Die Balkan-Eule bereitet den Albanien-Feldzug vor

Zum ers­ten Mal eine voll­stän­di­ge Indi­vi­du­al-Rei­se. Zum ers­ten Mal ein kom­plet­tes Aben­teu­er. Zum ers­ten Mal Bal­kan. Wir sind bei­de gespannt wie ein Her­ren­re­gen­schirm. Die Eulen­kö­ni­gin hat schon vor Mona­ten mit „Erkun­dun­gen“ begon­nen und wäre für jedes Mari­nes-Auf­klä­rungs­ba­tail­lon eine Berei­che­rung. Wahr­schein­lich gibt es kei­nen Rei­se­b­log-Bei­trag über Alba­ni­en den Sie nicht gele­sen hat. Die sonst eher schreib­fau­le Majes­tät – pro­du­ziert seit­dem Noti­zen in Akkord als wür­de sie dafür fürst­lich bezahlt wer­den. Den Nick­na­me Bal­kan-Eule hat sich sich red­lich ver­dient.

Ging es Anfangs dar­um ob wir den Süden oder den Nor­den Alba­ni­ens berei­sen wol­len, wird mit­ler­wei­le jeder See und jedes Vogel­nest … nun doch im Süden … aus­kund­schaf­tet. Dör­fer, Vogel­nes­ter, Unent­deck­tes  und Sehens­wer­tes gibt es in Alba­ni­en aber wie Koks in Kolum­bi­en, des­halb wird es nur der hal­be Süden. Es steht jetzt bereits fest – die Alba­ner bekom­men uns min­des­tens noch wei­te­re zwei Mal vor­ge­setzt. Da müs­sen sie durch.

Der Zeit­punkt der Rei­se naht – der Flie­ger geht in 3 Tagen – die Auf­re­gung steigt. Der Rabe hat sich vor­bild­lich um Fahr­zeug, Papie­re, Ver­kehrs­re­geln, Grenz­über­trit­te, Off­line-Kar­ten, Sprach­da­tei­en für den Uni­ver­sal­über­set­zer,  Ver­si­che­run­gen und Doku­men­te geküm­mert. Ihre Eulen­tät sor­tiert nun ihre gesam­mel­ten Wer­ke. Es gibt so viel zu sehen, dass wir eigent­lich ein Jahr unbe­zahl­ten Urlaub benö­ti­gen wür­den um auch nur ein Fünf­tel davon zu sehen. Wie sagt es die (noch)Kanzlerin – „Wir schaf­fen das“. Seen, Vogel­pa­ra­die­se, Tier­re­ser­va­te, his­to­ri­sche Sehens­wür­dig­kei­ten, klei­ne male­ri­sche Städ­te, unent­deck­te Natur … wir haben 10 Tage.

Dafür hat die Tour­gui­de-Eule, zum jet­zi­gen Zeit­punkt, vor­sichts­hal­ber schon 20 Hotels und Hos­tels ent­lang der Stre­cke aus­ge­sucht. Jedes ein­zel­ne zucker­süß und total lie­be­voll ein­ge­rich­tet. Selbst 5 Ster­ne Bun­ker kos­ten in Alba­ni­en kei­ne 50 € pro Nacht und Zim­mer.

Apro­pos Bun­ker – davon soll es in Albana­ni­en J jede Men­ge geben. Eine Macke des Ex-Dik­ta­tors Hoxha. Der woll­te jeden sei­ner Sol­da­ten in einen Bun­ker ste­cken, die (nicht nur) ent­lang der Küs­ten und Gren­zen alle paar Meter, wie Per­len eines Rosen­kran­zes auf­ge­reiht, die Land­schaft „schmü­cken“ – und so sein Land vor den Rus­sen, den Kapi­ta­lis­ten und vor den Chi­ne­sen (mit denen er sich zum Schluss auch noch ver­scherzt hat) ver­tei­di­gen. Ein Foto in einem Bun­ker wird also Pflicht.

Nun wenn sie könn­te wür­de mei­ne Navi­ga­ti­ons-Offi­zie­rin noch die Spei­se­kar­ten aller Loka­le in Mit­tel­al­ba­ni­en stu­die­ren – aber die sind (GsD) auf Alba­nisch. Vor­be­rei­tet snd wir jeden­falls. Ein paar Hun­dert Euros wur­den in 5€ Schei­ne getauscht – damit kann man pri­ma bezah­len. Rest wird in Tira­na aus dem Ban­ko­mat gezo­gen in Lek ….. Mehr­zahl LekiJ Lus­ti­ge Lan­des­wäh­rung … der Pole denkt sofort an Arz­nei­mit­tel und wir an … 🙂 🙂 🙂

 Selbst die wich­tigs­ten Spach­fet­zen sind …. notiert … gelernt wird im Flug­zeug. Eins soll­te man auf jeden Fall wis­sen.

PO heißt ja — dazu wird mit dem Kopf geschüt­telt (wie bei uns zum nein)
und
JO heißt nein — es wird mit dem Kopf genickt (wie bei uns zum ja)

Apropos Albanien — Geo und Sozialkunde Auffrischung

Als wir unse­ren Freun­den, Bekann­ten und Fami­lie eröff­net haben, dass wir eine Ent­de­ckungs­tour durch Alba­ni­en pla­nen – waren die Reak­tio­nen sehr ver­hal­ten. Von Arbei­ter bis mehr­fach pro­mo­viert hieß es: „Alba­ni­en??? – kann man da über­haupt hin?“, „… da ist doch noch Krieg“ oder (das war der Bes­te) – „Alba­ni­en, das liegt doch nicht in Euro­pa“.

Es herrscht defi­ni­tiv Unwis­sen­heit, im Vol­ke der Dich­ter und Den­ker,  was Alba­ni­en angeht. Im bes­ten Fal­le schwant es man­chen, dass es irgend­wo im Süden Euro­pas liegt – das ist schon mal Top … 3 Pkt. für die­se Ant­wort. Dass es direkt an Grie­chen­land und übers Was­ser an Ita­li­en grenzt weiß schon kaum jemand. Huuuuuuh … Angst … Jugo­la­wi­en … Koso­vo … Krieg .… da wird es beson­ders pein­lich für uns Deut­sche.

Was den Krieg angeht – der letz­te Krieg der in Alba­ni­en herrsch­te war der 2. Welt­krieg … ziem­lich genau wie bei uns. Die meis­ten haben sicher den Zer­fall von Jugo­sla­wi­en im Kopf .. scha­de nur, dass Nie­mand weiß, dass sich da in der Haupt­sa­che Ser­ben und Kroa­ten bekriegt haben. Zagreb und Dubrov­nik wur­den beschos­sen bzw. bela­gert – es ist 27 Jah­re her und heu­te fragt kei­ner, der eine Rei­se nach Kroa­ti­en bucht, … „wird da noch geschos­sen?“

Viel­leicht ist den Leu­ten auch Koso­vo beson­ders in Erin­ne­rung. Schließ­lich waren „unse­re Jungs“ dort sta­tio­niert und der Koso­vo grenzt ja an Alba­ni­en. Rich­tig dort leben auch ganz vie­le s.g. Koso­vo-Alba­ner – und die woll­ten auch unab­hän­gig wer­den von den Jugos. Sie grün­de­ten einen eige­nen Staat und da wur­de der böse Milo­se­vic zor­nig und schick­te die Ser­bi­sche Armee mal hin. Nach 15 Mona­ten war dann der Spuck vor­bei. Seit­dem über­wacht eine UN Trup­pe (ähn­lich wie auf Zypern) den Frie­den in der Regi­on und die Ser­ben haben offi­zi­ell auf den Ter­ri­to­ri­al­an­spruch ver­zich­tet.

Alba­ni­en ist zwar ein armes aber ein sehr siche­res Land. Es wird von sehr gemä­ßig­ten Mus­li­men und ortho­do­xen Chris­ten bewohnt, die alle samt eins gemein­sam haben – sie sind gast­freund­lich.

In vie­len Tei­len des Lan­des herrscht (unge­schrie­ben) der Kanun. Ein Gesetz, das von Dorf- und Stam­mes­äl­tes­ten aus­ge­übt wird und an das sich die Bewoh­ner unter­ein­an­der hal­ten. Was ähn­lich dem Scha­ria – etwas mit­tel­al­ter­lich und über­holt klingt – ver­hin­dert in Wirk­lich­keit seit Jahr­hun­der­ten Stam­mes­feh­den und schlim­me­re Kon­flik­te. Ein fried­li­ches Mit­ein­an­der herrscht in die­sem Land. Dank die­ser uralten Tra­di­tio­nen ist seit Jahr­zehn­ten kei­nem Frem­den auch nur ein Haar gekrümmt wor­den. Alba­ni­en zählt zu den sichers­ten Län­dern der Welt. In Sta­tis­ti­ken hat es sogar Deutsch­land hin­ter sich gelas­sen.

Wir freu­en uns auf das wun­der­schö­ne Land … von den Alba­ni­schen Alpen bis an die Mit­tel­meer­küs­ten, auf sei­ne Natur, sei­ne Men­schen und zau­ber­haf­ten Orte.

Mutter Theresa besucht und den Koran gegessen

Zuge­ge­ben jede die­ser bei­den Behaup­tun­gen klingt an sich schon obstruz. Bei­de an einem Tag geäu­ßert könn­ten eine Ein­wei­sung in die Psych­ia­trie recht­fer­ti­gen, aber glaubt uns — nichts davon ist gelo­gen. Bal­kan-Ken­ner ahnen bestimmt schon was gleich kommt und bevor uns die Ver­tre­ter aller Welt­re­li­gio­nen an den Pran­ger stel­len — leßt zu Ende — nichts liegt uns fer­ner als Got­tes­läs­te­rung. Der heu­ti­ge Tag ist unser ers­ter in Alba­ni­en und beschert uns bei­de Erleb­nis­se tat­säch­lich.

Die­ses  geheim­nis­vol­le Land erreicht man sicher auch mit dem Auto, wir haben uns aber für das Flug­zeug ent­schie­den. Da es hier nur einen inter­na­tio­na­len Flug­platz gibt kommt man unwill­kür­lich mit Mut­ter The­re­sa in Berüh­rung und unwei­ger­lich durch sie durch.

Die, welt­be­kann­te (aber umstrit­te­ne) Mis­sio­na­rin und Ordens­schwes­ter ist mit Abstand die berühm­tes­te Alba­ne­rin und nach ihr wur­de der Haupt­stadt- Flug­ha­fen benannt. Wobei … Flug­ha­fen ist etwas über­trie­ben. Es ist ein klei­ner, über­schau­ba­rer aber sehr moder­ner Platz mit einer Lan­de­bahn, einem Tower und einem Gebäu­de von der Grö­ße des Erfur­ter Haupt­bahn­ho­fes. Die Abfer­ti­gung des ADRIA-Air­lines Air­bu­ses, mit dem wir aus Frank­furt ein­ge­flat­tert kamen, ist vor­bild­lich pro­fes­sio­nell und super schnell.

Die Alba­ni­sche Luft­waf­fe, sie hat ihre alten MIGs auch auf Mut­ter-Tere­sa geparkt, wird kei­ne ernst zu neh­men­der Rol­le im Fal­le eines Fal­les spie­len:)

Mit iden­ti­schen Attri­bu­ten behaf­tet ver­läuft auch die Miet­fahr­zeug-Über­ga­be. Obwohl sich der Schal­ter der Enter­pri­se Auto­ver­mie­tung gut sicht­bar, direkt in der Flug­ha­fen­hal­le befin­det, wer­den wir mit einem gedruck­ten Rie­sen-Namens­schild von einem Mit­ar­bei­ter emp­fan­gen. Ein fast nigel­na­gel­neu­es Fahr­zeug vom Por­sche-Zen­trum Tira­na wird uns mit allen erdenk­li­chen Erläu­te­run­gen und pro­fes­sio­nel­ler Auf­nah­me von (den weni­gen, klei­nen) Lack­krat­zern in das Über­ga­be­pro­to­koll, über­reicht. Lei­der kein Por­sche … “nur” ein Sko­da. Mit einem Por­sche wären wir auf Alba­ni­ens Stras­sen zwar in guter Gesell­schaft — etwa 70% aller zuge­las­se­nen Autos schei­nen hier aus Stutt­gart zu kom­men — aber es hät­te schon ein Che­yenne sein müs­sen, manch Pis­te ähnelt hier ver­däch­tig einer Pan­zer-Test­stre­cke.

Mit unse­rem schnee­wei­ßen Mobil machen wir uns auf den Weg Rich­tung Ohrid-See. Zuerst auf einer Schnell- dann auf einer gut aus­ge­bau­ten Land­stra­ße schlän­geln wir uns durch male­ri­sche Täler, ent­lang des Lumi Shkum­bin, zwi­schen den schrof­fen Gip­feln des She­be­nik-Jablla­nicë Natio­nal Parks. Unzäh­li­ge Stän­de mit Obst und Gemü­se säu­men die Stre­cke. Fei­gen, Orangen,Granatäpfel und Zwie­bel-Ket­ten die locker jeden Guin­ness-Buch Rekord bre­chen wür­den, kann man hier, auch mit­ten in der Pam­pa, kilo­me­ter­weit von jeg­li­cher Zivi­li­sa­ti­on ent­fern, für umge­rech­net Cent-Beträ­ge kau­fen.
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Uns sucht all­mäh­lich der klei­ne Hun­ger auf und der Rabe beginnt von einem duf­ten­dem Lamm- oder Zie­gen-grill zu träu­men — immer­hin befah­ren wir gera­de das Land der ein­ge­fleisch­ten Fleisch­esser — als wir  plötz­lich am Stra­ßen­rand auf­stei­gen­den Rauch ent­de­cken. Voll­brem­sung, Wen­de­ma­nö­ver, Ein­park­vor­gang, ein Berg Gegrill­tes auf unse­rem Tel­ler, eine Schüs­sel Salat und natür­lich Geträn­ke erle­ben wir in genau die­ser Rei­hen­fol­ge, kurz dar­auf. So genau wis­sen wir nicht was uns vor­ge­setzt wird, defi­ni­tiv Huhn und wahr­schein­lich Lamm, aber es ist köst­lich zube­rei­tet und schmeckt vor­züg­lich .… und zwar alles. 
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Wir genie­ßen die Fahrt­un­ter­bre­chung aus­gie­big. Der Grill­be­sit­zer, sei­ne Frau und der Rest der Fami­lie sind sehr freund­lich und bemü­hen sich red­lich und zu ver­ste­hen. Zum ers­ten Mal kann das Eul­chen Ihre neu erwor­be­nen Alba­nisch-Kennt­nis­se anwen­den. Rie­sen-Freu­de unse­rer Gast­ge­ber ist ihr Lohn.

Ohrid-See

Es geht wei­ter und schon bald erha­schen wir, zwi­schen den Ber­gen,  einen ers­ten Blick auf DEN See. Der Ohrid-See ist der ältes­te (.  ) und tiefs­te See Euro­pas. Betö­ren­de Aus­sich­ten eröff­nen sich uns je näher wir ran kom­men. Am gegen­über lie­gen­den Ost­ufer kann man eine gro­ße Stadt erah­nen — es ist Ohrid in Maze­do­ni­en. Der See bil­det die natür­li­che Gren­ze zwi­schen bei­den Län­dern.

Lin — das kleine Fischerdorf.

Wir fol­gen dem Tipp aus Kat­jas Blog und fah­ren nach in das klei­ne Fischer­dorf — Lin, direkt am Ufer des Ohrid See’s. Wir sind fas­zi­niert. Ein­fa­che, klei­ne Häu­ser säu­men die ein­zi­ge, schma­le Dorf­stra­ße. Über­all Gepfleg­te Gär­ten, Blu­men, es ist pieksau­ber, Fischer­boo­te lie­gen am See­ufer.
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Frau­en jeden Alters sit­zen in Grup­pen am Weges­rand vor den Häu­sern — es scheint ein beim uns längst ver­ges­se­ner Brauch zu sein. Klat­schen und trat­schen … ein funk­tio­nie­ren­des Sozi­al­ge­fü­ge. Wir wer­den neu­gie­rig, lächelnd freund­lich beäugt. Wir machen die Schei­ben run­ter, Eul­chens grüßt auf Alba­nisch. Wie­der freu­en sich die Men­schen. Wir wer­den spon­tan zum über­nach­ten ein­ge­la­den … es gibt hier sogar ein Gäs­te­zim­mer — ein kusch­li­ges Guest­house. Lei­der haben wir für die­se, ers­te Nacht bereits etwas reser­viert. Aber viel­leicht mor­gen.

Auf dem Dorf­platz steht ein Dorf­kneip­chen … schick, mit einer Ter­as­se auf Pfäh­len über dem See. Wir zischen unse­re ers­ten zwei Kor­ca-Bir­re … super­le­cke­res Alba­ni­sches Bier. Und auch hier alle nett und freund­lich wie man es in der Hei­mat kaum noch erlebt.
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Nur drei Kilo­me­ter wei­ter, direkt am Ufer — end­lich unser Nacht­la­ger. Ein neu­es, fei­nes, groß­zü­gi­ges Hotel — Lake Park Resort. Unse­re Sui­te mit zwei Bal­kons, und vol­lem Aus­blick auf das nas­se Natur­wun­der kos­tet 22 € mit Früh­stück .. für uns bei­de zusam­men!!!

Wir essen den Koran.

Und hier pas­siert es … hier ver­spei­sen wir den Koran. Es ist frü­her Abend. Wir sind die ein­zi­gen Gäs­te und weit und breit die ein­zi­gen Tou­ris­ten hier. Gro­ßen Hun­ger haben wir nicht mehr, aber eine Spei­se wol­len wir in die­ser Gegend unbe­dingt kos­ten. Im Ohrid-See lebt ein ganz beson­de­rer Fisch. Wür­den sich zwei deut­sche Tier­for­scher über ihn unter­hal­ten — wür­den sie von der Ohrid-Forel­le spre­chen. In Alba­ni­en heißt der Fisch .… rich­tig … Koran! Eine Forel­len­art, mit mar­kan­ten leuch­tro­ten Punk­ten am Kör­per und rosa Fleisch. Die­ser Fisch lebt NUR im Ohrid-See, sonst nir­gend­wo auf der Welt. Wir bestel­len also zwei .., ich befürch­te es gibt kei­ne Mehr­zahl vom Koran, den es gibt nur den Einen, aber beim Fisch wird die Aus­nah­me wohl erlaubt sein … wir bestel­len also zwei Kora­ne.

Für uns wird extra der Grill ange­wor­fen. Die Eulen­kö­ni­igin poliert wei­ter ihr Alba­nisch — das Per­so­nal freut sich sicht­lich und im der Zwi­schen­zeit bekom­men wir wie­der Salat und einen Gruß aus vom Haus, eine Art Piz­za-Quark-Keul­chen … sehr lecker. Die Kora­ne kom­men duf­tend, frisch vom Rost und quit­tie­ren dem Tag mit einem Gau­men-Orgas­mus … unbe­schreib­lich. Noch ein Glas Wein zum Anschluss und ab ins Bett­chen.  Für alle ande­ren Freu­den ;)) sind wir nach den Anrei­se-Stra­pa­zen zu schwach;)))

Erster Eindruck … Albanien ist ein wunderschönes Land und .…..
das Leben ist sooo schön. Gute Nacht. 😴

Wir schla­fen wie zwei Mur­mel­tie­re bis zum Son­nen­auf­gang. Die­ser ist hier am See ein Natur­schau­spiel.
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Noch aus dem Zim­mer wer­den die ers­ten Fotos geschos­sen — dann wol­len wir die Natur auch haut­nah genie­ßen. Ein — Zwei Kilo­me­ter links und rechts vom Hotel, am Ufer ent­lang ist ein­fach NICHTS — Strand, Was­ser, Vögel und ein herr­li­ches Pan­ora­ma auf die Maze­do­ni­sche Sei­te des See’s. Wir hal­ten die Füße ins Was­ser, lau­fen in Rich­tung der Kor­mo­ra­ne die am Ufer gra­de Krach machen und ergöt­zen uns an unse­rem Glück. Apro­pos Glück — Eul­chen fin­det einen aus­ge­trock­ne­ten, ske­let­tier­ten Zehn­fuß-Krebs. Der Ohrid­see ist eins der ältes­ten Still­ge­wäs­ser der Welt und exis­tiert unver­än­dert seit 5–2 Mio. Jah­ren. Rund 200 nur hier (ende­mi­sche) leben­de Tier­ar­ten stel­len die höchs­te ende­mi­sche Tier­ar­ten-Dich­te WELTWEIT dar. Für uns ein schö­nes Sou­ve­nir … hof­fent­lich kommt er heil zu Hau­se an.
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Die Kor­mo­ra­ne las­sen uns nicht sehr dicht an sich her­an. Der Auf­pas­ser schlägt Alarm als wir noch meter­weit weg sind — komisch, die hin und wie­der vor­bei fah­ren­den Autos, stö­ren die “Ban­de” nicht. Trotz­dem erfreu­en wir unse­re Her­zen mit dem Anblick die­ser wun­der­schö­nen Vögel.

Zurück im Hotel spei­sen wir fürst­lich, auf der Ter­ras­se unser ers­tes alba­ni­sches Früh­stück. Die Son­ne strahlt auf die Köst­lich­kei­ten … Ome­lett, Zie­gen­kä­se und Salat. Plötz­lich springt das Eul­chen auf und ver­schwin­det samt unse­ren Foto­ap­pa­rat — wir bekom­men Besuch von einer Schafs Her­de. Der Rabe hät­te es fast über­se­hen. Wie­der ein “guten Tag” auf alba­nisch —  mirëm­ëng­je­si — und der Schä­fer macht für die Köni­gin sogar eine Reit­ein­la­ge auf einem sei­ner Woll-Knäu­els.

Win­ke-win­ke und auch wir müs­sen wei­ter … die Regi­on um Kor­ca war­tet auf uns.
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Dardhe — “The Village” — eine Liebe — eine Freundschaft

Pogradec — Voskopoje

Nach dem lecke­ren Natur­früh­stück ver­las­sen wir das Lake-Park und den Ohrid­see. Ent­lang der Ufer­stra­ße kom­men wir ins nah gele­ge­ne Pogra­dec — die größ­te Stadt auf der alba­ni­schen Sei­te des Ohrid. Mit 20 Tau­send Ein­woh­nern eher eine Klein­stadt — aber in der Sai­son vol­ler Tou­ris­ten.

Auch heu­te noch macht der Alba­ner Urlaub im eige­nen Land — nicht vie­le kön­nen sich einen Aus­lands­ur­laub leis­ten. Wir behaup­ten, die Meis­ten ken­nen sowas wie Urlaub gar nicht. Pogra­dec ver­sprüht den Charme einer sta­li­nis­ti­schen Klein­stadt getrie­ben vom osma­ni­schen Trei­ben. Wie über­all im Land gibt es mehr Cafés als Bewoh­ner 🙂 und in jeder klei­nen Abstell­kam­mer wir irgend­et­was ver­kauft. Alles bunt und quir­lig. Auf städ­ti­sches Gewühl haben wir kei­ne Lust und so bie­gen wir auf der SH101 ins Land ab. Unser Ziel — das klei­ne Dorf Ship­skë gele­gen auf einer Berg­sei­te, ca. 1 400 m ü.d.M., 25 km süd­öst­lich der Stadt Kor­çë. Um Ship­ske zu errei­chen muss man den Ort Vosko­po­je pas­sie­ren. Heu­te ein ver­schla­fe­nes Nest — war es einst ein bedeu­ten­des Zen­trum bei­der Reli­gio­nen sowie der Wis­sen­schaft und Kul­tur. In der Blü­te­zeit gab es hier 26 Kir­chen — heu­te bestehen noch fünf davon. In der Stadt wur­de 1720 eine der ers­ten Dru­cke­rei­en des Bal­kans ein­ge­rich­tet. 1744 wur­de mit der Neu­en Aka­de­mie, die ein­zi­ge christ­li­che Hoch­schu­le im Osma­ni­schen Reich begrün­det. 1770 ist in Vosko­po­ja das ers­te Wör­ter­buch vier moder­ner Bal­kan-Spra­chen (Grie­chisch, Alba­nisch, Aro­mu­nisch und Bul­ga­risch) erschie­nen. Das im 18. Jahr­hun­dert gegrün­de­tes Wai­sen­haus Orphan­o­dioi­ke­ter­ion war viel­leicht das ers­te in der post-byzan­ti­ni­schen ortho­do­xen Welt. All das ist aber lang her.

Shipske — Kishae Shen Gjergjit

Bis Vosko­po­je führt noch eine, ihren Namen ver­die­nen­de, STRAßE. Ab da beginnt unser Alba­ni­en-Aben­teu­er. Nach Ship­ske, auf 1250 m ü.d. M. führt steil berg­auf, ein hüge­li­ger und gelö­cher­ter Weg, end­lo­se Kur­ven, Abzwei­ge und ein anti­kes Via­dukt.

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Wir ent­de­cken einen gewal­ti­gen in den Fels gear­bei­te­ten Bun­ker den der Rabe unter­su­chen muss. Allein die Tür aus 15cm mas­si­ven Stahls muss­te von meh­re­ren Män­nern betä­tigt wer­den.

Es sind aus der Bier­stadt Korce “nur” 25 Kilo­me­ter dahin — den­noch brau­chen wir fast 90 Minu­ten bis zur Kishae Shen Gje­rg­jit. Die Kir­che des hei­li­gen Georg auf 1300 m. ü. d. M. ist wohl die schöns­te in ganz Alba­ni­en.

Wie es sich raus­stellt — war sie es ein­mal … die Schöns­te im gan­zen Land. Nach einer 1996 ver­üb­ten wandali­schen Tat drei­er Jugend­li­cher, von isla­mi­schen Extre­mis­ten ange­lei­tet, auf die nah­ge­le­ge­ne Kir­che des hei­li­gen Micha­el — bei der Fres­ken aus dem 16. Jh. Zer­stört wor­den sind, wur­den die kost­ba­ren Fres­ken der Kir­che des Hei­li­gen Georg nach Tira­na über­führt. Nur eini­ge sind in den Mau­ern Nder Kir­che geblie­ben. Lei­der pas­sier­te es viel zu spät. Noch zwei Mal wur­de in das ein­zig­ar­ti­ge Got­tes­haus ein­ge­bro­chen und unter ande­rem 2009 das Kreuz des Dra­chen, wel­ches einen unschätz­ba­ren Wert hat, gestoh­len. (Bild dar­un­ter)

So haben wir das Got­tes­haus erlebt


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… und so sah es noch vor 2–3 Jah­ren drin aus


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Scha­de .… immer noch ein atem­be­rau­ben­der Anblick aber lei­der nur noch ein Teil der ursprüng­li­chen Schön­heit. Wir sind trotz­dem tief beein­druckt.

Dardhe — “The Village”

Wir ver­las­sen Ship­ske auf dem­sel­ben Pfad auf dem wir gekom­men sind, que­ren die SH101 und “klet­tern” erneut in fast Schritt­ge­schwin­dig­keit die Ser­pen­ti­nen zu dem auf  1300 m gele­ge­nem Dard­hë hin­auf. Ein  ver­schla­fe­nes, ein­sa­mes, in mit­ten von Ber­gen gele­ge­nes Dorf. Ein Regen­bo­gen ein­zig­ar­tig bunt begrüßt uns am Orts­ein­gang — vie­le wei­te­re bil­den sich wei­ter bin­nen der nächs­ten Stun­de. Dar­un­ter einer mit mehr Far­ben als wir je in einem Regen­bo­gen gese­hen haben — magisch.

Die Fahrt schon wird zu Aben­teu­er. “Geblen­det” von Goog­lë Mëps pas­sie­ren wir die die Dorf­mit­te ohne sie erkannt zu haben “klet­tern” mit unse­rem wei­ßen Fabia wei­ter abwärts — nur noch über Stein­bro­cken bis eine Schlamm-Kuh­le uns an die Fest­fahr-Erfah­rung im Rie­sen­ge­bir­ge erin­nert. Zum Glück kann der Rabe, eini­ge Meter wei­ter oben, wie­der wen­den und  nach eini­gen def­ti­gen Schlä­gen gegen den Unter­bo­den und einer Rutsch­par­tie haben wir wie­der mit­tel­al­ter­li­ches Pflas­ter unter den Rei­fen.

Des Raben’s Lau­ne sinkt mit jeder Qua­drans (für Nicht­la­tei­ner — Vier­tel­stun­de) als das Schick­sal uns die Taver­na Ili­ri offe­riert. Ein Stein­haus wie über­all im Dorf aber an einem Rekla­me­schild und Tischen außen, als Schen­ke erkenn­bar. Wir betre­ten das Lokal, wer­den neu­gie­rig von Dorf­be­woh­nern beäugt, grü­ßen auf Alba­nisch und fra­gen auf Eng­lisch ob wir drau­ßen sit­zen dür­fen. Es ist unser drit­ter Tag in Alba­ni­en — noch “trau­en” wir uns nicht, ein­fach so in die Gemein­schaft zu “plat­zen” .… es wird bald bes­ser:)

Wir bestel­len wei­ße, gebra­te­ne Rie­sen­boh­nen, Meet­balls, Salat, Kebab und natür­lich Kor­ca Beer, alles zusam­men 10 €. Der Chef spricht etwas Eng­lisch — wir scher­zen gegen­sei­tig, der Rabe ver­schenkt ein Ziga­ril­lo — trotz stei­ner­ner Mie­ne wirkt der Mann sym­pa­thisch. Wäh­rend des Essens erlie­gen wir dem Zau­ber die­ses Dor­fes.


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Wie in “The Vil­la­ge” schei­nen die stei­ner­nen Gebäu­de alle­samt ver­las­sen zu sein. Ein ein­zi­ger alter Mann spa­ziert bereits das  zigs­te Mal an uns vor­bei (er half uns kurz vor­her eine Stein­trep­pe mit dem Auto zu über­win­den), ein Ande­rer, jün­ge­rer Mann fragt uns schon aus­ser­halb des Dor­fes nach der Uhr­zeit und läuft, wie fern­ge­lenkt, ohne eine Mie­ne zu ver­zie­hen, wei­ter. Ein wei­te­rer Regen­bo­gen scheint uns sagen zu wol­len “bleibt, bleibt hier”.

Nach kur­zem “Kriegs­rat” beschlie­ßen wir über Nacht hier zu blei­ben.

Der Besit­zer zeigt uns unser Apart­ment, zwei gro­ße Zim­mer, Platz zu Schla­fen für 6 Per­so­nen, Küche, Bad, eine gro­ße Ter­ras­se  … was will man mehr — und das alles für 3000 Lek ~21 €. Wir wer­den immer tie­fer in den Bann die­ses Ortes gezo­gen. Ein Spa­zier­gang durch die engen, stei­len Gäss­chen ver­tieft die­ses selt­sa­me Emp­fin­den von Wohl­fühl  und Urge­müt­lich­keit. Nichts des­to trotz, sind wir müde. Noch ein paar Grü­ße in die Hei­mat, seit Frank­furt haben wir zum ers­ten Mal wie­der Inter­net, und wir fal­len in die Bet­ten. Vor­her kos­ten wir aber noch den im Ort gebrau­ten Apple-Raki — ein Muß in Darhe. Hier heiß übri­gens jeder Schnapps Raki — aber der aus Dard­he schmeckt wirk­lich lecker. Wir lie­gen lan­ge wach unter den Ein­drü­cken die­ser Natur, des Ortes und sei­ner Men­schen. Schließ­lich betre­ten wir die Gren­ze vom Traum­land ins Traum­land und schla­fen fest bis zum nächs­ten Mor­gen.

Wir haben uns in Dard­he ver­liebt!

Geweckt wer­den wir von Geräu­schen in der Gast­stu­be unter uns. Ein Feu­er wird ange­schürt, Stüh­le etwas gerückt, Geschirr klap­pert, schein­bar der ein­zi­ge Fern­se­her im Ort beweist mit lei­ser Musik sei­ne Nütz­lich­keit.

Wir bege­ben uns von Neu­gier­de getrie­ben in den Gast­raum. Es wird auf­ge­ta­felt … und erklärt .. wir haben einen Weg zu kom­mu­ni­zie­ren gefun­den. Goog­le­trans­la­ter machts mög­lich. Wir bekom­men also Zie­gen­kä­se, einen Gemü­se­saft der im Ort gebraut wird, selbst geba­cke­nes Weis­brot, Toma­ten, Gur­ken, Eier und Gli­ko … in Gelee ein­ge­leg­te wil­de Fei­gen … leeeeecker.

Auch wir haben Tau­send Fra­gen. Wir sto­ßen auf Du an und erfah­ren vom Ardi, dem Besit­zer, alles was wir nur wis­sen möch­ten. Ardi ist ein Fan der deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft und von Bay­ern Mün­chen. Ardi ist auch ein ein­ge­fleisch­ter Hard­Rock-Fan — da klappt die Ver­stän­di­gung mit dem Raben gleich noch­mal so gut. Er spielt uns AC/DC, Ali­ce Coo­per, Whites­na­ke und nach­dem wir ihm unser Foto mit den Scor­pi­ons zei­gen, auch deren Wer­ke:) Ardi erzählt uns, dass es zwar vie­le Häu­ser in Dard­he gibt aber, außer in der Sai­son,  nur etwa 20 Men­schen in dem Dorf leben .. und die Meis­ten tref­fen sich irgend­wann am Tag hier in sei­nem Restau­rant. Ardi ist so glück­lich, dass er sogar sei­nen Freund in der Nähe von Ham­burg anruft — Peter, so heißt er, spricht per­fekt Alba­nisch und Deutsch, wir unter­hal­ten uns eine Wei­le. Ande­re Gäs­te — Dorf­be­woh­ner lächeln uns zu. Wir kön­nen die Herz­lich­keit und Ehr­lich­keit die­ser Men­schen spü­ren.  Ardi zeigt uns stolz Fotos mit sei­nem Freund Dani­el Godel­li — einem in Ame­ri­ka leben­den, alba­ni­schen Welt­meis­ter im Gewicht­he­ben. Die­ser kommt regel­mä­ßig nach Dard­he um in Ruhe zu trai­nie­ren. Auch der Öster­rei­chi­sche Bot­schaf­ter war schon mal beim Ardi. Wir müs­sen auch drin­gend die fri­sche Zie­gen­milch kos­ten — direkt vom Ofen. Aus Höf­lich­keit kos­ten wir und .…. wer­den abso­lut umge­hau­en. D A S ist Milch. In keins­ter Wei­se erin­nert sie an das 3%ige wei­ße (angeb­lich Kuh) Was­ser aus der deut­schen Kauf­hal­le. Schmack­haft, leicht süß glei­tet sie unse­re Keh­len nebst dem Raki, den Ardi zu Amsto­ßen gebracht hat, run­ter. Eine klei­ne Freund­schaft spriest gra­de aus den deutsch-schle­sisch-alba­ni­schen Her­zen. Wir wol­len fast nicht weg aus die­sem zau­ber­haf­ten Ort.

Aber wir müs­sen — wir wol­len doch noch so viel sehen … noch vie­le net­te, offe­ne, neu­gie­ri­ge Men­schen ken­nen­ler­nen.

Ardi, es war herrlich in Dardhe, es war wunderschön bei Dir.
Wir kommen irgendwann bestimmt wieder — versprochen!!!

Übri­gens — Dein Geschenk schmeckt lecker — dan­ke Ardi:)

Korcë — das Paris Albaniens

Die Zeit ver­geht viel zu schnell. Am liebs­ten wür­den wir viel län­ger in Dard­he blei­ben aber wir wol­len mehr. Mehr von die­sem Wun­der vol­len (kein Feh­ler!!! 😉 Land sehen. Wir ver­ab­schie­den uns von Ardi und den anwe­sen­den Dorf­be­woh­nern und steu­ern unse­ren Fabia die Ser­pen­ti­nen dies­mal run­ter.

Ihre Eulen­tät möch­te das Hotel unse­rer heu­ti­gen Über­nach­tung vor dem Start zum Sight­see­ing bezie­hen. Ein tak­tisch-stra­te­gi­scher Feh­ler wie sich raus­stel­len soll­te. Mein Nacht­jä­ger hat wahr­haf­tig nachts im Boo­king gejagt und hat sich von Fotos einer pom­pö­sen Sui­te “blen­den” las­sen. Das Gold-Hotel ist ein klei­nes aber fei­nes Gar­ni mit ordent­li­chen Stan­dard­zim­mern aber eben die­ser Stan­dard ist irgend­wie ohne Charme.

Unse­res Nacht­la­gers sicher (11:30 bezahlt und bezo­gen) star­ten wir zu Bir­ra Kor­ça — der ältes­ten Braue­rei des Lan­des. 1928 von EINEM Ita­lie­ner gegrün­det — stel­len wir uns eine klei­ne, alte, pri­va­te Brau­stät­te vor, die wir natür­lich besich­ti­gen wol­len. Aber wie schon Kon­fu­zi­us sag­te — “wer lesen kann ist klar im Vor­teil”. Hät­ten wir den Auf­klä­rungs­trupp unter Leut­nant Goog­lë vor­her aus­spä­hen las­sen — wür­den wir wis­sen, dass es sich um eine gro­ße, hoch­mo­der­ne Braue­rei mit deut­schem und ita­lie­ni­schem Know-how han­delt. Davor ste­hend ver­zich­ten wir auf Indus­trie-Tou­ris­mus und ent­schei­den doch lie­ber alte Kno­chen sehen zu wol­len.

Kamenicë Tumulus — ein cooler (antiker) Friedhof

Kei­ne 10 Kilo­me­ter von Kor­cë weg liegt das Dorf Kamenicë. Dort wie­der­um befin­det sich der Kameni­ca Tumu­lus — einer der bedeu­tends­ten Archäo­lo­gi­schen Fun­de Alba­ni­ens. Bin­nen weni­gen Minu­ten errei­chen wir  die Kno­chen-Ruhe­stät­te. Ein Tumu­lus ist ein Hügel­grab … eher unspek­ta­ku­lär. Die­ser wird dann doch inter­es­sant und sehens­wert.

Ein paar Minu­ten nach dem wir das men­schen­lee­re Gelän­de betre­ten kommt aus dem Dorf ein sehr freund­li­cher Mann auf uns zu, schließt den höl­zer­ne  Por­ti­kus (Säu­len­hal­le) auf und deu­tet uns, dass wir uns umse­hen kön­nen. Eine klei­ne Aus­stel­lung mit Tafeln, einem Film und bei Aus­gra­bun­gen gefun­de­nen Arte­fak­ten ver­deut­licht sehr bild­haft was das Beson­de­re an die­sem (eigent­lich) Grab-Hügel ist.

Der Tumu­lus von Kameni­ca ist das größ­te und mit Abstand bedeu­tends­te von über 200 Hügel­grä­bern auf dem Bal­kan. Über 400 Grä­ber, 440 Ske­let­te und 3500 archäo­lo­gi­sche Objek­te wur­den hier gefun­den. Die zen­tra­le Grab, das in die Bron­ze­zeit zurück­reicht wird von zwei gro­ßen kon­zen­tri­schen Krei­sen anders als alle ande­ren Grab­hü­geln in Alba­ni­en ent­deckt umge­ben. Der Tumu­lus wuchs auf 40 Grä­bern in der spä­ten Bron­ze­zeit und bis 200 in der frü­hen Eisen­zeit und wei­ter.

Vor kur­zem haben Archäo­lo­gen in einem der Grä­ber das Ske­lett einer schwan­ge­ren Frau und ihr unge­bo­re­nes Kind aus dem Jahr 3000 vor Chris­tus gefun­den. Sehr beein­dru­ckend ist auch die Dar­stel­lung der Ope­ra­ti­on eines männ­li­chen Schä­dels, im 6. Jahr­hun­dert vor Chris­tus, die das fort­schritt­li­che medi­zi­ni­sche Wis­sen in die­ser Zeit belegt.

Mit dem Wis­sen aus der Aus­stel­lung bege­hen wir dann in aller Ruhe und ganz allein, den Mann haben wir ver­ab­schie­det, die Anla­ge. Irgend­wie brei­tet sich eine magi­sche Aura um die Stät­te aus … der mensch­li­che Kopf ist pri­ma Film­pro­jek­tor😀😀😀 Ein selt­sa­mes Gefühl auf einem stein­zeit­li­chen Fried­hof zu spa­zie­ren … auf jeden Fall den Besuch wert.

Han i Elbasanit und Basar

Wir keh­ren zurück in „die Wie­ge der alba­ni­schen Kul­tur“ oder „das Paris Alba­ni­ens“ wie Kor­ca auch bezeich­net wird. Die Stadt­ar­chi­tek­tur mit ihren osma­ni­schen und fran­zö­si­schen Ein­flüs­sen, den brei­ten, von Bäu­men gesäum­ten Bou­le­vards und den üppi­gen Park­an­la­gen sowie den Stadt­märk­ten, Monu­men­ten, Mosche­en und Kir­chen macht Kor­ça zu einer beson­de­ren Sel­ten­heit in Alba­ni­en. Soweit Wiki­pe­dia – wir kön­nen es erst nicht gänz­lich nach­voll­zie­hen. Es ist unse­re ers­te „grö­ße­re“ Stadt die wir in die­sem Land besu­chen. Vie­le Blogs beschrei­ben sie als ein abso­lu­tes „must see“ … haupt­säch­lich wegen der „Alt­stadt“, dem Basar und wegen Han i Elba­sa­nit – einer Kara­van­se­rei aus dem 18. Jahr­hun­dert – die aber in einem mise­ra­blen Zustand ist.

Das Gebäu­de umgibt einen fünf­ecki­gen Innen­hof mit Brun­nen. Die­ser dien­te als Stand­platz für Pfer­de und als Markt. Das Erd­ge­schoss dien­te als Lager­raum. Dar­über befin­det sich eine höl­zer­ne Gale­rie mit Zugang zu den Kam­mern. Letz­te­re sind noch bedingt als Unter­kunft nutz­bar. Rund her­um wird gehan­delt .. mit Allem was das Herz begehrt.

     

Die Atmo­sphä­re des Ori­ents ist spür­bar. Den­noch beein­druckt uns das Bild wenig.

City und Kathedrale

Wir zie­hen es vor einen Kaf­fee am Bule­var­di Shën Gje­rg­ji, der „Protz­mei­le“ von Korce, zu trin­ken. Sei­ne bei­den Enden wer­den von mar­kan­ten Bau­ten begrenzt. An einem ein sehr futu­ris­ti­sche Turm­bau, mit einem Aus­sicht­s­ca­fe und am ande­ren (über den Bule­var­di Repu­bli­ka) die Kathe­dra­le ‚Auf­er­ste­hung Chris­ti‘ — Kate­dral­ja “Ngjall­ja e Krish­tit” — ein byzan­ti­ni­scher Neu­bau.


An ihrer Stel­le lag seit dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert die Sankt-Georgs-Kathe­dra­le, jene wur­de 1967 im Zuge der anti­re­li­giö­sen und athe­is­ti­schen Poli­tik Enver Hoxhas vom dama­li­gen kom­mu­nis­ti­schen Staat zer­stört. Der Turm reizt uns nicht – wir ent­schei­den und für die Kir­che. Ein Pracht­bau mit beein­dru­cken­den Wand­ma­le­rei­en und prunk­vol­ler Aus­stat­tung — nichts ver­rät, dass der Bau kei­ne 25 Jah­re alt ist. Mög­lich mach­te es die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Grie­chi­schen Staa­tes .… da hat­ten Sie noch biss­chen Geld:-)
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Lecker Essen

Den Ohrid-See und Dard­he kann Korce auch mit sei­nem, zuge­ge­be­ner Maßen köst­li­chen, Bier (wir fin­den eines der Bes­ten welt­weit) irgend­wie nicht top­pen. Der Tag MUSS drin­gend geret­tet wer­den. Dies­mal dik­tiert der Rabe die Fut­ter­stel­le – und dul­det kei­ne Wider­re­de. „Vil­la Cofiel“ liegt etwas abseits des Zen­trums – wir bemü­hen den Fabia und wer­den ver­zau­bert.

Uhrig tra­di­tio­nell ein­ge­rich­tet mit typisch alba­ni­schen Spei­sen, per­fek­ten Ser­vice und köst­li­chen Wein – las­sen wir es uns schme­cken … beson­ders die „four sau­ces“ – vier .. ja was eigent­lich … vier Dip’s von scharf, über exo­tisch bis ori­en­ta­lisch ….ein­fach ein Gedicht.

Nobel geht die Welt .…. 

Der Tag war bereits halb geret­tet – um ihn ganz zu ret­ten wech­seln wir in unse­rem (Gold) Hotel in die teu­ers­te Sui­te des Hau­ses. Die extra­va­gan­te Edel­sui­te im obers­ten Stock, mit einem edlen Bad und einem 10 Meter Ban­kon kos­tet uns deka­den­te 40€ …… Wahn­sinn. Das Tag ist nun offi­zi­ell geret­tet. Die Eul­sche Majes­tät nimmt ein hei­ßes Bad, der Rabe genießt eine Zigar­re und Rot­wein über den Dächern Korca’s …


die Spiel­wie­se hält was sie auf Bil­dern ver­spricht … das Leben ist so schöööööön.

Shën Ilia — Hausberg, Kapelle, Kreuz

Wir schla­fen gut und lan­ge – auf Früh­stück im Hotel ver­zich­ten wir. Ein Geheim-Tipp lockt uns, aus zu recht frü­hen Stun­de, aus der Stadt. Auf dem Berg, zu des­sen Füßen die Stadt liegt, steht ein gewal­ti­ges Beton-Kreuz (auch ein Wahr­zei­chen Kor­cas) und eine klei­ne Kapel­le, die Shën Ilia.

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Eine lan­ge kur­vi­ge Stra­ße führt auf 1300 m.ü.d.M.wo sie vor dem „Res­torant La Mon­ta­gna“ endet und von wo aus man die, noch paar Meter höher gele­ge­nen, Sehens­wür­dig­kei­ten erlau­fen kann. Was für ein Aus­blick … das Pan­ora­ma wun­der­schön.

Vor dem kur­zen Marsch stär­ken wir uns aber im „La Mon­ta­gna“. Etwas zu essen gibt es zwar erst ab um 9:00 Uhr (geöf­fent ist ab 7:00) aber der net­te Kell­ner bringt uns kurz nach halb neun schon mal ordent­li­chen alba­ni­schen Kaf­fee, einen Tee und genießt gemein­sam mit dem Raben einen bel­gi­schen Ziga­ril­lo. Das stört kei­nen der übri­gen Alba­ner .. was die um die­se Zeit auf die­sem ein­sa­men Hügel wol­len – wis­sen wir bis heut nicht. Tou­ris­ten sind es nicht. Punkt 9 wird das Früh­stück ser­viert … wie immer aus­schließ­lich frisch und aus der Regi­on. Die­se Stär­kung wer­den wir auf der heu­ti­gen Fahrt drin­gend benö­ti­gen.

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Nach dem Essen schau­en wir uns noch schnell die gewal­ti­ge Invest-Rui­ne neben­an. Es soll­te sicher ein gr0ßes Hotels wer­den. Inter­es­sant ist die fast sta­li­nis­ti­sche Fun­da­ment-Archi­tek­tur. Das unfer­ti­ge Hotel steht auf einem rie­si­gen, fla­chen Gebäu­de des­sen Dach gleich­zei­tig Park­platz und Fun­da­ment ist …. Höchst inter­es­sant.

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Kurz dar­auf sagen wir „bye, bye Korce“ und begin­nen die fan­tas­tischs­te Berg­über­que­rung unse­res Lebens.