Transsylvanien — Walachei — Kreisch .… eine rumänische Liebelei

War­um denn da hin, es gibt doch schö­ne­re Orte” … so die Kom­men­ta­re mei­ner Mama, von Freun­den, Bekann­ten und Kol­le­gin­nen, als ich von unse­rem neu­en Urlaubs­ziel erzählt habe. Zuge­ge­ben ein wenig Skep­sis war auch bei mir da.…am Anfang. Dann habe ich pri­va­te Blogs gele­sen und Doku­men­ta­tio­nen geschaut und dann war mei­ne  Neu­gier auf Land und Men­schen, mei­ne Aben­teu­er­lust ein­fach grö­ßer. Ich hat­te kei­ne Erwar­tun­gen. Oder viel­leicht doch … so viel  Natur und Tie­re wie mög­lich und so wenig Men­schen wie mög­lich.

Ruhe und Schö­nes für die See­le. Mit der Ankunft in Buka­rest war die­ses woh­li­ge Gefühl da — Frei­heit. Los­fah­ren mit dem Miet­au­to, die Freu­de ist groß, ein wei­ßer, fast neu­er Dacia Dus­ter. Die ers­te Unter­kunft natür­lich tra­di­tio­nell. Ers­tes Abend­essen, frisch ein­ge­kauft:  Weißbrot,Tomaten, Zwie­bel, Wurst, Zie­gen­kä­se, eine Büch­se Bier, dazu bekom­men wir spon­tan von unse­rer Gast­ge­be­rin eine Fla­sche Palin­ka (der typisch rumä­ni­sche Obst­ler). Jeder Tag gleicht hier einen Aus­flug ins Para­dies — soviel Ein­drü­cke — unbe­rühr­te Natur, ein­sa­me Wan­der­we­ge, rie­si­ge Schaf-, Kuh-, und Zie­gen­her­den, ver­schla­fe­ne Dörf­chen mit klei­nen bun­ten Häuschen,Storchennester wie auf eine Schnur auf­ge­fä­delt, bun­te Wie­sen, plät­schern­de Flüs­se, geheim­nis­vol­le Klös­ter, Mys­te­riö­ses, schick­sal­haf­te Begeg­nun­gen, stei­le Ber­ge, Bären in frei­er Wild­bahn. Hun­de, die sich spon­tan unse­ren Wan­de­run­gen anschlie­ßen oder unse­ren Schlaf auf abge­schie­den Bau­ern­hö­fen bewa­chen.

Es scheint fast unmög­lich, dass der nächs­te Tag genau­so schön wird. Und dann sind da noch die Men­schen. Die täg­li­che, har­te Arbeit ist ihnen ins Gesicht geschrie­ben. Gegerb­te Haut und Fal­ten, die vom Leben erzäh­len. Ihre Gast­freund­schaft so herz­lich, genau­so wie die Freu­de uns Frem­de begrü­ßen zu kön­nen. Da gibt es eine Ein­la­dung mit einen Pfer­de­fuhr­werk das Dorf zu erkun­den eben­so wie noch war­me frisch geleg­te  Eier zum Früh­stück. Für mich kann kein Urlaub in einem 5-Ster­ne-Luxus-Hotel die­se Glücks­ge­füh­le erset­zen. Eins sein mit die­sen Men­schen und der Natur. Wie wenig braucht man doch um glück­lich zu sein! Welch Geschenk ist es so etwas Schö­nes erle­ben zu dür­fen!

Ein bunter Vogel wird 50 — Zeit für ein Resümee

Fünf Deka­den oder, klingt gewal­ti­ger, ein hal­bes Jahr­hun­dert gibt’s den Raben bereits auf die­sem Pla­ne­ten. Für einen selbst eigent­lich kein Grund zum fei­ern. Wir fei­ern und genie­ßen jeden Tag … war­um also die­sen beson­ders. Wenn der Jubi­lar wenigs­tens von sei­nen Liebs­ten über­rascht wer­den wür­de … mit einem Ständ­chen, lie­ben Wor­ten, einer Ein­la­dung oder einer klei­nen Über­ra­schungs­fei­er … wie man es in (aus­län­di­schen) Fil­men sieht.

Obi­ge PUR-Ode ans Älter­wer­den haben wir eine Zeit lang als Ständ­chen unse­ren Freun­den und Fami­lie zu Geburts­ta­gen geschickt. Ich den­ke die meis­ten haben sich über den bun­ten Hut mit Ker­zen und die zwei Hof­nar­ren amü­siert, wenn sie es nicht gar pein­lich fan­den. Über den Text hat sich wahr­schein­lich nie­mand Gedan­ken gemacht … hier ein Ver­such:)

Es ist noch nicht lange her da
“Ich seh mich noch suchen meinen Platz in der Welt”.

Oft der Exot, manch­mal hin­ter­rücks belä­chelt, meist unver­stan­den. Oft ange­passt, manch­mal unter­drückt, meist unglück­lich. Schon in der Schu­le fiel ich aus der Rei­he … bestimmt nicht durch däm­li­chen Scha­ber­nack oder Kraft­meie­rei. In der Puber­tät ers­te Revol­te … gegen die Mut­ter. Dann ers­te Flucht … in Unab­hän­gig­keit und freie­res Den­ken. Ers­te Aus­brü­che … Abson­de­rung durch (Klei­dungs- und Musik) Still. Nur nicht zur grau­en Mas­se gehö­ren.

Bald dar­auf wie­der gefan­gen … in Uni­form und Erzeu­gerer­war­tun­gen. In der Jugend fes­tigt sich das Rebel­len­herz und der Gerech­tig­keits­sinn.

Dann meine Runden auf dem Mofa gedreht
Erster Kuß, erste Krise
wie schnell die Zeit vergeht”

Die längs­te und teu­ers­te Lek­ti­on auf der Schul­bank des Lebens folgt als­bald — All­wis­sen­heit ersetzt kei­ne Erfah­rung …  und wie­der im (Haus)Arrest der gesell­schaft­li­chen Zwän­ge. Aber Selbst­be­wusst­sein und Wider­stand wach­sen bis die Anpas­sungs­fä­hig­keit zer­bricht. Ich will nicht jam­mern. Es waren …

Viele 1000 Momente in die Zeit gerafft
Ich wünsch mir noch mehr davon, mehr noch
Hab besser kapiert, was mich glücklich macht
Was mich echt nicht kümmern muß”

Und dann “Freun­de” — die Meis­ten mit Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen … per­sön­li­chen, mora­li­schen. Wie­der Anpas­sung sonst Unver­ständ­nis. Der Druck wird uner­träg­lich. Aner­ken­nung und Bestä­ti­gung nur durch mate­ri­el­le Zuge­hö­rig­keit und folg­sa­mes Grup­pen­ge­fühl. Die letz­te Bas­ti­on fällt.

Ich sah viele kommen
ich sah viele geh´n
Sah viele umfallen,
Ich blieb meistens steh’n”

Logi­sche Kon­se­quenz … Aus­bruch um jeden Preis. Ein Neu­an­fang, die Wen­de … dies­mal mit viel mehr Erfah­rung .. die Weis­heit über Bord gewor­fen. Das Gefühl zählt … die Lie­be und nicht Ver­nunft. Gut ist was sich gut anfühlt … dafür lohnt es sich zu schuf­ten … nicht für (bin­nen Sekun­den) wert­lo­se Zah­len.

Und dann noch ein Quänt­chen Glück. Da muss der Rabe fast einen Zent­ner Jah­re auf sei­nem Tacho haben, bis er sei­nen Platz in der Welt gefun­den hat, und zwar neben sei­ner Eule. Heu­te spie­len Anpas­sung, Unter­ord­nung, frem­de Erwar­tun­gen oder irgend­wel­che Zwän­ge, kei­ne Rol­le mehr.

Wir feiern jede neue Falte, die nötig war
jedes allzufrüh ausgefallene Haar
Wir feiern jeden guten Vorsatz; ein hübscher Brauch

Und jeden guten Ansatz, ob Glatze, ob Bauch

Auch an den allerschönsten Körpern nagt
Der Weisheitszahn der Zeit
Für wahr — die Jugend ist vergänglich, das Alter wächst
Und das zu feiern, ist der schönste Zeitvertreib”

Das Vogel­par­la­ment hat über Mona­te immer wie­der getagt … bis sich der Wald gelich­tet hat. Am heu­ti­gen Tag hät­ten ganz vie­le bun­te Vögel für Über­ra­schun­gen sor­gen kön­nen … aber sie sind nicht bunt. Man­che nicht mehr, man­che waren es nie. Jeden­falls
“All die, die mich mögen haben an mich gedacht” und eini­ge weni­ge haben die wei­te Anrei­se in unser “gelob­tes” Land auf sich genom­men und ver­brach­ten mit uns ein wun­der­schö­nes Wee­kend.

Ihre Majes­tät, die Eulen­kö­ni­gin, litt in der frei­täg­li­chen Berg­luft etwas unter Ver­gess­lich­keit.  Völ­lig des­il­lu­sio­niert und über­rascht kon­sta­tier­te sie die nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren  in einem auf 800m gele­ge­nem Berg­ort im Herbst mit -“ich hab kei­ne Schu­he”. Der Rabe nutz­te die Fort­dau­er eul­scher Irri­ta­ti­on und genoß mit all sei­nen Sin­nen, ihre Annah­me — es wäre bereits der Tag des Raben­schlupfs ange­bro­chen.;)))

Wegen die­ses in den Ber­gen völ­lig UNERWARTETEN Herbst­wet­ters, fiel die geplan­te Schnee­kop­pen­be­stei­gung aus. Scha­de, genau am 15. Sep­tem­ber vor 227 Jah­ren, erober­te unser Dich­ter­fürst, J.W. Goe­the, die Schnee­kop­pe … ob er wohl war­me Schu­he hat­te?;))) Wir haben den Tag trotz­dem nett ver­bracht. Gegen Abend stie­ßen ganz beson­ders lie­be See­len zu uns. Lecke­res Essen, unter ande­rem wie Schnit­zel zube­rei­te­te Dra­chen­pil­ze, und Gesprä­che bis in die Nacht sorg­ten für das schwin­den der ers­ten BSE-Sym­pto­me bei der Eulen­tät. Am Jubi­lä­ums-tag erin­ner­te sie sich wohl an sport­li­che Höchst­leis­tun­gen vom ver­gan­ge­nen Mor­gen — scha­de lei­der kein Alz­hei­mer — somit kei­ne Wie­der­ho­lung;))))

Alles was Wochen­lang hin­ter Raben’s Rücken gemau­schelt wur­de ergab plötz­lich einen per­fek­ten Sinn. Ich wur­de über­rascht, und das mehr­mals. Mit einem cho­ra­len Ständ­chen, mit einem sehr lie­be­voll geschmück­ten Tisch im Jagd­sa­lon des Hotels und mit Geschen­ken. Ein Geschenk aus der säch­si­schen Haupt­stadt hat in der Erstel­lung sicher Stun­den ver­schlun­gen — von dem Gedan­ken jeman­dem eine emo­tio­na­le Freu­de zu machen, ganz abge­se­hen. Daaa­an­ke Euch.

Gefei­ert wur­de der Rei­he nach im “U ducha gór” (der Prä­si­den­ten Gast­stät­te), in der Bar des berühm­ten Hotels Gołę­biew­ski und im Nacht­club des sel­bi­gen. Wir tanz­ten bis spät in die Nacht … von Zwän­gen, Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen befreit. Übri­gens haben wir schon mal mit der Polo­ni­sie­rung von Deut­schen Staats­bür­gern begon­nen. Herr S aus D wur­de ein­stim­mig zum Deutsch-Pol­ni­schen inter­kul­tu­rel­len Höf­lich­keits-Beuf­trag­ten gewählt. Nach ent­spre­chen­der Ankün­di­gung dem Ser­vice­per­so­nal gegen­über durf­te er in jeder Loca­ti­on laut, deut­lich und beson­ders fei­er­lich  “dzie­ku­je­my”  — wir dan­ken — sagen (pri­ma gelernt, pri­ma Aus­spra­che;). Freu­di­ge Gesich­ter und Jubel­stür­me waren sein Dank:)

Allen ein ganz großes D A N K E — Ihr seid die Besten. 

Eigent­lich hät­te auch ein ande­rer PUR-Song­text als Leit­fa­den für die­sen, mei­nen ganz per­sön­li­chen und beson­de­ren Bei­trag her­hal­ten kön­nen.

Wo sind all die India­ner hin
wann ver­lor das gro­ße Ziel den Sinn

Die­ses alte Bild aus der Kin­der­zeit
zeigt alle Brü­der vom Stamm der Gerech­tig­keit
Wir waren bunt bemalt und mit wil­dem Schrei
stand jeder stol­ze Krie­ger den schwa­chen bei

Unser Ehren­wort war hei­lig
nur ein Bleich­ge­sicht betrog
und es waren gute Jah­re
bis der ers­te sich belog

Wo sind all die India­ner hin
wann ver­lor das gro­ße Ziel den Sinn
So wie Ching­ach­gook für das Guten stehn
als letz­ter Mohi­ka­ner unter Gei­ern nach dem Rech­ten sehn

Der „Klei­ne Büf­fel“ spielt heu­te Boß
er zog mit Papi´s Fir­ma das gro­ße Los
„Geschmei­di­ge Nat­ter“ sor­tiert die Post
und in sei­ner Frei­zeit sagt er meis­tens „Prost“

Und die Frie­dens­pfei­fe bau­melt über´m Video­ge­rät
wie­viel Träu­me dür­fen plat­zen
ohne daß man sich ver­rät

Wo sind all die India­ner hin
wann ver­lor das gro­ße Ziel den Sinn
So wie Ching­ach­gook für das Guten stehn
als letz­ter Mohi­ka­ner unter Gei­ern nach dem Rech­ten sehn

Es gib noch ein paar wenige vom Stamme der Schoschonen
die finden sich, erkennen sich am Blick
und deren gute Taten kann man nur durch Freundschaft belohnen sie nehmen ein Versprechen nie zurück”

Dan­ke mein gelieb­tes India­ner-Eul­chen, dass Du mich so liebst wie ich bin. Naw­za­jem.

Nicht in Watte gepackt und trotzdem Überlebt.

Ein W U N D E R ist geschehen und das gleich millionenfach.

Im Inter­net fan­den wir einen Text, so ganz anders und ehr­lich, dass wir ihn wie­der­ge­ben, ohne den Ver­fas­ser zu ken­nen.

Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jah­ren leb­test, ist es zurück­bli­ckend kaum zu glau­ben, dass wir so lan­ge über­le­ben konn­ten! Als Kin­der saßen wir in Autos ohne Sicher­heits­gur­te und ohne Air­bags. Unse­re Bett­chen waren ange­malt in strah­len­den Far­ben vol­ler Blei und Cad­mi­um. Ganz zu schwei­gen vom Tape­ten­leim, dem Kle­ber des Lin­ole­ums oder den PVC-Dämp­fen des Spann­tep­pichs. Die Fläsch­chen aus der Apo­the­ke konn­ten wir ohne Schwie­rig­kei­ten öff­nen, genau­so wie die Fla­sche mit Bleich­mit­tel. Steck­do­sen, Schrank­tü­ren und Schub­la­den waren noch nicht kin­der­si­cher. Mes­ser, Sche­re, Gabel und Licht wur­den uns zwar ver­bo­ten, aber meis­tens muss­ten wir uns erst ein­mal dar­an ver­let­zen, um es zu glau­ben. Unse­re
Fahr­rä­der, Rol­ler und die Roll­schu­he fuh­ren wir ohne Knie- und Arm­schüt­zer und ohne Helm.

Wir tran­ken Was­ser aus Was­ser­häh­nen und nicht aus Fla­schen. Wahn­sinn! Wir aßen fet­ti­ge Schmalz­nu­deln und frisch­ge­ba­cke­nes Brot mit fin­ger­dick But­ter drauf, dazu gab es über­zu­cker­te Limo­na­den oder künst­li­ches Sirup­was­ser. Über­mä­ßig dick gewor­den sind wir des­we­gen nicht, weil wir immer drau­ßen her­um­tob­ten. Wir haben zu fünft aus einer Limo­fla­sche getrun­ken — und es ist tat­säch­lich kei­ner dar­an gestor­ben! Wir bau­ten Wagen aus Sei­fen­kis­ten und ent­deck­ten wäh­rend der ers­ten Fahrt den Hang hin­un­ter, dass wir die Brem­sen ver­ges­sen hat­ten. Damit kamen wir nach eini­gen Unfäl­len klar. Wir ver­lie­ßen nach den Schul­ar­bei­ten das Haus zum Spie­len. Höchs­tens unter­bro­chen von Essens­pau­sen kamen wir erst wie­der heim, als es dun­kel wur­de und man den Fuß­ball nicht mehr rich­tig sehen konn­te.
Wir waren nicht zu errei­chen. Kei­ne Han­dys. Unvor­stell­bar! Wenn es reg­ne­te, spiel­ten wir bei Freun­den Mono­po­ly oder Mensch ärge­re dich nicht, Müh­le und Dame und lie­ßen Match­box-Autos in selbst­ge­bas­tel­ten Städ­ten fah­ren. Wir hat­ten kei­ne Play­sta­ti­on, Nin­ten­do, X-Box, Video­spie­le, 64 Fern­seh­ka­nä­le, Fil­me auf Video oder DVD, Sur­round-Sound, eige­ne Fern­se­her, Com­pu­ter, Inter­net-Chat-Rooms.

Wir hat­ten Freun­de. Wir gin­gen ein­fach raus und tra­fen sie auf der Stra­ße. Oder wir mar­schier­ten ein­fach zu deren Heim und klin­gel­ten. Manch­mal brauch­ten wir gar nicht klin­geln und gin­gen ein­fach hin­ein. Ohne Ter­min und ohne Wis­sen unse­rer gegen­sei­ti­gen Eltern. Kei­ner brach­te uns und kei­ner hol­te uns. Wie war das nur mög­lich? Wir haben Fuß­ball gespielt mit allem, was sich kicken ließ. Und wenn einer einen ech­ten Leder­ball hat­te, war er der King und durf­te immer mit­spie­len, egal, wie schlecht er war. Um im Ver­ein mit­spie­len zu dür­fen, gab es Auf­nah­me­prü­fun­gen, die nicht jeder bestan­den hat. Wer es nicht schaff­te, lern­te mit der Ent­täu­schung umzu­ge­hen. Wir spiel­ten Völ­ker­ball bis zum Umfal­len. Manch­mal tat es weh, wenn man abge­wor­fen wur­de. Wir sind von Bäu­men und Mau­ern gesprun­gen, haben uns geschnit­ten, auf­ge­schürft und haben uns den Arm gebro­chen, manch­mal sogar Zäh­ne aus­ge­schla­gen.

Wir hat­ten Unfäl­le!
Es waren ein­fach Unfäl­le, an denen wir schuld waren. Es gab nie­man­den, den man dafür ver­ant­wort­lich machen konn­te und viel­leicht sogar noch vor den Kadi brach­te. Wer erin­nert sich noch an Unfäl­le?
Unse­re Knie und Knö­chel waren von Früh­jahr bis Herbst lädiert. Ein Schien­bein ohne blaue Fle­cken gab es nicht.
Wenn wir uns an Brenn­nes­seln gebrannt oder uns eine Mücke gesto­chen hat­te, haben wir ent­we­der drauf­ge­spuckt oder des Nach­bars Hund drü­ber lecken las­sen oder drauf­ge­pin­kelt. Gehol­fen hat alles. Wir haben gestrit­ten, gerauft und uns geprü­gelt. Damit muss­ten wir leben, denn es inter­es­sier­te die Erwach­se­nen nicht. Wir haben Spie­le erfun­den — mit
Stö­cken und Ten­nis­bäl­len. Mit Ästen haben wir gefoch­ten, und wir haben Wür­mer geges­sen. Und die Pro­phe­zei­un­gen tra­fen nicht ein: Die Wür­mer leb­ten nicht in unse­ren Mägen für immer wei­ter, und mit den Stö­cken sta­chen wir nicht beson­ders vie­le Augen aus.

Man­che Schü­ler waren nicht so schlau wie ande­re. Sie ras­sel­ten durch Prü­fun­gen und wie­der­hol­ten Klas­sen. Das führ­te nicht zu emo­tio­na­len Eltern­aben­den oder gar zur Ände­rung der Leis­tungs­be­wer­tung. Unse­re Taten hat­ten manch­mal Kon­se­quen­zen. Und kei­ner konn­te sich ver­ste­cken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz ver­stieß, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schla­mas­sel her­aus­hol­ten. Im Gegen­teil: Sie waren der glei­chen Mei­nung wie die Poli­zei! So etwas!

Unse­re Eltern trau­ten uns zu, die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Meis­tens hat es geklappt. Die paar Mal, die dane­ben gin­gen, zäh­len wir zu unse­ren Lebens­er­fah­run­gen. Unse­re Genera­ti­on hat eine Fül­le von inno­va­ti­ven Pro­blem­lö­sern und Erfin­dern mit Risi­ko­be­reit­schaft her­vor­ge­bracht. Wir hat­ten Frei­heit, Miss­erfolg, Erfolg und
Ver­ant­wor­tung. Mit all­dem wuss­ten wir umzu­ge­hen. Und Du gehörst auch dazu.
Herz­li­chen Glück­wunsch!

Kreuzchen, Schneckchen und anderes Getier

Wenn beim Erwa­chen die Son­ne ins Zim­mer scheint, macht das Lust auf einen beson­de­ren Tag. Da wir die Oster­fei­er­ta­ge in unse­rem gelieb­ten Kar­pacz ver­brin­gen werden,mit ganz viel lecke­rem Essen -:))) steht Bewe­gung auf der Tages­ord­nung. Eine schö­ne Wan­de­rung soll es sein, nicht zu kurz, aber auch kein Mara­thon. Unser Auto par­ken wir an der “Alte­burg” in Arn­stadt. Die Wan­de­rung führt uns vor­bei am “Schneck­chen” und am “Kreuz­chen ” zwei wun­der­schö­nen Aus­sichts­punk­ten mit einem unver­gess­li­chen Blick ins Tal.
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Von Hin­weis­ta­feln am Weges­rand erfah­ren wir, dass im 17. Jahr­hun­dert an den Hän­gen Wein ange­baut wur­de und von unzäh­li­gen Pflänz­chen die hier gedei­hen, Flie­der, Gold­re­gen, Schle­he, Wild­ro­sen, Weiß­dorn, wol­li­ger Schnee­ball, Blut­ro­ter Hart­rie­gel, Salo­mons­sie­gel oder etwa stin­ken­der Nies­wurz.
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Die Alte­burg ragt zwi­schen Plau­eschem Grund und Jonastal her­vor und war frü­her besie­delt, weil hier ein Teil­stück der alten Han­dels­stra­ße zwi­schen Leip­zig und Nürn­berg ent­lang­führ­te. Zwi­schen dem 13. und 17. Jahr­hun­dert gehör­te sie zu den bedeu­tends­ten Wein­an­bau­ge­bie­ten Thü­rin­gens. 1499 fuhr man die Rekord­ern­te von 20011 Eimern Wein ein. In einen Eimer pass­ten 75 Liter. Der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg und die Klei­ne Eis­zeit Mit­te des 17. Jahr­hun­derts brach­ten den Wein­an­bau in Arn­stadt zum Erlie­gen. Lan­ge war das Gebiet kahl, die Forst­wirt­schaft begann erst Mit­te des 19. Jahr­hun­derts mit Schwarz­kie­fern, weil sich die dün­ne Humus­schicht auf dem Muschel­kalk­bo­den zunächst nicht für ande­re Baum­ar­ten eig­ne­te. Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts bil­de­ten sich Ver­schö­ne­rungs­ver­ei­ne, denen wir die heu­ti­gen Wan­der­we­ge zu ver­dan­ken haben.

Die “Trieg­lis­müh­le ” in Sie­gel­bach wer­den wir noch ein­mal erwan­dern, zu Thü­rin­ger Klö­ßen und Bra­ten, das steht auch fest. Welch ein schö­ner Tag und flei­ßig waren wir auch, immer­hin 16000 Schrit­te -:)))

Bereits in der Woche sind wir dem Früh­ling auf die Schli­che gekom­men:)) Die Tier­welt war in Auf­ruhr beim Spa­zier­gang in den Kres­se­park.
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Eine Zeitreise in die DDR

18. März 2013 18:00 Uhr in Erfurt war es um uns gesche­hen. Magi­sches ereig­ne­te sich an die­sem Abend und pas­siert immer noch. Zwei Leben(släufe) stie­ßen auf­ein­an­der, eine lava­hei­ße Wel­le der Sym­pa­thie flu­te­te bin­nen Sekun­den die Umge­bung, ein gigan­ti­scher Lie­bes­fel­sen ent­stand nach dem Erstar­ren der Ergüs­se und wächst seit­dem von Jahr zu Jahr. Zufall? Schick­sal? Nicht gesucht und doch gefun­den … es ist als hät­te man in 10.000m einen Golf­ball aus dem Flug­zeug gewor­fen und die­ser trifft auf dem 18. Grün — genau das Loch.

Der vier­te Jah­res­tag die­ser gewal­ti­gen Bezie­hungs­re­vo­lu­ti­on hat nun am Mor­gen begon­nen und soll­te gebüh­rend gefei­ert wer­de. Das ZKdVP (Zen­tral­ko­mi­tee der Vogel­par­tei;)) hat kurz davor meh­re­re Tagun­gen abge­hal­ten und in einem 5-Punk­te Plan den Ablauf der Fei­er­lich­kei­ten ein­stim­mig beschlos­sen. Die Bezie­hungs­re­vo­lu­ti­on erreich­te ihren Höhe­punkt am 18. März 2013 zwar erst in den Abend­stun­den, aber so lan­ge woll­ten wir nicht war­ten. Den “fei­er­li­chen” Akt 😍 zele­brier­ten wir, unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit, bereits in den Mor­gen­stun­den. Es wur­de ein wil­der und glück­se­li­ger Auf­takt zu den dann fol­gen­den offi­zi­el­len, Pro­gramm­punk­ten.

In einem Hotel kul­mi­nier­te sei­ner­zeit die offen­sicht­li­che und unüber­seh­ba­re Sym­pa­thie zwei­er humor­vol­ler, unver­stan­de­ner, ein­sa­mer See­len — in einem Hotel soll­ten auch die wei­te­ren Fei­er­lich­kei­ten des Jubi­lä­ums statt­fin­den. Das ZKdVP hat, mit Hin­blick auf die Kräf­te rau­ben­den Anstren­gun­gen des ers­ten ^Pro­gramm­punk­tes, wohl­weis­lich ein Well­ness Hotel gewählt und Wert auf Erho­lung gelegt. Raben’s Anruf bei den Genos­sen vor Ort stell­te dort ent­spre­chen­de, vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men sicher. So war Scham­pus auf der vor­zei­tig bereit­ge­stell­ten “Bude” bereits im Küh­ler, zwei Schaum­wein­aus­schank­ge­fäs­se vor­han­den und die Spät­ab­rei­se (neu­mo­disch: Late check out) in der Kar­tei­kar­te ver­merkt.

Vor der Abrei­se besuch­ten wir noch die Genos­sen Breit­barts um lecke­ren Cos­ta-rica­ni­schen Kaf­fee zu ver­kos­ten. Die­sen, zwei­ten Plan­punkt ver­ban­den wir mit dem Ver­zehr einer köst­li­cher Zitro­nen­creme­tor­te. Die Nah­rungs­grund­la­ge soll­te den Ablauf der Fest­lich­kei­ten bis in den Abend sichern — was sie auch tat.

Wäh­rend der Anfahrt zur Fei­er-Loca­ti­on schlug das Wet­ter um und so lan­de­ten wir in Schnett (übri­gens PLZ 98 666:)), im Werrapark Resort, beglei­tet von Regen und umhüllt von Nebel.
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Auch der Nebel konn­te den FDGB-Feri­en­haus-Charm des Objekts nicht weg­zau­bern — was aber von außen DDR nost­al­gisch anmu­te­te, soll­te drin alles ande­re als ver­al­tet sein. Ein ein­la­den­des Ambi­en­te, moder­ne Ein­rich­tung und lie­be­vol­ler Ser­vice bil­de­ten ein rund her­um stim­mi­ges Ange­bot, der Klas­si­fi­zie­rung mehr als ent­spre­chend und zu einem unschlag­ba­ren Preis. Die Genos­sen des Hau­ses haben gan­ze Arbeit geleis­tet. Unser Zim­mer war 13:30 Uhr bezugs­fer­tig, der Sekt gekühlt auf dem Tisch und dazu ein lie­be­vol­ler, per­sön­li­cher Gruß zum Hoch­zeits­tag (klei­ne tele­fo­ni­sche Raben­schwin­de­lei …. Hoch­zeits­tag, Jah­res­tag wo ist da der Unter­schied;))).
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Nach einem klei­nen Begrüs­sungs­stöss­chen haben wir uns mit Rest­sekt und Bade­män­teln in den Well­ness­teil der Anla­ge bege­ben. Wäh­rend der fol­gen­den drei Stun­den haben wir hier aus­gie­big den drit­ten Plan­punkt der Fei­er­lich­kei­ten Genos­sen … äh — genos­sen;))) Der Pool zwar wirk­lich nicht zu groß dafür aber wohl­tem­pe­riert, die Dampf­sau­na (auch ande­re waren vor­han­den, aber die mögen wir nicht so) und die beque­men Lie­gen sorg­ten für wohl­tu­en­de Ent­span­nung vor dem Höhe­punkt der Fei­er­lich­kei­ten.
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Die­ser begann kurz nach 18:00 Uhr im Restau­rant Fran­ken­blick des Hotels. Ein kusch­li­ger Zwei­er­tisch, reser­viert für die Fami­lie R. mit stil­vol­len Ker­zen­stän­dern geschmückt, unter­schied uns vom Rest­pu­bli­kum. Unse­re Klei­dung tat das eben­falls und sorg­te für reges Getu­schel und neu­gie­ri­ge Bli­cke der ande­ren Gäs­te. Hier reich­te die Palet­te von ele­gant bis Pro­le­ta­ri­er. Es soll­te uns nicht stö­ren. Die Bedie­nung war Spit­zen­klas­se. Schnell, zuvor­kom­mend, freund­lich und parier­te niveau­voll unse­ren Humor. Die Gerich­te alle­samt super­be. Das Haus enga­giert sich zusam­men mit dem UNESCO-Bio­sphä­ren­re­ser­vat Thü­rin­ger Wald in einer Initia­ti­ve, die bevor­zugt fri­sche, sai­so­na­le Lebens­mit­tel aus der Regi­on ver­ar­bei­tet. In die­sem Fall Fleisch, Wild, Gemü­se und Milch­pro­duk­te. Eulchen’s Raben­lie­be ging seit jeher mit ihrer Kloß­lie­be über­ein und gip­fel­te ges­tern in drei Klö­ßen samt einer Schüs­sel Soße. Das zar­tes­te Rind­fleisch aller Zei­ten run­de­te den Gau­men­or­gas­mus ab. Der Rabe ver­tilg­te wäh­rend­des­sen Mai­s­pou­lar­de, die zar­tes­te Geflü­gel­le­ber aller Zei­ten sowie Böhn­chen und Roh­kost. Schon die Rin­der­brü­he vor­ab ver­dien­te ein Ach­tungs­zei­chen und kün­dig­te einen Spit­zen­koch an den Töp­fen an — alle (wört­lich ALLE) Gän­ge des Abends waren in Per­fek­ti­on zube­rei­tet und gewürzt.
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Unse­re Gesprä­che innig, intim und tief­sin­nig wie immer, wider­spie­gel­ten die Pha­sen unse­rer gemein­sa­men Lie­be, ihre Höhen und (ja es gab sie auch) Tie­fen, unse­ren Mut das Aben­teu­er anzu­tre­ten und die har­te Arbeit an unse­ren Per­sön­lich­kei­ten um den Grad des Glücks und die Stu­fe der Lie­bes­lei­ter zu erklimm auf der wir seit lan­ger Zeit ste­hen. Unter ande­rem sol­che wun­der­vol­len Gesprä­che, über mitt­ler­wei­le alle The­men, haben uns so zusam­men­ge­schweißt wie es heu­te unüber­seh­bar für die Welt ist. Vie­le wei­te­re Gemein­sam­kei­ten bil­den dafür eine fes­te Grund­la­ge. Dazu zäh­len: Tem­pe­ra­ment, Humor­ver­ständ­nis, Men­ta­li­tät, Spon­ta­ni­tät, Ver­rückt­heit und viel­leicht sogar unse­re schle­si­schen Wur­zeln. Auch unse­re Unter­schie­de, wie z.B. der Sinn für Roman­tik, haben nach dem Mot­to: Gegen­sät­ze zie­hen sich an — dazu bei­getra­gen.

Unse­re Vor­lie­be für köst­li­ches Essen übri­gens auch;)))) und das war einer der Grün­de das Jubi­lä­um hier zu bege­hen. Unse­re Gau­men haben in die­sem Haus, trotz Lob­hu­de­lei­en über die Küche im Tri­pAd­vi­sor, sol­che Freu­den nicht erwar­tet. Es war ein per­fek­tes Din­ner;)) und ein per­fek­ter, vier­ter Plan­punkt …. und ein HOCH auf die Lie­be.

In der Hotel­bar haben wir anschlie­ßend den fünf­ten und letz­ten Tages­ord­nungs­punkt der Fei­er­lich­kei­ten began­gen. Auch hier Per­fek­ti­on bis ins i-Tüp­fel­chen. Long­drinks und Shorts treff­si­cher insze­niert und von der
FDGB-Fas­sa­de auch hier nichts sicht­bar. Glück­lich, erfüllt und zufrie­den san­ken wir anschlie­ßend ins Bett und lie­ßen unse­ren herr­li­chen Jubi­lä­ums­tag Revue pas­sie­ren. Traum­haft war unse­re ein­hel­li­ge Mei­nung.

Der Sonn­tag weck­te uns mit einem noch mie­se­rem Wet­ter als der Tag zuvor. Das Hotel­früh­stück, soli­de und frisch, über­zeug­te wie alles ande­re im Haus. Danach nutz­ten wir das Pri­vi­leg der Spät­ab­rei­se um uns noch­mal in unser Bett­chen zu ver­krü­meln:) Enspre­chend des Beschlus­ses des ZKdVP, nah­men wir im Anschluss an das Check Out, Teil an der Besich­ti­gung der Aus­weich­füh­rungs­stel­le und Befehls­bun­ker­an­la­ge der Bezirks­ein­satz­lei­tung des Bezirks Suhl — durch das MfS ver­wal­tet und betrie­ben …… damals natür­lich. Im Kriegs- und Ernst­fall hät­te die Bezirks­ein­satz­lei­tung den Bun­ker genutzt, um die Befehls- und Kom­man­do­struk­tu­ren im Bezirk Suhl auf­recht­zu­er­hal­ten. In der Zeit des kal­ten Krie­ges erbaut, ver­füg­te der Bun­ker über moderns­te Nach­rich­ten­tech­nik, eige­ne Strom­ver­sor­gung, Fern­schrei­ber, mobi­le Funk­tech­nik und diver­se Abhör­ein­rich­tun­gen. Ein impo­san­tes Objekt — und uns beschlich unwei­ger­lich der Gedan­ke, dass der Bun­ker zugleich ein Mahn­mal für die heu­ti­ge Zeit ist — in der die Obe­ren sich, wie damals, immer wei­ter vom Volk ent­fer­nen und Inter­es­sen der Indus­trie und des Kapi­tals mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln, ver­fol­gen. Die­ser mario­net­ten­haf­te Gehor­sam, damals gegen­über dem gro­ßen, roten Bru­der, heu­te eben gegen­über der Lob­bys wird durch die Abschot­tung der Füh­rung von der Rea­li­tät beson­ders augen­schein­lich.

In Augen­schein konn­ten wir fast alle Räu­me der raf­fi­niert ange­leg­ten aber mit sozia­lis­ti­scher Not­s­par­sam­keit errich­te­ten Zweib­un­ker-Kon­struk­ti­on besich­ti­gen. Die 2m Beton­de­cke und das “schwim­men­de” Fun­da­ment hät­ten zwar die Erschüt­te­rung der Explo­si­on einer Hiro­shi­ma-Bom­be mit Epi­zen­trum in 2km Umkreis stand­ge­hal­ten aber der anschlie­ßen­den Strah­lung wohl kaum mehr. Über­haupt waren die Vor­rä­te der 120 Mann Unter­kunft nur für 21 Tage aus­ge­legt — sowohl Treib­stoff für die Strom­ag­gre­ga­te als auch Lebens­mit­tel wären dann auf­ge­braucht. Es hieß — durch­hal­ten bis die “rich­ti­ge” Armee da ist — und die hät­te kei­ne 21 Tage gebraucht.
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Druck­tü­ren und Dekon­tar­mi­na­ti­ons-Kam­mern, Che­mie­du­schen und Unter­druck­schleu­sen muss­ten pas­siert wer­den bevor man ins Inne­re gelang­te. Für uns ein Durch­marsch von 10 min. mit sechs­mi­nü­ti­ger Ein­lei­tung unse­res Füh­rers samt Abstem­peln der Besuchs­ge­neh­mi­gun­gen. Im Ernst­fall war eine hal­be Stun­de ver­gan­gen bis man die knapp 20m pas­siert hat. Sehr spar­ta­nisch das Inte­ri­eur;))) Für Luxus­kon­sum­gü­ter war hier kein Platz. Pri­mi­tivs­te VEB Möbel, Rega­le, Tische, Stüh­le, Bet­ten, Alu­be­steck, Plas­te­ge­schirr muten, aus heu­ti­ger Sicht,mehr als Gefäng­niss denn als Kom­man­do­zen­tra­le eines über­le­ge­nen Sys­tems an.
Alles Lebens­not­wen­di­ge war ein­ge­plant wor­den, sogar ein Arzt soll­te im Not­fall hier ein­zie­hen und in einem der 30 Bet­ten, im 4-Schicht-Sys­tem, abwech­selnd 6 Stun­den am Tag schla­fen. (Grau­en­haf­te Vor­stel­lung, im Schweiß und Gestank der Vor-Nut­zer ein­zu­schla­fen. Als wäre der Höl­len-Lärm der Gene­ra­to­ren und Lüf­tungs­tech­nik nicht Stra­fe genug. Einen Vor­teil besaß die­ses Sys­tem aller­dings — die Bet­ten wur­den nie kalt;))
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Nach etwa einer Stun­de ver­las­sen wir, etwas ver­kühlt, die Beton­gruft mit dem siche­ren Wis­sen im Fal­le eines Nukle­ar­schlags weder vor der Druck­wel­le noch vor der Strah­lung geschützt zu wer­den. Die­se “beru­hi­gen­de” Erkennt­nis wol­len wir bei der Hen­kers­mah­zeit des Wochen­en­des, natür­lich ohne Still­bruch, in einem mar­xis­tisch-leni­nis­ti­schem Arbei­ter und Bau­ern Ver­sor­gungs­ob­jekt sacken las­sen. Der etwas deka­den­te Objekt­na­men Wald­SCHLÖSS­CHEN konn­te den bara­cken­haf­ten Stamm­baum der “Pracht­im­mo­bi­lie” auch nicht kaschie­ren aber wir woll­ten es heu­te so.

Das Ost­al­gie-WE in hei­mat­li­chen Gefil­den zur Fei­er unse­rer Lie­be ende­te dann also lie­bens­wert bei Rin­der­rou­la­de und Blau­kraut sowie Schnit­zel mit Cham­pi­gnons — den DDR-Sonn­tags-Höhe­punk­ten — mit etwas Agit­prop (na, noch en Begriff?) der Vor­sit­zen­den des Rent­ne­ri­nen-Clubs am Nach­bar­tisch. Das Essen war schmack­haft, die rot-oran­ge­far­be­ne Innen­ein­rich­tung bezeug­te ein­drucks­voll den gelun­ge­nen Zeit­sprung ins Jahr 1977 und die unge­heu­er­li­chen Kran­ken­ge­schich­ten der Grau­en Pan­ther haben wir irgend­wann nicht mehr gehört — ich glau­be die Damen sind ein­fach gegan­gen;)))) Hof­fent­lich sind sie uns wegen unse­rer Resis­tenz gegen der­art Ver­un­glimp­fun­gen des ach so tol­len, medi­zi­ni­schen Sys­tems die­ser Repu­blik — nicht böse;))))
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Ein herr­lich-ein­ma­li­ges, mehr als gelun­ge­nes, zau­ber­haft-inti­mes und ani­ma­lisch-zärt­li­ches Jubi­lä­ums-Wochen­en­de ….. wer hät­te das vor­her gedacht;)))))