen wir Mag­da­len­ka, unse­re pol­ni­sche Kaf­fee­tan­te, Eis­fee und Kuchen­ma­gie­rin. Die Freu­de in ihrem Gesicht ist unbe­schreib­lich. Wir waren so vie­le Wochen nicht da, dass sie schon Sehn­sucht hat­te, sagt sie uns. Sie bedankt sich als ers­tes für den net­ten FB-Ein­trag. Nach sechs Wochen!!! Der Rabe wuss­te nicht mal mehr, dass er sei­ner­zeit was hin­ge­krit­zelt hat. Wie­der wer­den wir von pol­ni­scher Men­ta­li­tät umgarnt — es berei­tet uns größ­te Won­nen. Aber wir sind genau so. Ob der Fami­li­en­wur­zeln, der Gene oder weil wir bei­de eine deut­sche Gen­mu­ta­ti­on sind???? Egal, wir pas­sen hier­her als wären wir DAS feh­len­des Teil eines Puz­zels.

Schon lan­ge woll­ten wir die Cze­ko­lad­ziar­nia, die Scho­ko­la­te­rie, in Jele­nia Gora besu­chen. In die­sem Kunst- und Kul­tur­klein­od an der ul. Sobies­ka 2 wer­den nicht nur Gemäl­de unbe­kann­ter Maler aus­ge­stellt und Gedich­te gele­sen son­dern vor allem eine sel­te­ne Köst­lich­keit ange­bo­ten. In gro­ßen Glas­ge­fäs­sen bro­delt flüs­si­ge Scho­ko­la­de die in ver­schie­dens­ten Varia­tio­nen bestellt wer­den kann. Wir ordern die­sen Gau­men­schmaus mit Kokos (Klecks Sirup und fri­sche Kokos­ras­peln) und Him­bee­re (mit fri­schen Beer­chen drin). Leeeeeeeeeecker hmm­m­m­m­m­m­m­m­mm;))))

Von wei­tem ist in Hirsch­berg, etwas Abseits am Wald­rand, ein Aus­sichts­turm auf einer Erhö­hung zu sehen — auch da woll­ten wir schon immer hin. Die Zeit war heu­te reif. Von der Scho­ko­la­te­rie bis dahin ist es etwas mehr als ein Kilo­me­ter leicht berg­auf. Über Wzgor­ze Krzy­wou­ste­go (den Schief­mund­hü­gel) wird seit Jahr­hun­der­ten eine Legen­de erzählt. Bole­s­law der III. Krzy­wous­ty (Schief­mund), ab 1107 der Allein­herr­scher über das König­reich Polen, soll bei einem Jagd­aus­flug auf die­sem Berg einen wun­der­schö­nen Hirsch erblickt haben. Das kapi­ta­le Tier muss so schön gewe­sen sein, dass der König hier eine, hier gibt es ver­schie­de­ne Ver­sio­nen, Wehr­an­la­ge, Burg, Sied­lung, erbau­en ließ und sie Jele­nia Gora — eben HIRSCH­berg nann­te.

Eine Burg, bzw. ihre Res­te gab es bis ins 18. Jahr­hun­dert tat­säch­lich hier. 1911 wur­de aber an die­sem belieb­ten Aus­flugs­ziel der Stadt­be­woh­ner und Tou­ris­ten ein mas­si­ver Aus­sichts­turm errich­tet. Nach einer hal­ben Stun­de ent­lang male­ri­scher Gäss­chen und Wald­pfa­de errei­chen und bestei­gen wir den Turm. Ein atem­be­rau­ben­des Pan­ora­ma des Rie­sen­ge­bir­ges und der Stadt selbst eröff­net sich vor uns. Blau­er Him­mel, nichts stör­te die Sicht und unse­ren Genuss. Ein­fach traum­haft, sehr nah des Stadt­zen­trums und ein Must have für jeden inter­es­sier­ten Hirsch­berg­be­su­cher.

Nach der­art sport­li­chen Erfol­gen, unser Schritt­zäh­ler zeigt stolz die Zahl 16000, mel­de­te sich lang­sam aber begie­rig der klei­ne Hun­ger. Eigent­lich haben wir unse­ren Trog für heu­te bereits am Vor­mit­tag, beim Jacken­kauf, aus­ge­sucht .….. aaaa­ber, es soll­te wie­der ein­mal anders kom­men.

Zurück in Kar­pacz ange­kom­men, park­ten wir unser Tüff­tüff auf unse­rem Stamm­park­platz und lie­fen zur Fuß durchs Städ­te­le, als dem Raben ein neu­es Restau­rant-Schild, in einer Sei­ten­stra­ße auf­fiel. “Nie­bo w gebie” — der Inn­be­griff des Leckers­ten vom Leckers­ten in pol­ni­scher Spra­che. Der Blick auf die Kar­te des ursprüng­lich erwähl­ten Restau­rant ließ uns an unse­rer Wahl zwei­feln und so fan­den wir uns weni­ge Minu­ten spä­ter auf der von Son­nen­schir­men geschütz­ten Ter­as­se des Nie­bo w gebie. Eine Mischung aus Rus­ti­kal und gedie­gen, in per­fek­ter Form umge­setzt. Ein rus­si­scher Ober­kell­ner der pol­nisch mit einem süßen Akzent sprach (es klang etwa als wür­de ein Hol­län­der deutsch spre­chen;)) bedien­te uns mit einem ver­schmitz­ten Lächeln und war dabei unüber­trof­fen zuvor­kom­mend und immer mit einem pas­sen­den Schnerz­chen auf der Lip­pe.

Alle Wei­ne, Schop­pen wie Fla­sche, kos­te­ten das sel­be — wie prak­tisch. Wir ent­schie­den uns, nach einer Ver­kos­tung (völ­lig selbst­ver­ständ­lich) für einen tro­cke­nen Rosé. Dazu Ripp­chen mit Roh­kost und Gulasch mit Sau­re-Gur­ken-Salat. Erst beim lesen des Haus­fly­ers ent­deck­ten wir den Satz “hier kommt nie­mand hung­rig raus”. Die Por­tio­nen waren ent­spre­chend groß, auch die Sala­te. Vor dem Essen leg­ten wir, zur grad lau­fen­den Shakin Ste­vens The best off Plat­te, eine hei­ße Soh­le auf die Ter­as­sen­bret­ter. Die Kell­ner waren begeis­tert;)) Alles schmeck­te köst­lich. Ein per­fek­ter Tages­ab­schluss. Der Rabe beglück­wünsch­te die Che­fin, eine dis­tin­gu­ier­te, damen­haf­te Erschei­nung, übri­gens Eul­chens Kra­gen­wei­te, die sich nicht zu scha­de war selbst zu bedie­nen, per­sön­lich zum wun­der­schö­nen Restau­rant. Sie freu­te sich rie­sig und lud uns zum erneu­ten Besuch ein. Das wer­den wir bestimmt tun.

Auf dem Rück­weg zu unse­rem Tüff­tüff weck­te die offe­ne Tür einer Kir­che unse­re Neu­gier. Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de war Kom­mu­ni­on im gan­zen Land. Die Woche nach der Kom­mu­ni­on ist im der katho­li­schen Tra­di­ti­on (in Polen) die “Wei­se Woche” genannt. Sie soll die Rein­heit des Geis­tes sym­bo­li­sie­ren und auf den Emp­fang des Sakra­ments der Eucha­ris­tie vor­be­rei­ten. Jeden Abend gehen die Kom­mu­ni­ons-Kin­der in ihren schi­cken, wei­sen Klei­dern und Anzü­gen zur Mes­se, neh­men an ihr teil und zele­brie­ren wie­der­holt den Gang zum Altar um die Hos­tie zu bekom­men. Das Eul­chen aus Neu­gier und weil man sich dem Geis­te die­ser Zere­mo­nie und dem Weih­rauch kaum ent­zie­hen konn­te, der Rabe aus Tra­di­ti­on (frü­her selbst ein Kom­mu­ni­ons­kind gewe­sen) blie­ben wir bei die­ser erhe­ben­den Mes­se und dach­ten an unse­re Liebs­ten und an die Schön­heit des Lebens.

Zu Hau­se (im Bia­ly Jar;)) war­te­te schon Pio­tr mit Mali­now­ka, einer Kan­ne Zitro­nen-Min­ze-Was­ser und schö­nen, tief­sin­ni­gen Gesprä­chen. Haben wir danach tief und schön geschla­fen.

SAMSTAG

Per­sön­lich bevor­zu­gen wir das Wort — Sonn­abend. Son­ne gab es tat­säch­lich bis abends und die­se haben wir bereits Tage vor­her ver­plant. Heu­te erstür­men wir die Ber­ge … so zunächst der Plan. Zum ers­ten Mal voll aus­ge­rüs­tet (Schuh­werk, Jacke und Ruck­sack) und zum ers­ten Mal ohne das Auto zu bewe­gen, bewe­gen wir uns auf den Kam des Rie­sen­ge­bir­ges. Zunächst roy­al, mit einem Couch­lift (ech­tes Leder, breit für sechs Per­so­nen) für uns allein, dann in 20 minü­ti­ger Fahrt mit dem Ses­sel­lift (mehr eine Holz­prit­sche) bei traum­haf­ten Aus­blick über das Gebir­ge und hin­ter uns über Kar­pacz.

An der Tal­sta­ti­on des Ses­sel­lifts ler­nen wir ein Gör­lit­zer Pär­chen ken­nen, das regel­mä­ßig Ihrer Wan­der­lust im Rie­sen­ge­bir­ge nach­geht. Sie 84 (seit 20 Jah­ren mit einem künst­li­chen Knie­ge­lenk) er noch älter. Bei­de voll fit — phy­sisch wie geis­tig (schon das Auf- und erst recht das Abstei­gen vom Lift­stuhl ver­langt gewis­se Gelen­kig­keit). Wir sind begeis­tert — so wol­len wir mit Mit­te 80 auch drauf sein. Die Aus­sich­ten ste­hen gut — wir tun alles erdenk­li­che um es zu schaf­fen.

Oben, auf der Kop­pe (ca. 1400m) ange­kom­men, wäh­len wir eine neue Stre­cke zur Ham­pels­bau­de — Strze­cha aka­de­mi­cka. Ihr merkt schon, heu­te sind wir faul, wol­len ledig­lich abstei­gen. Unter­wegs kom­men uns hun­der­te Wan­de­rer ent­ge­gen. Die meis­ten jung, zwi­schen 15 und 30. Aber auch ganz alte, weit über 70, 80 sind dabei — ein Bild für die Göt­ter und fürs Herz. Im Ver­lauf des Tages tref­fen wir mind. sechs Schul­klas­sen, die begeis­tert, ohne Mau­len vor ihren Leh­rern die Gip­fel erklim­men. Unse­re Schul­klas­sen wol­len ihre Klas­sen­fahr­ten lie­ber in Eng­land oder Ita­li­en ver­brin­gen. Hab noch nicht gehört, dass eine Klas­se Berg­wan­de­run­gen gemacht hät­te. Da wir in Part­ner­look unter­wegs sind, rote Pol­s­ka-Shirts mit wei­sem Adler, wer­den wir oft ange­spro­chen und paar Späss­chen wer­den aus­ge­tauscht. Deut­li­ches Grü­ßen gehört hier sowie­so zur Kul­tur — das tun fast alle.

Die Strze­cha errei­chen wir nach etwa 30 min. Ers­tes Blon­des, natür­lich kühl, und eine Pol­ni­sche Brat­wurst sind Pflicht. Vorm Abstieg zur Samot­nia, der nächs­ten Bau­de, ruhen wir noch etwas auf der Ter­as­se. Die bei­den Bau­den lie­gen kei­ne 700m von­ein­an­der ent­fernt — es tren­nen sie aber rund 200 Höhen­me­ter. Der Abstieg ist also ent­spre­chend steil und führt fast aus­schließ­lich über Stei­ne und Fel­sen.

Unten (auf 1200m) ange­kom­men suchen wir uns ein schat­ti­ges Plätz­chen und genie­ßen Bigos und Boh­nen auf Bre­to­ni­sche Art, eine … jaaa, pol­ni­sche Spe­zia­li­tät. Ok ein Bier­chen gön­nen wir uns auch;)))

Ab jetzt wird es kei­ne Ein­kehr mehr geben aber so gestärkt schaf­fen wir die fünf Kilo­me­ter zum Bis­ly Jar pro­blem­los. Wären da nicht die Fel­sen. Seit jeher bewun­dern wir eine von nahe­zu über­all sicht­ba­re Fels­for­ma­ti­on. Groß, gewal­tig, thro­nen sie über der Sil­hou­et­te des Berg­mas­sivs. Piel­grzymy, die Pil­ger oder zu deutsch: Die Dreistei­ne.

Auf dem hal­ben Wege nach unten erspäht die Eule Fel­sen, nicht weit, weni­ge hun­dert Meter ent­fernt. Rabens Ein­wän­de, dass es sich nicht um die Dreistei­ne han­delt, weil sie in 1,2 Kilo­me­ter stei­len Auf­stiegs in völ­lig ent­ge­gen gesetz­ter Rich­tung aus­ge­schil­dert sind wer­den unde­mo­kra­tisch igno­riert. Erst als wir in gebüh­ren­der Ent­fer­nung an gesich­te­ten, klei­nen Fel­sen, in Rich­tung der rich­ti­gen Pil­ger abbie­gen, die Son­ne uner­träg­lich wird und der Anstieg immer stei­ler, kom­men der Gefie­der­ten Raben-Gelieb­ten ers­te Beden­ken. Der Rabe mault da bereits lei­se vor sich hin. Nun zie­hen wir es durch. Nach 45 min. beschwer­li­chen Berg­auf­stiegs errei­chen wir die gewal­ti­gen, wie von Zau­ber­hand auf­ge­häuf­ten Fel­sen. Ein Natur­wun­der — wun­der­schön und majes­tä­tisch. Es hat sich gelohnt, wenn auch unse­re Kon­sti­tu­ti­on arg gelit­ten hat. Wir müs­sen uns erho­len — lee­ren unse­re Fla­sche Was­ser in Sekun­den und genie­ßen dabei die Nähe und Gewalt der Stei­ne.

Gegen 14:40 Uhr begin­nen wir nun den Rück­marsch. Die mit Stei­nen aus­ge­leg­ten Wan­der­we­ge bis hin ins Bia­ly Jar stra­pa­zie­ren unse­re Fuß­bal­len und Waden. Spü­ren tun wir es erst etwas spä­ter. Gegen 16:00 Uhr errei­chen wir in, für uns erstaun­lich unver­brauch­ten Zustand unser Hotel. Noch vor einem Jahr waren wir nach solch einer Stra­pa­ze dem Tode nah und am Fol­ge­tag nicht zu gebrau­chen. Heu­te sind wir top drauf und könn­ten, viel­leicht kei­ne Bäu­me mehr aber defi­ni­tiv noch manns­gro­ße Sträu­cher, aus­rei­ßen. Erstaun­lich was unse­re gesun­de Lebens­wei­se mit unse­ren Kör­pern bis­her schon ange­stellt hat. Freu­freu!!!

Mit einem Kaf­fee und einem Wein­chen beloh­nen wir unse­re 20000 Schrit­te.

Ein Höhe­punkt steht ja noch aus. Wir wol­len noch ein könig­li­ches Abend­mahl genie­ßen und zwar im “U ducha gor” — der Prä­si­den­ten­knei­pe. Umzie­hen, noch­mal 600m berg­auf, die Stra­ße hin­ter unse­rem Hotel ent­lang und wir sind da.

Das Wet­ter ist nach wie vor traum­haft, wir plat­zen im Halb­schat­ten und ordern Spei­sen und Geträn­ke. Heu­te pro­biert der Rabe Golon­ka — eigent­lich Eis­bein aber in Polen IMMER um Licht­jah­re lecke­rer. Es kommt senk­recht auf­ge­stellt, mit  Ret­tich-Ras­peln bestreut, in einem Meer von Ruco­la, Feld­sa­lat, Peter­si­lie und mit einem Horn­feil­chen geschmückt. Unnö­tig zu beto­nen, dass es ein Mund- und Gau­men­or­gas­mus war.

Eul­chen wählt ziel­si­cher den Rin­der­bra­ten und ordert dazu (in Polen wer­den Bei­la­gen meis­tens getrennt bestellt) jun­ge Boh­nen mit But­ter. But­ter­zart waren nicht nur die Boh­nen son­dern auch zum wie­der­hol­ten Male das Fleisch. Die­se Küche ist des Gau­mens des pol­ni­schen Prä­si­den­ten defi­ni­tiv wür­dig .… und somit auch unse­res.

Auf einen klei­nen, spa­ßi­gen Wink des Raben zum Kell­ner, dass sei­ne Eule ein Soßen­kas­per ist — bringt die­ser kurz drauf eine Sau­cie­re voll Soße mit Gemü­se und einen Löf­fel dazu — ich fra­ge nur: wo in Deutsch­land wür­de euch das pas­sie­ren??? Die­se Sau­cie­re stand übri­gens nicht auf der Rech­nung;)

 

SONNTAG … macht sei­nem Namen kei­ne Ehre. Es sind den­noch gut 20 Grad und heu­te wol­len wir sowie­so exzes­siv well­nes­sen. Nach einem gesun­den Früh­stück mit viel Obst bemü­hen wir unser Tüff­tüff um eine Fahrt nach Sta­ni­schow. Im hie­si­gen Spa füh­len wir uns ein­fach pudel­wohl. Whirl­pool außen, Dampf­bad wie die alten Römer, eine klei­ne aber fei­ne Bar und das alles für uns allein. Ledig­lich bis Mit­tag waren 2–3 Pär­chen im der Anla­ge. Hier sind wir Mensch — hier wol­len wir sein;)) Wir ent­span­nen auf den Ter­ras­sen­lie­gen, Eul­chen schläft ein Ründ­chen, der Rabe schreibt die­se Zei­len. Es ist traum­haft schön, ruhig und gedie­gen. Als das Wet­ter zu kip­pen droht ver­las­sen wir das Spa. Heu­te lädt Pio­tr zum Fisch­essen ein. Fisch aus dem Rauch … geräu­chert. Wir sind gespannt. Es hat etwas abge­kühlt und die Son­ne hat sich ver­steckt — “la boum” fin­det drin statt, in der “Oran­ge­rie”, so der Code­na­me für die ver­glas­te Sei­ten­ni­sche. Wack­li­ge Deko­stüh­le, ein Tisch aus zwei Baum­stäm­men — nicht wacke­lig aber an kei­ner Stel­le gera­de, Licht nur bei Bewe­gung (Mel­der;)) aaaaaa­ber eine gemüt­li­che Couch. Die okku­pie­ren wir sofort.

Peters neu ange­schaff­tes Räu­cher­öff­chen will nicht so recht. Die “umwelt­freund­li­che” Heiz­pas­te bringt kei­ne Hit­ze. Unser Stim­mungs­ba­ro­me­ter sinkt lang­sam. Wir haben uns auf Fisch gefreut, haben Hun­ger und sehen den Räu­cher­er­folg schwin­den. Um die Stim­mung wie­der zu heben wer­den drei Zurek im Brot­leib geor­dert. Wie gut, dass wir neben der Gast­stät­te gefei­ert haben:))) Drei Näpf­chen Tza­z­i­ki zu den Brot­lei­ben — ver­schaf­fen den Fischen genug Zeit um gar zu wer­den. Dann .… dann HALLELUJA — vier per­fek­te Forel­len ver­las­sen den Gar­raum und lan­den auf unse­ren Tel­lern. Es ist Eulenkönigin’s ERSTE Forel­le im Leben … über­haupt. Und eure Majes­tät befin­det das Rauch­me­nü für vor­züg­lich, natür­lich nach­dem der Star­chir­urg-File­tier­meis­ter-Rabe den toten Ex-Bach­be­woh­ner meis­ter­haft file­tiert hat:))))

Der Abend war geret­tet, das Eul­chen satt und so hap­py, dass sie die Fete rich­tig pol­nisch gestall­ten woll­te. Plötz­lich war der win­di­ge Nacht­jä­ger ver­schwun­den und kam mit einer Fla­sche Plau­men­vod­ka zurück. Unter tosen­dem Applaus der Ange­stell­ten hat sie die­sen samt zwei Tafeln Scho­ko­la­de in der Tan­ke gegen­über AUF POLNISCH bestellt. Congra­tu­la­ti­ons — das Zer­ti­fi­kat “Pol­nisch für Wod­ka trin­ken­de deut­sche Anfän­ger” hat sie mit Bra­vur bestan­den. Im Erst die Tank­stel­len-Ange­stell­ten haben sich wirk­lich rie­sig gefreut, dass end­lich eine Deut­sche sich mal die Mühe gemacht hat etwas auf pol­nisch zu bestel­len.

Sehr per­sön­li­che Gesprä­che und eben die­se Wod­ka­fla­sche lie­ßen den Abend noch sehr lang wer­den. Dan­ke Pio­tr für die Ein­la­dung, die Durch­füh­rung und über­haupt für den wun­der­schö­nen Abend. Bis zum nächs­ten Mal.

Fränkisches Gefährt und fränkische Familie

 

Den heu­ti­gen Sams­tag sehn­ten wir mit einem wei­nen­den und einem freu­di­gen Gemüt her­bei. End­lich, nach Wochen büro­kra­ti­scher und orga­ni­sa­to­ri­scher Que­re­len (Finan­zie­rung, Fahr­zeug­brief, Zulas­sung, die Schil­der .. wie? wann? mit oder ohne Über­füh­rungs­kenn­zei­chen???)

kön­nen wir unse­re neue könig­li­che Karos­se abho­len. Einer­seits freu­en wir uns die­bisch drauf — ist doch die­se mit noch mehr Annehm­lich­kei­ten aus­ge­stat­tet als unser altes Tüff­tüff. Ander­seits haben wir an unse­rem “Alten” nichts ver­misst. Es hat uns treu und zuver­läs­sig gedient und uns über­all hin­ge­bracht.

Den Zuschlag bekam ein Mit­tel­frän­ki­scher Kut­schen-Kauf­mann. Er ver­lang­te vie­le Tau­send Taler weni­ger als die hei­mi­schen und bot zudem als ein­zi­ger Deutsch­land­weit das erträum­te und ersehn­te Inte­rior an. Die letz­te Fahrt des “alten” Sporta­ge führ­te uns also nach Roth hin­ter Nürn­berg, in eins der vier Häu­ser von Metro­pol-Auto­mo­bi­le — einem der drei gröss­ten KIA-Dea­ler Deutsch­lands und unter den bes­ten in Euro­pa.

Das Auto­haus beein­druck­te mit Grö­ße und Aus­stel­lungs­flä­che. Noch mehr beein­druckt uns neben der Pro­fes­sio­na­li­tät — die Ruhe, Freund­lich­keit und Sou­ve­rä­ni­tät der Mit­ar­bei­ter. Wir wer­den wirk­lich wie ein Königs­paar behan­delt.

Her­bert der Ver­kaufs­lei­ter, dem wie sich spä­ter im Gespräch her­aus­stell­te, die hal­be Fir­ma gehört — ist eine See­le von Mensch.  Wir sind uns auf Anhieb sym­pa­thisch. Der kauf­män­ni­sche Akt wird neben­säch­lich und nimmt nur weni­ge Minu­ten in Anspruch. Ein unter­halt­sa­mes, inter­es­san­tes und wit­zi­ges Gespräch füllt Raum und Zeit. Wir erfah­ren von Her­berts Kar­rie­re in der KFZ- Bran­che und wie er 2001 zu KIA kam. Span­nend ist die Geschich­te von der Blitz­über­nah­me des Stand­or­tes Roth — ein genia­ler Coup. Auch über ziem­lich Per­sön­li­ches reden wir als wür­den wir uns Jah­re ken­nen — hier zu Lan­de wirk­lich nicht selbst­ver­ständ­lich. Die Zeit ver­fliegt.

Her­bert weist uns kurz in die Technik­high­lights der neu­en SUV Genera­ti­on. Wir machen paar Fotos für die digi­ta­le Fami­li­en­chro­nik und schon sto­ßen wir gemein­sam auf ein gelun­ge­nes Geschäft an. Alles zusam­men kei­ne Stun­de und wir neh­men Abschied von dem sym­pa­thi­schen Herrn Hus­sen­dör­fer.

Das Eul­chen kann im Ange­sicht des “Neu­en” ihre Trä­nen für den “Ex” dann doch unter­drü­cken. Er über­trumpft den Alten in allen  Dis­zi­pli­nen. Aus­se­hen und Aus­stat­tung sind über­wäl­ti­gend. Die Fahrt gleicht jetzt mehr dem Glei­ten den dem Rol­len. Kaum ein Geräusch oder eine Boden­un­eben­heit dringt mehr ins Inne­re der könig­li­chen Kut­sche. Wäh­rend der Rabe ver­zückt vom Flug­zeug­cock­pit mit zig neu­en Anzei­gen, Assis­ten­ten und Sys­te­men ist erfreut sich das Eul­chen an den elek­tri­schen Sitz­ver­stell­mög­lich­kei­ten und an der Far­be des Leders. Die Navi­ga­ti­ons­of­fi­zie­rin Uschi, bekommt eine ers­te Auf­ga­be.

 

 

Auf der Rück­tour aus dem Fran­ken­land wol­len wir zu den Frank­reich­fans. Die nächs­te Fami­li­en­ein­füh­rung steht auf dem Pro­gramm.  Auch dies­mal fällt sie, wie die letz­te in Schle­si­en, in die Kate­go­rie Geis­tes- und See­len­ver­wandt. Wir besu­chen Rabens jüngs­tes Tant­chen mit Onkel­chen — das Nest­häk­chen der Erzeu­ger­ge­nera­ti­on. Kaum drei Jah­re älter als das Eul­chen und vor weni­gen Jah­ren der heim­li­che Star des Cou­sin und Cou­si­nen­tref­fens;))) Auch hier gibt es eine beson­de­re Bezie­hung — Jani­na hat als Teen­ager öfter Baby­sit­ter für das, für sein Alter viel zu rei­fe, elo­quen­te, wiss­be­gie­ri­ge, Wun­der­ra­ben­kind gespielt. Der klei­ne Rabe (nicht der .…  hihi) hat ihr damals bestimmt Löcher in den Bauch gefragt mit sei­nen neun­mal­klu­gen Fra­gen. So oder ähn­lich blieb es jeden­falls in unse­rer bei­der Erin­ne­run­gen;)))

 

Rabens Lieb­lings­tant­chen (alle ande­ren nicht böse sein;))) umsorgt uns mit Auf­merk­sam­keit, Lie­be und schle­si­schem Essen wie eine Mut­ter ihre Klei­nen. Janusz trägt, nach sei­ner Rück­kehr von der Gebur­ten­front, mit Charme, wit­zi­gen Ideen und  “Gesprächs­was­ser” (Tro­cke­ner Frän­ki­scher Bocks­beu­tel;)) nicht min­der zur aus­ge­las­se­nen Stim­mung bei. Bin­nen weni­ger Qua­dran­cen (für die Nicht­la­tei­ner ‑Vier­tel­stun­den;))) ent­steht eine unver­gleich­li­che Aura und gegen­sei­ti­ge Sym­pa­thie. Ob die Senio­ren­re­si­denz, die Hüh­ner­zucht, die Ver­mark­tung von ver­rück­ten Ideen — der Stoff zum spin­nen und lachen geht nicht aus.  Eul­chen ist ver­zückt.

Der Rha­bar­ber­ku­chen mit dün­nem Boden aus Voll­korn­mehl ist eine deli­ziö­se kuli­na­ri­sche Spit­zen­leis­tung. Bei einem Spa­zier­gang las­sen wir der gegen­sei­ti­gen Neu­gier in Zwei­er­ge­sprä­chen und Tara, der Hün­din der bei­den, frei­en Lauf. Und schon kommt die Zeit für den zwei­ten Abschied des Tages. Die Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung war wie­der ein­ma­lig schön. Was man an Gedan­ken auf­ge­so­gen hat kann man mit VISA nicht bezah­le. Ihr lie­ben, falls Ihr das lest — wir freu­en uns auf’s nächs­te Mal.

Krakau — schlesische Adoption und polnischer Star

Krakau — schlesische Adoption und polnischer Star

Die letz­te, hek­ti­sche Woche vor unse­rem ers­ten, län­ge­ren Urlaub des Jah­res ist nun Geschich­te. Damit wir in die­sen nicht eben­falls hek­tisch hin­ein­rut­schen — gön­nen wir uns einen frei­en Gam­mel-Sams­tag, der voll mit uner­war­te­ten, klei­nen Höhe­punk­ten auf­war­ten wird. Kaum aus dem Haus, tanz­ten wir schon mit­ten auf dem Anger (Erfurts größ­ter Shop­ping­mai­le) zu exzel­len­ten Gitar­ren-Klän­gen eines Stra­ßen­mu­si­kers des­sen Stim­me — Welt­klas­se war. Ein wür­di­ger Kan­di­dat für “Voice of Ger­ma­ny”.

Ein stun­den­lan­ges, inti­mes, erfül­len­des, phi­lo­so­phi­sches Gespräch, wie so oft beim guten Wein, dies­mal sogar mit Son­ne im Gesicht, in einem Café am Dom­platz (Erfurt’s ers­ter Adres­se) und schluss­end­lich …. ein Kaf­fee-Orgas­mus im Café Land.

krakow_000.jpgBreit­barts, die Besit­zer, laden uns bei eben­falls seeeeehr inti­men Gesprä­chen zum Glas vor­treff­li­chen Bom­bay-Gin ein. Es sind erfri­schend anders-net­te Men­schen. Sie, wir, …. pas­sen in die­se Welt ….. und nicht in die graue Mas­se.

Aber zum Eigent­li­chen!

KRAKOW — Kra­kau steht auf dem Pro­gramm. Eine der schöns­ten wenn nicht die schöns­te Stadt Polens und über Jahr­hun­der­te ihre Haupt­stadt. Noch heu­te die Kul­tur­haupt­stadt, ein Mek­ka für Künst­ler und Tou­ris­ten. Alle paar Meter mit Geschich­te und Sehens­wür­dig­kei­ten gespickt. Seit lan­gem unser ers­ter Städ­te­tripp — zuletzt stand 2015 Prag auf der Agen­da. Nicht min­der freu­en wir uns auf unse­re Köpe­ni­cker Haupt­männ­lein (… und Weib­lein). Spon­tan sind Sie schon einen Tag vor uns …. wow … ein­ge­flo­gen;)))) Trotz der “Haupt­manns-Dienst­gra­de”;)))) — sind Sie in unse­rer Sol­da­ten­un­er­kunft abge­stie­gen und haben nur wenig “gemault”;)))

Unter­wegs, in Ober­schle­si­en, gab es aber noch “LÄNGST FÄLLIGES” nach­zu­ho­len. Rabe hat dort Famil­lie, die letz­ten Mohi­ka­ner, die ein­zi­gen in Poland ver­blie­be­nen. Die Enge der Bezie­hung zu Beat­ka, Rabens Cou­si­ne, lässt sich nicht an der Häu­fig­keit der Tref­fen able­sen. Auch wenn jedes­mal meh­re­re Jah­re dazwi­schen lie­gen — ist es als wäre es erst ges­tern, dass man das letz­te Glas Wein gemein­sam geleert hat. Die beson­de­re Nähe ent­stand bereits wäh­rend der gemein­sa­men Kind­heit und Jugend­zeit und basiert zudem auf einer ein­zig­ar­ti­gen Seelen‑, Humor- und Tem­pe­ra­ments-Ver­wand­schaft.
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Dem Eul­chen war etwas Ban­ge vor dem gro­ßen KENNENLERN-DAY aber schon nach weni­gen Minu­ten war klar — völ­lig unbe­grün­det und nach kaum zwei Stun­den hat sie mit Rabens Cou­sin­chen (wohl­ge­merkt mit­ten am Tag) die ver­rück­tes­ten Moves auf­ge­führt.

Bea­ta, Kszy­siek, Mateusz (25) ‑Rabens Paten­sohn — und Nata­lia sei­ne Freun­din — es war kei­ne Fami­li­en­EIN­FÜH­RUNG son­dern defi­ni­tiv eine ZUSAMMENFÜHRUNG. Lie­be auf den ers­ten Blick und eine boden­lo­se Sym­pa­thie — bei der schmerz­li­chen Abrei­se aus Ruda Slas­ka war Eul­chen bereits adop­tiert — wie eine Zwil­lings­schwes­ter. Ähn­li­cher könn­ten die Art, das Tem­pe­ra­ment und die Men­ta­li­tät nicht sein …. ein Hoch auf Eul­chens schle­si­sche Wur­zeln.

Die rest­li­chen 80 km nach Kra­kau absol­vie­ren wir im Regen um (un)pünktlich gegen 19:00 Uhr vor dem PIANO GAST HOUSE “mit­ten” (hihi) in der Alt­stadt ein­zu­par­ken. Unse­re Ber­li­ner Bär­chen muss­te auch den zwei­ten Tag in der Fer­ne allein Spei­sen aber dann …

Pani Ola und ihr Sohn haben uns in dem, von außen eher unschein­ba­ren, drin aber ein­ma­lig lie­be­voll ein­ge­rich­te­ten Haus emp­fan­gen. Tee und Kuchen ver­kürz­ten uns die War­te­zeit bis zum Ein­tref­fen des Wei­nes ;))) … ähhh der Ber­li­ner.

Und dann fie­len wir uns in die Arme — die Freu­de rie­sig — als hät­ten WIR uns über sechs Jah­re nicht gese­hen;)) Die Stun­den und der Wein ver­schwan­den wie von Geis­ter­hand als wir end­lich ermat­tet in unse­rem traum­haf­ten Zim­mer im Bett ver­san­ken. Es ist schön so net­te und lie­be Men­schen zu ken­nen.
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Was unse­re klei­ne Unter­kunft an “Glanz und Glo­ria” gegen­über einem aus­ge­wach­se­nem X‑Sterne Hotel ver­mis­sen lässt ist genau das was wir an einem gro­ßen Hotel nicht mögen. Eine (Zimmer)NUMMER zu sein — mit einem ver­trag­lich umris­se­nen Leis­tungs­um­fang der im Com­pu­ter schön fest­ge­schrie­ben steht, so dass die täg­lich wech­seln­den Ange­stell­ten einem nicht zuviel Gutes zukom­men las­sen.

krakau_000.jpgDas “Pia­no Guest House” bie­tet kei­ne extra­va­gan­ten Luxus-Bequem­lich­kei­ten wie Spa, eine Bar oder Room­ser­vice dafür bekommt man pol­ni­sche Gast­freund­schaft, lie­be­vol­le Auf­merk­sam­keit und hal­ben Fami­li­en­an­schluss gra­tis gebo­ten. Ein char­man­tes Ambi­en­te ver­gan­ge­ner Tage mit anti­ken Möbeln, Bil­dern, Büchern, fri­schen Blu­men kom­bi­niert mit Frau Ola’s lie­bens­wer­ter Art und ihrem unver­gess­li­chen Früh­stück wür­den wir um nichts in der Welt gegen ein aus­tausch­bar, anony­mes Zim­mer im Hil­ton ein­tau­schen.

Und dann die net­ten Gesprä­che — der Rabe braucht sich nicht mal anzu­stren­gen um fast alles über die Musi­ker Fami­lie zu erfah­ren, auch wie­viel Pani Ola zuge­nom­men und anschlie­ßend abge­nom­men hat, und wann sie mit den Rau­chen auf­ge­hört hat. Das ist wie­der­um Polen live — hier ist ein Mensch noch Mensch und kei­ne Insel. Hier ist man neu­gie­rig auf sein Gegen­über und gibt gern von sich Preis. Kein Pole hat dabei das Gefühl sich zu ent­blö­ßen son­dern im Gegen­teil … dazu zu gehö­ren. Schließ­lich haben alle ähn­li­che “Igel zu käm­men”;))

krakau_273.jpgNach dem vor­züg­li­chen Früh­stück tei­len wir das Batail­lon in zwei Kom­pa­nien auf und stür­men getrennt ins Getüm­mel. Uns reizt beson­ders Kazi­mierz — das Jüdi­sche Vier­tel. Vol­ler klei­ner Gale­rien, Künst­ler­ate­liers, Bou­ti­quen, Cafés und Restau­rants soll es laut sonn­täg­li­cher Auf­klä­rung der Ber­li­ner Kom­pa­nie traum­haft sein. Lei­der fin­den wir das Vier­tel und sei­ne öffent­li­chen Plät­ze fast leer vor. Wo ges­tern noch Stra­ßen­ca­fés, Buden mit aller­lei Köst­lich­kei­ten und Live­mu­sik ein Men­schen­meer auf die Stra­ßen lock­ten — ist heu­te gäh­nen­de Lee­re. Scha­de, das Schau­spiel hät­ten wir gern erlebt — nächs­tes Mal sind wir klüger.Wir lau­fen zurück Rich­tung Alt­stadt. Unter­wegs ergat­tern wir bei einem lus­ti­gen, net­ten Händ­ler zwei rote Shirts mit wei­sen Adler drauf. Es wird ein put­zi­ges Paar­lau­fen wenn wir damit auf der erfur­ter, zypri­schen oder alba­ni­schen Pis­te erschei­nen;)))

Der klei­ne Hun­ger treibt uns in die uli­ca Sto­lar­s­ka. Gegen­über dem Ame­ri­ka­ni­schen und Deut­schen Kon­su­lat befin­det sich Amba­sa­da Sled­zia — die Bot­schaft des Her­rings. Eine ein­ma­li­ge Tapas-Taver­ne und Bar, die aus­schließ­lich Her­ring anbie­tet — den aber in allen Varia­tio­nen, in Öl, in Sah­ne (das kennt der Deut­sche grad noch so), mit roter Bee­te, mit Cur­ry, mit ….., scharf, wür­zig, süß­lich — der hel­le Wahn­sinn. Wir ordern ein Misch-Masch Tel­ler mit vier Sor­ten und bekom­men fast ein hal­bes Kilo Herings­sa­lat. Dazu zwei Wod­ka, unse­re Lieb­lings­sor­te Him­bee­re von Sopli­ca und ein Bier­chen — aus der klei­nen wird eine aus­ge­wach­se­ne Mahl­zeit. Ob wir heu­te noch was run­ter krie­gen?;(((krakau_031.jpgUm uns einen Über­blick zu ver­schaf­fen entern wir im Anschluss an die Herings-Orgie einen roten Dop­pel­de­cker der City-Tour-Line und dre­hen damit ein­ein­hal­be Run­de durch den halb­wegs inter­es­san­ten Teil der Stadt. Lau­fen wäre nach dem opu­len­ten Mahl kaum drin gewe­sen. Die etwa 90 minü­ti­ge Rund­tour ist nicht unbe­dingt ein MUSS für einen Kra­kau-Tou­ri, klärt uns aber gera­de aus die­sem Grund dar­über auf, dass wir uns am Mitt­woch ruhig und ent­spannt auf den Wawel und die Alt­stadt kon­zen­trie­ren kön­nen.

Nach der Bus­tour schlen­dern wir noch has­tig ein­mal durch die Tucher­hal­len, mehr um einen Ort der Erleich­te­rung für das Eul­chen als um etwas ori­gi­nel­les als Sou­ve­nir zu fin­den und lan­den anschlie­ßend, durch klas­si­sche Kla­vier­mu­sik ange­lockt, im “Cho­pin” — einem der edle­ren Restau­rants auf dem Kra­kau­er Markt. Die Ber­li­ner Kom­pa­nie stößt dazu als wir gra­de zwei Cho­pin …. ähhh Schop­pen Wein geor­dert haben. Ein kur­zes Front­brie­fing der vier Kom­man­deu­re ergibt eine Ver­la­ge­rung der “Front­li­nie” ins jid­di­sche Vier­tel. (Also echt — lesen darf das hier nie­mand;))))

krakau_054.jpgWir bezah­len den teu­ers­ten Wein der Geschich­te — zwei Schop­pen für rund 27€ — und “wech­seln” ins stim­mungs­vol­le “Daw­no temu w Kazi­mier­zu” wo die Klez­mer-Band schon am Werk ist. Dank der per­fek­ten Ope­ra­ti­ons­vor­be­rei­tung von Haupt­mann Ines, war bereits ein kusch­li­ger Tisch reser­viert. Israe­li­scher Wein und lecke­re jid­di­sche Spei­sen lie­ßen nicht lan­ge auf sich war­ten.

Zwi­schen Mit­schun­keln, Mit­sin­gen und Klat­schen rut­schen zwei Tel­ler Jeru­sa­lem-Mix (Hähn­chen, Leber, Gemüs­se, ori­en­ta­li­sche Gewür­ze) und zwei Tel­ler Cho­lent (ein Ein­topf aus Fleisch, Boh­nen, Grau­pen und Kar­tof­feln, wel­cher von allen Juden am Schab­b­at­mit­tag geges­sen wird) unse­re mitt­ler­wei­le hung­ri­gen Gau­men her­un­ter. Eins muss man unse­ren jid­di­schen Mit­bür­gern las­sen — trotz all dem Leid, wel­ches sie in der Geschich­te erfah­ren muss­ten, ver­ste­hen Sie es zu Fei­ern. Musi­zie­ren, Sin­gen, Tan­zen, Lachen — ste­cken ein­fach an.

Die Atmo­sphä­re der 30er Jah­re Klez­mer-Wei­sen pass­te per­fekt in die Räum­lich­kei­ten und die Deko­ra­ti­on der Wirts­räu­me.

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Es wur­de ein ein­ma­li­ger, wun­der­schö­ner und ori­gi­nel­ler Abend. Ledig­lich Rabens Aus­ge­las­sen­heit, vom Nacht­jä­ger dem Wein zuge­schrie­ben, sorg­te für eine stil­le Nacht und heilige(n) …. Mor­gen:( Mal sehen wie das bei den nächs­ten Whis­ky­ta­gen umge­kehrt wird?;-)
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Der dar­auf fol­gen­de Diens­tag wur­de bereits an der Hei­mat­front, vor Wochen, gene­ral­stabs­mä­ßig vor­be­rei­tet. Major Eule hat Fern­auf­klä­rung betrie­ben und den pas­sen­den Zeit­punkt für den Sturms auf Wie­li­cz­ka fest­ge­macht. Wie­li­cz­ka — das ist die an Super­la­ti­ven nicht zu über­tref­fen­de, gröss­te Salz­mi­ne der Welt. Seit über 700 Jah­ren in Betrieb, auf 9 Ebe­nen bis 370m unter der Erde erstreckt sie sich auf 300 Km !!!!! unter­ir­di­scher Stol­len.

krakau_061.jpgVon Agnieszka (Agnes), unse­rer Füh­re­rin, erfah­ren wir in rela­tiv gutem Deutsch Kurio­ses und Inter­es­san­tes über die Arbeit der Berg­leu­te, die Mine und über all die prunk­vol­len Salz­kam­mern, ‑grot­ten und ‑säle die in ihr über Jahr­hun­der­te errich­tet wor­den. Die etwa drei Kilo­me­ter die wir, wäh­rend der Füh­rung, zusam­men mit noch etwa zehn ande­ren Deut­schen, zurück­le­gen bil­den ledig­lich EIN PROZENT der Mine.

Unter­wegs bestau­nen wir ungläu­big Kam­mern, Kapel­len und Säle die in ihren Aus­ma­ßen die größ­ten Kathe­dra­len die­ser Welt wie Gebets­zim­mer aus­se­hen las­sen. Und noch etwas darf nicht uner­wähnt blei­ben. Alles, aber auch wirk­lich ALLES!!!! ist hier aus Salz!!!
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Ledig­lich eini­ge Holz­trep­pen erleich­tern den Tou­ris­ten die Bege­hung. Flie­ßen, Böden, selbst die gewal­ti­gen Kronläuch­ter sind aus Salz. All das ist unbe­schreib­lich schön und ver­setzt uns in ein Zustand des Dau­er­stau­nens — um ein Haar ver­ges­sen wir das Atmen. Etwas Ver­gleich­ba­res haben wir und wer­den wir nie zu Gesicht bekom­men.
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Nach der offi­zi­el­len Tour besu­chen wir mit Agnes, immer noch 130m unter der Erde, auf der drit­ten Ebe­ne, das Muse­um. Wir sind unter uns, nie­mand sonst hat sich dafür inter­es­siert. Übri­gens das übli­che Bild des trä­gen, fau­len, unin­ter­es­sier­ten Deut­schen. Laut Agnes besu­chen etwa 50% der Besu­cher ande­rer Natio­nen das Muse­um im Anschluss an die Füh­rung. Von den Deut­schen sind es kei­ne 5% — trau­rig für das Land der Dich­ter und Den­ker.
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Erst im Muse­um bekom­men wir den kom­plet­ten Über­blick in die Geschich­te der Mine und über die Schwe­re der Arbeit der Kum­pel. Auch Pfer­de arbei­te­ten in der Mine und wur­den von den Berg­leu­ten über alles gepflegt und gehegt. Unser Dich­ter­fürst J.W.Goethe besuch­te die Gru­be am 10.September 1790 genau so wie ande­re Berühmt­hei­ten wie Adam Mickie­wicz, Koper­ni­kus, oder heut zu Tage Papst J.P. II., G. Bush, L. Walen­sa und Jim Car­rie vor bzw. nach ihm.

Die ein­drucks­vol­len Erleb­nis­se woll­ten wir noch um eine Mahl­zeit Unter­ta­ge ergän­zen aber …. aber die stil­len, heid­ni­schen Gebe­te, die unser Ber­li­ner Geiß­lein gen Him­mel stieß, durch­dran­gen das Gestein bes­ser als der selbst­si­che­re, lei­se Ruf an Oma Anna.
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Den Rück­weg vom Muse­um (wel­ches sich allein über fast einem Kilo­me­ter Stol­len und Kam­mern erstreckt) zum unter­ir­di­schen Berg­manns-Restau­rant dür­fen wir nicht mehr gehen, obwohl Agnes extra eine Geneh­mi­gung der Auf­sicht ein­zu­ho­len ver­sucht hat. Geiß­leins Gesicht hell­te sich ob der Schick­sals-Ent­schei­dung wegen oder ob der Erwar­tung einer hei­ßen (schon den gan­zen Tag erson­ne­nen) Ente, auf;)))))

Letzt­end­lich war das anschlie­ßen­de Fest­mahl in der Wirt­schaft “Pod wie­l­ką solą” ein High­light. Kuli­na­risch konn­ten wir unse­ren öst­li­chen Nach­barn noch nie das Was­ser rei­chen aber in den letz­ten Jah­ren sehen wir sie auf dem Hori­zont, vor uns, kaum noch. Haxe, Rin­der­rolla­de, Ripp­chen und eine hal­be Ente waren der­art zart und deli­zi­ös zube­rei­tet, dass wir die Tel­ler fast abge­leckt haben. Auch das, seit weni­gen Mona­ten, vor Ort selbst gebrau­te “Żupne”-Bier, ob hell, ob dun­kel war ein Genuss.
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An die­sem Tag sind wir, nach knapp 20 000 Schrit­ten — rund 14 gelau­fe­nen Kilo­me­tern schleu­nigst in den Federn ver­sun­ken.

Beim Früh­stück am nächs­ten Mor­gen ver­tieft der Rabe die inni­gen Gesprä­che mit unse­rer Gast­ge­be­rin. Erst heu­te, nach drei Tagen, ent­lockt er Frau Ola, dass sie in Kra­kau eine gro­ße und im Land eine klei­ne Berühmt­heit ist. Begon­nen hat sie ihre Kar­rie­re im sei­ner­zeit bekann­tes­ten pol­ni­schen Kaba­rett “Piw­ni­ca pod bara­na­mi” (dort tritt sie übri­gens bis heu­te manch­mal auf), als Sän­ge­rin nahm sie etli­che Plat­ten auf (zuletzt 2012), es kamen Rol­len in Kino- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen dazu, Auf­trit­te um die gan­ze Welt (erst letz­tens an der Volks­büh­ne in Ber­lin). Als Jour­na­lis­tin und Mode­ra­to­rin war sie auch dem Fern­seh­pu­bli­kum ein Begriff. Die Sym­pa­thie ist ein­ma­lig und beid­sei­tig. Pani Ola ist unser Anders­sein sofort auf­ge­fal­len und sol­che Men­schen mag sie beson­ders — wir bekom­men sogar zwei CD’s der Künst­le­rin geschenkt und signiert — Wahn­sinn. Wir revan­chie­ren uns mit unse­ren You­Tube-Auf­trit­ten und lachen uns alle sche­ckig.
Ola Mau­rer-Szew­c­zyk

Schon in vor­her­ge­hen­den Gesprä­chen hat sie uns Anek­do­ten aus ihrem Leben aber auch über ihr Leben erzählt. Zum Bei­spiel, dass sie 1984 tele­fo­nisch eine wich­ti­ge Nach­richt dem Karol Woj­ty­la (mit dem sie befreun­det war) im Vati­kan über­bracht hat — die­ser war zu dem Zeit­punkt bereits Papst Johan­nes Paul der II.
Eul­chens gött­li­ches Händ­chen bei der Unter­kunftsu­che hat uns zum zigs­ten Mal eine gol­de­ne Per­le beschert — am liebs­ten wür­den wir bei Ola ein­zie­hen;))))

krakau_193.jpgDen letz­ten vol­len Tag in der Raben­stadt (Erklä­rung wei­ter unten) begin­nen wir in der Mari­en Basi­li­ka auf dem Haupt­markt. Die­se Kir­che ist wie kaum ein ande­res Bau­werk der Stadt auf Grund Ihrer Geschich­te, der Archi­tek­tur und der Kul­tur­schät­ze die sie birgt, ein Wahr­zei­chen der Stadt. Erbaut Ende des 13. Jahr­hun­derts ist sie bis heu­te ein Para­de­bei­spiel goti­scher Bau­kunst. Ihr Inne­res lässt zwei Hei­den, wie uns, den Atem sto­cken. Prunk und Reich­tum der katho­li­schen Kir­che las­sen die Men­schen bis heu­te in Ehr­furcht und Demut erstar­ren. Täg­lich, zehn vor 12 Uhr wird das Hei­lig­tum der Kir­che dem Publi­kum prä­sen­tiert- der größ­te Hoch­al­tar Euro­pas. Ent­stan­den in 12 Jah­ren mühe­vol­ler Arbeit des Deut­schen Bild­hau­ers Veit Stoß zwi­schen 1477–1489. Der gewal­ti­ge Mari­en­al­tar ist 11m breit und 13m hoch. Die Figu­ren sind fast drei Meter groß. Er wur­de aus Eichen- (Kon­struk­ti­on) und Lin­den­holz (Figu­ren) geschnitzt und erzählt bei geöff­ne­ten Türen die Geheim­nis­se der Freu­de Mari­ens von der Ver­kün­di­gung bis zur Him­mel­fahrt. Bei geschlos­se­nen Türen sind dage­gen die zwölf Sze­nen der Lei­den Mari­as zu sehen.

Noch benom­men und geblen­det von all dem Gold an Figu­ren, Gemäl­den, Kunst­schät­zen, Wän­den und sogar Decken (Tür­kis mit gol­de­nen Ster­nen) der Basi­li­ka eilen wir hin­aus um das Hej­nau zu hören. Wir sprin­ten die weni­gen Meter bis zu den Tucher­hal­len um den Trom­pe­ter im Nord­turm der Mari­en­kir­che zu sehen.

Das Hej­nał Maria­cki wur­de im Mit­tel­al­ter zur Mor­gen- und Abend­däm­me­rung gespielt, um die Öff­nung und Schlie­ßung der Stadt­to­re anzu­kün­di­gen. Seit 1810 wird es wie­der regel­mä­ßig auf­ge­führt, zu jeder vol­len Stun­de in alle vier Him­mels­rich­tun­gen, und seit 1927 auch zur Mit­tags­zeit im Radio über­tra­gen. Im 20. Jahr­hun­dert ver­schmol­zen his­to­ri­sche Tat­sa­chen (der Schlacht von Wahl­stadt 1241), Legen­den, und das 1928 erschie­ne­ne Kin­der­buch des Ame­ri­ka­ners Eric P. Kel­ly zu der erst­mals 1935 in Rei­se­füh­rern erwähn­ten Legen­de, wonach das Signal abbrä­che, weil beim Tata­ren­an­griff von 1241 der Trom­pe­ter von einem Pfeil getrof­fen wor­den sei. Nun wer­de ihm zu Ehren das Hej­nał immer nur bis zu dem Ton gespielt, den der Trom­pe­ten­spie­ler als letz­ten vor sei­nem Tode noch gespielt habe. Jeder Kra­kau-Besu­cher soll­te ein­mal das Hej­nau gehört haben — nun haben wir der Pflicht genü­ge getan;))))

Jetzt zu Kür. Im Jah­re 2010 eröff­ne­te unter den Tucher­hal­len eine ein­zig­ar­ti­ge Aus­stel­lung. Auf rund 4.000 qm Flä­che kön­nen wir in die span­nen­de Geschich­te Kra­ka­us ein­tau­chen – von der Stein­zeit über den Mon­go­len­ein­fall im 13. Jahr­hun­dert bis in die Neu­zeit. Archäo­lo­gi­sche Fun­de wie befes­tig­te, erstaun­lich gut erhal­te­ne Pflas­ter­we­ge aus dem frü­hen Mit­tel­al­ter, Brun­nen, Fun­da­men­te alter Wohn- und Geschäfts­häu­ser, Kel­ler­ge­wöl­be, die einst den Händ­lern als Waren­la­ger dien­ten sowie mit­tel­al­ter­li­che Grab­stät­ten wur­den sorg­sam rekon­stru­iert, kon­ser­viert und durch anschau­li­che Infor­ma­tio­nen in mul­ti­me­dia­ler Form (Touch­screens, Film­lein­wän­de, audio­vi­su­el­le Effek­te) über die Geschich­te der Stadt und ihre Bedeu­tung im weit ver­zweig­ten Flecht­werk der Han­dels­rou­ten ergänzt. Die Aus­stel­lung befin­det sich auf einer Ebe­ne, die noch im 10. Jahr­hun­dert der eigent­li­che Markt­platz war. Die Tat­sa­che, dass im Mit­tel­al­ter Abfäl­le auf Stra­ßen und Plät­zen nicht besei­tigt, son­dern ein­fach mit Sand zuge­schüt­tet wur­den, führ­te dazu, dass die ehe­ma­li­ge Erd­ge­schoss­ebe­ne der Häu­ser zu Kel­lern wur­de. Wir erfah­ren auch, dass Kra­kau im Lau­fe sei­nes Bestehens mehr­fach zer­stört wur­de und, dass man die Stadt ein­fach auf den Über­res­ten der alten Bebau­ung wie­der auf­bau­te, was eben­falls zur Erhö­hung des Gelän­des führ­te.
krakau_199.jpgWie die Polen die, an sich tro­cke­ne, Geschichts­lek­ti­on wie­der Mal zu einem High­light gestal­tet haben könn­te den Deut­schen Muse­ums­de­si­gnern als Bei­spiel die­nen.

Wir sind mit, vor Begeis­te­rung offe­nen Mün­dern durch die Unter­welt — mit dem spür­ba­ren Gefühl mit­ten­drin im Mit­tel­al­ter zu sein — unbe­schreib­lich!!!! Wir beob­ach­te­ten sogar eine pol­ni­sche Schul­klas­se die an der Erzäh­lung ihres Füh­rer dran klebt (und zwar ALLE etwa 20 Mann) als wären sie bei einem Emi­nem Kon­zert. Ein tol­les Erleb­nis — ein must have in Kra­kau.

Apro­pos Kra­kau — bei der unter­ir­di­schen Besich­ti­gung gab es eine Sta­ti­on für Kin­der. Ein Film ver­mischt mit lebens­ech­ten Figu­ren erzähl­te die Geschich­te Kra­ka­us. Dem Eul­chen ist dabei ein präch­ti­ger wei­ßer Rabe auf­ge­fal­len und schon hör­ten wir einem Stück der Geschich­te zu und erfuh­ren …… ‚dass
Krak (heu­te kruk) frü­her Rabe hieß. An der Stel­le wo heu­te die Stadt ist leb­ten frü­her ganz vie­le Raben. Die Men­schen hiel­ten sie für die klügs­ten Vögel, sogar für hei­lig — uns so brach­ten sie ihnen Gaben und Opfer. Aus dem Flug der Raben wur­de gedeu­tet ob etwas gelingt. Der schlaus­te und wich­tigs­te war ein wei­ßer Rabe der am Krze­mi­on­ka Wald leb­te. Heu­te ist hier der Bed­nar­ski Park. Der wei­ße Rabe hat aber nach einem Groß­brand den Wald ver­las­sen und wur­de seit dem nie mehr gese­hen.

So ent­stand nun erst der Name KRA­Kow und spä­ter nann­ten sich nach der Stadt auch die ers­ten Herr­scher und Stadt­grün­der Krak der I. bis Krak der IV. (der den Dra­chen besieg­te … eine lan­ge Legen­de;)))) nach Raben.

Am Aus­gang der Unter­welt gibt es ein schö­nes, klei­nes Café wo wir dem Ermü­dungs­tod nah, erst­mal einen Schuss Kof­fe­in intra­o­ral ein­neh­men. Dabei hören wir auf ein­mal bekann­te Stim­men — die Ber­li­ner Kom­pa­nie hat eben­falls die Unter­welt erstürmt und so fei­ern wir den Abschied (sie wer­den heu­te Abend aus­ge­flo­gen) hier und nicht wie ursprüng­lich aus­ge­macht im “Pola­kow­ski”, einer typisch pol­ni­schen Stu­den­ten- und Taxi­fah­rer­knei­pe in der uli­ca Miodo­wa. Knud­del, Bus­si und Adieu — und schon krie­chen wir den Wawel-Hügel hin­auf.

Kra­kau war über Jahr­hun­der­te als pol­ni­sche Haupt­stadt Sitz der pol­ni­schen Köni­ge und auf dem Wawel steht das Königs­schloss und die Wawel-Kathe­dra­le — die Krö­nungs­kir­che der Staats­ober­häup­ter und deren Grab­stät­te. Das Schloss mit sei­ner ein­ma­li­gen Kunst­samm­lung (unter ande­rem Gemäl­de von Rem­brandt und Van Gogh) kön­nen wir lei­der nicht besich­ti­gen. 15:00 Uhr begann die let­ze Füh­rung- wir sind 10 min zu spät.

krakau_224.jpgDie König­li­che Basi­li­ka strotzt vor Prunk, unzäh­li­ge Sei­ten­ka­pel­len gewid­met berühm­ten Per­sön­lich­kei­ten, Hei­li­gen, Kunst­schaf­fen­den und dem Polen-Papst schmü­cken die Sei­ten des Kir­chen­schiffs. In ihnen lie­gen in über­gro­ßen Sar­ko­pha­gen gebet­tet die Gebei­ne fast aller pol­ni­scher Köni­ge seit dem 13. Jahr­hun­dert. In der Kryp­ta kann man die Grä­ber von Fre­de­ric Cho­pin, Adam Mickie­wicz und ande­rer sehen.

Wir klet­tern auch auf den Glo­cken­turm der Erz­ka­the­dra­le. Vier rie­si­ge Glo­cken sind dort auf dem Weg nach ganz oben zu der gewal­ti­gen und mit fast 10 Ton­nen größ­ten Sig­munds­glo­cke zu sehen. Sie kön­nen wegen der Besu­cher­trep­pe nicht mehr geläu­tet wer­den. Vier wei­te­re Glo­cken aus dem 17. bis 19. Jhd. befin­den sich im Nord­turm und wer­den täg­lich geläu­tet.
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Die Sig­munds­glo­cke erklingt rund 30 mal im Jahr zu den wich­tigs­ten katho­li­schen und staat­li­chen Fei­er­ta­gen. Die Glo­cke ist so schwer, dass sie von einer Grup­pe von 8–12 Glöck­nern bewegt wer­den muss.

Laut einer Legen­de bringt die Berüh­rung der Glo­cke Lie­ben­den ewi­ges Glück — natür­lich haben wir die­se Chan­ce wahr­ge­nom­men unse­re Lie­be in Ewig­keit zu gie­ßen;))) Hoch lebe König Zyg­munt der Stif­ter der Glo­cke;))))))

Nun aber end­gül­tig aus­ge­hun­gert wat­scheln wir wie­der in das Jid­di­sche Vier­tel. In Kazi­mierz gibt es mehr Jid­di­sche Restau­rants als in ganz Deutsch­land.

krakau_212.jpgWir befol­gen Pani Ola’s Tipp und heu­ern im “Klez­mers Hois” an. Ver­setzt im die zwan­zi­ger Jah­re, umge­ben von anti­ken Möbeln, Fotos, Bil­dern und Kunst­ge­gen­stän­den genie­ßen wir vom Ori­gi­nal Geschirr, mit bun­ten Blu­men­mus­tern und mit Sil­ber­be­steck die Köst­lich­kei­ten der kosche­ren Küche. Gebra­te­ne Gans, Hum­mus, zar­ten Rin­der­bra­ten mit Küm­mel­knob­lauch­sos­se … Zwie­bel­sup­pe, Zupa Jan­kie­la, Kar­cz­mar­za z Ber­dy­c­zowa (eine Jid­di­sche Spe­zia­li­tät) sowie Purim-Küch­lein schmeck­ten alle­samt ober­le­cker. Abends soll­te ein Kon­zert in der gro­ßen Stu­be des Hau­ses statt­fin­den — es wur­de bereits fei­er­lich ein­ge­deckt — aber unse­re Kräf­te neig­ten sich dem Ende. Vol­le 12 von 10 mög­li­chen Punk­ten ver­ge­ben wir die­sem lie­bens­wer­ten Spei­sen­trog und das trotz stol­zer, durch­aus deut­scher Prei­se. Selbst der Israe­li­sche Mer­lot war beson­ders vor­züg­lich.!!!!!!!!

Abend wol­len wir Pani Ola auf ein Glas­sel Wein ein­la­den aber sie ist vorm Fern­se­her ein­ge­schla­fen. Wir bedan­ken uns für den hei­ßen Essens-Tipp mit einem kosche­ren Purim-Tört­chen.

Zum Früh­stück dar­auf wer­den wir mit einer Geor­gi­schen Wein­pro­be über­rascht — die Frau ist ein­fach gol­dig. Der Abschied fällt allen schwer — Ola hat uns ins Herz geschlos­sen — naw­za­jem, wir sie eben­falls. Viel­leicht schaf­fen wir es, sie noch­mal auf­zu­su­chen.

Die Rück­fahrt gen Wes­ten führt uns wie­der durch Ober­schle­si­en. Dies­mal neh­men wir uns die Zeit — der Raben­prinz zeigt sei­ner gelieb­ten Eulen­kö­ni­gin hin­ter wel­chen Baum er als Kind ver­ste­cken gespielt hat, von wel­chem Dach er den Mäd­chen beim Brüste­wett­be­werb zuge­schaut hat, in wel­che Schu­len er gegan­gen ist und wo er mit sei­nen Raben­el­tern gewohnt hat. Zab­r­ze und Szc­zy­glo­wice hei­ßen die Sta­tio­nen. Die Zeit scheint fast ste­hen geblie­ben zu sein. Die Neu­bau­ten haben etwas Far­be abbe­kom­men, die Alt­bau­ten sind noch älter gewor­den. Indus­trie-Tris­tes des post­kom­mu­mis­ti­schen Urba­nis­mus.
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Schon vor 50 Jah­ren for­der­te Hen­ri Lef­eb­v­re das „Recht auf Stadt“ für alle. Wohn­raum für die Arbei­ter­klas­se haben die Kom­mu­nis­ten dar­aus gemacht. Alles da — Schu­le, Kino, Restau­rant, Ärz­te, Läden, Wohn­raum — nur Ent­wick­lung, Fort­schritt und Kul­tur sind auf der Stre­cke geblie­ben. Die Men­schen leben hier weil sie kaum Alter­na­ti­ven haben nicht weil es schön ist.

Wei­ter in unser gelieb­tes Nie­der­schle­si­en. Kar­pacz wir kom­men. Zwi­schen Wro­claw und Wal­brzych ereilt uns der klei­ne Hun­ger — nur lei­der fah­ren wir grad durch tou­ris­ti­sche Wüs­ten­land­schaft. Eine schö­ne Müh­le, zum uri­gen Gast­hof umge­baut, las­sen wir in der Hoff­nung auf noch schö­ne­res pas­sie­ren — es war ein Feh­ler. Erst im Ziel, völ­lig aus­ge­hun­gert, mit einem Zucker­spie­gel im Nega­tiv­be­reich — stür­men wir eine ver­meint­lich viel ver­spre­chen­de neue Gast­stät­te an — die sich aber als Durch­schnitt erweist. Ver­wöhnt von kosche­rer Küche und male­ri­schem, anti­kem 20er Jah­re Ambi­en­te — fällt die Bewer­tung der Loka­li­tät eben­falls nega­tiv aus (im Nor­mal­fall wür­de das Kneipp­chen wenigs­tens 6 von 10 Punk­tem bekom­men).

Abends wer­den wir aufs herz­lichs­te vom Pio­tr begrüßt — ein Tee, zwei Mali­now­kas — gegen neun fal­len wir aber halb tot in die Bet­ten. Kichern, Klö­nen, Kuscheln und Heia. Gute Nacht!!!!

krakau_256.jpgSo son­nig wie der Vor­tag sich ver­ab­schie­det hat, so reg­ne­risch (bes­ser schnee­ig) stell­te sich der neue Tag vor. Trotz des Graus hin­ter den Fens­tern — fül­len wir den Raum mit Lie­be:))) An eine Sigth­se­en-Tour ist nicht zu den­ken, was uns nicht unge­le­gen kommt. Ein Gam­mel­vor­mit­tag und hei­ße Scho­ko­la­de mit einem Obst­sa­lat im Gol­em­biew­ski, zusam­men mit Pio­tr, ver­süß­ten uns den, zuge­ge­be­ner­ma­ßen lan­gen Start in den Tag.

Auch der Rest des Tagen wur­de der Erho­lung gewid­met. Das Spa des Schlos­ses Stons­dorf ist an Design, Still und Ambi­en­te nicht zu über­bie­ten. Herr­schaft­li­che Kron­leuch­ter, ein anti­ker Kamin, eine Biblio­thek, Sau­na Land­schaft per exzel­lent, ein 20m Becken mit Boden­flies­sen gelegt wie ein Schloss­par­ket, Jac­cu­zi, Aus­sen­pool und … (wür­de in D wie­derkrakau_259.jpg nicht mach­bar sein) eine klei­ne Bar mit einer Kas­se des Ver­trau­en. Die leckers­ten Säf­te und kei­ne bil­li­gen Wei­ne — zum selbst abfül­len, Zet­tel aus­fül­len, bezahlt wird beim hin­aus­ge­hen. Das Gan­ze für 12€ für den gan­zen Tag. Viva Polo­nia!!!!!

Wir genie­ßen Stund um Stund bis uns der Hun­ger hin­aus treibt. Wie­der­mal der klei­ne Hun­ger, der Schla­wi­ner, des­halb reicht uns ein klei­nes Essen, viel­leicht ein Süpp­chen? Pol­s­ka Cha­ta, ziem­lich abseits, unter­wegs ent­deckt hat wegen der “gro­ßen Tou­ris­ten­zah­len außer­halb der Sai­son” lei­der geschlos­sen. Ein wei­te­res Gast­haus hat des Raben Auf­merk­sam­keit bei Recher­chen geweckt. Dort­hin lenkt er auch die Kut­sche mit der Eulen­kö­ni­gin. “Dwór Lic­zyr­zepy” (Rübezahl’s Schloss) ist nicht klein, und sei­ne Ein­rich­tung baut auf der Legen­de vom plötz­lich aus dem Nichts, zwi­schen den Ber­gen, weit oben im Rie­sen­ge­bir­ge auf­tau­chen­den, Fels-Schloss des Berg­geis­tes.
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Übri­gens, die Her­kunft des Namens Rübe­zahl ist bis heu­te nicht geklärt. Seit 1561 gibt’s ers­te Erwäh­nun­gen des Namens mit ver­schie­de­nen Schreib­wei­sen (Rüben­cz­al, Rübe­zal, Ribe­zal, Rie­ben­zahl). In den unzäh­li­gen Legen­den, erscheint Rübe­zahl viel­ge­stal­tig, mal als Rie­se, Bewa­cher des Berg­schat­zes, als Mönch, der Men­schen vom Weg abbringt, als Rabe (na gucke die schau — wo der Rabe noch ne Rol­le spielt) oder Esel und viel­fach als Dia­bo­lus, Satan. In einer Rübe­zahl-Geschich­te gab Johann Karl August Musä­us 1783 eine legen­dä­re Erklä­rung des Namens. Laut die­ser Erzäh­lung ent­führt Rübe­zahl die Königs­toch­ter Emma, die er hei­ra­ten will, in sein unter­ir­di­sches Reich. Mit Rüben, die sie in jede gewünsch­te Gestalt ver­wan­deln kann, ver­sucht er ihre Sehn­sucht nach ihrem Zuhau­se zu stil­len. Doch die Rüben ver­wel­ken. Schließ­lich ver­spricht ihm die Frau ihre Hand, wenn er ihr die Zahl der Rüben auf dem Feld nennt. Gelingt ihm dies nicht, muss er sie gehen las­sen. Sofort macht sich der Berg­geist an die Arbeit. Um auch sicher zu sein, dass die Anzahl stimmt, zählt er gleich noch ein­mal, kommt aber zu einem ande­ren Ergeb­nis. Wäh­rend­des­sen flieht die Gefan­ge­ne auf einer zum Pferd ver­wan­del­ten Zau­ber­rü­be zu ihrem Prin­zen Rati­bor und ver­spot­tet den Geist mit der Anre­de als Rübe­zahl. Daher wird er sehr zor­nig, wenn er mit die­sem Spott­na­men bedacht wird.

Sor­ry, etwas abge­schweift aber inter­es­sant. Das Inne­re des Hau­ses erin­nert an das stei­ni­ge Inne­re des Schlos­ses des Rübe­zahl. Die The­ke und Bar glei­chen einer Höh­lenn­grot­te, die Wän­de sti­li­sie­ren Fel­sen usw. Uns viel wich­ti­ger ist die Spei­se­kar­te. Das Lokal gehört der Ver­ei­ni­gung “Regio­na­les kuli­na­ri­sches Erbe”, die sich dem Erhalt der Regio­na­len Küche ver­schrie­ben hat. Man bie­tet teil­wei­se uralte Gerich­te aus der Gegend an, die es sonst nir­gend­wo mehr gibt und die auch bei Ein­hei­mi­schen in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind.
Wir Spei­sen Klu­ski Kar­ko­no­skie — wie schle­si­sche Klö­se aber groooooß gefüllt mit Fleisch, Gemü­se, Kohl und Pil­zen und Cze­bu­re­ki — Hack­fleisch mit loka­len Kräu­tern gewürzt, in Teig ein­ge­wi­ckelt und gedämpft dazu Salz­gur­ken-Salat …… alles ein­ma­lig köst­lich. Es ste­hen noch wei­te­re Lecker­bis­sen auf der schön zwei­spra­chig gehal­te­nen Kar­te. Hier waren wir defi­ni­tiv nicht zum letz­ten Mal.

Warum die Dinosaurier ausgestorben sind …

Warum die Dinosaurier ausgestorben sind …

….. weil sie sich kaum bewegt haben. Nur Fres­sen war damals (vor 65 Mil­lio­nen Jah­ren) schon eine siche­re Fahr­kar­te in den Exitus.

Der ein­hel­li­gen Mei­nung der Wis­sen­schaft nach, beför­der­te der rie­si­ge Aste­ro­id, der im Golf von Mexi­ko ein­schlug so viel Staub in die Atmo­sphä­re, dass über Jah­re kaum Son­nen­licht zur Erde drang. Fol­ge war ein Mas­sen­ster­ben, dem auch die Dino­sau­ri­er zum Opfer fie­len. Mag sein …. wir sagen, die wären sowie­so aus­ge­stor­ben weil sie sich täg­lich kugel­rund gefres­sen haben und dazu kaum bewegt haben:)))))

Trotz Jahr­mil­lio­nen an angeb­li­cher Evo­lu­ti­on ver­brin­gen auch heu­te die meis­ten Exem­pla­re “unse­rer” Spe­zie ein Drit­tel ihres Tages auf dem Sofa, einen Drit­tel lie­gen sie im Bett und den Rest ver­brin­gen sie bei der Arbeit wo sich vie­le eben­falls kaum bewe­gen. Nun damit uns “alten Dinos” sowas nicht wider­fährt haben wir vor über 1.5 Jah­ren nicht nur unse­re Ernäh­rung Stück für Stück umge­stellt son­dern noch mehr Bewe­gung in unser schon reich­lich mit Sport gefüll­tes Pro­gramm auf­ge­nom­men.

Also “Fres­sen” wie die Dinos … viiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeel und gesund … aus der Natur
aber
par­al­lel dazu reich­lich Bewe­gung und Frisch­luft.

nur damit wir uns in paar Jah­ren noch an den Janu­ar 2017 erin­nern, eine klei­ne Über­sicht.

31.12.2016 — “Sil­ves­ter Schwim­men” — Erfurt — 1500m
07.01.2017 — Arn­stadt Sau­na — Schwimm­bad — 1500m
08.01.2017 — Lau­fen nach Hoch­heim ~6 KM
14.01.2017 — Weih­nachts­es­sen bei den Raben­el­tern
15.01.2017 — Rus­ti­kal Essen im Faust­food — Tief­schlür­fen­de Gesprä­che im Spei­cher
17.01.2017 — Voice of Ger­ma­ny
20.01.2017 — Eis­ho­ckey Regio­nal­li­ga Nord — Black Dra­gons gegen Han­no­ver Scor­pi­ons
21.01.2017 — Mit Klein­rä­bin wie­der im Spei­cher
22.01.2017 — Wort­wört­li­ches Fres­sen im Sun­House — Frosch­schen­kel, Zebra, Kro­ko­dil, Kän­gu­ru, Hai, …..

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26.01.2017 — Spon­tan­wan­de­rung im Stei­ger mit Grün­mom — anschlies­send Wald­haus­le­cke­rei­en
28.01.2017 — Schwimm­hal­le Arn­stadt — Suu­na und …. 1500m
29.01.2017 — Freu­den­tal ein Kuli­na­ri­cher Erguß davor aber ….. Lau­fen auf den Kaff­berg 5 KM steil berg­auf.

In der Sum­me hat Eul­chens Fit­Bit (Schritt­zäh­ler) 127 000 Schrit­te im Janu­ar gezählt — das ent­spricht rund 85 gelau­fe­nen Kilo­me­tern. Dazu kom­men 4,5 geschwom­me­ne Kilo­me­ter. Ande­re Sport­ar­ten zäh­len wir aus Pie­täts­grün­den hier nicht auf:) Ein ziem­lich typi­scher Eulen&Raben-Monat wobei wir sonst im Schnitt auf etwa 100 gelau­fe­ne Kilo­me­ter kom­men …. ok der Rabe auf ein paar weni­ger.

Also wir wer­den nicht wie die Dinos vor­zei­tig die­sen Erd­ball ver­las­sen — wir leben gesund und mer­ken seit Mona­ten wie unse­re Kör­per es uns dan­ken. Nimmt Euch ein Bei­spiel:))))

PS. Im Mäd­ler war es wirk­lich schön — dan­ke allen:)
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Es jährt sich des Raben Schlupf:)

Es jährt sich des Raben Schlupf:)

Eeeeeeeend­lich ist es soweit — vor upfmhm­vier­zig Jah­ren ist der Rabe aus dem Ei geschlüpft. Wie schon zu Eules Geburts­tag beginnt der Tag mit einem fei­er­li­chen Eulen­we­cken. Sicher ist sicher — nicht, dass für das Fei­ern die Zeit zu kurz wird. Weit gefehlt — das Eul­chen hat eine Über­hal­be­stun­de in der Pra­xis ange­kün­digt — total lieb von Ihr. 5:45 Uhr also — kommt mein gefie­der­tes Puff­böhn­chen auf Glit­zer­stil­let­tos und mit auf­rei­zend, knapp ver­hüll­ten Federn und einem lus­ti­gen Blin­ke-Hap­py-Bir­th­day-Hüt­chen auf die Büh­ne:))) Ein süßes Ständ­chen wird zur Rabens Ver­zü­ckung dar­ge­bo­ten und anschlie­ßend ange­sto­ßen (hihi) — der Wein ist lecker. Eine Geburts­tags­ker­ze darf nicht feh­len. Danach zum fein geschmück­ten Geburts­tags­tisch — WAAAAHNSINN -
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Eul­chen hat ihre Krea­ti­vi­tät zur Explo­si­on gebracht — Wit­zi­ges Kar­ten­ge­wirr mit lus­ti­gen Tex­ten und Ver­schlüs­sel­ten Events dar­auf — las­sen den Raben noch am Nach­mit­tag rät­seln. Die Freu­de ist rie­sig — DANKE gelieb­tes Weib­chen!!!! Dazu der Wün­sche soviel wir der Satz “Alles lie­be zum Geburts­tag vom Eul­chen” Buch­sta­ben hat. Rabe bekommt Pipi in die Augen.
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Am Nach­mit­tag wol­len wir den Tag mit Queen- ähhhhhh Grün­Mom und unse­ren Freun­den gebüh­rend fei­ern. Wie schon im Vor­jahr geht’s zum Athos unse­rem Lieb­lings-Grie­chen auf dem Dom­platz. Aller­lei lecke­re Vor- und Nach­spei­sen fül­len die Tisch­mit­te — alle bedie­nen sich nach Her­zens­lust.
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Das Wet­ter ist herr­lich — scha­de nur, dass Bonu­se es nicht ganz zum Ter­min geschafft haben — ok, es war recht spon­tan:). Sie sto­ßen am Abend dazu. Wir brin­gen Mama und Put­zi nach Hau­se und sacken auf einen Absa­cker in den Ses­seln des Ros­si­ni nie­der. Die nächs­te Fla­sche Wein und eini­ge ande­re Flüs­sig­kei­ten las­sen wir uns gemein­sam schme­cken — ein wun­der­schö­ner Tag — der Rabe ist glü­ckelich. Zu Hau­se im Bett­chen wird noch lan­ge gelacht — erschöpft schla­fen wir gegen halb zwei am Mor­gen ein. Dan­ke Allen.