Die letzte Nachricht aus dem … sinkendem Flugzeug

Schön, dass Ihr sen­sa­ti­ons­geil auf unse­rem Blog gelan­det seid. Als Neu­lin­ge im Bloggerei.de haben wir uns spa­ßes­hal­ber eines Ham­mer-Auf­ma­chers bedient — den­noch alles echt — alles wahr — nix gelo­gen. Es ist die ers­te und letz­te Nach­richt aus der EJ.….. der Easy­Jet nach Lar­na­ca. Wir befin­den uns im Sink­flug — bis­her völ­lig stö­rungs­frei, wenn man von der Abfer­ti­gung vorm Abflug absieht, aber dazu spä­ter mehr.

Begin­nen wir rund 24h zuvor.

Von der Gar­de­ro­ben­aus­wahl hängt die Kof­fer­wahl ab — wir ent­schei­den den klei­ne­ren zu befül­len — um so auf­ge­reg­ter betrach­te­te das Eul­chen ihren Schuh­schrank. Auf Grund der kon­stan­ten 33 Grad Cel­si­us, die auf der Insel der Göt­ter wäh­rend unse­rer Hos­pi­ta­ti­on herr­schen wer­den, ver­zich­ten wir (bis auf eine) auf Jacken — das schafft Platz für fünf Paar Eulen­huf­scho­ner im Kof­fer;))))) Die meis­ten Gesichts­mus­kel­par­ti­en ent­kramp­fen lang­sam;))

Akkus wol­len alle noch mal an die Trän­ke (IPho­nes, IPads, die Spie­gel­re­flex­ka­me­ra, Mas­sa­ge­stab😇). Da das Staats­be­suchs-Pro­to­koll noch nicht end­gül­tig fest steht — noch gefühl­te 148.713 (Reise)Blogs che­cken (Sor­ry Tim😀😀😀), Wein­chen auf dem Dom­platz, Rabens Hawai­hem­den aus der Rei­ni­gung holen .…. ufff — geschafft.

Der Rabe schafft es mühe­los den könig­li­chen Hof­staat in das Köf­fer­chen zu ste­cken — dabei fliegt anfäng­lich nicht ein­mal Eul­chens Schmug­gel-Ver­such des sechs­ten(!) Paar Schu­he auf;))) Nach nur weni­gen Stun­den Bett­ru­he, Schlaf war’s kaum, star­ten wir durch. 

Nach erhofft ent­spann­ter Fahrt über eine ange­nehm lee­re A9 errei­chen wir, viel zu früh, den Flug­ha­fen. Park­platz-For­ma­li­tä­ten sind schnell und pro­blem­los abge­hakt. Der Schock kommt erst beim Betre­ten des Ter­mi­nals. Hier offen­bart sich das tief sit­zen­de Stig­ma der Kau­sa­li­tät der Begrif­fe: BERLIN und FLUGHAFEN.

Als wür­de über Berlin/Brandenburg ein Fluch hän­gen — das mit den Flug­hä­fen krie­gen sie nicht geba­cken. Wenn’s nicht so trau­rig wäre, könn­te man glatt über “Ber­li­ner FLUCH­hä­fen” wit­zeln. (Sor­ry ihr Tem­pel­ho­fer — hof­fent­lich läuft es bei euch bes­ser)

Etwa Tau­send Men­schen mit teils Furcht erre­gen­den “Hand­ge­päck” -Exem­pla­ren (soll­ten echt ver­bo­ten wer­den) und eine Divi­si­on Sie umge­ben­der Kof­fer wol­len in einen der sechs EJ-Flü­ge der nächs­ten 90min ein­che­cken.Die Men­schen­mas­sen in Zick­zack­schlan­gen, zwi­schen Gum­mi­bän­dern gepfercht, wie Vieh auf dem Weg zum fina­len Schuss.

Das koor­di­na­ti­ons­los her­um­schwir­ren­de Flug­ha­fen­per­so­nal­mach­te den Ein­druck eines BORG-Kol­lek­tivs nach dem Aus­fall der COM-Ver­bin­dung zum Mut­ter­schiff.

Ein kur­zer Blick auf die Uhr und die Schal­ter­rei­he der Easy­Jet -Abfer­ti­gung und dem Raben war klar — die Maschi­ne star­tet defi­ni­tiv nicht pünkt­lich. Von zehn avi­sier­ten Schal­tern sind vier gar nicht erst besetzt. Nach einer Stun­de Schlan­ge ste­hen — haben wir immer­hin etwa die Hälf­te des Weges erreicht. Pani­sche Laut­spre­cher­durch­sa­gen haben schon Pas­sa­gie­re vor uns abflie­gen­der Maschi­nen, kurz vor knapp, alarm­mäs­sig zum Schal­ter 29 “befoh­len” — so auch uns rund 45 min vorm geplan­ten Start. Etwa 50 Men­schen stürm­ten zum besag­ten Schal­ter. Das kann ein­fach nicht gut gehen.

Die anschlie­ßen­den Trup­pen­tei­le des Sicher­heits-Checks (Bun­des­po­li­zei, nicht mehr Easy­Jet-Per­so­nal) haben es eben­falls nicht eilig. Noch ein Aus­wei­scheck vorm Bord­ing (natür­lich in Zeit­lu­pe) danach raus aus dem Gate, fein brav wie unbe­mann­te För­der­fahr­zeu­ge im Voll­au­to­ma­ti­schen Lager, ent­lang der blau­en Mar­kie­rung, zur Maschi­ne, plat­zen, war­ten und dann ab. Immer­hin mit NUR 30min Ver­spä­tung.

Nun, 210 min spä­ter, nähern wir uns dem Cor­pus Delic­ti über den Grie­chen, Tür­ken und Eng­län­der seit 1974 strei­ten. Es wird schööööön — vor­aus­ge­setzt Easy­Jet Pilo­ten lan­den bes­ser als das Boden­per­so­nal abfer­tigt;)))

Angekommen im Nahen Osten

Hal­le­lu­ja, der Easy­Jet Pilot hat die Boe­ing, zwar etwas holp­rig aber immer­hin, auf dem Asia­ti­schen Kon­ti­nent auf­ge­setzt.

Wir sind da, zwi­schen Tür­kei (68Km), Syri­en (90Km), Isra­el (120Km) und Liby­en. Mit­ten im Nahen Osten — auch wenn das hier kei­ner gern hört — und übri­gens in Asi­en. Genau­er Vor­der-Asi­en … wie­so gera­de Vor­der­asi­en???? Ob das die Korea­ni­schen Kin­der  im Geo­gra­phie-Unter­richt auch so bezeich­nen?

Der Eulen­kö­ni­gin unüber­trof­fe­nes Händ­chen für ein­zig­ar­ti­ge Urlaubs­zie­le beför­der­te uns dies­mal in den (hier um die Jah­res­zeit völ­lig übli­chen) 35 Grad Ofen von Ska­rin­ou, einem Berg-Dörf­chen in der Insel­mit­te.

Unser Hotel, Trad­tio­nal Vil­la­ge Houses,  ist, wie so oft, mit her­kömm­li­chen Maß­stä­ben nicht zu beschrei­ben — geschwei­ge den zu kate­go­ri­sie­ren. Zu einer Anla­ge zusam­men­ge­fass­te typi­sche Zyprio­ti­sche Dorf-Häu­ser vom Anfang letz­ten Jahr­hun­derts. 100% wie damals ledig­lich mit Kli­ma­an­la­ge und moder­nem Bad aus­ge­stat­tet . Es gibt rund 20 Zim­mer, 2 Apart­ments und 2 Stu­di­os — dazu eine Taver­ne mit einer Ter­ras­se die traum­haf­ten, kilo­me­ter­wei­ten, Blick über die Täler der Umge­bung bie­tet und einen Pool.

    

Die eng auf unter­schied­li­chen Höhen­ebe­nen ste­hen­den, alten Häu­ser haben gro­ße, aus­la­den­de, schat­ti­ge Ter­ras­sen und wer­den über schma­le Trep­pen erreicht. Unser Stu­dio ist das höchst gele­ge­ne, somit genie­ßen wir non­stop das glei­che herr­li­che Pan­ora­ma wie von der Taver­nen-Ter­as­se. Die klei­ne lus­ti­ge Viet­na­me­sin mit einem Reis­bau­ern-Hut, bei der wir Ein­che­cken, stöhnt unun­ter­bro­chen “hot, very hot, oh is this hot” über die Hit­ze.

Wir ent­schei­den erst­mal Sies­ta zu machen und den Pool ein­zu­wei­hen. Eul­chen mag zwar Sau­na aber die Jah­res-Durch­schnitts-Tem­pe­ra­tu­ren in Zypern hat sie köni­gi­nen­si­cher igno­riert. Am spä­ten Nach­mit­tag wol­len wir der Hit­ze dann doch zei­gen, dass wir kei­ne Warm­du­scher sind.

LEFKARA heißt ein ver­schla­fe­nes Berg­dörf­chen kei­ne 12 Kilo­me­ter von uns. Die Bewoh­ner sit­zen auf ihren Stüh­len vor den Häu­sern. Bes­ser gesagt die Bewoh­ne­ri­nen. Jede ver­kauft irgend­was und ein Tou­ri ver­fährt sich hier­her wie es scheint sel­ten. Wir wer­den von allen ange­spro­chen und zum kau­fen ani­miert — ist schon etwas unheim­lich. Hat was von Ver­käu­fe­ri­nen-Zom­bies die in den engen, kaum zwei Meter brei­ten Gas­sen auf Frisch­fleisch war­ten. Wie wir spä­ter erfah­ren, leben hier eini­ge Eng­län­der.

Wir tür­men aus dem Vil­la­ge. An der Stra­ße ober­halb des Ortes ist uns eine süße Taver­ne bei der Vor­bei­fahrt ins Auge gefal­len. Acro­po­lis Lef­ka­ron (man beach­te NICHT mehr Lef­ka­ra;))) ist unse­re ers­te kuli­na­ri­sche Sta­ti­on hier und auch gleich ein Voll­tref­fer. Andre­as und sei­ne Frau tischen uns ein gött­li­ches MEZE auf — grie­chi­scher Salat vom Feins­ten, Humus, Zazi­ki, Schne­cken, Halu­mi, eine Art Kuskus und jede Men­ge Grill­fleisch-Spe­zia­li­tä­ten (Geflü­gel, Schwein, Rind und Lamm) dazu .… grie­chi­scher Wein (ist wie das Blut der Erde, komm schenk mir ein .…)


Es schmeck­te so gut, dass wir uns sogar einen Liter ToGo ein­schen­ken las­sen.

Übri­gens, Acro­po­lis liegt an einem Aus­sichts­punkt von dem man fast 90 Kilo­me­ter Land­schaft und den Berg Stav­ro­vouni mit sei­nem Klos­ter auf der Spit­ze sehen kann. Das Zik­ka­den-Kon­zert als Abend­essen-Unter­ma­lung lässt sich eben­falls mit VISA nicht kau­fen.

Ein­fach unbe­schreib­lich lecker — Andre­as steht übri­gens selbst in der Küche — und ein­ma­lig schön. Vol­le 10 Punk­te auf unse­re Gour­met-Sca­la.

Steinzeit, Glaube, Geschäftssinn, Folklore

Vom tau­send Jah­re alten Klos­ter über die ältes­te Sied­lung der Stein­zeit­men­schen auf die­sem Pla­ne­ten, einen Traum­strand bis zum Folk­lo­reabend. Die­ser Tag wur­de etwas bunt und anstren­gend.

Die “Kli­ma” und die nächt­li­che fri­sche Bri­se vom Meer haben uns eini­ger­ma­ßen gut schla­fen las­sen. Das Früh­stück in der Hotel­ta­ver­ne ist mäßig aber Wun­der haben wir nicht erwar­tet. Tri­pad­vi­sor Bewer­tun­gen spra­chen eine kla­re Spra­che. Den­noch Spie­gelei, Halu­mi, fri­sche Gur­ken und Toma­ten, genieß­ba­rer Kaf­fee und Tee waren aus­rei­chend um in den Tag zu star­ten.

 

 

Das, auf Grund der eulen­un­wür­di­gen Tem­pe­ra­tu­ren, redu­zier­te Pro­to­koll führt uns heut Vor­mit­tag zum dem, auf einem fel­si­gen Gip­fel, 750 Meter über dem Mee­res­spie­gel, lie­gen­den Stav­ro­vouni-Klos­ter. Das haben wir ges­tern von dem Berg­hang aus gese­hen, an dem wir geges­sen haben — Acro­po­lis Taver­ne. Der Legen­de nach wur­de es im 4. Jahr­hun­dert von der Hei­li­gen Hele­na, Mut­ter Kon­stan­tins des Gro­ßen, gegrün­det, die einen Split­ter des Hei­li­gen Kreu­zes hier zurück­ge­las­sen haben soll. Die Mön­che des Klos­ters leben nach ähn­lich stren­gen Vor­schrif­ten wie die Mön­che in der Repu­blik Athos in Grie­chen­land. Genau­so wie dort haben Frem­de, kei­nen Zutritt. Erst recht nicht Eulen­kö­ni­gi­nen. Aber bereits die Fahrt ent­lang der engen Ser­pen­ti­nen den Berg hin­auf- belohnt uns mit unbe­zahl­ba­ren Aus­bli­cken.

Das Klos­ter selbst hat was vom Klos­ter Eber­bach, wel­ches Kulis­se für “Der Name der Rose” war — karg, fel­sig, unnah­bar, seit Jahr­hun­der­ten unver­än­dert, irgend­wie gespens­tisch und den­noch beherr­schend majes­tä­tisch. Wir knip­sen was das Zeuch hält;))))

Das nur fünf Kilo­me­ter dar­un­ter lie­gen­de (Versorgungs-)Kloster Agia Var­va­ra kann zwar besucht wer­den, auch von Weib­chen, hat aber aus irgend­wel­chen Grün­den momen­tan sei­ne Pfor­te geschlos­sen. Scha­de, aber wir wer­den sicher noch­mal geweih­te Luft, wäh­rend unse­res Besuchs hier, schnup­pern dür­fen.

Trotz der stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren, so ganz kul­tur-his­to­risch gesät­tigt sind wir noch nicht. Auf unse­rem Audi­enz-Plan, also der Lis­te der Orte, die wir mit unse­rer Audi­enz beeh­ren wol­len, fin­den wir unweit von Stav­ro­vouni — das Dorf Chi­ro­ki­tia. Der Name erin­nert etwas an einen ABBA-Hit — aber Chi­ro­ki­tia ist die ältes­te Sied­lung der Welt­ge­schich­te: Die Aus­gra­bun­gen von Chi­ro­ki­tia brach­ten eine der wich­tigs­ten Stein­zeit­kul­tu­ren des Mit­tel­meer­rau­mes ans Licht.. Bereits vor NEUN TAUSEND Jah­ren, also 7000 vor der unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis, leb­ten hier Stein­zeit-Men­schen und zwar bis zu 1000. Wann die ers­ten Men­schen nach Zypern kamen, ist bis heu­te unge­klärt. Die ältes­ten Fun­de von Chi­ro­ki­tia zeu­gen bereits von einer rela­tiv hoch­ste­hen­den Kul­tur. Die Anfän­ge der Sied­lung und die Her­kunft der Bewoh­ner sind bis heu­te ein Rät­sel.

 

Die Stein­zeit­men­schen woll­ten bei Zei­ten sehen wenn Besuch kommt und haben die Sied­lung auf einem Pla­teau auf einem Mords­hü­gel ange­legt — bei der Hit­ze ver­zich­ten wir auf einen alpi­nis­ti­schen Kreis­lauf­kol­laps. Unser Nis­san muss das ers­te Mal ins Gelän­de. Die Sied­lung ist wie­der­mal “her­vor­a­gend” aus­ge­schil­dert — aber der mili­tä­risch gut aus­ge­bil­de­te Rabe kreist das Ziel­ge­biet von oben ein und fin­det schließ­lich treff­si­cher die Aus­gra­bungs­stät­te und auch einen Weg dahin (per Auto). Gewollt ist das bestimmt nicht.

Es ist schon ein eigen­ar­ti­ges Gefühl zwi­schen den Stei­nen zu lau­fen wo vor einer unvor­stell­bar lan­gen Zeit die ers­te bekann­ten Men­schen gelebt haben. Die Sied­lung ist so gut erhal­ten, dass man sich direkt in die Zeit hin­ein­ver­setz­ten kann. Wahn­sinn. Übri­gens die Lehm­häu­ser hat­ten bis zu 10m im Durch­mes­ser und die Mau­er­stär­ke erreich­te drei Meter — wahr­schein­lich konn­te man dar­in, selbst bei so einer Brut­hit­ze wie heu­te pri­ma aus­hal­ten. Trotz­dem, län­ger als 50–60 Minu­ten bei sicher 60 Grad (Schat­ten Fehl­an­zei­ge) sind für den noch ange­schla­ge­nen Raben nicht unbe­dingt emp­feh­lens­wert. Man stel­le sich eine 65–70 Grad Sau­na vor — viel hat nicht gefehlt. Wir haben genug gese­hen.

Übri­gens, ein paar von den Jahr­tau­send alten Krea­tu­ren lau­fen da bis heu­te rum:))))

Zwi­schen 11 und 15 Uhr dreht sich im gesam­ten Mit­tel­meer-Raum kein Rad,  so auch hier nicht — also ab an den Strand. Mezo­ni-Beach ist es heu­te. 40 Schir­me und 5 Umbrel­las säu­men den dunk­len Sand. Außer uns nur noch ein Pär­chen und das ver­krü­melt sich nach einer hal­ben Stun­de. Genau wie wir es (suchen, meist fin­den und) lie­ben, sind wir zusam­men mit den Kiosk­be­trei­bern die ein­zi­gen Men­schen hier. Eine kilo­me­ter­brei­te Bucht nur für uns — wgidd*. Zwei Bier, lus­ti­ger­wei­se 0.67L, für drei Taler und ein vor­züg­li­cher Greek-Cofe für einen Euro­nen + Umbrel­la­pacht ist der Gewinn des Kiosk­jun­gen. Scha­de, dass wir kein Bild geschos­sen haben … aus­ser …:)))

Nach drei Stun­den sind auch wir Sies­ta-reif.  Zurück im Hotel spü­len wir im Pool das Salz von unse­rer Haut und ruhen lie­gend wie zwei Büf­fel nach dem Bad im Was­ser­loch. Abends soll es gas­tro­no­misch-folk­lo­ris­tisch zu gehen.

Meh­re­re Blogs beschrei­ben das Dörf­chen Pis­sou­ri im Lobes­ge­sang nicht wegen der Dorf­schön­hei­ten oder wegen einer dort gefun­de­nen Bett­pfan­ne des Marc ‘Anto­ni­us son­dern wegen der Geschäfts­tüch­tig­keit der ansäs­si­gen Wirts­leu­te. Die Taver­nen­be­sit­zer rund um den Markt­platz ver­an­stal­ten ein­mal wöchent­lich einen Folk­lo­reabend mit Tän­zen, grie­chi­scher Live-Musik und sons­ti­gen Gauk­lern.

Von www.zipern-news.eu bis www.griechenland.net , und eini­gen wei­tern Sei­ten im Netz wird der Mitt­woch als Folk­lo­reabend-Ter­min ange­prie­sen. Pus­te­ku­chen, die CYPRIS-NIGHT fin­det am F R E I T A G statt. Unser mitt­woch­li­cher 70 Km Aus­flug droh­te fast im Desas­ter zu enden.

Das Geschäft mit den Tou­ris­ten läuft so gut, dass das Essen, wenn auch typisch grie­chisch, nicht im Gerings­ten an die Qua­li­tät einer Dorf­ta­ver­ne ran reicht. Hat was von Kan­ti­nen­es­sen für Gour­met­prei­se. Der Folk­lo­reabend aber soll spit­ze sein .… haben wir uns sagen las­sen. Unse­ren Abend erret­te­ten zwei älte­re Grie­chen, die am Rand des Dorf­plat­zes plötz­lich zu musi­zie­ren begin­nen. Es ist ein Ohr­schmaus von tra­di­tio­nel­len grie­chi­schen Wei­sen bis hin zum Sir­ta­ki. Sogar Grie­chi­scher Wein” wird into­niert obwohl man deut­sche Tou­ris mit der Lupe auf der Insel suchen kann.

Eine Sze­ne­rie auf dem Dorf­platz fin­den wir beson­ders reiz­voll und kon­trast­reich. Auf der einen Sei­te die Gäs­te in den 3–4 Restau­rants auf der ande­ren Sei­te gut 15 alte Grie­chen in Plas­tik­stüh­len an einer Haus­mau­er. Zwei  uralte Taxi-Schil­der hän­gen über ihnen aber es ist ein Dorf­treff, ein Raum mit Küchen­zei­le, Was­ser­ko­chern und Geschirr — frü­her viel­leicht ein Taxi­bü­ro.

Die Tou­ris star­ren auf die Alten und die Alten beglot­zen die Tou­ris — ein herr­li­ches Bild.

Punkt um — die Musik war top, der Wein genieß­bar, mei­ne Köni­gin hat­te auf der Rück­fahrt sogar klei­ne mut­ter­sprach­li­che  Buch­sta­ben­dre­her z.B. “ReuchtLeck­ra­me”, aber ver­mut­lich war die Hit­ze an der alko­ho­li­schen Gärung (oder war’s die Gärung des Alko­hols;))) schuld. 23 Uhr Orts­zeit bezo­gen wir dann Horch­pos­ten an unse­ren Kis­sen.

*-wie geil ist das denn;))))

TNRZ — freiwillig in einer Diktatur

Vie­le Rei­se­b­logs beschrei­ben Zypern aber nur weni­ge Nord­zy­pern. Schon hier müs­sen wir die ers­te Kor­rek­tur der land­läu­fi­gen Volks­mei­nung vor­neh­men.

JA — da war was, Zypern ist geteilt.
NEIN — Zypern ist nicht Grie­chen­land.

Die REPUBLIK ZYPERN ist seit 1960 ein völ­lig eigen­stän­di­ger Staat, seit 2004 EU-Mit­glied, hier wird links gespro­chen und Grie­chisch gefah­ren oder war’s anders­rum;))))?

Die Tür­ki­sche Repu­blik Nord­zy­pern, kurz TRNZ ist ein De-fac­to-Regime im Nor­den der Insel, das von der inter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft mit Aus­nah­me der Tür­kei nicht aner­kannt wird — also qua­si, das euro­päi­sche Nord­ko­rea;))) Wie­so immer nur der Nor­den? — Nord­zy­pern, Nord­ko­rea, Nord­ir­land…;))) Hier wird auch links gefah­ren aber Tür­kisch gespro­chen.

Die­ses Land wol­len wir ken­nen ler­nen, zumal es hier noch mehr und noch schö­ne­re Sehens­wür­dig­kei­ten aber vor allem unbe­rühr­te Natur geben soll.

Die meis­ten Deut­schen die sich über­haupt trau­en, schnup­pern in Niko­sia oder Fama­gus­ta zu Fuß über die Gren­ze, shop­pen und essen bil­lig, wun­dern sich über die vie­len Uni­for­mier­ten und sind drei Stun­den spä­ter wie­der im Schoss der EU. Wir beschlie­ßen, neu­gie­rig wie wir sind, drei Tage hier zu ver­wei­len (es wer­den vier;) — und schon mal vor­weg, es wur­de traum­haft. Orte, Men­schen, Küche, Land­schaf­ten und eine ein­ma­li­ge Nacht mit Mee­res­schild­krö­ten wer­den wir nie ver­ges­sen.

Früh­stück im Hotel kni­cken wir uns, und star­ten rela­tiv zei­tig los. Zu unse­rem ers­ten Ziel in Nord­zy­pern sind es gra­de Mal 70 Km.

Der Auto-Grenz­über­gang in Niko­sia ver­sprüht nicht den Charme, von REGIMEGRENZE.

Weder Maschi­nen­ge­weh­re noch Sta­chel­draht — statt­des­sen freund­li­che Grenz­be­am­te. Locker sind sie noch dazu — da wir die Ver­si­che­rungs­po­li­ce für TRNZ kau­fen müs­sen (20€ für 3 Tage) las­sen Sie uns schon mal ins Länd­le. Wir par­ken seit­wärts ein hät­ten aber auch mit Spreng­stoff, Melo­nen oder Gum­mi­bär­chen durch­bre­chen kön­nen. Die Poli­ce gilt bis 24 Uhr des drit­ten Tages, macht bei uns fast vier Tage weil wir bereits früh am Vor­mit­tag die UN-Sicher­heits­zo­ne pas­sie­ren.

Wir steu­ern Die Burg St. Hil­ari­on, im Volks­mund „Schloss der 1000 Gemä­cher“ genannt, an. Vor­bei an einer Kaser­ne und einem Schieß­platz (auf dem gera­de Poli­zei mit auto­ma­ti­schen Waf­fen die Tal-ruhe zer­reißt) schlän­geln wir uns ent­lang der engen Ser­pen­ti­nen den Berg hin­auf.

Oben erst­mal ein Greek­Cof­fe, ein Oli­ven­bröt­chen und ein Efes;))) Die Burg­an­la­ge ist gewal­tig, auf gut 100 Höhen­me­tern, rund um den Berg (eigent­lich zwei Gip­fel) ange­legt. Bei 37 Grad kola­biert unse­re Küh­lung aber bereits auf zwei­ter von drei “Ebe­nen”. Ein alter Zyprio­te ver­kauft in einer gro­ßen, deko­ra­ti­ven Burg­kam­mer “ech­te zyprio­ti­sche Oran­gen­li­mo­na­de”. Wirk­lich lecker das Gesöff. Der Mann ist so alt, dass er sich bei Erwäh­nung von “good old EST­ger­ma­ny” — an den olym­pi­schen Ruhm der DDR erin­nert — put­zig was den Men­schen so von einem Staat in Erin­ne­rung bleibt.

Der Aus­blick von der Burg ist atem­be­rau­bend. Die Anla­ge selbst ist für einen über 1000 Jah­re alten Bau in Tei­len noch gut erhal­ten. Ledig­lich die Hit­ze schmä­lert unse­re Eupho­rie bis in den aller­letz­ten Win­kel zu krie­chen.

Wir ver­kür­zen den Besuch auf ein Mini­mum und fah­ren (erst­mal die Ser­pen­ti­nen wie­der run­ter) wei­ter nach Gir­ne.  Ab dem ers­ten Jahr­hun­dert, also im Früh­chris­ten­tum, war die Stadt Bischofs­sitz. Bekannt wur­de sie 1965 durch den Fund des best­erhal­te­nen anti­ken Schif­fes weni­ge Meter vor der Küs­te. Das Schiff von Kyre­nia (der alte grie­chi­sche Name von Gir­ne) kann im Muse­um bewun­dert wer­den — wir ent­schei­den uns für den Alt­stadt-Hafen mit sei­nem bri­ti­schen, Kolo­ni­al­stil Zoll­haus und einer unver­wech­sel­ba­ren Atmo­sphä­re. Die Hit­ze ist uner­träg­lich — Was­ser und fri­scher Oran­gen­saft wer­den gleich in Halb­li­ter-Gefä­ßen gebracht.

Wir lüf­ten unse­re Hir­ne und ver­su­chen die Kör­per­tem­pe­ra­tu­ren unter die Pro­te­in-Gerin­nungs-Gren­ze zu drü­cken … ein küh­les 0,7 Efes hilft da unge­mein. Wir ler­nen Mus­ty ken­nen — einen sym­pa­thi­schen und geschäfts­tüch­ti­gen jun­gen Tür­ken der uns von einem Boot vor­schwärmt (sehr dezent und wirk­lich unauf­dring­lich). Wir heu­ern für den kom­men­den Sams­tag als Matro­sen an — das wird cool.

Wei­ter nach Kant­a­ra und ab da wird’s kniff­lig. Die EU betrach­tet Nord­zy­pern gern als eige­nes Ter­ri­to­ri­um — ver­trags­tech­nisch endet die­ses Begeh­ren aber schnell im Nim­mer­land.  Unser IPho­ne ver­bin­det sich nicht ins nord­zy­prio­ti­sche Voda­fonenetz. Tele­fon ja — Inter­net nein. Unser Navi — Goog­le-Maps ist ab da blind, wir fast auch.

Aus­schil­de­rung wird hier nicht so eng gese­hen. Nes­ter die auf kei­ner Kar­te zu fin­den sind beherr­schen den Schil­der­wald. Wir dre­hen zwei Ehren­run­den. Eine auf der Auto­bahn — zwi­schen Gir­ne und Lef­ko­sia (10 Km) kei­ne ein­zi­ge Ausfahrt/Wendemöglichkeit. Und eine im Kyre­nia-Gebir­ge — noch­mal gut 30 Km “Links­schal­ten for Begin­ners”. Ser­pen­ti­nen, Stei­gun­gen, Abfahr­ten — gefühl­te 16,3 Schalt­vor­gän­ge pro Minu­te und das mit der LIIIIIIIIINKEN!!!!! Hand. Kraft­trai­ning kann der Rabe für die nächs­ten zwei Jah­re schwän­zen.

Den­noch fin­den wir, gering­fü­gig ver­spä­tet ;)))) unser nächs­tes Ziel, die Burg Kant­a­ra. Hier und da wird sie als Kreuz­rit­ter­burg bewor­ben, was auf ihre Archi­tek­tur hin­deu­tet, nicht auf die Burg­her­ren. Kant­a­ra gehör­te über die knapp 400 Jah­re ihrer Dienst­zeit den Byzan­ti­nern, den Zyprio­ten, den Jeru­sa­le­mern und den Genue­sern aber nur an weni­gen Tagen im Jahr 1191 klap­per­ten Kreuz­rit­ter-Rüs­tun­gen durch die Gän­ge. Etwa um das Jahr 1525 wur­de Kant­a­ra, wie übri­gens auch die übri­gen drei zypri­schen Höhen­bur­gen “geschlif­fen”. Ja das Wort war uns in die­sem Zusam­men­hang auch unbe­kannt — es bedeu­tet gesprengt, für jeg­li­che Nut­zung unbrauch­bar gemacht. Es ist fast ein Wun­der, dass es heu­te den­noch soviel zu sehen gibt.

Für uns ist Kant­a­ra eine Zwi­schen­sta­ti­on auf dem Weg nach Dipkar­paz, ganz im Nor­den der Kar­paz Halb­in­sel. Nur wegen der Burg­rui­ne die Stre­cke zurück­zu­le­gen — fast ein Tages­aus­flug — wäre sehr mutig. Auf den ver­blei­ben­den etwa 1,5 h Weg in die Halb­in­sel­spit­ze zwei­felt ihre Eulen­tät dann auch ein paar mal, ob die Stra­pa­zen der Hit­ze-Fahrt für ein Essen und eine Über­nach­tung gerecht­fer­tigt sind. Der Rabe muss wie­der mit sei­nem Moti­va­tions-Talent zau­bern. Er ver­spricht sei­ner Köni­gin einen traum­haf­ten Strand, tol­les Essen, das Ken­nen­ler­nen net­ter Men­schen und über­haupt .…..  :)) Wie sehr sich die müh­sa­me Anfahrt loh­nen soll könnt Ihr im nächs­ten Bei­trag lesen — der Rabe hat sei­ner Eule nicht zuviel ver­spro­chen … eher zu wenig:)

Nachts auf der Schildkröten-Entbindungsstation

Nach der stra­pa­ziö­sen Fahrt durch die Brut­hit­ze Nord­zy­perns sind wir end­lich am Ziel. In unse­rem Auto sieht es meist aus wie in der Fah­rer­ka­bi­ne eines paki­sta­ni­schen Trucks. Die Kar­te über nack­te Bei­ne aus­ge­brei­tet — der bren­nen­den Son­ne wegen , Sei­ten­fens­ter mit Tüchern zuge­han­gen, Kli­ma­an­la­ge auf -10 Grad ein­ge­stellt, Geblä­se auf höchs­te Stu­fe.

Das Oasis Restau­rants and Rooms bes­ser bekannt als Oasis Ayfilon — liegt direkt am Strand in der klei­nen Bucht von Ayfilon. Kei­ne 50 m dane­ben ste­hen Rui­nen einer Kir­che die ihrer­seits auf den Mau­er einer Basi­li­ka gebaut wur­de. Die Atmo­sphä­re ist magisch. Hier stand vor 3000 Jah­ren eine der bedeu­tends­ten anti­ken Städ­te Zyperns. KARTASIA — lag genau zwi­schen dem heu­ti­gen Dipkar­paz und dem Strand von Ayfilon. Gegrün­det etwa 250 vor Chris­ti, nach ara­bi­schen Angrif­fen in früh­by­zan­ti­ni­scher Zeit, im 9. Jahr­hun­dert, auf­ge­ge­ben. Bis heu­te fin­den Bau­ern immer wie­der Stei­ne und Scher­ben — man müss­te ein­fach nur anfan­gen zu gra­ben.

 

Wir fra­gen uns war­um die Men­schen nach einem Mythos wie Atlan­tis (übri­gens fast aus der glei­chen Zeit) suchen und wirk­lich vor­han­de­nes kom­plett igno­rie­ren. Pha­phos und Sala­mis — ein paar Mau­ern aus­ge­bud­delt — und gut ist, man ist zufrie­den. Bei­de Städ­te hat­ten 240 000 bzw. über 100 000 Ein­woh­ner. Nach Pla­tons Beschrei­bung ist Atlan­tis eine 400–600 Km gro­ßen Insel .… und die will man aus­bud­deln????

Die­ses Fleck­chen Erde, Kar­ta­sia —  hat bereits den Autor Kai Althoetmar fas­zi­niert. In sei­nem Buch  “Rumi kam nur bis Konya — Rei­sen durch den Ori­ent” schreibt er:.

Wir sind auf Ver­dacht hier­her. Ent­deckt haben wir es bei AirB­NB woll­ten es ges­tern noch live buchen — sind aber an einem Soft­ware-Bug der App geschei­tert. Rabens Aus­weis­do­ku­ment ließ sich nicht ein­scan­nen. Da uns die Göt­ter (oder auch nur Oma Anna) aber wohl geson­nen sind, gibt’s für uns noch eins von den sechs Gäs­te­zim­mer­chen. Ein Zufall????

Wäh­rend unser Zim­mer zurecht gemacht wird spei­sen wir könig­lich. JWD* (janz weit drau­ßen ) von jeg­li­cher Zivi­li­sa­ti­on, 4 Km ins nächs­te Dorf, 50km in die nächs­te Stadt lan­den wir im Para­dies. Die Bucht ein Traum, der Strand gehört wie­der uns allein, das Essen kann man lecke­rer ein­fach nicht zube­rei­ten, net­te und gast­freund­li­che  Men­schen (Erkan wie sei­ne Hel­fer alle­samt) und als ob unse­re Schutz­en­gel das noch als unzu­rei­chend befin­den — ler­nen wir, im Zim­mer neben­an, das ein­zi­ge deut­sche Pär­chen auf der Insel ken­nen. Jac­que­line und Kars­ten aus Span­dau. Die bei­den besu­chen zwar Jacky’s Toch­ter hier — ret­ten neben­bei aber auch noch zwei zyprio­ti­sche Hun­de aus unwür­di­gen Hal­tungs­be­din­gun­gen. Die Grup­pe “Hope 4 Pets North Cyprus” küm­mert sich um ver­nach­läs­sig­te Tie­re und ver­mit­telt so vie­le wie mög­lich in bes­se­re Bedin­gun­gen. Nicht ganz bil­lig der Spaß: gesund­heit­li­che Unter­su­chun­gen, Wurm­ku­ren, Qua­ran­tä­ne und schluss­end­lich der Trans­port nach Deutsch­land. Eine bewun­derns­wert bei­spiel­haf­te Tier­lie­be. Respekt Ihr Bei­den!!!! Hier übri­gens sind sie .….. nicht die Span­dau­er;)))) .… die Vier­bei­ner Bay­li und Luci.

Wie die Mut­ter so die Toch­ter — Chan­tal stu­diert Bio­lo­gie, macht gra­de ihren Mas­ter über Mee­res­schild­krö­ten an der Hum­boldt UNI und enga­giert sich seit vier Jah­ren bei “See Turt­le Con­ser­va­ti­on” — einem Pro­jekt zur Erhal­tung der vom Aus­ster­ben bedroh­ten Mee­res­schild­krö­ten.

Das Camp von STC ist etwa 3 Km ent­fernt — und für den Strand von Ayfilon zustän­dig. Nachts und am Mor­gen haben die Wis­sen­schaft­ler und Stu­den­ten (in die­sem Camp 8) voll zu tun. Nes­ter suchen, abste­cken, teils umsetz­ten, bewa­chen. Tags über Auf­klä­rungs­ar­beit an Tou­ris und Ein­hei­mi­schen. Kno­chen­har­ter Job, wenig Schlaf, nicht gra­de Gour­met­es­sen und die Hit­ze!!!!

Aber was tut man nicht alles für die Erhal­tung von Spe­zi­es und letzt­end­lich mög­li­cher­wei­se sogar unse­rer eige­nen, wenn wir wei­ter so mit unse­rer Umwelt umge­hen.

Mee­res­schild­krö­ten gehö­ren zu einer alten Grup­pe von Rep­ti­li­en und errei­chen eine Län­ge von ca. einem bis ein­ein­halb Meter. Die Mut­ter­tie­re krie­chen im Abstand von zwei bis drei Jah­ren im Schut­ze der Nacht an Land, hin­ter­las­sen dabei eine Art Rau­pen­spur und gra­ben dann im Sand Nes­ter in ein­ein­halb bis einem Meter Tie­fe, wo sie bis zu 200 Eier able­gen. Beim Rück­zug ins Meer glät­ten sie den Sand wie­der und ver­wi­schen ihre Spur. Die­ser Vor­gang wie­der­holt sich bei den glei­chen Mut­ter­tie­ren bis zu fünf­mal im Zeit­raum von Mit­te Juni bis Mit­te August. Die­se Nes­ter sind bevor­zug­te Deli­ka­tes­se vor allem für Strand­füch­se, Krä­hen und Habich­te.

Wir wer­den von den Ber­li­nern ein­ge­la­den eine hal­be Nacht auf Schild­krö­ten-Beob­ach­tung mit zu kom­men. Mit einer Men­ge Glück kann man eine Schil­di fin­den die im Schut­ze der Dun­kel­heit Ihre Eier able­gen will. Der von den Karett-Schild­krö­ten bevor­zug­te Leich­strand ist kei­ne 500m vom unse­rem Para­dies ent­fernt. Ken­nen­ler­nen, Toch­ter bei STC, Ein­la­dung — wie­der alles Zufall?

Immer noch nicht des Glücks genug — fin­den wir eine Spur und kurz dar­auf die Mee­res­schild­krö­te, die schon flei­ßig am Bud­deln ist. Lus­tig und gleich­zei­tig über­wäl­ti­gend wie das an Land so unbe­hol­fe­ne Tier mit sei­nen Flos­sen den Sand nach hin­ten weg­schau­felt.

Die Foto­tech­nik ver­sagt selbst mit Tam­ron-Objek­ti­ven die Rest­licht ver­wer­ten wie Kame­le das Was­ser. Meh­re­re Tau­send Euro nüt­zen nichts — und Blit­zen ist undenk­bar. Das wür­de die Eiab­la­ge abrupt been­den. Alle hier ver­öf­fent­lich­ten Fotos der Tur­tels bekom­men wir, über die Mama, von Chan­tal — Daaaaaaaaaaaaaaa­an­ke.

Wir beob­ach­ten gebannt das Mil­lio­nen Jah­re alte Rep­til beim Nest-Aus­he­ben. Eine Stun­de geht ins Land als plötz­lich Ruhe ein­kehrt. Ruhe im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes — nur das Plät­schern der Wel­len ist noch zu hören.

Wir sind im Freu­des­tau­mel — wir zwei Erfur­ter, hard­core indi­vi­duall-Tou­ris bekom­men die­ses sel­te­ne Natur­schau­spiel per Zufall gebo­ten — ande­re kom­men nur zu die­sem Zweck hier­her und haben näch­te­lang kein Glück.

Plötz­lich Geräu­sche vom Meer. Eine zwei­te Schil­di, etwa Meter im Durch­mes­ser, schiebt sich den Strand hin­auf. Das will die Eulen­kö­ni­gin jetzt aber haut­nah erle­ben. Sie robbt, wie ein israe­li­scher Infan­te­rist die Golan­hö­hen hoch, den Strand ent­lang zur ver­mut­li­chen Nest­stel­le. Am Ende sind die Schä­del von Eule und Krö­te kei­ne 1,5m von ein­an­der ent­fernt. Das Unge­tüm beginnt zu gra­ben — gewal­ti­ge Sand­men­gen flie­gen mit einem Flos­sen­schlag weit hin­ter das Tier. Es ist ein nicht zu beschrei­ben­des Gefühl dabei zu sein.

Es sind bereits gut drei Stun­den ver­gan­gen. Laut Jea­ckis Toch­ter kann die Pro­ze­dur durch­aus 5–7 Stun­den dau­ern. Wir haben genug erlebt — wer­den die­se Nacht bis an unser Lebens­en­de nicht ver­ges­sen.

Wir ver­las­sen laut- und licht­los den Strand­ab­schnitt — genau­so wie wir ihn betre­ten haben. In der Bar begie­ßen wir das Anfän­ger­glück mit einem Schop­pen Wein und wer­ten das Erle­be aus. Per Whataapp kom­men Gück­wün­sche von der erfah­re­nen Mee­res-Schild­krö­ten-Bio­lo­gin. We are mega hap­py.

Übri­gens in etwa 55 Tagen schlüp­fen die klei­nen Tur­tels und sprin­ten was das Zeug hält zum Was­ser. Das sieht wohl auch total put­zig aus. Lei­der wer­den wir das nicht live erle­ben. Nach etwa 20–25 Jah­ren kom­men die dann Geschlechts­rei­fen Schil­dis genau an den Strand an dem sie gebo­ren wur­den, um eige­ne Eier abzu­le­ben — fas­zi­nie­rend und wohl nicht im Ansatz erforscht. Oder???? -> Kom­men­tar:) Eine Zahl erschreckt in die­sem Zusam­men­hang noch — sta­tis­tisch gese­hen erreicht von 1000 Eiern nur E I N E Schild­krö­te die Geschlechts­rei­fe.

Und hier noch eine abso­lu­te Rari­tät — eine Karett-Albi­no-Mee­res-Schil­di.