Alles pünktlich … ab nach Transsylvanien

Pünkt­lich wecken uns zeit­gleich  der klei­ne und der gro­ße „Apfel“ mit­ten in der Nacht. Solch exo­ti­sche Desti­na­ti­ons wie Buka­rest wer­den nicht von über­all ange­flo­gen. Da müs­sen wir unse­re Popos schon mal nach BER­lin bewe­gen.

Sehr pünkt­lich ver­stau­en wir den Kea (lie­be­vol­ler Kose­na­me unse­res KIA SUV’s) im Park­haus der pein­lichs­ten Dau­er­bau­stel­le der Welt und kön­nen uns das gewal­ti­ge Beto­nare­al aus der Nähe anschau­en. Schon beacht­lich … aber mal im Ernst: glaubt noch jemand an die Unfä­hig­keit a la made in Ger­ma­ny??? Viel wahr­schein­li­cher ist doch, dass Deutsch­land super­schlau ist und als ers­tes Land welt­weit einen über­di­men­sio­na­len UFO-Lan­de­platz gebaut hat um, im Fal­le eines „Besuchs“, als Ers­te an außer­ir­di­sche Tech­no­lo­gie ran zu kom­men.

Wie immer zuver­läs­sig arbei­tet auch die ner­vö­se Eul­sche „Müll­ab­fuhr“. Pünkt­lich vor der Abfahrt des Shut­tle­bu­ses und vorm Start MUSS noch eine „Ent­sor­gung“ durch­ge­führt wer­den. Klappt alles sekun­den­ge­nau😀.

Pünkt­lich wie die Schwei­zer Bahn hebt der iri­sche Boe­ing Bom­ber vom SFX Boden ab. Das „bil­lig“ sei­nes Images nimmt der Bil­lig­flie­ger sehr ernst. Blau-gel­be Lego­land Roman­tik schmückt die Kabi­ne, mitt­ler­wei­le wird wegen der Sitz­ab­stän­de auf die net­ten Net­ze im Sitz vor einem ver­zich­tet — dadurch spart man sich auch gleich das Board­ma­ga­zin. Wirk­lich cle­ver die Iren😀. Eine Spar­maß­nah­me fetzt aber wirk­lich. Die rie­sen Bug­gik­of­fer, die 80% der Pas­sa­gie­re unbe­dingt in die Kabi­ne mit­neh­men müs­sen (wir rät­seln jedes Mal was da drin sein kann — wahr­schein­lich Sur­vi­val-Aus­rüs­tung samt Fall­schirm) flie­gen ab sofort im Bauch der Maschi­ne oder müs­sen bezahlt wer­den. Hal­le­lu­ja — end­lich ist Platz in den Hand­ge­päck-Boxen über den Köp­fen.

Pünkt­lich nach dem Start schwär­men die Mer­chan­di­sing-, Essens- und Geträn­ke­ver­käu­fer in die Kabi­ne aus. So flei­ßig wie sie ihrem Job nach­ge­hen — sind sie bestimmt am Umsatz betei­ligt. Wir haben noch Ein­spar­po­ten­zi­al für Ryan­air ent­deckt. Anstatt in Plas­tik­be­chern die Geträn­ke zu ser­vie­ren — wie wärs mit abwasch­ba­ren? Auf jedem Flug­ha­fen der Welt fin­det sich ein Selb­stän­di­ger der für einen klei­nen Obo­lus die tau­sen­den Becher täg­lich rei­nigt. Die öko­lo­gi­sche Trumpf­kar­te wür­de die Flug­li­nie auf dem Akti­en­markt durch die Decke schie­ßen las­sen.

Pünkt­lich set­zen wir auch auf dem Buca­res­ti Oto­pe­ni Flug­ha­fen auf. Das muss man den Iren las­sen: Mas­sen­ab­fer­ti­gung zu ALDI-Prei­sen (wir flie­gen non-stop & all-inclu­si­ve für unter 80€ pro Nase hin UND zurück) … und dazu PÜNKTLICH. (Das ändert sich beim Rück­flug aber dazu spä­ter)

Die­se Zei­len ent­ste­hen noch im Flie­ger … also, hof­fent­lich klappt auch alles „pünkt­lich“ mit unse­rem Miet­ge­fährt.

Auch die Rumä­nen trump­fen von der ers­ten Minu­te mit Pro­fes­sio­na­li­tät. Es ver­ge­hen kei­ne 15 Minu­ten vom Ver­las­sen der Maschi­ne, über Roll­feld­trans­port und Pas­sa­b­fer­ti­gung, bis wir am Gepäck­band ste­hen. Wir stau­nen nicht schlecht: die­ses läuft bereits und unse­re Rei­se­ta­sche hal­ten wir in glei­cher Sekun­de in den Hän­den. Da kön­nen sich Deut­sche Flug­hä­fen eine Schei­be abschnei­den.

In der Emp­fangs­hal­le war­tet auch prompt ein Jun­ger Mann mit einem Schild auf uns. Ein Fah­rer bringt uns zur etwa ein Kilo­me­ter ent­fern­ten Auto­ver­mie­tung wo ein Deutsch spre­chen­der Mit­ar­bei­ter (wir glau­ben es war der Chef per­sön­lich) uns emp­fängt. In weni­gen Minu­ten ist der Papier­kram erle­digt — kei­ne Über­ra­schun­gen, kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten — wie­der alles top pro­fes­sio­nell.

Nach nicht ein­mal 15 Minu­ten sit­zen wir in einem schnee­wei­ßen, nie­gel­na­gel­neu­en Dacia Dus­ter All­rad Jeep. Kei­ne 3000 Kilo­me­ter auf der Uhr, sogar mit eini­gen Schnick­schnacks aus­ge­stat­tet. Und das für kei­ne 110€ für 2 Wochen. (mit allen erdenk­li­chen Ver­si­che­run­gen, ohne irgend­wel­che Selbst­be­tei­li­gun­gen und ver­steck­te Kos­ten) Ein­fach Ham­mer — da macht das Rei­sen Spaß.

Jetzt kann es los­ge­hen — UNSER RUMÄNIEN ABENTEUER

Horezu — eine Perle in der kleinen Walachei

End­lich geht es los … unser Rumä­ni­en Aben­teu­er. Eigent­lich soll­te es eine Sie­ben­bür­gen Rund­fahrt wer­den aber … wir pas­sen unse­re Rou­te unse­ren Wün­schen spon­tan bereits am ers­ten Tag an und begin­nen im Nor­den der Klei­nen Wala­chei. Der klei­ner Ort Hore­zu im Căpățâ­na-Gebir­ge ist unser heu­ti­ges Ziel. An der Süd­flan­ke des Kar­pa­ten­vor­lan­des gele­gen wird es mor­gen  der Aus­gangs­punkt unse­rer Kar­pa­ten­über­que­rung sein. Aber nicht nur die „stra­te­gi­sche“ Lage hat unser Inter­es­se für Hore­zu geweckt.  Aber der Rei­he nach.

Die 200 Kilo­me­ter Fahrt ver­ge­hen wie im Flu­ge. Der Rabe freun­det sich mit dem Dacia und dem rumä­ni­schen Ver­kehr an. Wer zu Rush­hour in Tira­na Spaß am Fah­ren hat­te kommt über­all in der Welt klar;)))) Ers­te Ein­drü­cke begin­nen ein Bild von unse­rem Gast­land in uns zu zeich­nen. Ers­te Pipi­pau­se, ers­ter ABC Laden — so hei­ßen hier mini­klei­ne Tan­te-Emma Läd­chen in den es eigent­lich alles gibt nur eben nicht in zehn­fa­cher Viel­falt. Etwas Obst und ein Schnit­zel­bröt­chen, da wir nicht wis­sen wann wir ein rich­ti­ges Essen heu­te bekom­men. Ein Grill am Stra­ßen­rand mit Schaf oder Zie­ge dar­auf (not­falls ein Huhn:) wäre dem Raben lie­ber gewe­sen aber was solls. Das super lecke­re rumä­ni­sche Essen von dem wir in eini­gen Rei­se­b­logs gele­sen haben wird bestimmt noch kom­men.

Wir rol­len gemäch­lich wei­ter. Die Fern­stra­ße ist bes­tens aus­ge­baut. Erst als wir von der DC67 in Rich­tung Roma­nii de Jos abbie­gen wird’s etwas holp­ri­ger. Roma­nii de Jos ist ein klei­nes Dorf, heu­te von Hore­zu ein­ge­mein­det. Eigent­lich ist es aber der Grün­dungs­ort von Hore­zu. Hier befin­det sich auch das Klos­ter Hore­zu — gar nicht weit von unse­rer klei­nen Pen­si­on (Pen­si­u­nea) Filo­xe­nia. Im Ört­chen leben etwa 700 See­len und zwar mehr oder weni­ger ent­lang einer ein­zi­gen, zuge­ge­ben sehr lan­gen, Dorf­stra­ße.

Wir wer­den über­freund­lich begrüßt, das Zim­mer ist zucker­süß, ein Gar­ten zum Wohl­füh­len mit einem schnu­cke­li­gen Pavil­lon. Wir beschlie­ßen den Dacia heu­te nicht mehr zu bewe­gen. Wir schnau­fen kurz durch, machen uns frisch und ab geht’s Rich­tung Klos­ter. Auch wenn unse­re Gast­ge­be­rin kaum eng­lisch spricht — dass es im Klos­ter eine Schwes­ter Mica gibt, die deutsch spricht — ver­sucht sie uns mit Hän­den und Füßen zu sagen.

Wir haben vor der Rei­se viel über die Rumä­nen gele­sen, und es soll­te sich von Anfang bis Ende bewahr­hei­ten — ist es ein sehr offe­nes, hilfs­be­rei­tes und gast­freund­li­ches Volk. Eins mehr auf unse­rer “Hit­lis­te” (Scha­de nur, dass unser eige­nes auf Der­glei­chen immer tie­fer abrutscht). Im schöns­ten Son­nen­schein pil­gern wir nun zum Got­tes­hü­gel.

Das Mănăstirea Hure­zi wur­de 1692 vom dama­li­gen Fürs­ten der Wala­chei Con­stan­tin Brân­co­ve­a­nu (1654–1714) gegrün­det und 1709 fer­tig errich­tet. Der All­mäch­ti­ge offen­bar­te sich dem Herr­scher einst im Traum. Der from­men Legen­de nach zeig­te Er per­sön­lich ihm die Stel­le, an der die Got­tes­burg errich­tet wer­den soll­te. Fürst Con­stan­tin Brân­co­ve­a­nu, Ende des sieb­zehn­ten Jahr­hun­derts unbe­strit­te­ner Herr über die Wala­chei, schritt unver­züg­lich zur Tat und befahl den Bau eines mäch­ti­gen Klos­ters mit fünf Ein­zel­kir­chen. Nach sie­ben­jäh­ri­ger Arbeit konn­te Hore­zu, des­sen Got­tes­häu­ser auf dem Grund­riss eines grie­chi­schen Kreu­zes ste­hen, geweiht wer­den. Über der aus Bir­nen­holz geschnitz­ten Ein­gangs­tür ließ der from­me Fürst, der das Klos­ter spä­ter zeit­wei­lig als Resi­denz nutz­te, sein Gott gege­be­nes Ver­spre­chen in Stein mei­ßeln: “Ich wer­de kei­nen Fuß in mein Haus set­zen, ich wer­de mich nicht auf mei­ner Ruhe­stät­te aus­stre­cken und mir vom Schlaf die Augen schlie­ßen las­sen, bis ich jenen Ort gefun­den habe, an dem ich mei­nem Gott ein Haus erbau­en wer­de.”

Es ist unum­strit­ten das schöns­te Klos­ter im Süden Rumä­ni­ens. Bis 1862 war es ein Män­ner­klos­ter. Nach­dem die Mön­che nach Bistrița ver­setzt wur­den, kamen Non­nen in das Klos­ter. 48 Non­nen bewirt­schaf­ten die Anla­ge wo sich auch ein 50 Bet­ten länd­li­ches Kran­ken­haus befin­det. Die Rufe der nacht­ak­ti­ven Raub­vö­gel (rumä­nisch huhu­re­zi), die sich in den umlie­gen­den Wäl­dern des Klos­ters auf­hiel­ten, gaben ver­mut­lich dem Ort sei­nen Namen. Und jetzt kommts: gemeint ist der Bart­kauz (Strix nebu­losa) der zur Fami­lie der eigent­li­chen EULEN gehört. Ist es nun ein Zufall, dass wir von den vie­len wun­der­schö­nen Klös­tern Rumä­ni­ens aus­ge­rech­net das Eulenk­los­ter besu­chen? 🙂

Über ein Tor­por­tal gelangt man auf das weit­läu­fi­ge Gelän­de des Klos­ters. Außer­halb des eigent­li­chen Innen­hofs mit Haupt­kir­che und den Wohn- und Wirt­schaft­räu­men der Non­nen — befin­den sich wei­te­re Gebäu­de. Frü­her sicher Stal­lun­gen und Werk­stät­ten — heu­te eine Her­ber­ge.

Durch ein gewal­ti­ges Holz­tor betre­ten wir das Hei­lig­tum und sind vom ers­ten Anblick über­wäl­tigt. Byzan­ti­ni­scher Prunk und die kla­re Lini­en­füh­rung nord­ita­lie­ni­scher Renais­sance ver­bun­den mit baro­cken Ele­men­ten bil­den ein außer­ge­wöhn­li­ches Ensem­ble. Und dann die Fres­ken. Zwi­schen 1705–1706 von Malern und Hand­wer­ker aus der Schu­le Bran­co­van meis­ter­lich gezeich­net. Jeder Qua­drat­zen­ti­me­ter der Kir­che ist wun­der­schön ver­ziert. Eben­falls die Arka­den­vor­hal­le — die mit ihrem Wand- und Decken­schmuck (unter ande­rem mit der Dar­stel­lung des Jüngs­ten Gerichts) — haben den Raben für meh­re­re Minu­ten sprach­los gemacht. Die Anla­ge steht nicht umsonst seit 1993 auf der UNESCO Lis­te des Welt­kul­tur­er­be.

Die Eulen­kö­ni­gin stillt ihre Neu­gier und führt den Raben durch den einen oder ande­ren Raum. Die Türen ste­hen halb ange­lehnt, die Non­nen haben schein­bar nichts dage­gen. Küche, Toi­let­ten, Duschen und ein zwei Flu­re zu den Wohn­räu­men wir­ken peni­bel auf­ge­räumt und lie­be­voll gestal­tet. In der Mit­te des West­teils fin­det sich ein wei­te­re mit Fres­ken ver­zier­ter Raum — der Spei­se­raum. Ein Heil für die Augen, Bal­sam für den Betrach­ter … wir sind ver­zau­bert.

Rabens auf­merk­sa­mes Auge fin­det auch an den Haus­mau­ern, in Nischen und an Holz­ele­men­ten Res­te von farb­in­ten­si­ven Male­rei­en. Es scheint als wäre das kom­plet­te Klos­ter innen voll mit Fres­ken geschmückt gewe­sen. Es muss traum­haft aus­ge­se­hen haben. Selbst heu­te noch kann man sich nicht satt sehen.

Wir bestau­nen alles in Ruhe, lang und aus­gie­big. Lei­der tref­fen wir Schwes­ter Mica nicht. Nur weni­ge Non­nen huschen still über das Gelän­de. Eine beob­ach­tet uns — aber irgend­wie fried­voll, neu­gie­rig. Als wir das Klos­ter fast ver­las­sen wol­len spricht Sie uns an. “Sie kom­men doch aus Deutsch­land” fragt sie. “Sie müs­sen unbe­dingt Schwes­ter Mica ken­nen­ler­nen”. Wir trau­en uns kaum zu wider­spre­chen und fol­gen der Non­ne. Sie Führt uns aus der Anla­ge her­aus. Öst­lich des Klos­ters befin­det sich noch die Klein­kir­che Ador­mi­rea Mai­cii Dom­nu­lui, 1699 von Frau Maria – der Gat­tin des Fürs­ten Brân­co­ve­a­nu – gestif­tet, auch Bol­nița genannt, die­se ist von einer klei­nen Ring­mau­er umge­ben.

 

Wir sol­len hin, sagt die Non­ne. Wir genie­ßen den kur­zen Weg unter Bäu­men. Am Tor zur der klei­nen Kir­che tref­fen wir plötz­lich drei Non­nen. Zwei schei­nen die drit­te halb anzu­be­ten. Es hat etwas mari­en­haf­tes. Die ange­be­te­te spricht uns ohne Umschwei­fe in einem nied­lich klin­gen­dem Dia­lekt an. Man stel­le sich Schwä­bisch im Mit­tel­al­ter vor, nur nied­li­cher. Es ist Schwes­ter Mica — viel Zeit hat sie nicht, aber ein paar Wor­te kön­nen wir mit ihr wech­seln. Sie emp­fiehlt uns die klei­ne Kapel­le und den Fried­hof andäch­tig zu besu­chen. Wir bedan­ken uns und ver­wei­len unge­plant fast eine Stun­de in die­sem so wun­der­bar stil­lem und in die Natur ein­ge­bet­te­ten Ort. Hier sind auch die Rui­nen der ehe­ma­li­gen Kran­ken­sta­ti­on zu sehen aber viel­mehr genie­ßen wir den Aus­blick in das wei­te Tal und auf die weit­läu­fi­ge Klos­ter­an­la­ge.

Gleich am ers­ten Tag solch glück­se­li­ge Momen­te. Wir sind wie­der mal Glücks­kin­der. So beseelt trot­ten wir wie­der zurück ins Dorf und beschlie­ßen das herr­li­che Wet­ter wei­ter zu nut­zen. Im ein­zi­gen Mini­mar­ket des Mini­dörf­chens erfreu­en wir die jun­ge Besit­ze­rin mit einem Hän­de- und Füße-Ein­kauf. Immer­hin ver­ste­hen wir ihre Emp­feh­lun­gen für eine typi­sche Rumä­ni­sche Brot­zeit am Abend. Dün­ne, rohe Würst­chen, Schafs­kä­se und jede Men­ge Gemü­se sacken wir ein — es wird ein Fest­schmaus. In der Filo­xe­nia ange­kom­men machen wir, eben­falls mit den Glied­ma­ßen, der Besit­ze­rin klar — was uns noch zur Glück­se­lig­keit fehlt — und zwar Tel­ler und Gabel. Das “Gespräch” ver­läuft so lus­tig — dass wir mit eine Fla­sche Palin­ka beschenkt wer­den.

Kaum zwölf Stun­den im frem­den Land, in einem der ärms­ten auf die­sem Kon­ti­nent, ohne Sprach­kennt­nis­se  und wir wer­den aufs freund­lichs­te auf­ge­nom­men und beschenkt. Es fühlt sich so gut an, so ver­traut, für uns bei­de fast nor­mal — aber nicht weil wir es aus Deutsch­land ken­nen. Eher von den Wur­zeln unse­rer Schle­si­schen Ahnen. Ein biss­chen aus der DDR. Scha­de, dass man heu­te weit rei­sen muss um sowas zu erfah­ren. Was ist nur aus den Men­schen zu Hau­se gewor­den.

Wir freu­en uns auf das vor uns lie­gen­de Aben­teu­er.

Die in der Gale­rie gezeig­ten über 20 Fotos sind echt sehens­wert.

Transalpina & Rapa Rosie … unfassbare Naturkunstwerke

Das Bett in der kusch­li­gen Pen­si­on Filo­xe­nia hat uns eine himm­li­sche Nacht beschert. Aus­ge­schla­fen und glück­lich star­ten wir zur nächs­ten Etap­pe. Eine traum­haf­te Pan­ora­ma­stra­ße ist heut unser Weg und Ziel. Alles wei­te­re ist offen. Die Tran­sal­pi­na, auch  Drum națio­nal 67C bezeich­net (rumä­nisch für „Natio­nal­stra­ße 67C“, kurz DN67C), durch­quert die Trans­sil­va­ni­schen Alpen und ver­bin­det die Wala­chei mit Sie­ben­bür­gen. Die Stra­ße des Königs“ (wie sie auch genannt wird) wur­de im Jahr 1939 eröff­net. Damals war es dem Ein­satz von König Carol II von Rumä­ni­en zu ver­dan­ken, dass die Stra­ße durch die Parâng-Ber­ge saniert wur­de. Angeb­lich waren jedoch bereits die Römer die ers­ten, die auf die­sem Weg im Zuge der Daker-Krie­ge durch die Süd­kar­pa­ten wan­der­ten.

An der höchs­ten Stel­le über­quert die Tran­sal­pi­na den Kamm des Mun­ții Parâng Gebir­ges über den Urde­le-Pass in einer Höhe von 2145 Metern. Spä­ter am Tăr­tărău-Pass erreicht sie noch­mals eine Höhe von 1678 m. Was heu­te eine asphal­tier­te Stra­ße ist war einst ein klei­ner Tram­pel­pfad. Die­ser Weg wur­de frü­her von den Schä­fern aus der Regi­on Mar­gi­nea Sibiu­lui der Teu­fels­pfad genannt, da die Stre­cke über wei­te Abschnit­te sehr eng und gefähr­lich für Mensch und Tier war.

In Obârşia Lotru­lui beginnt mit engen Ser­pen­ti­nen der spek­ta­ku­lärs­te Stre­cken­ab­schnitt der Tran­sal­pi­na. Die Pan­ora­ma­stra­ße win­det sich in teils sehr stei­len und engen Kur­ven bis auf die besag­ten 2.145 Meter am Urde­le Pass.

Nur weni­ge klei­ne Orte pas­sie­ren wir ent­lang der 150 Kilo­me­ter lan­gen Pis­te. Dafür jede Men­ge klei­ner Stän­de und Schä­fer­hüt­ten, die in der Sai­son Käse- und Wurst­spe­zia­li­tä­ten, Honig, Bee­ren und Pil­ze an den Tou­ris­ten brin­gen wol­len. Die Tran­sal­pi­na ist im Nor­mal­fall von Anfang Okto­ber bis Ende Juni für den Ver­kehr gesperrt — zumin­dest die etwa 50 Kilo­me­ter durchs Hoch­ge­bir­ge. Selbst im Juni soll es dort gele­gent­lich unpas­sier­ba­re Schnee­ver­we­hun­gen geben.

Wir befah­ren sie am 22. Mai. Dass sie da bereits geöff­net ist ver­dan­ken wir der Initia­ti­ve eini­ger klei­ner Hotel- und Gastro­be­trie­be, die es gericht­lich durch­ge­setzt haben. Eine stren­ge Abnah­me­kom­mis­si­on hat die Stra­ße beur­teilt und fünf Tage vor unse­rer Durch­fahrt frei­ge­ge­ben. Wir haben es im Vor­feld, in rumä­ni­schen soz. Medi­en, auf­merk­sam ver­folgt. Es ist übri­gens das aller­ers­te Mal, dass dies pas­siert Unser Glück … oder wie­der Glücks­kin­der??? 🙂

Wie auch immer — wir las­sen uns Zeit, der Rabe fährt ent­ge­gen sei­nem typi­schen Fahr­still gemäch­lich und behut­sam — auch um der Eulen­kö­ni­gin rück­wär­ti­ge Essens­aus­ga­be zu erspa­ren 🙂 — aber vor allem um die sich anein­an­der rei­hen­den Pan­ora­men zu genie­ßen. Über­haupt ist die Pas­sa­ge im kom­plet­tem Gebir­ge auf 30 Km/h begrenzt. Unzäh­li­ge Male hal­ten wir an und ver­su­chen die Natur mit unse­rer Spie­gel­re­flex­ka­me­ra auf eine Spei­cher­kar­te zu ban­nen. Es gelingt nur bedingt. Man muss es gese­hen haben.

Lei­der haben die meis­ten klei­nen Händ­ler und Stän­de an der Stre­cke noch geschlos­sen. Das mag an den nicht über­freund­li­chen 4 Grad Cel­si­us lie­gen oder dar­an, dass wir bes­ser infor­miert waren als sie. Am ers­ten Juli wird aber mit Sicher­heit jeder Grill­im­biss und jeder Sou­ve­nirstand geöff­net sein. Dafür sto­ßen wir auf eine klei­ne Her­de Wild­pfer­de. Viel­leicht gehör­ten sie mal irgend­wo­hin, oder es sind  Nach­kom­men von Haus­pfer­den — hier strei­fen sie völ­lig frei durch die Täler und Schluch­ten der Kar­pa­ten. Kurz ist der Raben­prinz erschro­cken als er begreift, dass ihm nichts von den Tie­ren trennt aber als der Leit­hengst fried­lich auf ihn zukommt schwebt plötz­lich ein Urver­trau­en in der Luft. Der Hengs ver­traut dem Raben und umge­kehrt — ein tol­ler Moment. Bei Haus­tie­ren setzt man es Vor­aus — aber bei ver­wil­der­ten Tie­ren sind es Instink­te.

Mit­ten zwi­schen den höchs­ten Gip­feln, auf einer Hang­wie­se, sieht das Eul­chen plötz­lich eine wei­ßes Kleid — ein Hoch­zeits­kleid. Es sieht so roman­tisch aber irgend­wie unwirk­lich aus. Das Pär­chen lässt von zwei Foto­gra­fen stim­mungs­vol­le Bil­der machen. Wir hal­ten an und wün­schen dem Paar alles erdenk­lich Gute. Es soll nicht das letz­te Hoch­zeits­paar wäh­rend unse­res Urlaubs blei­ben.

Schon fast wie­der in fla­chen Gefil­den ent­de­cken wir durch Zufall das ein, schein­bar noch im Bau befind­li­ches, ortho­do­xes Klos­ter des hei­li­gen Mina — ein klei­nes aber

 

impo­san­tes Are­al mit einem über­gro­ßen Kreuz dar­auf. Etwas ver­wun­der­lich, dass es mit­ten in den Ber­gen weit ab von jeg­li­cher Zivi­li­sa­ti­on gebaut wird. Kei­ne Men­schen­see­le ist auf dem Gelän­de, alles ist geschlos­sen. Viel­leicht wer­den wir aber auch arg­wöh­nisch beob­ach­tet. Egal — kur­zer Stopp und wir fah­ren wei­ter.

Man­gels Früh­stück knur­ren nun unse­re Mägen etwas. Das ers­te rich­ti­ge, rumä­ni­sche Essen — Polen­ta mit Käse und schar­fe Gemü­se­sup­pe mit reich­lich Fleisch fin­den wir lecker. Noch­mal muss Polen­ta aber nicht sein. Ver­dammt, wo rau­chen nur die Ros­te mit den Zie­gen und Läm­mern??? Immer­hin der zwei­te Tag … der Rabe wird all­mäh­lich unge­dul­dig.

Ob ein Zei­chen set­zen hilft?

 

 

Bit­te kei­ne Anfein­dun­gen aus dem Abend­land — that not blas­phe­my. Das ist Fleisch­hun­ger. Die India­ner dür­fen auch ums Totem tan­zen wenn sie Regen wol­len:)))

 

Die DN67c endet in Sebes (zu Deutsch Mühl­bach). Eine Klein­stadt 50 Km west­lich von Sibiu (Her­mann­stadt) und 10 Km süd­lich von Alba Lulia (Karls­burg). Bei die­ser Rund­rei­se haben wir aber den Schwer­punkt auf Land­schaft, Natur und Tier­welt gelegt wes­we­gen uns Städ­te weni­ger wich­tig sind. Es ist noch früh genug um ein ganz beson­de­res Natur­phä­no­men in Augen­schein zu neh­men.

Rapa Rosie — die rote Schlucht- geo­lo­gisch vor 60 Mil­lio­nen Jah­ren aus rotem Ton gebil­det. Die Wän­de stei­gen bis zur 100 Meter empor und bil­den fas­zi­nie­ren­de For­ma­tio­nen. Der höchs­ter Gip­fel über­spannt 500 Meter und bie­tet bereits aus der Fer­ne ein spek­ta­ku­lä­res Pan­ora­ma. Von wei­tem zu sehen — nur das Hin­kom­men gestal­tet sich  schwie­rig. Goog­le­m­ops behaup­tet vol­ler Über­zeu­gung kei­nen Weg dahin zu ken­nen. Wir neh­men meh­re­re Anläu­fe. Der ers­te über die A1 (Rumä­ni­ens ein­zi­ge Auto­bahn). Die Abfahrt Sebes west — Lan­cram erweist sich als Fehl­griff. Ein klei­nes Flüss­chen trennt uns von dem ein­zig­ar­ti­gen Natur­schutz­ge­biet und kei­ne Brü­cke in Sicht. Wir fra­gen Kin­der aber erfolg­los. Wie man nah genug für eine Expe­di­ti­on mit einem Vier­rad hin­kommt kön­nen sie uns nicht erklä­ren. Der Rabe ver­sucht es auf mili­tä­risch-stra­te­gi­sche Art. Er sucht mit end­los zoo­men, auf der digi­ta­len Kar­te, die am nächs­ten gele­ge­ne Stra­ße und lenkt den Dacia dahin. Voll­tref­fer. Stau­bi­ge Schot­ter­stra­ße und immer enger wer­den­de Feld­we­ge brin­gen uns dicht ran. Den Rest erle­digt der All­rad­an­trieb — zum ers­ten Mal sind wir für ihn dank­bar. Hur­ra … wir sind da.

Aus den Nähe erscheint Rapa Rosie noch viel Mäch­ti­ger. Eine rie­si­ge Wand, fast senk­recht, mit dem Aus­se­hen einer rie­si­gen Orgel ver­mit­telt den Ein­druck eines zer­stör­ten alten Denk­mals. Selt­sa­me Säu­len und Pyra­mi­den durch Schluch­ten getrennt die ein Mikrore­li­ef bil­den. Es ver­schlägt uns den Atem. Vie­le Namen wur­den für das Natur­schau­spiel erfun­den: “Selt­sa­mer Hügel”, “Die Orgel der Erde”, “Stei­fe Pyra­mi­de”, die kleins­te Schlucht Rumä­ni­ens (alles frei aus dem Rumä­ni­schen über­setzt). Fakt ist, dass die Gesteins­for­ma­tio­nen täu­schend an den Grand Can­yon erin­nern.

Wir wagen eine Wan­de­rung und müs­sen zuerst abstei­gen. Lei­der unter­schät­zen wir das Gelän­de. Das Eul­chen ist bes­tens für ein Som­mer­spa­zier­gang im Stadt­park aus­ge­rüs­tet — der Rabe denkt, dass er sei­ne Wan­der­schu­he hier nicht brau­chen wird. Ein Feh­ler — wie es sich bald raus­stellt. Der Can­yon ist so tief und sei­ne Wän­de so steil, dass wir mehr­fach nicht unge­fähr­lich abrut­schen. Eul­chen nimmts mit Humor, bes­ser mit einem Lach­flush (der ein Kos­me­tik­ar­ti­kel völ­lig über­for­dert).  Wir bre­chen den Abstieg ab und ver­su­chen es mit einem Auf­stieg über die Sei­ten­flan­ke. Das klappt wesent­lich bes­ser und wir erhal­ten tol­le Auf­nah­men für unse­ren Blog.

Ein­fach herr­lich hier. Man kann sich leb­haft vor­stel­len wie die Sau­ro­po­den hier her­um­ge­grast haben — ein voll­stän­dig erhal­te­nes Ske­let wur­de hier gefun­den. Wie­der sau­gen wir die Ein­drü­cke und die An- und Aus­bli­cke. Und es ist erst der zwei­te Tag unse­rer Tour.

Den Rück­weg fin­den wir nun pro­blem­los. Jetzt ab in unse­re Pen­si­on. Die Adres­se in Boo­king lässt uns zuerst etwas ver­zwei­feln — aber nach­dem wir das Schild “Pen­si­on Faur” — 300m ent­de­cken — ist auch das Pro­blem geklärt. Unnö­tig zu erwäh­nen, dass wir wie­der über­freund­lich auf­ge­nom­men wer­den. Unter dem Pavil­lon auf einem klei­nen Teich spei­sen wir könig­lich und schla­fen danach wie­der wie nach einer Saug­or­gie auf der Säug­lings­sta­ti­on.

Eul­chens Turn­schu­he müs­sen aller­dings lei­der auf dem Bal­kon über­nach­ten — so zu sagen Qua­ran­tä­ne wegen Ver­dachts auf außer­ir­di­sche Lebens­for­men 🙂

Bruno und die 140 Höhlenbären … Apuseni-Gebirge

Bei unse­rer dies­jäh­ri­gen Trans­syl­va­ni­en Tour legen wir den Neu­gier-Schwer­punkt auf die Natur. Klös­ter, Schlös­ser, Alt­städ­te müs­sen sich hin­ten ein­rei­hen — wenn’s passt — einen Umweg machen wir wegen ihnen aber nicht.

Anders ver­hält es sich bei ein­zig­ar­ti­gen Land­schaf­ten oder Natur­phä­no­me­nen. Am heu­ti­gen, drit­ten Tag unse­rer Rei­se bege­ben wir uns an den west­li­chen Rand von Sie­ben­bür­gen und len­ken den Miet-Dacia ins Apu­se­ni-Gebir­ge Das Mun­tii Apu­se­ni liegt im Nord­wes­ten Rumä­ni­ens im s.g. Kreisch­ge­biet — einer his­to­ri­schen Land­schaft ein­ge­bet­tet zwi­schen vier Flüs­sen, die alle Cris (zu deutsch Kreisch) im Namen haben. Unter der Erd­ober­flä­che sieht das Gebiet aus wie ein Schwei­zer Käse. Allein im Bihor-Mas­siv (bil­det nur einen Teil des Apu­se­ni) sind bis­her 1200 Höh­len erkun­det wor­den dar­un­ter eini­ge der schöns­ten unse­res Pla­ne­ten. (In ganz Rumä­ni­en sind übri­gens über 10 000 Höh­len bekannt.)

In vie­len die­ser Höh­len fand man, teil­wei­se voll­stän­dig erhal­te­ne, Fos­si­li­en bzw. Ske­let­te von vor tau­sen­den von Jah­ren aus­ge­stor­be­ner Lebe­we­sen. Eine ein­zig­ar­ti­ge „Arche Noah“ der Spel­äo­lo­gie. Das müs­sen wir uns mal genau­er anse­hen.

Die Bärenhöhle in Chişcău

Wir wäh­len dafür die Peste­ra Ursilor und die Peş­te­ra cu cris­ta­le. Unschwer zu erken­nen, dass Peste­ra — Höh­le heisst:) Die Bären­höh­le in Chişcău wur­de vor 40 Jah­ren zufäl­lig ent­deckt. Ein Arbei­ter eines Mar­mor­stein­bruchs hat bei einer Spren­gung eine Öff­nung frei­ge­legt. Die­se wur­de bei einem Erd­be­ben vor etwa 15 000 Jah­ren ver­schüt­tet. Zum Zeit­punkt des Erd­be­bens befan­den sich in der rie­si­gen Höh­le 140 Höh­len­bä­ren (pri­ma an Hand der Kno­chen zähl­bar), die dort grau­sam ver­en­det sind. Die Bären wur­den hung­rig und töte­ten ein­an­der, bis alle tot waren. Die­se Geschich­te wird durch ihre Über­res­te erzählt, Ton­nen von Bären­kno­chen, die den Boden gro­ßer Tei­le der Höh­le mit den Zei­chen von Bären­zäh­nen bede­cken.

Die Bären­höh­le ist eine der schöns­ten und inter­es­san­tes­ten Höh­len in Rumä­ni­en, sagt der füh­ren­de rumä­ni­sche Spel­äo­lo­ge Vio­rel Las­cu, bei dem wir die­sen Tag über­nach­ten wer­den.

Die unter­ir­di­sche Land­schaft ist beson­ders schön. Die Höh­le zeigt eine in ihrer Viel­zahl der For­men beein­dru­cken­de Tropf­stein­welt, mit ultra­trans­pa­ren­ten Kalk­stein-Gebil­den und dem unbe­fleck­ten Weiß ihrer Innen­räu­me. Die unter­ir­di­sche Land­schaft ist vie­ler­orts gru­se­lig. Die Besu­cher kön­nen sich vor­stel­len, was die hier gefan­ge­nen Bären und Tie­re hier drin­nen erlebt haben müs­sen. Sie hin­ter­lie­ßen Spu­ren, die nur sel­ten in einer Höh­le gesich­tet wer­den. Krat­zer in den Wän­den, die den Kampf ums Über­le­ben dar­stel­len. Ske­let­te von Tie­ren haupt­säch­lich Bären aber auch Höh­len­lö­wen) kön­nen ent­lang der gan­zen tou­ris­ti­schen Rou­te gese­hen wer­den.“

Die Höh­le besteht aus drei über­ein­an­der lie­gen­den Gale­ri­en: der Bären­ga­le­rie, der Gale­rie „Emil Raco­viţă“ und der Wachs­ker­zen­ga­le­rie. Aller­dings gibt es auch noch wei­te­re vier Abschnit­te, und zwar vier soge­nann­te Säle: den Saal der Wachs­ker­zen-Tropf­stein­ge­bil­de, den Saal der Spa­ghet­ti-Tropf­stein­ge­bil­de, den Saal Emil Raco­viţă und den Saal der Kno­chen.

Wir ler­nen ein net­tes Rumä­ni­sches Pär­chen mit ihren Kin­dern ken­nen, die seit vie­len Jah­ren in Mün­chen leben und uns ihre Dol­met­scher-Diens­te anbie­ten. Das Eul­chen sperrt die Lau­scher beson­ders weit auf … vor allem als um die “Geschich­te vom Bär” geht:)))

Die Füh­rung endet  in der Bären­ga­le­rie, wo das ver­stei­ner­te Ske­lett eines Höh­len­bä­ren gefun­den wur­de. Die­ses Ske­lett ist voll­stän­dig erhal­ten und befin­det sich dort seit etwa 15.000 Jah­ren. Ent­lang der Rou­te kön­nen nicht mehr und nicht weni­ger als 140.000 Kno­chen gese­hen wer­den. Ein welt­weit ein­zig­ar­ti­ges palä­on­to­lo­gi­sches Erbe.

Die Über­res­te des rie­si­gen Ursus spe­laeus (immer­hin Kopf-Rumpf­län­ge bis zu 3,5 m, Schul­ter­hö­he zir­ka 1,70 m also grö­ßer als der größ­te Braun­bär — von denen wir auch noch jede Men­ge in der Wild­nis der Kar­pa­ten sehen wer­den) sind lan­ge nicht das ein­zi­ge was es hier zu bestau­nen gibt. Über­gro­ße For­ma­tio­nen von Sta­lak­ti­ten und Sta­lag­mi­ten ver­schie­dens­ter Gestallt schmü­cken die gesam­te Höh­le. Der­art kräf­ti­ge Exem­pla­re haben wir noch nie gese­hen. Man­che erhiel­ten sogar Namen für ihre Merk­ma­le, wie zum Bei­spiel: Pala­tul Fer­me­cat (der ver­zau­ber­te Palast), Căsuţa Piti­cilor (das Haus der Zwer­ge), Lacul cu Nufe­ri (der See mit den See­ro­sen), Sfa­tul Bătrâ­nilor (der Rat der Alten) und so wei­ter. Eine wah­re Pracht in Form und Far­be.

In unmit­tel­ba­rer Nähe zur Bären­höh­le lie­gen wei­te­re Aus­nah­me Höh­len wie z.B. Măgu­ra oder Cor­be­as­ca, die eben­falls wun­der­schön sind. Auch Peş­te­ra Vân­tu­rilor (die Wind­höh­le) befin­det sich im Apu­se­ni-Gebir­ge. Sie umfasst 50 Km Gale­ri­en und ist eine der größ­ten Höh­len in der Welt. Die Höh­le Ciur-Ponor beher­bergt ihrer­seits die längs­ten unter­ir­di­schen Flüs­se in Euro­pa. Mit hoher Wahr­schein­lich­keit waren wir nicht das letz­te Mal im Apu­se­ni Gebir­ge.

Peştera cu cristale Farcu

Wei­ter geht es ins Pădu­rea Craiu­lui-Gebir­ge. Peş­te­ra cu cris­ta­le Far­cu ist die ein­zi­ge Kris­tall­höh­le in Rumä­ni­en und (obwohl mit 250 Metern begeh­ba­rer Län­ge eher klein) die zweit­größ­te der Welt. Die Höh­le wur­de Ende der 80er Jah­re ent­deckt und kurz dar­auf lei­der stark ver­wüs­tet. Die ein­zig­ar­ti­gen Kal­zit­kris­tal­le wur­den, wo sie zu grei­fen waren, gebro­chen und für klei­nes Geld ver­kauft. Scha­de. Aber selbst die ver­blie­be­nen rund 10% von dem, was in den 80er Jah­ren ent­deckt wur­de, sind ein­fach fas­zi­nie­rend. Sol­che kris­tal­li­sier­ten Karst­for­ma­tio­nen gibt es nicht noch ein­mal auf der Welt. Der Zufalls­fund der Höh­le fand dies­mal in dem klei­nen Berg­werk von Far­cu statt. Der Zugang zu der Kris­tall­ga­le­rie erfolgt auch durch einen Berg­werk­stol­len in dem auch ein klei­nes Berg­werk­mu­se­um unter­ge­bracht ist. Alles sehr ein­fach und pri­mi­tiv aber gera­de des­halb so lebens­echt … als wären die Kum­pel grad zur Pau­se.

Wir sind die letz­ten Gäs­te für heu­te. Hier ist kaum Tou­ris­ten­ver­kehr den­noch wer­den wir “Opfer” einer Umfra­ge. Drei Schü­ler stel­len dem Raben aller­lei Fra­gen — es wird lus­tig — zwei davon spre­chen nicht bes­ser Eng­lisch als das Prinz­chen :)))

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Und dann ler­nen wir noch Bru­no ken­nen. Bru­no, ein aus­ge­wach­se­ner Bern­har­di­ner Rüde, liegt den gan­zen Som­mer im Ein­gang des Stol­lens und genießt die küh­le Luft dar­in — wie in den meis­ten Höh­len herr­schen auch hier das gan­ze Jahr über sta­bi­le Tem­pe­ra­tu­ren knapp ober­halb von 10 Grad. Kei­ner konn­te uns so rich­tig sagen wohin Bru­no gehört — aber er sah tadel­los gepflegt aus.

Nach uns wird der Stol­len geschlos­sen und Bru­no muss raus. Oben auf dem Schot­ter­weg auf dem wir ange­kom­men sind steht außer unse­rem Dacia nur noch ein präch­ti­ger, schnee­wei­ser Zie­gen­bock. Ein wit­zi­ges Bild. Da wir bis dahin lan­ge im Auto geses­sen haben wol­len wir eine Run­de lau­fen. Irgend­wo­her errei­chen uns Glöck­chen-Geräu­sche. Die Eulen­kö­ni­gin nimmt Wit­te­rung auf …. Zieeeeee­gen …. Schaaa­fe … Hur­ra.

Der Zie­gen­bock setzt sich in Bewe­gung, die Eule folgt und auch Bru­no bekommt Lust auf eine klei­ne Wan­de­rung. Der Rabe trabt hin­ter­her und schießt Fotos. Nach kaum 200 Metern erspä­hen wir tat­säch­lich einen Hir­ten und eine gemisch­te Her­de. Der freund­li­che alte Mann lotst uns mit Hand­zei­chen und unver­ständ­li­chen Rufen hoch auf einen Hügel und dann wei­ter. Nach kaum einem Kilo­me­ter durch traum­haf­te Wie­sen ahnen wir was er uns zei­gen woll­te. Der Rabe ent­deckt einen wei­te­ren, wil­den Höh­len­zu­gang. So lang­sam kommt Ver­ständ­nis für den Begriff Karst­land­schaft in uns auf. Ein Stein­wurf in den Höh­len­schacht bringt erst nach 3–4 Sekun­den ein Auf­schlag­ge­räusch — als altes Phy­si­kass weiß der Rabe sofort, dass es hier gut 60 Meter in die Tie­fe gehen muss. Das Eul­chen unter­bin­det den Rab’schen For­scher­drang — wahr­schein­lich Ver­lustangst :))))))

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Der Rabe woll­te gemein­sam mit Bru­no gera­de in die Tie­fe stei­gen. Apro­pos Bru­no — der beglei­tet uns ruhig, gelas­sen und bei Fuß — als wäre er seit dem Wel­pen­al­ter unser Hund. Er reagiert   sogar auf deut­sche Kom­man­dos. Noch ein Stück wei­ter des Weges tref­fen wir eine Hor­de Pfer­de die teils den Pfad ver­sperrt. Der eif­ri­ge Bru­no bellt die Huf­tie­re an — als woll­te er den Weg frei machen und es wirkt sogar. Auf Zuruf hört er aber auf das Pferd ner­vös zu machen und läuft wie­der see­len­ru­hig neben dem Raben her. Ein­fach voll­kom­men — wir füh­len und eins mit Tier und Natur.

(Wir fin­den einen wei­te­ren, wil­den Zug­anz zur Höh­le — die blaue Stre­cke sind wir mit Bru­no gewan­dert)

Scha­de, dass wir kurz dar­auf wei­ter müs­sen. Wir ver­ab­schie­den uns vom Bru­no um auf den ein­sa­men, ein­ma­lig his­to­ri­schen und tra­di­tio­nel­len Mot­zen-Bau­ern­hof von Vio­rel Las­cu zu kommen.Keine sie­ben Kilo­me­ter von der Kris­tall­höh­le, auf eine Höhen­wie­se im Pădu­rea Craiu­lui-Gebir­ge, wer­den wir gleich eine traum­haf­te Über­ra­schung erle­ben. Aber seht selbst.

Zeitreise auf einen Motzen Bauernhof des 19. Jahrhunderts

Zeit­rei­sen sind ein, bis­her kaum erforsch­tes, Gebiet aus der Rei­se­phy­sik. Nur weni­ge Wis­sens­hung­ri­ge befas­sen sich mit die­sem recht gefähr­li­chem Nischen-Bereich der Wis­sen­schaft. Bei stink­nor­ma­len (Urlaubs)Reisen muss man ledig­lich an einen bestimm­ten Ort hin­kom­men. Was die Zeit­rei­sen so kom­pli­ziert macht ist der Fakt, dass man an einen bestimm­ten Ort  zu einer bestimm­ten Zeit, hin­kom­men muss.

Die Bestim­mung der genau­en ZZK (Zeit-Ziel-Koor­di­na­ten) ist sehr kom­plex. Wie oft haben sich die Trans­port­of­fi­zie­re des Raum­schiffs Enter­pri­se ver­hau­en und mit welch ver­hee­ren­den Fol­gen.
Selbst Doc Brown in “Zurück in die Zukunft” konn­te sei­ne Lan­dun­gen nur sehr unge­nau berech­nen 🙂

Uns gelingt ein sen­sa­tio­nel­les Expe­ri­ment.  Wir lan­den auf einem Bau­ern­hof des 18. Jahr­hun­derts.  Noch genau­er auf einem Hügel in den Padu­rea-Ber­gen. Das Gehöft besteht aus meh­re­ren Gebäu­den, ein­ge­rich­tet wie zu Urgroß­o­mas Zei­ten, umge­ben von traum­haf­ter Natur … und ein­zig­ar­ti­gen Land­schaf­ten.

Schon die Anfahrt dahin ist ein klei­nes Aben­teu­er. Eine Adres­se gibt es nicht, einen Stra­ßen­na­men eben­so wenig. Wir bekom­men GPS Daten von unse­rem Email­kon­takt. Wir füt­tern damit 46°50’47.8“N 22°23’58.1“E Goog­le-Mops das uns dar­auf­hin einen Punkt im Nichts mit der Beschrif­tung “unna­med road” zeigt.  Eine spä­te­re Recher­che ergibt, dass wir uns im Mot­zen­land befin­den, bes­ser an sei­nem Rand. Die Mot­zen leb(t)en in archai­sche Gemein­schaf­ten, die es gewohnt sind, in schwe­ren Bedin­gun­gen zu exis­tie­ren. Der Win­ter im Apu­se­ni dau­ert oft bis zu sie­ben Mona­ten im Jahr und die die Mot­zen, in ihren abge­schie­de­nen Sied­lun­gen, haben sich anders als die gewöhn­li­che Berg­be­völ­ke­run­gen ent­wi­ckelt. Eng mit dem Natur­kreis­lauf ver­bun­den haben sie ein­zig­ar­ti­ge Metho­den der Holz­ver­ar­bei­tung (schon des Holz­schlags) und über­haupt der Berg­be­wirt­schaf­tung benutzt. Mot­zen gel­ten in Rumä­ni­en als starr­köp­fig und arbeit­sam und leben ihre uralten Tra­di­tio­nen bis heu­te. War­um erfährt man Man­ches erst so spät.

Erneut sind wir jeden­falls für ein gelän­de­gän­gi­ges Fahr­zeug dank­bar. Das mit der Satel­li­ten­na­vi­ga­ti­on ist auch eine ganz fei­ne Erfin­dung:)

Kneipenüberfall 

Zuvor wol­len wir, aus­ge­hun­gert nach zwei Höh­len-Trips 🙂 uns noch fri­sches Brot und Gemü­se orga­ni­sie­ren. Eigent­lich gibt’s in Rumä­ni­en in jedem noch so klei­nen “Kaff” einen ABC Mar­ket — wenn’s ein Kiosk ist. In den letz­ten zwei von uns pas­sier­ten Dör­fern sahen wir kei­nen. Wie­so — das erfah­ren wir im drit­ten und letz­ten vorm Ziel.

Auch hier ist zunächst nichts zu sehen. Wir sind schon raus aus dem Dorf als der Rabe wenigs­tens paar Büchen Bier für einen “roman­ti­schen” Abend im Son­nen­un­ter­gang mit­neh­men möch­te. Es saßen drei Män­ner vor sowas ähn­li­chem wie der Dorf­knei­pe. Wir dre­hen, fah­ren zurück ins Dorf, hal­ten — eine Staub­wol­ke auf­wir­belnd — vor dem Lokal. Es ist heiß. Sechs Augen schau­en uns an als wäre grad ein UFO gelan­det. Die Son­ne prall­te mit vol­ler Wucht, es dau­ert etwas bis die Staub­wol­ke sich  nie­der­legt. Eine Sze­ne wie aus einem Taran­ti­no Film. Wir stür­men sogleich wie Bon­nie und Cly­de das Lokal und mar­schie­ren durch bis zum Geträn­ke-Kühl­schrank. Vier wei­te­re Augen bestau­nen unse­ren Mut. Mit vier Büch­sen Bier ste­hen wir an der The­ke. Nach weni­gen Sekun­den spä­ter kommt eine jun­ge Frau und kas­siert lächelnd. Wir sind (fast) glück­lich. Schon im gehen, fra­gen wir ob sie weiß wo in der Gegend ein Laden sein könn­te. Sie lacht herz­haft und zerrt uns hin­ter die The­ke. Über einen kur­zen Kor­ri­dor errei­chen wie einen klei­nen Raum -Hal­le­lu­ja — der Mini­mar­ket von Poni­ta — so heißt das “Kaff”. Jetzt wird Umsatz gemacht — wir lachen uns gemein­sam mit der Ver­käu­fern und noch einer Kun­din, die grad ein­kauf­te und alles mit­be­kam, schlapp. Jetzt wird der Abend per­fekt. Nur noch drei Kilo­me­ter zum Hof.

Übri­gens beim Raus­ge­hen inspi­zie­ren wir die Fas­sa­de und die Tür des “Ladens” — Fens­ter gab’s kei­ne. Kein ein­zi­ger Hin­weis auf eine Ein­kaufs­stel­le — nicht mal ein Namens­schild an der Tür. Die Dorf­be­woh­ner wis­sen wo man ein­kauft — sonst kommt hier eh nie­mand vor­bei.

Das Gehöft

Kurz dar­auf ent­de­cken wir am Hori­zont eini­ge Gebäu­de. Das muss es sein. Zeit­sprung gelun­gen — es sieht aus wie auf einem Gemäl­de aus dem Mit­tel­al­ter. Das tra­di­tio­nel­le Häu­ser-Ensem­ble wur­de von einer Per­son restau­riert, die in die­se Gegend ver­liebt ist. Vio­rel Las­cu (Bera­ter der Rumä­ni­schen Umwelt­mi­nis­te­rin und ehe­ma­li­ger Staats­se­kre­tär im Umwelt­mi­nis­te­ri­um) hat die­ses Fleck­chen Erde wie­der­be­lebt und es vor dem Ver­fall geret­tet. Sei­ne Idee dahin­ter ist Öko­tou­ris­mus und Ver­ant­wor­tung gegen­über der Natur. Die­se Art von Tou­ris­mus rich­tet sich nicht an die Mas­sen, son­dern an die­je­ni­gen, die die Natur schät­zen und ver­ste­hen.

Vio­rel Las­cu ist auch Prä­si­dent der Rumä­ni­schen Spe­leo­lo­gie (Höhlenforscher)-Gesellschaft. Welch ein Wun­der steht doch der klei­ne Hof mit­ten in einem ein­zig­ar­ti­gen, noch lan­ge nicht zu Ende erforsch­ten, Karst­ge­biet. Vor rund 400 Mil­lio­nen Jah­ren (Devon-Zeit der Erdent­ste­hung) stie­ßen gan­ze Kon­ti­nen­te zusam­men, Gebir­ge erho­ben sich, neue Mee­re bil­de­ten sich und auch unter der Erd­ober­flä­che tat sich so eini­ges. Gase und Vul­ka­ne mach­ten aus dem Unter­grund unter dem Apu­se­ni Gebir­ge einen Schwei­zer Käse. Bis heu­te sind allein hier 1200 Höh­len ent­deckt wor­den, dar­un­ter eini­ge der ansehn­lichs­ten unse­res klei­nen Pla­ne­ten. Zwei davon haben wir bereits besucht — genaue­res kannst Du hier nach­le­sen.

Unser” Gehöft liegt ganz allein auf einer Hoch­wie­se. Im Umkreis von etwa drei Kilo­me­tern ist wei­ter nichts bis auf einen Nach­bar­hof, der bis heu­te bewohnt ist. Die Bäue­rin, der es gehört ler­nen wir bald ken­nen.

Wir wer­den erwar­tet. Bogus emp­fängt uns und zeigt uns alles. Wir bezie­hen eine klei­ne Holz­hüt­te und kön­nen unser Glück kaum fas­sen. Es ist so traum­haft hier, dass Wor­te es nicht wie­der­ge­ben kön­nen.

Die Gehöf­te bestan­den frü­her aus einer Viel­zahl ver­schie­de­ner Ein­zel­ge­bäu­de mit jeweils spe­zi­fi­scher Funk­ti­on. Die Wohn­häu­ser stan­den fast das gan­ze Jahr über leer. Die haben eher eine Reprä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on. Gelebt wur­de in einem Neben­ge­bäu­de, einer klei­nen Holz­hüt­te, der so genann­ten “Som­mer­kü­che”. Zu jedem Gehöft gehö­ren wei­ter­hin ein-zwei Stäl­le, eine Scheu­ne, eine Werk­statt, ein klei­nes Räu­cher- und ein noch klei­ne­res Toi­let­ten­häus­chen. Wir bezie­hen so ein “Neben­ge­bäu­de”, klein, mit Stroh bedeckt, über einen mit ein­ge­haue­nen Stu­fen ange­lehn­ten Baum­stam zu errei­chen. Wir möch­ten mal wie die Mot­zen leben. Die typi­schen Mot­zen­häu­ser haben außer dem Stroh­dach auch einen Stall unter sich. Die dort gehal­te­nen Tie­re haben, solang dar­in gehaust wur­de (und das war bis in die Über­gangs­zeit) die Wohn­räu­me oben drü­ber “geheizt”.  Nun unter uns sind heu­te kei­ne Schwei­ne — eine Hei­zung ist auch völ­lig unnö­tig — es herr­schen, selbst am Abend, ange­neh­me paar und zwan­zig Grad. Wir sind allein auf “unse­rem” Hof und kön­nen auch das Haupt­haus mit Küche und alles ande­re nut­zen als wären wir daheim.

Maria Maria

Obwohl? So ganz allein sind wir doch nicht. Drei Hun­de leben hier und umgar­nen uns bereits beim lecke­ren Abend­brot in der Abend­son­ne. Und da ist noch eine alte Bäue­rin, die uns neu­gie­rig vom Weges­rand beäugt. Als sie zum zwei­ten Mal vor­bei spa­ziert, win­ken wir sie freund­lich her­bei. Wie­der spre­chen wir kei­ne gemein­sa­me Spra­che aber schnell wird aus der Neu­gier Sym­pa­thie. Die Lan­ze bricht … Palin­ka. Der fünf Stun­den vor­her erstan­de­ne Kirsch-Palin­ka, Natio­nal­schnaps der Rumä­nen, schmeckt vor­züg­lich.

Auch ohne Rumä­nisch, Eng­lisch und Espe­ran­to ler­nen wir Maria Maria Mari­ugu­lar ken­nen und haben gemein­sam Spaß. Die Frau lebt hier ihr Leben lang, hält eine Kuh und eini­ge Hüh­ner und Trut­häh­ne. Sie geht dann kommt aber bald wie­der und lädt uns ein. Sie zeigt uns ihren Hof. Das Eul­chen ist wie immer mit den Gul­guls (Trut­hüh­nern) im Gleich­klang. Ein lus­ti­ges Bild.

Wir lau­fen nach der Brot­zeit noch eine Run­de mit “unse­ren” Hun­den, ent­de­cken eine Schä­fer­hüt­te, genie­ßen die Aus­bli­cke, die Natur und die Ruhe. Am spä­ten Abend kommt Maria Maria noch­mal und bringt uns fri­sche Eier — ein Geschenk. Natür­lich las­sen wir uns nicht lum­pen — der Kirsch­pa­lin­ka schmeckt. Das glück­li­che Gesicht der alten Frau bei der Ver­ab­schie­dung beschert uns ein woh­li­ges Gefühl und süße Träu­me … oder wars der Palin­ka? 🙂

Am nächs­ten Mor­gen, als wir aus dem Fens­ter unse­re klei­nen, erhöh­ten Hüt­te nach unten sahen schau­ten uns die treu­en Augen von Strup­pi an — der schmis­si­gen Hün­din die schein­bar die gan­ze Nacht unse­ren Schlaf bewach­te. So kusch­lig, wohl erzo­gen und lieb wie “unse­re” drei Hof­hun­de zu uns sind so rigo­ros ver­trei­ben sie ande­re, her­ren­lo­se Hun­de, die den Hof besu­chen. Ein tol­ler Ein­blick in das Sozi­al­ver­hal­ten von Rudel­tie­ren.

Die Son­ne steigt bereits in vol­ler Blü­te am Him­mel auf als wir unser Früh­stück in der ori­gi­nal alten Bau­ern­kü­che des Hofes berei­ten. Die Eier von Maria Maria schme­cken köst­lich und auch die Hun­de bekom­men reich­lich. Wir ver­füt­tern unse­re Wurst­vor­rä­te und den Rest unse­res Schafs­kä­ses. Es ist traum­haft, unbe­schreib­lich … es schmerz uns hier abzu­fah­ren. Aber wir wol­len doch noch so viel sehen. Viel­leicht fin­den wir den Weg hier­her irgend­wann noch­mal.