12 Kilometer getanzt — Let’s dance mal ganz anders

Ein irr­wit­zi­ger Titel? Nicht im Gerings­ten. Die Geschich­te nahm vor über 40 Jah­ren ihren Anfang als ein net­tes Ehe­paar beschloss einem zwei­ten Kind das Leben zu schen­ken. Mög­li­cher­wei­se war es auch ein Zufall😉 so genau weiß der Rabe das nicht. Oli war jeden­falls gebo­ren und ges­tern fei­er­te er die­sen Tag zum vier­zigs­ten Mal.

Als uns sei­ne Ein­la­dung erreich­te zöger­ten wir anfäng­lich. Ken­nen wir da jeman­den? Pas­sen wir da rein? Wir zöger­ten aber nur kurz. Die avi­sier­te Mot­to-Par­ty (six­ties and seven­ties) und Kos­tümpf­licht das ist genau unser Ding. Wenn wir was tun dann 100 Pro­zent. Noch am sel­ben Tag enter­ten wir also den ein­zi­gen erfur­ter Kos­tüm­ver­leih und hat­ten da bereits eine hal­be Stun­de Gau­di beim Aus­su­chen wit­zi­ger Kla­mot­ten. Die­ser Spaß uns uns jedes Mal ein klei­nes Ver­mö­gen wert.
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Vier Tage spä­ter ist es soweit. Ab 18 Uhr füllt sich das ange­mie­te­te Lokal mit uns bekann­ten und unbe­kann­ten Gesich­tern. Erstaun­lich und erfreu­lich — alle kos­tü­miert. Selbst ein Teil der Rent­ner-Frak­ti­on kommt wit­zig geklei­det . Es sind die herr­lichs­ten Kos­tü­me dabei …

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Der ange­heu­er­te DJ Andre­as, Sta­di­on­spre­cher beim Dritt­li­gis­ten Sach­sen­ring Zwi­ckau, kann sei­ne Begeis­te­rung und Bewun­de­rung nicht ver­ste­cken. Noch NIE ist es ihm pas­siert, dass die Tanz­flä­che schon Stun­den vor der Buf­fet Eröff­nung voll war … und … bis zum Schluss, unun­ter­bro­chen voll blieb. Der Mann mach­te aber auch ’ne gei­le Mucke — wie­der Voll­tref­fer — wir lie­ben das Tan­zen. Es ist eine unse­rer belieb­tes­ten Sport­ar­ten. Zwi­schen Gehen, Wan­dern, Schwim­men, Rücken­schu­le, Bad­min­ton, Ten­nis und Sex:-) ist Tan­zen auf einem guten Platz in den Medail­len­rän­gen 😉😉😉 Wir kön­nen uns bis zur Erschöp­fung in Tran­ce .…. tan­zen 😉. Wäh­rend die­ser Par­ty mes­sen wir den sport­li­chen Auf­wand. Eul­chens Schritt­mes­ser der Fir­ma Fit­bit darf der Par­ty knapp ober­halb des Schritts😉, am Sli­prand bei­woh­nen. Das put­zi­ge klei­ne Gerät misst von 18:30 (ers­te Run­de auf der Tanz­flä­che) bis Mit­ten­acht (da nullt sich das Ding) 18632 Schrit­te. Sum­ma Sum­ma­rum HABEN WIR ZWÖLF KILOMETER GETANZT — der Ham­mer. Bei manch einer Wan­de­rung kom­men wir nicht in die­se Regio­nen. (Die Schrit­te vor der Par­ty und die Tanz­run­den nach MIt­ter­nacht haben sich auf­ge­ho­ben).

Die Par­ty war ein vol­ler Erfolg. Rund 60 Fei­er­lus­ti­ge und Fami­li­en­mit­glie­der kamen zusam­men. Ramo­na, die knuf­fi­ge neue Freun­din des Jubi­lars, hat den Saal zucker­süß deko­riert. Ein tür­ki­scher Freund und Gas­tro­nom sorg­te mit einem Grillbuf­fet und vie­len Sala­ten sowie phan­tas­ti­schen Kuchen­va­ria­tio­nen für die drin­gend not­wen­di­ge Stär­kung des tanz­wü­ti­gen Völk­chens.
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Oli und Ramo­na küm­mer­ten sich uner­müd­lich um Ihre Gäs­te — Hut ab und Respekt — bei­de waren immer über­all und hat­ten Zeit für ein Plausch. Wir, die Thü­rin­ger Abord­nung amü­sier­ten uns köst­lich — haben uns in Ekta­se getanzt     und die dabei ver­brann­ten Kalo­ri­en am Buf­fet mehr­fach wie­der auf­ge­nom­men. Übri­gens geknutscht wur­de auch wie wild:)
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Lie­ber Oli — noch­mal Dan­ke für die Ein­la­dung und die herr­li­che Par­ty. Wir freu­en uns auf den Fünf­zigs­ten. Lie­be Ramo­na, es hat Spaß gemacht Dich näher ken­nen zu ler­nen.

 

Das vierte festliche Weihnachten “Made in Poland”

Die Vor­weih­nachts­zeit neigt sich dem Ende. Wie­der haben wir es geschafft, die­se fröh­lich, gemüt­lich und lie­be­voll zu erle­ben. Mit Schlen­dern über Weih­nachts­märk­te (die­ses Jahr Schloss Lom­nitz, Erfurt und Som­mer­ach), Ver­kos­tun­gen aller­lei Glüh­wein­ar­ten und Feu­er­zan­gen­bow­len und der Weih­nachts­fahrt vom Cara­van Shop Hör­cher, die dies­mal ins Frän­ki­sche führ­te.

Für unse­re Freun­de haben wir uns einen ganz beson­de­ren Weih­nachts­gruß aus­ge­dacht. , Die­ses Jahr rapp­ten wir — “Weih­nachts­zeit”.  Ein You­tube-Zufalls­fund dien­te als Vor­la­ge. Bereits  lan­ge vor dem 1. Advent began­nen die Vor­be­rei­tun­gen. Musik zusam­men­schnei­den, Film­chen an ver­schie­de­nen Orten dre­hen, Kos­tüm­pro­be, Gesangs­übun­gen, Auf­nah­men und nicht zuletzt das Schnei­den des Clips. Der Rabe voll­bringt ein wah­res Meis­ter­stück — wir sind stolz wie Bol­le über das Ergeb­nis und hof­fen mit der Par­odie Allen ein Lächeln ins Gesicht gezau­bert zu haben-:))))
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Den Hei­li­gen Abend und die Fei­er­ta­ge ver­brin­gen wir in unse­rem gelieb­ten Kar­pacz.  Als Domi­zil dient “Dom Potok” — ein klei­nes Hotel­chen am einem rei­ßen­den Berg­bach. Wir haben uns schon im Som­mer ein Zim­mer im Dach­ge­schoss mit Bade­wan­ne direkt  imZim­mer (wie cool ist das denn), Him­mel­bett, Cou­ch­e­cke .… und einem herr­li­chen Aus­blick über den Ort aus­ge­sucht .… ein­fach traum­haft. Wigi­lia (Hei­lig­abend) und das tra­di­tio­nel­le Weih­nachts­es­sen genie­ßen wir in der Cha­ta Kar­ko­no­s­ka einer stim­mungs­vol­len, uri­gen Holz­bau­de. Im gro­ßen Saal sind alle Tische fest­lich ein­ge­deckt, zwei jun­ge Män­ner spie­len auf ihren Akkor­de­ons pep­pig pol­ni­sche Kolen­dy und ande­re Weih­nachts­klas­si­ker. Zwölf tra­di­tio­nel­le Spei­sen wer­den der Rei­he nach auf­ge­tra­gen bzw. ste­hen auf den Buf­fet-Tischen. Der Karp­fen schmeckt beson­ders gut — er kommt von einer klei­nen, mit dem Restau­rant befreun­de­ten, pri­va­ten Zucht und wer­den das gan­ze Jahr mit Wei­zen, Gers­te und Rog­gen gefüt­tert. Das Fleisch ist vor­züg­lich, fest und schmack­haft — schön paniert und gebra­ten. Leeeeecker. Dazu Pie­ro­gen mit Kraut mit Pil­zen, rus­si­sche Pie­ro­gen, Barschtsch, Wald­pilz­sup­pe, Hering in Sah­ne, Karp­fen in Gelee, gebra­te­nes Karpfen­fi­let, alt­pol­ni­scher Gemü­se­sa­lat (wie unser Kar­tof­fel­sa­lat nur mit viel mehr Zuta­ten), Kom­pot aus getrock­ne­ten Früch­ten, aller­lei Kuchen uvm. Für die Klei­nen gibt’s einen Weih­nachts­mann mit rich­ti­gen Geschen­ken, nicht zu ver­ges­sen das tra­di­tio­nel­le Bre­chen von Obla­ten, womit man sich gegen­sei­tig alles Gute wünscht .….. ein wun­der­vol­ler Abend.

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Das Wet­ter an den Fei­er­ta­gen ist son­nig. Wir Wan­dern, unter ande­ren von der Okraj-Hüt­te (Schro­nis­ko “Na przelec­zy okraj”) ent­lang der Gren­ze zur “U Kostel­lu”, einer uri­gen Bau­de in Tsche­chi­en und von Schloss Fisch­bach (Zamek Karpni­ki) zur Szwa­j­car­ka — der “Schwei­zer Hüt­te”. Allein an den bei­den Fest­ta­gen erlau­fen wir über 20 Kilo­me­ter. Das Gan­ses­sen im “U Ducha Gor” ver­die­nen wir uns red­lich. Als Über­ra­schung spielt ein Allein­un­ter­hal­ter auf und wir kön­nen sogar das Tanz­bein schwin­gen. Ein herr­li­ches Fest.
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Ein klei­ner Abste­cher führt uns auch nach Cie­pli­ce — Bad Warm­brunn, heu­te ein Stadt­teil von Jele­na Gora. Die Kir­che Johan­nes der Täu­fer aus dem 16. Jahr­hun­dert ist innen eine uner­war­te­te Augen­wei­de. Der Hoch­al­tar wür­de jeder Kathe­dra­le gut ste­hen, die Sei­ten­al­tä­re strah­len vor Prunk und Schön­heit, Gemäl­de von Micha­el Will­mann schmü­cken das Got­tes­haus. Auch das Schloss,  zwi­schen 1784–1809 nach Ent­wurf des Oppel­ner Bau­meis­ters Johann Georg Rudolf mit zwei­ge­schos­si­gem Ball­saal im Empi­re-Stil und stuck­ver­zier­ter Decke, Intar­si­en­fuß­bo­den, Spie­geln und Kris­tall­leuch­tern errich­tet ver­mu­tet man nicht in die­ser Pro­vinz. Das wer­den wir uns noch­mal in Ruhe anse­hen müs­sen.

Was für wun­der­schö­ne, ent­spann­te Weih­nach­ten. Die Bil­der spre­chen für sich.

Weihnachtszeit” — unser besonderer Gruß

Weih­nachts­zeit … San­ta kommt vor­bei … guck, die Men­scheit freut sich auf die Weih­nachts­zeit” … , heisst es in einem noch sehr jun­gem Weih­nachts­lied­chen. Aber freu­en wir uns wirk­lich? oder “Wie die Zeit ver­geht” sagen wir all­zu schnell gera­de kurz vor und wäh­rend der Weih­nachts­zeit. “Wie die Zeit ver­geht” heißt aber nichts ande­res als “ver­dammt, ich habe mir wie­der kei­ne Zeit genom­men um mein Leben zu genie­ßen”

Die Weih­nachts­zeit ist eine Zeit der Besinn­lich­keit, der Freu­de aber auch des Genus­ses und des Genie­ßens. Uns stellt sich in letz­ter Zeit ver­mehrt die Fra­ge ob die Men­schen um uns rum, ob wir Deut­schen über­haupt noch genie­ßen kön­nen. Kön­nen wir uns noch rich­tig freu­en? Die müden und gestress­ten Gesich­ter auf der Stras­se haben kei­ne Zeit mehr für ein Lächeln geschwei­ge denn für ein net­tes Wort. Die sel­ben Gesich­ter sit­zen im Cafe, im Thea­ter und im Kon­zert. Freu­de, Erre­gung, Stim­mung, Exta­se sieht man kaum noch … ein pflicht­be­wuss­tes Klatsch­ten bekom­men die Akteu­re nur noch als Zucker­brot.

Und kön­nen wir uns noch über Klei­nig­kei­ten freu­en? Über das Blüm­chen das aus dem Schnee ragt, über einen Vogel­schwarm, über ein Lächeln oder ein klei­nes Geschenk? Muss es erst ein Auf­tritt von Elton John sein oder ein 1000-Euro-Kaf­fee­voll­au­to­mat als Prä­sent um uns eine mensch­li­che Regung abzu­ge­win­nen? Wer singt denn heu­te noch Weih­nachts­lie­der?

Frü­her” hat man sich noch über einen selbst­ge­strick­ten Schal gefreut, viel­leicht selbst für einen lie­ben Men­schen etwas gebas­telt oder eine Fuh­re Plätz­chen geba­cken und unter den Freun­den ver­teilt. Das Frü­her ist gar nicht so lan­ge her. In die­sem Sin­ne … genießt ganz bewusst die­se Weih­nachts­zeit, Eure Nächs­ten und Liebs­ten um Euch rum oder auch nur in Euren Gedan­ken. Freut Euch dar­über, dass es Euch so gut geht. Freut Euch auch über die klei­nen Geschen­ke und freut Euch (aus­nahms­wei­se sicht­bar) über all die Lecke­rei­en auf dem Tisch … da hat näm­lich jemand lan­ge ‘für “gebas­telt”.

Wir zwei Ver­rück­ten haben uns auch die­ses Jahr nicht neh­men las­sen unse­ren Weih­nachts­gruß mit einem klei­nen Geschenk zu ver­se­hen — kei­ne Angst — wir haben nicht gestrickt. Wir hat­ten wochen­lang einen Mega­spaß bei den Auf­nah­men und dem Schnitt und hof­fen Euch damit ein klei­nes Lächeln zu ent­lo­cken. Also, horcht in Euch hin­ein und genießt auch die klei­nen, unschein­ba­ren oder ver­rück­ten Din­ge auf die­ser Welt.


WEIHNACHTSZEIT

Es ist Weih­nachts­zeit und die Glo­cken über­all, und ich freu mich dar­auf wenn die Flo­cken end­lich fall’n.
Es ist drau­ßen bit­ter­kalt und die Kin­der spiel’n im Schnee, die Eltern sind Daheim und sie trin­ken ihren Tee.
Sag mal weißt du noch, wie es alles anfing? Damals als wir zwei, .. durch den Schnee gerannt sind?

Der ers­te Weih­nachts­baum, der ers­te Weih­nachts­kuss und die Geschen­ke vom Play­mo­bil der gro­ße Bus.
Wir haben uns nur gefragt, ‘Weih­nachts­mann wo bleibst du denn?’
das gan­ze Jahr gewar­tet, dass du Geschen­ke bringst
und wenn ich heu­te Abend dar­über nach­denk’, weiß ich das du dei­nen Schlit­ten heut’ Nacht zu mir lenkst.

Yeah, Weih­nachts­zeit.. Yeah, San­ta kommt vor­bei…    … guck die Mensch­heit freut sich auf die Weih­nachts­zeit…
Yeah, Weih­nachts­zeit… Yeah, San­ta kommt vor­bei…    … guck die Mensch­heit freut sich auf die Weih­nachts­zeit…

…  der Kakao hält mich warm und ich hab’ ne’ Freun­din, sie hält mei­nen Arm.
Gedan­ken wer­den frei, ich will nicht strei­ten, Weih­nach­ten mit Eltern, Weih­nach­ten mit Freun­den,
der Punch schmeckt mir gut, der Weih­nachts­markt ist voll, ‘Hey Herr Weih­nachts­mann, ihr Bart steht ihn toll!’
Ich frag mich oft ‘Kann der Rudolf flie­gen?’ mit sei­ner roten Nase oder bleibt er lie­gen?
Gibt es Elfen, die dir Hel­fen? Bei den Geschen­ken, dann wären sie wah­re Hel­den.
Wenn sie all den klei­nen Kids ihren Traum erflüll’n, Und Über­ra­schung, in dicke Säcke einfüll’n

Und hier gibts noch die Weih­nachts-Kra­cher der ver­gan­ge­nen Weih­nach­ten !!!

Ein bunter Vogel wird 50 — Zeit für ein Resümee

Fünf Deka­den oder, klingt gewal­ti­ger, ein hal­bes Jahr­hun­dert gibt’s den Raben bereits auf die­sem Pla­ne­ten. Für einen selbst eigent­lich kein Grund zum fei­ern. Wir fei­ern und genie­ßen jeden Tag … war­um also die­sen beson­ders. Wenn der Jubi­lar wenigs­tens von sei­nen Liebs­ten über­rascht wer­den wür­de … mit einem Ständ­chen, lie­ben Wor­ten, einer Ein­la­dung oder einer klei­nen Über­ra­schungs­fei­er … wie man es in (aus­län­di­schen) Fil­men sieht.

Obi­ge PUR-Ode ans Älter­wer­den haben wir eine Zeit lang als Ständ­chen unse­ren Freun­den und Fami­lie zu Geburts­ta­gen geschickt. Ich den­ke die meis­ten haben sich über den bun­ten Hut mit Ker­zen und die zwei Hof­nar­ren amü­siert, wenn sie es nicht gar pein­lich fan­den. Über den Text hat sich wahr­schein­lich nie­mand Gedan­ken gemacht … hier ein Ver­such:)

Es ist noch nicht lange her da
“Ich seh mich noch suchen meinen Platz in der Welt”.

Oft der Exot, manch­mal hin­ter­rücks belä­chelt, meist unver­stan­den. Oft ange­passt, manch­mal unter­drückt, meist unglück­lich. Schon in der Schu­le fiel ich aus der Rei­he … bestimmt nicht durch däm­li­chen Scha­ber­nack oder Kraft­meie­rei. In der Puber­tät ers­te Revol­te … gegen die Mut­ter. Dann ers­te Flucht … in Unab­hän­gig­keit und freie­res Den­ken. Ers­te Aus­brü­che … Abson­de­rung durch (Klei­dungs- und Musik) Still. Nur nicht zur grau­en Mas­se gehö­ren.

Bald dar­auf wie­der gefan­gen … in Uni­form und Erzeu­gerer­war­tun­gen. In der Jugend fes­tigt sich das Rebel­len­herz und der Gerech­tig­keits­sinn.

Dann meine Runden auf dem Mofa gedreht
Erster Kuß, erste Krise
wie schnell die Zeit vergeht”

Die längs­te und teu­ers­te Lek­ti­on auf der Schul­bank des Lebens folgt als­bald — All­wis­sen­heit ersetzt kei­ne Erfah­rung …  und wie­der im (Haus)Arrest der gesell­schaft­li­chen Zwän­ge. Aber Selbst­be­wusst­sein und Wider­stand wach­sen bis die Anpas­sungs­fä­hig­keit zer­bricht. Ich will nicht jam­mern. Es waren …

Viele 1000 Momente in die Zeit gerafft
Ich wünsch mir noch mehr davon, mehr noch
Hab besser kapiert, was mich glücklich macht
Was mich echt nicht kümmern muß”

Und dann “Freun­de” — die Meis­ten mit Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen … per­sön­li­chen, mora­li­schen. Wie­der Anpas­sung sonst Unver­ständ­nis. Der Druck wird uner­träg­lich. Aner­ken­nung und Bestä­ti­gung nur durch mate­ri­el­le Zuge­hö­rig­keit und folg­sa­mes Grup­pen­ge­fühl. Die letz­te Bas­ti­on fällt.

Ich sah viele kommen
ich sah viele geh´n
Sah viele umfallen,
Ich blieb meistens steh’n”

Logi­sche Kon­se­quenz … Aus­bruch um jeden Preis. Ein Neu­an­fang, die Wen­de … dies­mal mit viel mehr Erfah­rung .. die Weis­heit über Bord gewor­fen. Das Gefühl zählt … die Lie­be und nicht Ver­nunft. Gut ist was sich gut anfühlt … dafür lohnt es sich zu schuf­ten … nicht für (bin­nen Sekun­den) wert­lo­se Zah­len.

Und dann noch ein Quänt­chen Glück. Da muss der Rabe fast einen Zent­ner Jah­re auf sei­nem Tacho haben, bis er sei­nen Platz in der Welt gefun­den hat, und zwar neben sei­ner Eule. Heu­te spie­len Anpas­sung, Unter­ord­nung, frem­de Erwar­tun­gen oder irgend­wel­che Zwän­ge, kei­ne Rol­le mehr.

Wir feiern jede neue Falte, die nötig war
jedes allzufrüh ausgefallene Haar
Wir feiern jeden guten Vorsatz; ein hübscher Brauch

Und jeden guten Ansatz, ob Glatze, ob Bauch

Auch an den allerschönsten Körpern nagt
Der Weisheitszahn der Zeit
Für wahr — die Jugend ist vergänglich, das Alter wächst
Und das zu feiern, ist der schönste Zeitvertreib”

Das Vogel­par­la­ment hat über Mona­te immer wie­der getagt … bis sich der Wald gelich­tet hat. Am heu­ti­gen Tag hät­ten ganz vie­le bun­te Vögel für Über­ra­schun­gen sor­gen kön­nen … aber sie sind nicht bunt. Man­che nicht mehr, man­che waren es nie. Jeden­falls
“All die, die mich mögen haben an mich gedacht” und eini­ge weni­ge haben die wei­te Anrei­se in unser “gelob­tes” Land auf sich genom­men und ver­brach­ten mit uns ein wun­der­schö­nes Wee­kend.

Ihre Majes­tät, die Eulen­kö­ni­gin, litt in der frei­täg­li­chen Berg­luft etwas unter Ver­gess­lich­keit.  Völ­lig des­il­lu­sio­niert und über­rascht kon­sta­tier­te sie die nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren  in einem auf 800m gele­ge­nem Berg­ort im Herbst mit -“ich hab kei­ne Schu­he”. Der Rabe nutz­te die Fort­dau­er eul­scher Irri­ta­ti­on und genoß mit all sei­nen Sin­nen, ihre Annah­me — es wäre bereits der Tag des Raben­schlupfs ange­bro­chen.;)))

Wegen die­ses in den Ber­gen völ­lig UNERWARTETEN Herbst­wet­ters, fiel die geplan­te Schnee­kop­pen­be­stei­gung aus. Scha­de, genau am 15. Sep­tem­ber vor 227 Jah­ren, erober­te unser Dich­ter­fürst, J.W. Goe­the, die Schnee­kop­pe … ob er wohl war­me Schu­he hat­te?;))) Wir haben den Tag trotz­dem nett ver­bracht. Gegen Abend stie­ßen ganz beson­ders lie­be See­len zu uns. Lecke­res Essen, unter ande­rem wie Schnit­zel zube­rei­te­te Dra­chen­pil­ze, und Gesprä­che bis in die Nacht sorg­ten für das schwin­den der ers­ten BSE-Sym­pto­me bei der Eulen­tät. Am Jubi­lä­ums-tag erin­ner­te sie sich wohl an sport­li­che Höchst­leis­tun­gen vom ver­gan­ge­nen Mor­gen — scha­de lei­der kein Alz­hei­mer — somit kei­ne Wie­der­ho­lung;))))

Alles was Wochen­lang hin­ter Raben’s Rücken gemau­schelt wur­de ergab plötz­lich einen per­fek­ten Sinn. Ich wur­de über­rascht, und das mehr­mals. Mit einem cho­ra­len Ständ­chen, mit einem sehr lie­be­voll geschmück­ten Tisch im Jagd­sa­lon des Hotels und mit Geschen­ken. Ein Geschenk aus der säch­si­schen Haupt­stadt hat in der Erstel­lung sicher Stun­den ver­schlun­gen — von dem Gedan­ken jeman­dem eine emo­tio­na­le Freu­de zu machen, ganz abge­se­hen. Daaa­an­ke Euch.

Gefei­ert wur­de der Rei­he nach im “U ducha gór” (der Prä­si­den­ten Gast­stät­te), in der Bar des berühm­ten Hotels Gołę­biew­ski und im Nacht­club des sel­bi­gen. Wir tanz­ten bis spät in die Nacht … von Zwän­gen, Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen befreit. Übri­gens haben wir schon mal mit der Polo­ni­sie­rung von Deut­schen Staats­bür­gern begon­nen. Herr S aus D wur­de ein­stim­mig zum Deutsch-Pol­ni­schen inter­kul­tu­rel­len Höf­lich­keits-Beuf­trag­ten gewählt. Nach ent­spre­chen­der Ankün­di­gung dem Ser­vice­per­so­nal gegen­über durf­te er in jeder Loca­ti­on laut, deut­lich und beson­ders fei­er­lich  “dzie­ku­je­my”  — wir dan­ken — sagen (pri­ma gelernt, pri­ma Aus­spra­che;). Freu­di­ge Gesich­ter und Jubel­stür­me waren sein Dank:)

Allen ein ganz großes D A N K E — Ihr seid die Besten. 

Eigent­lich hät­te auch ein ande­rer PUR-Song­text als Leit­fa­den für die­sen, mei­nen ganz per­sön­li­chen und beson­de­ren Bei­trag her­hal­ten kön­nen.

Wo sind all die India­ner hin
wann ver­lor das gro­ße Ziel den Sinn

Die­ses alte Bild aus der Kin­der­zeit
zeigt alle Brü­der vom Stamm der Gerech­tig­keit
Wir waren bunt bemalt und mit wil­dem Schrei
stand jeder stol­ze Krie­ger den schwa­chen bei

Unser Ehren­wort war hei­lig
nur ein Bleich­ge­sicht betrog
und es waren gute Jah­re
bis der ers­te sich belog

Wo sind all die India­ner hin
wann ver­lor das gro­ße Ziel den Sinn
So wie Ching­ach­gook für das Guten stehn
als letz­ter Mohi­ka­ner unter Gei­ern nach dem Rech­ten sehn

Der „Klei­ne Büf­fel“ spielt heu­te Boß
er zog mit Papi´s Fir­ma das gro­ße Los
„Geschmei­di­ge Nat­ter“ sor­tiert die Post
und in sei­ner Frei­zeit sagt er meis­tens „Prost“

Und die Frie­dens­pfei­fe bau­melt über´m Video­ge­rät
wie­viel Träu­me dür­fen plat­zen
ohne daß man sich ver­rät

Wo sind all die India­ner hin
wann ver­lor das gro­ße Ziel den Sinn
So wie Ching­ach­gook für das Guten stehn
als letz­ter Mohi­ka­ner unter Gei­ern nach dem Rech­ten sehn

Es gib noch ein paar wenige vom Stamme der Schoschonen
die finden sich, erkennen sich am Blick
und deren gute Taten kann man nur durch Freundschaft belohnen sie nehmen ein Versprechen nie zurück”

Dan­ke mein gelieb­tes India­ner-Eul­chen, dass Du mich so liebst wie ich bin. Naw­za­jem.

Der Fünfzigste Tag … im Rauch und Weihrauch

Pfings­ten (gr. πεντηκοστὴ ἡμέρα pen­tē­kos­tē hēmé­ra ‚der fünf­zigs­ter Tag‘) ist ein christ­li­ches Fest. Am 50. Tag der Oster­zeit, also 49 Tage nach dem Oster­sonn­tag, wird von den Gläu­bi­gen die Ent­sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes gefei­ert – als Mys­te­ri­um oder iko­no­gra­fisch Aus­sen­dung des hei­li­gen Geis­tes oder auch Aus­gie­ßung des hei­li­gen Geis­tes genannt.

Die Super­la­ti­ve gehen uns lang­sam aus, wenn es dar­um geht unser öst­li­ches Nach­bar­land zu beschrei­ben. Dass wir Fans sind weiß jeder, der in unse­re Rei­se-Rubrik rein geschnup­pert hat. Dass wir jede freie Minu­te nut­zen um wie­der hin zu kom­men, eben­falls. Der jet­zi­ge Auf­ent­halt soll aus­nahms­wei­se “nur” der Erho­lung die­nen. Wer uns kennt dem ist bereits an die­ser Stel­le klar, dass wir damit nicht “extrem Pool-Lie­gen Miss­brau­ch­ing” und “Hea­vy Hotel all-inclu­si­ve Fres­sing” mei­nen. Aber der Rei­he nach.

Der Anfahrts­tag, ein Don­ners­tag mit­ten in Eulchen’s eh stres­si­ger Spät­dienst­wo­che und mit­ten in einer hek­ti­schen Pha­se in Raben’s Fir­ma, wird zu einer Prü­fung unse­rer Robust­heit dekla­riert. Mit ein wenig Glück und dem wohl­wol­len­dem Nicken des Über­stun­den-Got­tes, kön­nen wir pünkt­lich um 12:00 Uhr star­ten. Bei­de etwas hib­be­lig, wie im Voll­ga­lopp aus einem Ren­nen genom­men, sin­ken wir in den super­be­que­men Leder­ses­seln unse­res neu­en Tuff­tuffs (ver­dammt, es/er hat immer noch kei­nen Namen).

Jetzt wer­den, zum ers­ten Mal, die fünf Jah­re Unter­schied zwi­schen unse­rem alten und dem neu­en Sporta­ge spür­bar. Sitz­po­si­ti­on, Sitz­be­lüf­tung, Raum­kli­ma, Fede­rung, Fahr­ge­räu­sche, Stra­ßen­la­ge und alle Assis­tenz­sys­te­me gestall­ten bereits die Fahrt zur Erho­lung. Aus­ge­ruht errei­chen wir unser straff gesteck­tes Ziel — 16:00 Uhr beim Fri­sör Car­lo Bia­ni in Jele­nia Gora zu sein. Mar­ta freut sich schon. In den fol­gen­den zwei Stun­den ent­steht zum wie­der­hol­ten Male, bei per­sön­li­chen Gesprä­chen, Kaf­fee und viel Spaß, ein Kunst­werk des Fri­sör­hand­werks. Dies­mal lan­det  Eulchen’s neue Hair-Crea­ti­on sogar auf die FB-Sei­te des Salons. Wie­der ein­mal: Eule glück­lich, Rabe glück­lich — schööööööön.

End­lich, aus­ge­hun­gert im Bia­ly Jar gelan­det —  spei­sen wir nach der obli­ga­to­ri­schen Knud­del­or­gie,  zwei bereits vor Stun­den tele­fo­nisch bestell­te, Küchen-Pio­tr-Super­schnit­zel .…. dies­mal mit Kar­tof­fel­spal­ten, Surow­ka (Roh­kost) und selbst­ge­mach­ten Tza­zi­ki .…. “nie­bo w gebie” zu deutsch: Him­mel im Gau­men. So gestärkt, aus­ge­ruht und ver­schö­nert ver­brin­gen wir den Rest des Abends im Kamin­zim­mer mit Pan­ora­ma­aus­blick auf die Ber­ge und spin­nen mit unse­rem Freund Gedan­ken zu unse­rem Pro­jekt.

FREITAG

Wie es sich für ein Erho­lungs-WE gehört wol­len wir heu­te eigent­lich “nur” etwas shop­pen — sonst alle Vier gera­de sein las­sen. Am Tagesen­de wer­den dar­aus 18 000 Schrit­te — rund 12 Km;)) Wir begin­nen in Kar­pacz. Die Eule braucht für die ein­zi­ge, geplan­te “Anstren­gung” des Wochen­en­des noch ein leich­tes, wei­ches, vor Wind und Regen schüt­zen­des, atmungs­ak­ti­ves und haut­ver­träg­li­ches, nach Mög­lich­keit nichts kos­ten­des Wan­der-Out­door-Jäck­chen.

Hat man noch vor drei Jah­ren das Pen­ser Joch mit Strand­kleid­chen und Flip­flops besucht (zwar im Juni aber es lag Schnee) so hat eine pro­fes­sio­nel­le Wan­der­eu­le heut zu Tage: Wan­der­schu­he, Ruck­sack und eine Hima­la­ya-Expe­di­ti­on-Sur­viv­le-Rein­hol­de-Mess­ner Jacke. Für die, für den Sams­tag geplan­ten Wan­de­rung, suchen wir also solch eine — und wer­den als bald sogar fün­dig. Der Mann von Eve­lyn, unse­rer befreun­de­ten Bou­tique-Besit­ze­rin, ver­kauft mit­ten im Ort Jacken aller Art. Er erkennt uns sofort und freut sich rie­sig, dabei hat er uns ledig­lich drei Mal vor­her gese­hen und das letz­te Mal ist bestimmt ein hal­bes Jahr her. Genau sol­che Klei­nig­kei­ten, von denen Tau­sen­de den typi­schen Polen vom typi­schen Deut­schen unter­schei­den, machen Land und Men­schen lie­bens­wert. Die Traum­ja­cke ist schnell gefun­den. Die Ent­schei­dung wel­che Far­be es wer­den wird garan­tiert uns genug Zeit für ein aus­ge­dehn­tes Gespräch;)) Pink siegt — Eule glück­lich.

Wir bea­men nach Jele­nia Gora. Wir haben den gan­zen Tag Zeit und nichts wei­ter vor also kon­trol­lie­ren wir fast jeden Laden auf ver­steck­te Schät­ze. Als Ergeb­nis die­ser Rou­ti­ne­un­ter­su­chung wer­den am Tagesen­de drei Hem­den, ein kur­zes Hös­chen, ein Paar Schu­he und ein klei­ner Ruck­sack  ste­hen.  Ganz pas­sa­bel für 2–3 Stun­den Shop­ping.

Zwi­schen­durch besu­chen wir Mag­da­len­ka, unse­re pol­ni­sche Kaf­fee­tan­te, Eis­fee und Kuchen­ma­gie­rin. Die Freu­de in ihrem Gesicht ist unbe­schreib­lich. Wir waren so vie­le Wochen nicht da, dass sie schon Sehn­sucht hat­te, sagt sie uns. Sie bedankt sich als ers­tes für den net­ten FB-Ein­trag. Nach sechs Wochen!!! Der Rabe wuss­te nicht mal mehr, dass er sei­ner­zeit was hin­ge­krit­zelt hat. Wie­der wer­den wir von pol­ni­scher Men­ta­li­tät umgarnt — es berei­tet uns größ­te Won­nen. Aber wir sind genau so. Ob der Fami­li­en­wur­zeln, der Gene oder weil wir bei­de eine deut­sche Gen­mu­ta­ti­on sind???? Egal, wir pas­sen hier­her als wären wir DAS feh­len­des Teil eines Puz­zels.

Schon lan­ge woll­ten wir die Cze­ko­lad­ziar­nia, die Scho­ko­la­te­rie, in Jele­nia Gora besu­chen. In die­sem Kunst- und Kul­tur­klein­od an der ul. Sobies­ka 2 wer­den nicht nur Gemäl­de unbe­kann­ter Maler aus­ge­stellt und Gedich­te gele­sen son­dern vor allem eine sel­te­ne Köst­lich­keit ange­bo­ten. In gro­ßen Glas­ge­fäs­sen bro­delt flüs­si­ge Scho­ko­la­de die in ver­schie­dens­ten Varia­tio­nen bestellt wer­den kann. Wir ordern die­sen Gau­men­schmaus mit Kokos (Klecks Sirup und fri­sche Kokos­ras­peln) und Him­bee­re (mit fri­schen Beer­chen drin). Leeeeeeeeeecker hmmmmmmmmmmm;))))

Von wei­tem ist in Hirsch­berg, etwas Abseits am Wald­rand, ein Aus­sichts­turm auf einer Erhö­hung zu sehen — auch da woll­ten wir schon immer hin. Die Zeit war heu­te reif. Von der Scho­ko­la­te­rie bis dahin ist es etwas mehr als ein Kilo­me­ter leicht berg­auf. Über Wzgor­ze Krzy­wou­ste­go (den Schief­mund­hü­gel) wird seit Jahr­hun­der­ten eine Legen­de erzählt. Bole­s­law der III. Krzy­wous­ty (Schief­mund), ab 1107 der Allein­herr­scher über das König­reich Polen, soll bei einem Jagd­aus­flug auf die­sem Berg einen wun­der­schö­nen Hirsch erblickt haben. Das kapi­ta­le Tier muss so schön gewe­sen sein, dass der König hier eine, hier gibt es ver­schie­de­ne Ver­sio­nen, Wehr­an­la­ge, Burg, Sied­lung, erbau­en ließ und sie Jele­nia Gora — eben HIRSCH­berg nann­te.

Eine Burg, bzw. ihre Res­te gab es bis ins 18. Jahr­hun­dert tat­säch­lich hier. 1911 wur­de aber an die­sem belieb­ten Aus­flugs­ziel der Stadt­be­woh­ner und Tou­ris­ten ein mas­si­ver Aus­sichts­turm errich­tet. Nach einer hal­ben Stun­de ent­lang male­ri­scher Gäss­chen und Wald­pfa­de errei­chen und bestei­gen wir den Turm. Ein atem­be­rau­ben­des Pan­ora­ma des Rie­sen­ge­bir­ges und der Stadt selbst eröff­net sich vor uns. Blau­er Him­mel, nichts stör­te die Sicht und unse­ren Genuss. Ein­fach traum­haft, sehr nah des Stadt­zen­trums und ein Must have für jeden inter­es­sier­ten Hirsch­berg­be­su­cher.

Nach der­art sport­li­chen Erfol­gen, unser Schritt­zäh­ler zeigt stolz die Zahl 16000, mel­de­te sich lang­sam aber begie­rig der klei­ne Hun­ger. Eigent­lich haben wir unse­ren Trog für heu­te bereits am Vor­mit­tag, beim Jacken­kauf, aus­ge­sucht .….. aaaaber, es soll­te wie­der ein­mal anders kom­men.

Zurück in Kar­pacz ange­kom­men, park­ten wir unser Tüff­tüff auf unse­rem Stamm­park­platz und lie­fen zur Fuß durchs Städ­te­le, als dem Raben ein neu­es Restau­rant-Schild, in einer Sei­ten­stra­ße auf­fiel. “Nie­bo w gebie” — der Inn­be­griff des Leckers­ten vom Leckers­ten in pol­ni­scher Spra­che. Der Blick auf die Kar­te des ursprüng­lich erwähl­ten Restau­rant ließ uns an unse­rer Wahl zwei­feln und so fan­den wir uns weni­ge Minu­ten spä­ter auf der von Son­nen­schir­men geschütz­ten Ter­as­se des Nie­bo w gebie. Eine Mischung aus Rus­ti­kal und gedie­gen, in per­fek­ter Form umge­setzt. Ein rus­si­scher Ober­kell­ner der pol­nisch mit einem süßen Akzent sprach (es klang etwa als wür­de ein Hol­län­der deutsch spre­chen;)) bedien­te uns mit einem ver­schmitz­ten Lächeln und war dabei unüber­trof­fen zuvor­kom­mend und immer mit einem pas­sen­den Schnerz­chen auf der Lip­pe.

Alle Wei­ne, Schop­pen wie Fla­sche, kos­te­ten das sel­be — wie prak­tisch. Wir ent­schie­den uns, nach einer Ver­kos­tung (völ­lig selbst­ver­ständ­lich) für einen tro­cke­nen Rosé. Dazu Ripp­chen mit Roh­kost und Gulasch mit Sau­re-Gur­ken-Salat. Erst beim lesen des Haus­fly­ers ent­deck­ten wir den Satz “hier kommt nie­mand hung­rig raus”. Die Por­tio­nen waren ent­spre­chend groß, auch die Sala­te. Vor dem Essen leg­ten wir, zur grad lau­fen­den Sha­kin Ste­vens The best off Plat­te, eine hei­ße Soh­le auf die Ter­as­sen­bret­ter. Die Kell­ner waren begeis­tert;)) Alles schmeck­te köst­lich. Ein per­fek­ter Tages­ab­schluss. Der Rabe beglück­wünsch­te die Che­fin, eine dis­tin­gu­ier­te, damen­haf­te Erschei­nung, übri­gens Eul­chens Kra­gen­wei­te, die sich nicht zu scha­de war selbst zu bedie­nen, per­sön­lich zum wun­der­schö­nen Restau­rant. Sie freu­te sich rie­sig und lud uns zum erneu­ten Besuch ein. Das wer­den wir bestimmt tun.

Auf dem Rück­weg zu unse­rem Tüff­tüff weck­te die offe­ne Tür einer Kir­che unse­re Neu­gier. Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de war Kom­mu­ni­on im gan­zen Land. Die Woche nach der Kom­mu­ni­on ist im der katho­li­schen Tra­di­ti­on (in Polen) die “Wei­se Woche” genannt. Sie soll die Rein­heit des Geis­tes sym­bo­li­sie­ren und auf den Emp­fang des Sakra­ments der Eucha­ris­tie vor­be­rei­ten. Jeden Abend gehen die Kom­mu­ni­ons-Kin­der in ihren schi­cken, wei­sen Klei­dern und Anzü­gen zur Mes­se, neh­men an ihr teil und zele­brie­ren wie­der­holt den Gang zum Altar um die Hos­tie zu bekom­men. Das Eul­chen aus Neu­gier und weil man sich dem Geis­te die­ser Zere­mo­nie und dem Weih­rauch kaum ent­zie­hen konn­te, der Rabe aus Tra­di­ti­on (frü­her selbst ein Kom­mu­ni­ons­kind gewe­sen) blie­ben wir bei die­ser erhe­ben­den Mes­se und dach­ten an unse­re Liebs­ten und an die Schön­heit des Lebens.

Zu Hau­se (im Bia­ly Jar;)) war­te­te schon Pio­tr mit Mali­now­ka, einer Kan­ne Zitro­nen-Min­ze-Was­ser und schö­nen, tief­sin­ni­gen Gesprä­chen. Haben wir danach tief und schön geschla­fen.

SAMSTAG

Per­sön­lich bevor­zu­gen wir das Wort — Sonn­abend. Son­ne gab es tat­säch­lich bis abends und die­se haben wir bereits Tage vor­her ver­plant. Heu­te erstür­men wir die Ber­ge … so zunächst der Plan. Zum ers­ten Mal voll aus­ge­rüs­tet (Schuh­werk, Jacke und Ruck­sack) und zum ers­ten Mal ohne das Auto zu bewe­gen, bewe­gen wir uns auf den Kam des Rie­sen­ge­bir­ges. Zunächst roy­al, mit einem Couch­lift (ech­tes Leder, breit für sechs Per­so­nen) für uns allein, dann in 20 minü­ti­ger Fahrt mit dem Ses­sel­lift (mehr eine Holz­prit­sche) bei traum­haf­ten Aus­blick über das Gebir­ge und hin­ter uns über Kar­pacz.

An der Tal­sta­ti­on des Ses­sel­lifts ler­nen wir ein Gör­lit­zer Pär­chen ken­nen, das regel­mä­ßig Ihrer Wan­der­lust im Rie­sen­ge­bir­ge nach­geht. Sie 84 (seit 20 Jah­ren mit einem künst­li­chen Knie­ge­lenk) er noch älter. Bei­de voll fit — phy­sisch wie geis­tig (schon das Auf- und erst recht das Abstei­gen vom Lift­stuhl ver­langt gewis­se Gelen­kig­keit). Wir sind begeis­tert — so wol­len wir mit Mit­te 80 auch drauf sein. Die Aus­sich­ten ste­hen gut — wir tun alles erdenk­li­che um es zu schaf­fen.

Oben, auf der Kop­pe (ca. 1400m) ange­kom­men, wäh­len wir eine neue Stre­cke zur Ham­pels­bau­de — Strze­cha aka­de­mi­cka. Ihr merkt schon, heu­te sind wir faul, wol­len ledig­lich abstei­gen. Unter­wegs kom­men uns hun­der­te Wan­de­rer ent­ge­gen. Die meis­ten jung, zwi­schen 15 und 30. Aber auch ganz alte, weit über 70, 80 sind dabei — ein Bild für die Göt­ter und fürs Herz. Im Ver­lauf des Tages tref­fen wir mind. sechs Schul­klas­sen, die begeis­tert, ohne Mau­len vor ihren Leh­rern die Gip­fel erklim­men. Unse­re Schul­klas­sen wol­len ihre Klas­sen­fahr­ten lie­ber in Eng­land oder Ita­li­en ver­brin­gen. Hab noch nicht gehört, dass eine Klas­se Berg­wan­de­run­gen gemacht hät­te. Da wir in Part­ner­look unter­wegs sind, rote Pol­s­ka-Shirts mit wei­sem Adler, wer­den wir oft ange­spro­chen und paar Späss­chen wer­den aus­ge­tauscht. Deut­li­ches Grü­ßen gehört hier sowie­so zur Kul­tur — das tun fast alle.

Die Strze­cha errei­chen wir nach etwa 30 min. Ers­tes Blon­des, natür­lich kühl, und eine Pol­ni­sche Brat­wurst sind Pflicht. Vorm Abstieg zur Samot­nia, der nächs­ten Bau­de, ruhen wir noch etwas auf der Ter­as­se. Die bei­den Bau­den lie­gen kei­ne 700m von­ein­an­der ent­fernt — es tren­nen sie aber rund 200 Höhen­me­ter. Der Abstieg ist also ent­spre­chend steil und führt fast aus­schließ­lich über Stei­ne und Fel­sen.

Unten (auf 1200m) ange­kom­men suchen wir uns ein schat­ti­ges Plätz­chen und genie­ßen Bigos und Boh­nen auf Bre­to­ni­sche Art, eine … jaaa, pol­ni­sche Spe­zia­li­tät. Ok ein Bier­chen gön­nen wir uns auch;)))

Ab jetzt wird es kei­ne Ein­kehr mehr geben aber so gestärkt schaf­fen wir die fünf Kilo­me­ter zum Bis­ly Jar pro­blem­los. Wären da nicht die Fel­sen. Seit jeher bewun­dern wir eine von nahe­zu über­all sicht­ba­re Fels­for­ma­ti­on. Groß, gewal­tig, thro­nen sie über der Sil­hou­et­te des Berg­mas­sivs. Piel­grzy­my, die Pil­ger oder zu deutsch: Die Dreistei­ne.

Auf dem hal­ben Wege nach unten erspäht die Eule Fel­sen, nicht weit, weni­ge hun­dert Meter ent­fernt. Rabens Ein­wän­de, dass es sich nicht um die Dreistei­ne han­delt, weil sie in 1,2 Kilo­me­ter stei­len Auf­stiegs in völ­lig ent­ge­gen gesetz­ter Rich­tung aus­ge­schil­dert sind wer­den unde­mo­kra­tisch igno­riert. Erst als wir in gebüh­ren­der Ent­fer­nung an gesich­te­ten, klei­nen Fel­sen, in Rich­tung der rich­ti­gen Pil­ger abbie­gen, die Son­ne uner­träg­lich wird und der Anstieg immer stei­ler, kom­men der Gefie­der­ten Raben-Gelieb­ten ers­te Beden­ken. Der Rabe mault da bereits lei­se vor sich hin. Nun zie­hen wir es durch. Nach 45 min. beschwer­li­chen Berg­auf­stiegs errei­chen wir die gewal­ti­gen, wie von Zau­ber­hand auf­ge­häuf­ten Fel­sen. Ein Natur­wun­der — wun­der­schön und majes­tä­tisch. Es hat sich gelohnt, wenn auch unse­re Kon­sti­tu­ti­on arg gelit­ten hat. Wir müs­sen uns erho­len — lee­ren unse­re Fla­sche Was­ser in Sekun­den und genie­ßen dabei die Nähe und Gewalt der Stei­ne.

Gegen 14:40 Uhr begin­nen wir nun den Rück­marsch. Die mit Stei­nen aus­ge­leg­ten Wan­der­we­ge bis hin ins Bia­ly Jar stra­pa­zie­ren unse­re Fuß­bal­len und Waden. Spü­ren tun wir es erst etwas spä­ter. Gegen 16:00 Uhr errei­chen wir in, für uns erstaun­lich unver­brauch­ten Zustand unser Hotel. Noch vor einem Jahr waren wir nach solch einer Stra­pa­ze dem Tode nah und am Fol­ge­tag nicht zu gebrau­chen. Heu­te sind wir top drauf und könn­ten, viel­leicht kei­ne Bäu­me mehr aber defi­ni­tiv noch manns­gro­ße Sträu­cher, aus­rei­ßen. Erstaun­lich was unse­re gesun­de Lebens­wei­se mit unse­ren Kör­pern bis­her schon ange­stellt hat. Freu­freu!!!

Mit einem Kaf­fee und einem Wein­chen beloh­nen wir unse­re 20000 Schrit­te.

Ein Höhe­punkt steht ja noch aus. Wir wol­len noch ein könig­li­ches Abend­mahl genie­ßen und zwar im “U ducha gor” — der Prä­si­den­ten­knei­pe. Umzie­hen, noch­mal 600m berg­auf, die Stra­ße hin­ter unse­rem Hotel ent­lang und wir sind da.

Das Wet­ter ist nach wie vor traum­haft, wir plat­zen im Halb­schat­ten und ordern Spei­sen und Geträn­ke. Heu­te pro­biert der Rabe Golon­ka — eigent­lich Eis­bein aber in Polen IMMER um Licht­jah­re lecke­rer. Es kommt senk­recht auf­ge­stellt, mit  Ret­tich-Ras­peln bestreut, in einem Meer von Ruco­la, Feld­sa­lat, Peter­si­lie und mit einem Horn­feil­chen geschmückt. Unnö­tig zu beto­nen, dass es ein Mund- und Gau­men­or­gas­mus war.

Eul­chen wählt ziel­si­cher den Rin­der­bra­ten und ordert dazu (in Polen wer­den Bei­la­gen meis­tens getrennt bestellt) jun­ge Boh­nen mit But­ter. But­ter­zart waren nicht nur die Boh­nen son­dern auch zum wie­der­hol­ten Male das Fleisch. Die­se Küche ist des Gau­mens des pol­ni­schen Prä­si­den­ten defi­ni­tiv wür­dig .… und somit auch unse­res.

Auf einen klei­nen, spa­ßi­gen Wink des Raben zum Kell­ner, dass sei­ne Eule ein Soßen­kas­per ist — bringt die­ser kurz drauf eine Sau­cie­re voll Soße mit Gemü­se und einen Löf­fel dazu — ich fra­ge nur: wo in Deutsch­land wür­de euch das pas­sie­ren??? Die­se Sau­cie­re stand übri­gens nicht auf der Rech­nung;)

 

SONNTAG … macht sei­nem Namen kei­ne Ehre. Es sind den­noch gut 20 Grad und heu­te wol­len wir sowie­so exzes­siv well­nes­sen. Nach einem gesun­den Früh­stück mit viel Obst bemü­hen wir unser Tüff­tüff um eine Fahrt nach Sta­ni­schow. Im hie­si­gen Spa füh­len wir uns ein­fach pudel­wohl. Whirl­pool außen, Dampf­bad wie die alten Römer, eine klei­ne aber fei­ne Bar und das alles für uns allein. Ledig­lich bis Mit­tag waren 2–3 Pär­chen im der Anla­ge. Hier sind wir Mensch — hier wol­len wir sein;)) Wir ent­span­nen auf den Ter­ras­sen­lie­gen, Eul­chen schläft ein Ründ­chen, der Rabe schreibt die­se Zei­len. Es ist traum­haft schön, ruhig und gedie­gen. Als das Wet­ter zu kip­pen droht ver­las­sen wir das Spa. Heu­te lädt Pio­tr zum Fisch­essen ein. Fisch aus dem Rauch … geräu­chert. Wir sind gespannt. Es hat etwas abge­kühlt und die Son­ne hat sich ver­steckt — “la boum” fin­det drin statt, in der “Oran­ge­rie”, so der Code­na­me für die ver­glas­te Sei­ten­ni­sche. Wack­li­ge Deko­stüh­le, ein Tisch aus zwei Baum­stäm­men — nicht wacke­lig aber an kei­ner Stel­le gera­de, Licht nur bei Bewe­gung (Mel­der;)) aaaaaaber eine gemüt­li­che Couch. Die okku­pie­ren wir sofort.

Peters neu ange­schaff­tes Räu­cher­öff­chen will nicht so recht. Die “umwelt­freund­li­che” Heiz­pas­te bringt kei­ne Hit­ze. Unser Stim­mungs­ba­ro­me­ter sinkt lang­sam. Wir haben uns auf Fisch gefreut, haben Hun­ger und sehen den Räu­cher­er­folg schwin­den. Um die Stim­mung wie­der zu heben wer­den drei Zurek im Brot­leib geor­dert. Wie gut, dass wir neben der Gast­stät­te gefei­ert haben:))) Drei Näpf­chen Tza­zi­ki zu den Brot­lei­ben — ver­schaf­fen den Fischen genug Zeit um gar zu wer­den. Dann .… dann HALLELUJA — vier per­fek­te Forel­len ver­las­sen den Gar­raum und lan­den auf unse­ren Tel­lern. Es ist Eulenkönigin’s ERSTE Forel­le im Leben … über­haupt. Und eure Majes­tät befin­det das Rauch­me­nü für vor­züg­lich, natür­lich nach­dem der Star­chir­urg-File­tier­meis­ter-Rabe den toten Ex-Bach­be­woh­ner meis­ter­haft file­tiert hat:))))

Der Abend war geret­tet, das Eul­chen satt und so hap­py, dass sie die Fete rich­tig pol­nisch gestall­ten woll­te. Plötz­lich war der win­di­ge Nacht­jä­ger ver­schwun­den und kam mit einer Fla­sche Plau­men­vod­ka zurück. Unter tosen­dem Applaus der Ange­stell­ten hat sie die­sen samt zwei Tafeln Scho­ko­la­de in der Tan­ke gegen­über AUF POLNISCH bestellt. Congra­tu­la­ti­ons — das Zer­ti­fi­kat “Pol­nisch für Wod­ka trin­ken­de deut­sche Anfän­ger” hat sie mit Bra­vur bestan­den. Im Erst die Tank­stel­len-Ange­stell­ten haben sich wirk­lich rie­sig gefreut, dass end­lich eine Deut­sche sich mal die Mühe gemacht hat etwas auf pol­nisch zu bestel­len.

Sehr per­sön­li­che Gesprä­che und eben die­se Wod­ka­fla­sche lie­ßen den Abend noch sehr lang wer­den. Dan­ke Pio­tr für die Ein­la­dung, die Durch­füh­rung und über­haupt für den wun­der­schö­nen Abend. Bis zum nächs­ten Mal.