Weltreise an einem Tag

Wir haben ja nun die wei­te Rei­se nach Gel­sen­kir­chen gemacht, um unse­re Lieb­lings­band “PUR” live zu erleben…fragt mich doch mein Raben­prinz ob ich Lust hät­te, die ZOOM Erleb­nis­welt zu besu­chen. Mein ers­ter Gedan­ke war, dass ich kei­ne Lust auf Tech­nik habe …kei­ne Ahnung wie ich dar­auf kom­me.

Es soll­te der aller schöns­te Besuch eines Zoos in mei­nem gan­zen Leben wer­den! Eigent­lich ist das Wort Zoo schon falsch. Man ent­deckt die Tier­welt von drei Kon­ti­nen­ten: Asi­en, Afri­ka und Alas­ka und zwar haut­nah. Die Revie­re der Tie­re sind natur­ge­treu und sehr groß­räu­mig ange­legt, mit typi­schen Pflan­zen ‚Bäu­men ‚klei­nen Bächen, Was­ser­fäl­len, Inseln und jeder Men­ge an Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten für Ihre Bewoh­ner. Man merkt die Lie­be zum Detail .… Wir hat­ten nicht das Gefühl in einem Tier­park zu sein.

Die Tie­re waren sehr aktiv und sogar sehr foto­gen:) und als Besu­cher begibt man sich auf eine Aben­teu­er­rei­se. Ob schma­le Wege, geschlän­gel­te Pfa­de, Wege in Tun­neln unter Was­ser, in der “Afri­ka Queen” zu Was­ser, über bau­meln­de Hän­ge­brü­cken oder in schwin­deln­der Höhe.…Wir fühl­ten uns als Aben­teu­rer und Ent­de­cker und hat­ten die eine oder ande­re beson­de­re Begeg­nung.

Sehr zur Belus­ti­gung und zum Stau­nen ein Oran Utan der auf einer grü­nen Wie­se vor aller Augen die neu­es­ten Übun­gen zum Affen Yoga demons­triert.

Bei der Fahrt mit der “Afri­ka Queen” dem Juras­sic Park ein biss­chen näher .… ganz nah am Elek­tro­zaun. Beim Mit­tag­essen in der Afri­ka Lounge dem Nas­horn auf die Pel­le gerückt .… der Mara­bu, der auf dem höchs­ten Hügel der Savan­ne sitzt und “sein” wei­tes Revier mit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln prä­sen­tiert und .…. ein Strauß, der auf­merk­sam sei­ne Pfle­ger beim Keh­ren der Wege beob­ach­tet — klei­ne Staub­wölk­chen — ab und zu die gesam­mel­ten Stei­ne wie­der aus der Schub­kar­re mopst und sich zu guter Letzt nie­der­lässt und anfängt mit sei­nen Flü­geln auch zu keh­ren und klei­ne Staub­wölk­chen zu fabri­zie­ren … ein­fach gött­lich anzu­se­hen.

Noch nie haben wir Eis­bä­ren so nah gese­hen und erst recht nicht unter Was­ser beim Schwim­men beob­ach­ten kön­nen. Noch nie waren wir einem Rudel Wöl­fe so nah … noch nie durf­ten wir ein Löwen­paar so aus nächs­ter Nähe beob­ach­ten. Einen Dachs haben wir auch noch nie in frei­er Natur gese­hen. Dass es einen nord­ame­ri­ka­ni­schen Baum­stach­ler gibt wuss­ten wir noch nicht mal. Sehr beein­dru­ckend fan­den wir eine ganz spe­zi­el­le Tus­si 🙂 — die 5000 Jah­re alte Rin­der­ras­se Watus­si­rind, eine Kreu­zung des Alt­ägyp­ti­schen Haus­rin­des mit dem indi­schen Buckelrind.Nicht ver­ges­sen möch­ten wir die Tüp­fel­hyä­ne  die die war­men Strah­len der Sep­tem­ber­son­ne unge­niert genos­sen hat.

Wir sind him­mel­hoch jauch­zend vor Glück und ein­zig­ar­ti­gen Momen­ten .… und sagen Euch “das müsst Ihr gese­hen haben”

Die klammen Drachen

Nun ob die klam­men Dra­chen oder der klam­me Dra­che — das geht aus der Namens­ge­bung nicht her­vor. Die Eisen­acher DRACHENSCHLUCHT war jeden­falls Ziel unse­rer Wan­ders­lust am Wochen­en­de. Einen Dra­chen haben wir nicht zu Gesicht bekom­men die Schlucht aber sehr wohl und die ist wirk­lich sehens­wert.

Die­se spe­zi­el­le Schlucht wird gern auch als Klamm bezeich­net. Wiki­pe­dia meint dazu: “Eine Klamm ist ein im Fest­ge­stein ein­ge­schnit­te­nes, schma­les Tal. Das Wort Klamm ist vor allem im öster­rei­chi­schen und bay­ri­schen Sprach­raum geläu­fig und bezeich­net eine beson­ders enge Schlucht im Gebir­ge.” Eng ist die Dra­chen­schlucht im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes — die engs­te Stel­le ist gera­de Mal 67cm breit. Der Raben­prinz will es, ob sei­ner olym­pi­schen Figur, ganz genau wis­sen. — zu Not wird gedrückt und gescho­ben, muss das Eul­chen eben durch:)

Unse­re Wan­der­lust ist unmit­tel­bar an unser Genie­ße-Zen­trum im der vor­de­ren Hirn­rin­de ange­schlos­sen. Aus die­sem Grund bear­bei­ten und geneh­mi­gen wir Wan­der­an­trä­ge nur von Stre­cken die mind. ein Aus­flugs­lo­kal ent­lang der Tras­se besit­zen. Zwei Loka­le sind noch bes­ser. Lecke­res Essen und Trin­ken gehört zum Wan­dern wie das Her­bert Roth’s Ohr­wurm zum Renn­steig.

In der Bewer­bung des Drachenklamm’s waren ord­nungs­ge­mäß zwei Loka­le auf­ge­führt somit wur­de der “Bewan­der-Antrag” zügig abge­ar­bei­tet und geneh­migt:)

Um unse­re (gemein­sam) über 100 jäh­ri­gen Kör­per nicht unnö­ti­gen Stra­pa­zen aus­zu­set­zen, wird die Marsch­rich­tung meist so gewählt, dass der größ­te Anstieg gleich zu Beginn erobert wer­den muss — so auch im Fall der Dra­chen­schlucht. Der Auf­stieg zum uri­gen Gast­haus Sän­ger­wie­se ist zwar kurz führt aber bereits fast auf das höchs­te Niveau der gesam­ten Wan­de­rung. Das Bier­chen schmeckt und der Gas­tro-Azu­bi grillt pas­sa­ble Thü­rin­ger Brat­würs­te im Bier­gar­ten.

Danach wird es dann etwas unge­müt­lich. Der Eulen­kö­ni­gin ange­bo­re­nes Navi­ga­ti­ons­sys­tem kol­li­diert (mal wie­der:)))) mit moderns­ter Satel­li­ten-Tech­nik. Obwohl das welt­um­span­nen­de Tra­ban­ten­netz per GPS-Posi­ti­ons­be­stim­mung und aktu­ells­ten Kar­ten­ma­te­ri­al uns an einer Weg­ga­be­lung RECHTS schi­cken will — über­stimmt das EOS (Eulen-Ortungs-Sys­tem) demo­kra­tisch die Tech­nik und gibt LINKS als wei­tern Kurs an.

Wir begin­nen den Sink­marsch — bis wir etwa 10 min spä­ter in der Schlucht ankom­men die wir eigent­lich, nach einem Rund­kurs, erst auf dem Rück­weg belau­fen woll­ten. Ab die­ser Stel­le beginnt erneut ein Anstieg und zwar über die vol­le Schlucht­län­ge. Nach drei Kilo­me­tern errei­chen wir die “Hohe Son­ne”, einen Aus­flugs-Imbiss am Ende der Schlucht. Der Rabe, der noch nicht gänz­lich von einem Infekt gene­sen ist — pfeift auf dem hohen C sei­nes äußers­ten Lun­gen­flü­gels. Wür­de man sein T-Shirt auf­rin­gen wür­de es locker eine ordent­li­che Kom­pott­schüs­sel mit Schweis fül­len. Eine Pau­se ist ange­sagt und drin­gend nötig.

Die Brat­wurst sieht hier nicht so lecker aus — wir ent­schei­den uns für eine Erb­sen­sup­pe mit Bock­wurst. Die kann man wei­ter­emp­feh­len:)
Wir setz­ten uns zu einem älte­ren Paar an den Tisch und erfah­ren viel über die Thü­rin­ger Sehens­wür­dig­kei­ten. Das fast 80 jäh­ri­ge Pär­chen kommt zwar aus Bay­ern — genau­er Roten­burg ob der Tau­ber — ist aber fast jedes Wochen­en­de im “Nach­bar­land” unter­wegs. Wan­dern tun sie nicht mehr — die Dame kann nicht mehr so nach einer OP, aber fah­ren, schau­en und essen geht pri­ma:))

Nach der Rast der Rück­weg. Ein herr­li­cher Blick auf die Wart­burg eröff­net den Abstieg.

Erst ab hier kann auch das Raben­prinz­chen das Natur­schau­spiel genie­ßen. Tosen­des Was­ser unter den Füßen, Mil­lio­nen glit­zern­de Was­ser­tröpf­chen an bemoos­ten Fel­sen, die nur weni­ge Zen­ti­me­ter aus­ein­an­der ste­hen. Die Dra­chen­schlucht ist eines der span­nends­ten Geo­denk­mä­ler Thü­rin­gens. Über Jahr­mil­lio­nen hat sich das Was­ser eines Baches fast zehn Meter tief in die roten Fel­sen unter­halb der Wart­burg gegra­ben. Es wur­de durch die gut 200 Meter lan­ge Klamm ein Weg errich­tet, auf dem man direkt über dem klei­nen Bach durch die phan­tas­ti­schen Fels­for­ma­tio­nen spa­zie­ren kann. Wir machen traum­haf­te Fotos. Dies­mal geht es aus­schließ­lich berg­ab — der Rabe ist glück­lich und kann wie­der atmen:)) Nach einer knap­pen 3/4 Stun­de sind wir wie­der am Park­platz wo wir unse­ren Kea allein gelas­sen haben. Schööö war es — gern irgend­wann mal wie­der.

 

Eine Zeitreise in die DDR

18. März 2013 18:00 Uhr in Erfurt war es um uns gesche­hen. Magi­sches ereig­ne­te sich an die­sem Abend und pas­siert immer noch. Zwei Leben(släufe) stie­ßen auf­ein­an­der, eine lava­hei­ße Wel­le der Sym­pa­thie flu­te­te bin­nen Sekun­den die Umge­bung, ein gigan­ti­scher Lie­bes­fel­sen ent­stand nach dem Erstar­ren der Ergüs­se und wächst seit­dem von Jahr zu Jahr. Zufall? Schick­sal? Nicht gesucht und doch gefun­den … es ist als hät­te man in 10.000m einen Golf­ball aus dem Flug­zeug gewor­fen und die­ser trifft auf dem 18. Grün — genau das Loch.

Der vier­te Jah­res­tag die­ser gewal­ti­gen Bezie­hungs­re­vo­lu­ti­on hat nun am Mor­gen begon­nen und soll­te gebüh­rend gefei­ert wer­de. Das ZKdVP (Zen­tral­ko­mi­tee der Vogel­par­tei;)) hat kurz davor meh­re­re Tagun­gen abge­hal­ten und in einem 5-Punk­te Plan den Ablauf der Fei­er­lich­kei­ten ein­stim­mig beschlos­sen. Die Bezie­hungs­re­vo­lu­ti­on erreich­te ihren Höhe­punkt am 18. März 2013 zwar erst in den Abend­stun­den, aber so lan­ge woll­ten wir nicht war­ten. Den “fei­er­li­chen” Akt 😍 zele­brier­ten wir, unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit, bereits in den Mor­gen­stun­den. Es wur­de ein wil­der und glück­se­li­ger Auf­takt zu den dann fol­gen­den offi­zi­el­len, Pro­gramm­punk­ten.

In einem Hotel kul­mi­nier­te sei­ner­zeit die offen­sicht­li­che und unüber­seh­ba­re Sym­pa­thie zwei­er humor­vol­ler, unver­stan­de­ner, ein­sa­mer See­len — in einem Hotel soll­ten auch die wei­te­ren Fei­er­lich­kei­ten des Jubi­lä­ums statt­fin­den. Das ZKdVP hat, mit Hin­blick auf die Kräf­te rau­ben­den Anstren­gun­gen des ers­ten ^Pro­gramm­punk­tes, wohl­weis­lich ein Well­ness Hotel gewählt und Wert auf Erho­lung gelegt. Raben’s Anruf bei den Genos­sen vor Ort stell­te dort ent­spre­chen­de, vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men sicher. So war Scham­pus auf der vor­zei­tig bereit­ge­stell­ten “Bude” bereits im Küh­ler, zwei Schaum­wein­aus­schank­ge­fäs­se vor­han­den und die Spät­ab­rei­se (neu­mo­disch: Late check out) in der Kar­tei­kar­te ver­merkt.

Vor der Abrei­se besuch­ten wir noch die Genos­sen Breit­barts um lecke­ren Cos­ta-rica­ni­schen Kaf­fee zu ver­kos­ten. Die­sen, zwei­ten Plan­punkt ver­ban­den wir mit dem Ver­zehr einer köst­li­cher Zitro­nen­creme­tor­te. Die Nah­rungs­grund­la­ge soll­te den Ablauf der Fest­lich­kei­ten bis in den Abend sichern — was sie auch tat.

Wäh­rend der Anfahrt zur Fei­er-Loca­ti­on schlug das Wet­ter um und so lan­de­ten wir in Schnett (übri­gens PLZ 98 666:)), im Werrapark Resort, beglei­tet von Regen und umhüllt von Nebel.
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Auch der Nebel konn­te den FDGB-Feri­en­haus-Charm des Objekts nicht weg­zau­bern — was aber von außen DDR nost­al­gisch anmu­te­te, soll­te drin alles ande­re als ver­al­tet sein. Ein ein­la­den­des Ambi­en­te, moder­ne Ein­rich­tung und lie­be­vol­ler Ser­vice bil­de­ten ein rund her­um stim­mi­ges Ange­bot, der Klas­si­fi­zie­rung mehr als ent­spre­chend und zu einem unschlag­ba­ren Preis. Die Genos­sen des Hau­ses haben gan­ze Arbeit geleis­tet. Unser Zim­mer war 13:30 Uhr bezugs­fer­tig, der Sekt gekühlt auf dem Tisch und dazu ein lie­be­vol­ler, per­sön­li­cher Gruß zum Hoch­zeits­tag (klei­ne tele­fo­ni­sche Raben­schwin­de­lei …. Hoch­zeits­tag, Jah­res­tag wo ist da der Unter­schied;))).
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Nach einem klei­nen Begrüs­sungs­stöss­chen haben wir uns mit Rest­sekt und Bade­män­teln in den Well­ness­teil der Anla­ge bege­ben. Wäh­rend der fol­gen­den drei Stun­den haben wir hier aus­gie­big den drit­ten Plan­punkt der Fei­er­lich­kei­ten Genos­sen … äh — genos­sen;))) Der Pool zwar wirk­lich nicht zu groß dafür aber wohl­tem­pe­riert, die Dampf­sau­na (auch ande­re waren vor­han­den, aber die mögen wir nicht so) und die beque­men Lie­gen sorg­ten für wohl­tu­en­de Ent­span­nung vor dem Höhe­punkt der Fei­er­lich­kei­ten.
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Die­ser begann kurz nach 18:00 Uhr im Restau­rant Fran­ken­blick des Hotels. Ein kusch­li­ger Zwei­er­tisch, reser­viert für die Fami­lie R. mit stil­vol­len Ker­zen­stän­dern geschmückt, unter­schied uns vom Rest­pu­bli­kum. Unse­re Klei­dung tat das eben­falls und sorg­te für reges Getu­schel und neu­gie­ri­ge Bli­cke der ande­ren Gäs­te. Hier reich­te die Palet­te von ele­gant bis Pro­le­ta­ri­er. Es soll­te uns nicht stö­ren. Die Bedie­nung war Spit­zen­klas­se. Schnell, zuvor­kom­mend, freund­lich und parier­te niveau­voll unse­ren Humor. Die Gerich­te alle­samt super­be. Das Haus enga­giert sich zusam­men mit dem UNESCO-Bio­sphä­ren­re­ser­vat Thü­rin­ger Wald in einer Initia­ti­ve, die bevor­zugt fri­sche, sai­so­na­le Lebens­mit­tel aus der Regi­on ver­ar­bei­tet. In die­sem Fall Fleisch, Wild, Gemü­se und Milch­pro­duk­te. Eulchen’s Raben­lie­be ging seit jeher mit ihrer Kloß­lie­be über­ein und gip­fel­te ges­tern in drei Klö­ßen samt einer Schüs­sel Soße. Das zar­tes­te Rind­fleisch aller Zei­ten run­de­te den Gau­men­or­gas­mus ab. Der Rabe ver­tilg­te wäh­rend­des­sen Mai­s­pou­lar­de, die zar­tes­te Geflü­gel­le­ber aller Zei­ten sowie Böhn­chen und Roh­kost. Schon die Rin­der­brü­he vor­ab ver­dien­te ein Ach­tungs­zei­chen und kün­dig­te einen Spit­zen­koch an den Töp­fen an — alle (wört­lich ALLE) Gän­ge des Abends waren in Per­fek­ti­on zube­rei­tet und gewürzt.
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Unse­re Gesprä­che innig, intim und tief­sin­nig wie immer, wider­spie­gel­ten die Pha­sen unse­rer gemein­sa­men Lie­be, ihre Höhen und (ja es gab sie auch) Tie­fen, unse­ren Mut das Aben­teu­er anzu­tre­ten und die har­te Arbeit an unse­ren Per­sön­lich­kei­ten um den Grad des Glücks und die Stu­fe der Lie­bes­lei­ter zu erklimm auf der wir seit lan­ger Zeit ste­hen. Unter ande­rem sol­che wun­der­vol­len Gesprä­che, über mitt­ler­wei­le alle The­men, haben uns so zusam­men­ge­schweißt wie es heu­te unüber­seh­bar für die Welt ist. Vie­le wei­te­re Gemein­sam­kei­ten bil­den dafür eine fes­te Grund­la­ge. Dazu zäh­len: Tem­pe­ra­ment, Humor­ver­ständ­nis, Men­ta­li­tät, Spon­ta­ni­tät, Ver­rückt­heit und viel­leicht sogar unse­re schle­si­schen Wur­zeln. Auch unse­re Unter­schie­de, wie z.B. der Sinn für Roman­tik, haben nach dem Mot­to: Gegen­sät­ze zie­hen sich an — dazu bei­getra­gen.

Unse­re Vor­lie­be für köst­li­ches Essen übri­gens auch;)))) und das war einer der Grün­de das Jubi­lä­um hier zu bege­hen. Unse­re Gau­men haben in die­sem Haus, trotz Lob­hu­de­lei­en über die Küche im Tri­pAd­vi­sor, sol­che Freu­den nicht erwar­tet. Es war ein per­fek­tes Din­ner;)) und ein per­fek­ter, vier­ter Plan­punkt …. und ein HOCH auf die Lie­be.

In der Hotel­bar haben wir anschlie­ßend den fünf­ten und letz­ten Tages­ord­nungs­punkt der Fei­er­lich­kei­ten began­gen. Auch hier Per­fek­ti­on bis ins i-Tüp­fel­chen. Long­drinks und Shorts treff­si­cher insze­niert und von der
FDGB-Fas­sa­de auch hier nichts sicht­bar. Glück­lich, erfüllt und zufrie­den san­ken wir anschlie­ßend ins Bett und lie­ßen unse­ren herr­li­chen Jubi­lä­ums­tag Revue pas­sie­ren. Traum­haft war unse­re ein­hel­li­ge Mei­nung.

Der Sonn­tag weck­te uns mit einem noch mie­se­rem Wet­ter als der Tag zuvor. Das Hotel­früh­stück, soli­de und frisch, über­zeug­te wie alles ande­re im Haus. Danach nutz­ten wir das Pri­vi­leg der Spät­ab­rei­se um uns noch­mal in unser Bett­chen zu ver­krü­meln:) Enspre­chend des Beschlus­ses des ZKdVP, nah­men wir im Anschluss an das Check Out, Teil an der Besich­ti­gung der Aus­weich­füh­rungs­stel­le und Befehls­bun­ker­an­la­ge der Bezirks­ein­satz­lei­tung des Bezirks Suhl — durch das MfS ver­wal­tet und betrie­ben …… damals natür­lich. Im Kriegs- und Ernst­fall hät­te die Bezirks­ein­satz­lei­tung den Bun­ker genutzt, um die Befehls- und Kom­man­do­struk­tu­ren im Bezirk Suhl auf­recht­zu­er­hal­ten. In der Zeit des kal­ten Krie­ges erbaut, ver­füg­te der Bun­ker über moderns­te Nach­rich­ten­tech­nik, eige­ne Strom­ver­sor­gung, Fern­schrei­ber, mobi­le Funk­tech­nik und diver­se Abhör­ein­rich­tun­gen. Ein impo­san­tes Objekt — und uns beschlich unwei­ger­lich der Gedan­ke, dass der Bun­ker zugleich ein Mahn­mal für die heu­ti­ge Zeit ist — in der die Obe­ren sich, wie damals, immer wei­ter vom Volk ent­fer­nen und Inter­es­sen der Indus­trie und des Kapi­tals mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln, ver­fol­gen. Die­ser mario­net­ten­haf­te Gehor­sam, damals gegen­über dem gro­ßen, roten Bru­der, heu­te eben gegen­über der Lob­bys wird durch die Abschot­tung der Füh­rung von der Rea­li­tät beson­ders augen­schein­lich.

In Augen­schein konn­ten wir fast alle Räu­me der raf­fi­niert ange­leg­ten aber mit sozia­lis­ti­scher Not­s­par­sam­keit errich­te­ten Zweib­un­ker-Kon­struk­ti­on besich­ti­gen. Die 2m Beton­de­cke und das “schwim­men­de” Fun­da­ment hät­ten zwar die Erschüt­te­rung der Explo­si­on einer Hiro­shi­ma-Bom­be mit Epi­zen­trum in 2km Umkreis stand­ge­hal­ten aber der anschlie­ßen­den Strah­lung wohl kaum mehr. Über­haupt waren die Vor­rä­te der 120 Mann Unter­kunft nur für 21 Tage aus­ge­legt — sowohl Treib­stoff für die Strom­ag­gre­ga­te als auch Lebens­mit­tel wären dann auf­ge­braucht. Es hieß — durch­hal­ten bis die “rich­ti­ge” Armee da ist — und die hät­te kei­ne 21 Tage gebraucht.
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Druck­tü­ren und Dekon­tar­mi­na­ti­ons-Kam­mern, Che­mie­du­schen und Unter­druck­schleu­sen muss­ten pas­siert wer­den bevor man ins Inne­re gelang­te. Für uns ein Durch­marsch von 10 min. mit sechs­mi­nü­ti­ger Ein­lei­tung unse­res Füh­rers samt Abstem­peln der Besuchs­ge­neh­mi­gun­gen. Im Ernst­fall war eine hal­be Stun­de ver­gan­gen bis man die knapp 20m pas­siert hat. Sehr spar­ta­nisch das Inte­ri­eur;))) Für Luxus­kon­sum­gü­ter war hier kein Platz. Pri­mi­tivs­te VEB Möbel, Rega­le, Tische, Stüh­le, Bet­ten, Alu­be­steck, Plas­te­ge­schirr muten, aus heu­ti­ger Sicht,mehr als Gefäng­niss denn als Kom­man­do­zen­tra­le eines über­le­ge­nen Sys­tems an.
Alles Lebens­not­wen­di­ge war ein­ge­plant wor­den, sogar ein Arzt soll­te im Not­fall hier ein­zie­hen und in einem der 30 Bet­ten, im 4-Schicht-Sys­tem, abwech­selnd 6 Stun­den am Tag schla­fen. (Grau­en­haf­te Vor­stel­lung, im Schweiß und Gestank der Vor-Nut­zer ein­zu­schla­fen. Als wäre der Höl­len-Lärm der Gene­ra­to­ren und Lüf­tungs­tech­nik nicht Stra­fe genug. Einen Vor­teil besaß die­ses Sys­tem aller­dings — die Bet­ten wur­den nie kalt;))
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Nach etwa einer Stun­de ver­las­sen wir, etwas ver­kühlt, die Beton­gruft mit dem siche­ren Wis­sen im Fal­le eines Nukle­ar­schlags weder vor der Druck­wel­le noch vor der Strah­lung geschützt zu wer­den. Die­se “beru­hi­gen­de” Erkennt­nis wol­len wir bei der Hen­kers­mah­zeit des Wochen­en­des, natür­lich ohne Still­bruch, in einem mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schem Arbei­ter und Bau­ern Ver­sor­gungs­ob­jekt sacken las­sen. Der etwas deka­den­te Objekt­na­men Wald­SCHLÖSS­CHEN konn­te den bara­cken­haf­ten Stamm­baum der “Pracht­im­mo­bi­lie” auch nicht kaschie­ren aber wir woll­ten es heu­te so.

Das Ost­al­gie-WE in hei­mat­li­chen Gefil­den zur Fei­er unse­rer Lie­be ende­te dann also lie­bens­wert bei Rin­der­rou­la­de und Blau­kraut sowie Schnit­zel mit Cham­pi­gnons — den DDR-Sonn­tags-Höhe­punk­ten — mit etwas Agit­prop (na, noch en Begriff?) der Vor­sit­zen­den des Rent­ne­ri­nen-Clubs am Nach­bar­tisch. Das Essen war schmack­haft, die rot-oran­ge­far­be­ne Innen­ein­rich­tung bezeug­te ein­drucks­voll den gelun­ge­nen Zeit­sprung ins Jahr 1977 und die unge­heu­er­li­chen Kran­ken­ge­schich­ten der Grau­en Pan­ther haben wir irgend­wann nicht mehr gehört — ich glau­be die Damen sind ein­fach gegan­gen;)))) Hof­fent­lich sind sie uns wegen unse­rer Resis­tenz gegen der­art Ver­un­glimp­fun­gen des ach so tol­len, medi­zi­ni­schen Sys­tems die­ser Repu­blik — nicht böse;))))
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Ein herr­lich-ein­ma­li­ges, mehr als gelun­ge­nes, zau­ber­haft-inti­mes und ani­ma­lisch-zärt­li­ches Jubi­lä­ums-Wochen­en­de ….. wer hät­te das vor­her gedacht;)))))

Nürnbergs Multikultur

Wie­der ein­mal besu­chen wir die Ober­frän­ki­sche Metro­po­le. Lang genug haben wir es vor uns her gescho­ben. Zum einen hat unser Pro­te­gés mit Geschäf­ten und sei­ner Gesund­heit zu tun gehabt, zum Ande­ren waren unse­re Wochen­en­den ver­plant. K.D. G. lädt schon seit Mona­ten ein — nun sind wir da. Fast ein Jahr haben wir uns nicht gese­hen, kön­nen uns bei der “Unter­neh­mungs-Pla­nung” kaum erin­nern was wir damals gemein­sam gese­hen haben, wo wir geges­sen haben — schön, dass es die­sen Blog gibt;))) Trotz eines erheb­li­chen Alters­un­ter­schie­des, ist eine beson­de­re Sym­pa­thie vor­han­den und es fühlt sich an als hät­te man sich vor weni­gen Tagen das letz­te Mal gesehen.Trotz sei­nes Alters und des ange­schla­ge­nen Gesund­heits­zu­stan­des ist unser Gast­ge­ber vol­ler Ener­gie und bemüht uns wie­der kuli­na­risch wie Sight­see tech­nisch zu ver­wöh­nen.

Wir begin­nen am Frei­tag im Gast­hof “Blö­del” in Korn­burg bei N. Bes­ser gesagt in sei­nem Bier­gar­ten. Das haben die Bay­ern dem Rest der Welt Vor­aus — die Bier­gar­ten­kul­tur. Bei (fast) jedem Wet­ter drau­ßen essen und trin­ken,
teils über­schirmt, teils “Pilz”beheizt — war­um ver­bie­ten das vie­le Kom­mu­nen außer­halb Bay­erns???? Lärm? Anwoh­ner­be­schwer­den? Bereits ers­te Anzei­chen auf Tole­ranz und Mul­ti­kul­tur???? Das Essen im Blö­del ist Urfrän­kisch aber nicht wie­der­ho­lungs­wert. Schäufer­le, gekoch­tes Rind­fleisch, Tar­tar vom Rind (das war lecker;))) sowie frän­ki­sche Flüs­sig­kei­ten wan­dern unse­re Spei­se­röh­ren her­ab. K.D.G. erzählt uns eini­ges über das Zusam­men­le­ben der Fran­ken mit Aus­län­dern. Beson­ders in Nürn­berg und Umge­bung hat das jahr­zehn­te­lan­ge Geschich­te. Gera­de Tür­ken — Ara­ber und Mos­lems zugleich gehö­ren hier zur Gesell­schaft. Sind Teil die­ser — spre­chen Deutsch, arbei­ten schwer, sind mehr­heit­lich freund­lich und umgäng­lich, betrei­ben Geschäf­te und Restau­rants, besit­zen Eigen­tum. Nie­mand in Nürn­berg käme auf die Idee sie als stö­rend oder fremd anzu­se­hen. Sie gehö­ren dazu, wie auch ande­re Natio­na­li­tä­ten übri­gens auch z.B. Ita­lie­ner, Polen aber auch Chi­ne­sen und vie­le Afri­ka­ner. Auf dem Rück­weg hal­ten wir tra­di­ti­ons­ge­mäß bei einem ….. Aus­län­der;)))))
Im “Cam­po” gibt es Eis­sor­ten von den hat der Erfur­ter noch nie was gehört und schme­cken tuen sie “oben­drein — (wo kom­men unse­re ita­lie­ni­schen Mit­bür­ger eigent­lich her???? Oder rei­chen zehn Sor­ten für den Ossi???
Der Abend endet mit einer Fla­sche lecke­ren Wein und einem ewig lan­gen Gedan­ken­aus­tausch — Schnerz­chen aus dem Leben unse­res Freun­des dür­fen da jedes­mal nicht feh­len:)

img_0350.jpgAm Fol­ge­tag wird gegrillt. Im GÜN Markt (ein tür­ki­scher Laden) wer­den fri­sche Lamm­ko­te­letts besorgt dazu gibt es Kar­tof­fel­sa­lat, Ret­tich­sa­lat und Toma­ten­sa­lat — ein Gau­men­or­gas­mus son­der­glei­chen.

Wir decken uns noch im Hof­la­den von Weiss­mann mit Gemü­se, Obst, Käse und Brot ein — wo gibt es sowas bei uns. Im Fein­kost­la­den in der Nürn­ber­ger Innen­stadt kau­fen wir noch lecke­re Pest­os und BIO-Dips ein damit die fol­gen­de Woche was fri­sches auf den Tisch kommt und besu­chen den BIO-Markt. Den klei­nen Hun­ger stil­len wir im Ori­gi­nal Nürn­ber­ger Brat­wurst­haus in der Königs­stras­se. Es ist das ein­zi­ge Restau­rant das sei­ne Würs­tel noch sel­ber macht — so schme­cken sie auch, man kann sich rein­le­gen. Eine Hor­de Kell­ner flitzt im Bier­gar­ten und bedient in bes­ter Lau­ne die Gäs­te — man war­tet weder auf die Kar­te, noch auf die Bestel­lung und das Essen ist in 10 min da — in die­sen 10 min trinkt man bereits das in 2 min da gewe­se­ne Bier. Wahn­sinn.
Das aend­li­che Gril­ling wird zum Gau­men­fest — es dau­ert zwar ein wenig bis der Gas­grill 350 Grad erreicht hat aber dann …… mein klei­ner Nacht­jä­ger ver­langt Nach­schlag:))))
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Eul­chen besteht auf einem Tagesaus­klang bei Cam­po — das Eis ist aber auch revo­lu­tio­när!!!!!!! Rabe ent­deckt dort übri­gens sei­ne Lie­be zum Spa­ghet­ti-Eis -(Salz­ka­ra­mel kokos) Him­mel auf Erden:)

Sonn­tag müs­sen wir uns schon wie­der ver­ab­schie­den, wer­den aber nicht ohne eine lecke­re Mahl­zeit ent­las­sen. Wir wer­den in das Urbay­ri­sche Gar­ten­lo­kal Gold­bach ein­ge­la­den. Mas­sen hung­ri­ger Fran­ken schun­keln bei der etwas zu lau­ten Musik des ita­lie­ni­schen Allein­un­ter­hal­ters und Essen was des Fran­ken Magen begehrt. Haxen, Rou­la­den, Würs­tel, Schäu­fe­le, Bra­ten, Klö­ße u.v.m. Mit am Tisch der Syri­sche Nef­fe des Halb­bru­ders vom K.D.G. Seit einem knap­pen Jahr in Deutsch­land — etwa Anfang drei­ßig — hat bei einem Bom­bar­de­ment in …. sei­ne Apo­the­ke ver­lo­ren. Net­tes Kerl­chen — sprach pas­sa­bel Deutsch — sehr an Inte­gra­ti­on inter­es­siert. Wenn nur alle so wären.
Mit vol­len Mägen ver­ab­schie­den wir uns …. einem Eis bei Cam­po kön­nen wir aber nicht wie­der­ste­hen:)
Unser Gast­ge­ber und sein Gast aber auch nicht — noch­mal sit­zen wir zusam­men beim Ita­lie­ner:))) Dan­ke K.D.G. — wir freu­en uns schon auf’s nächs­te Mal.