Wir ver­las­sen vor­erst Maze­do­ni­en. In kaum 10 Minu­ten sind wir am Grenz­über­gang Tus­he­misht. Die Abfer­ti­gung geht zügig – die Auto­pa­pie­re wer­den genau­er unter­sucht als unse­re Aus­wei­se, und schon sind wir in Alba­ni­en. Wenig spä­ter durch­fah­ren wir Pogra­dec und bie­gen Rich­tung Kor­ca ab. Es geht nach Dard­he, einem ver­wun­sche­nen klei­nen Dorf am Süd­hang des Berg­zugs der Malet i Mora­vës (1806 m ü.M.), kei­ne 5 Km Luft­li­nie von Grie­chen­land ent­fernt. Schon letz­tes Jahr sind wir hier „hän­gen geblie­ben“ wegen der Schön­heit, der Ein­zig­ar­tig­keit und wegen der Men­schen. Ardi, der eine Taver­ne mit zwei Gäs­te­zim­mern hier betreibt, ist uns zum Freund gewor­den.

Nach etwa 2,5h errei­chen wir das Berg­dorf – Ardi emp­fängt uns vol­ler Freu­de. Es wird geknud­delt und gedrückt. Natür­lich gibt es zur Begrü­ßung einen Raki und im Lau­fe des Abends Musik von AC/DC, Stones, Metal­li­ca und und und.  Sogar Hele­ne Fischer mit Atem­los und Bea­tri­ce Egli wer­den für die deut­schen Freun­de auf­ge­legt. Ardi liebt alles was deutsch ist: Bay­ern Mün­chen, die Deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft und neben einer Vor­lie­be zum Hard­rock eben auch deut­schen Schla­ger😊

Vor lau­ter Freu­de ver­gisst Ardi, dass wir viel­leicht hung­rig sein könn­ten. Es wird erzählt, gelacht und getanzt. Das freut auch eini­ge alte Dorf­män­ner, die am Nach­bar­tisch sit­zen. Erst nach fast drei Stun­den wird in der Küche gezau­bert. End­lich fül­len sich unse­re Mägen mit fes­ter Nah­rung – bis dahin war es nur Bier und Wein😊 Gesät­tigt und erschöpft ver­schwin­den wir ins Bett­chen. Wir müs­sen mor­gen fit sein – es wird gewan­dert.

Um Dard­he rum gibt es den s.g. „Dardha sce­nic trail“ einen (teil­wei­se) Rund­kurs etwa 5 Km lang, mit schö­nen Pan­ora­men um das Dorf – unser ursprüng­li­ches Ziel. Ardi emp­fiehlt uns aber eine Wan­de­rung nach Sini­ca. Sini­ca ist das Nach­bar­dorf von Dard­he – leicht, in fünf Kilo­me­tern, durch ein traum­haf­tes Tal zu erlau­fen. Der Höhen­un­ter­schied kommt uns mit nur etwa 250 m sehr ent­ge­gen😊 und … das Dorf ist so abge­le­gen und mit einem Auto kaum zu errei­chen, dass sich dort kaum Frem­de ver­ir­ren.

Nach einem lecke­ren alba­ni­schen Früh­stück geht es los. Von unse­rem Freund bekom­men wir als Aus­rüs­tung noch Wan­der­stö­cke.  Das Wet­ter ist traum­haft, auf dem Weg sind wir hin und zurück erwar­tungs­ge­mäß allein. An den Pan­ora­men und Aus­bli­cken unter­wegs kön­nen wir uns kaum satt sehen. Nach zwei Stun­den über Stock und Stein, durch herr­li­che unbe­rühr­te Natur errei­chen wir  Sinicë. Das klei­ne Dorf wirkt fast ver­las­sen, dabei ist es nur unver­fälscht authen­tisch. Es zieht sich etwa einen hal­ben Kilo­me­ter lang. West­lich des Weges  liegt der Dorf­kern. Die Häu­ser schei­nen aus dem 19. Jahr­hun­dert zu sein.

Die schö­ne klei­ne Kir­che ist geschlos­sen, Men­schen sehen wir anfäng­lich kei­ne. Die Eulen­kö­ni­gin ist der fes­ten Über­zeu­gung, dass es auch hier eine Taver­ne oder einen Mini­markt geben muss. Für eine Dose kal­ten Bie­res wür­den wir gera­de ein klei­nes Ver­mö­gen aus­ge­ben. Im Schat­ten sind es etwa 27 Grad – nur gibt es kei­nen Schat­ten. Der ers­te Ein­hei­mi­sche spricht stolz Ita­lie­nisch, die nächs­ten zwei alten Män­ner nur grie­chisch bzw. alba­nisch. Die Welt­vo­ka­beln Taver­na und Mar­ket – ver­ste­hen sie, lächeln aber nur und nicken – in Alba­ni­en heißt das nada, njet, no, is nich.

Da kommt plötz­lich eine älte­re Frau in bun­ter Schür­ze auf uns zu.  Eul­chen gibt nicht auf und betet Ihre zwei Voka­beln run­ter. Taver­na???  Mini­mar­ket???? Spon­tan fällt ihr noch eine drit­te ein – Cafe???? Jo, jo, jo – lau­ten die Ant­wor­ten. Auf alba­nisch nein, nein und nein, aber ….Kaf­fee??? fragt sie uns. Gern doch.

Kei­ne 3 min spä­ter betre­ten wir ein klei­nes Haus und sit­zen bei Jolan­tha im Wohn­zim­mer. Auf einem klei­nen Gas­cam­ping­ko­cher wird für uns im Ibrik ein köst­li­cher ara­bi­scher Kaf­fee zube­rei­tet. Der­weil erscheint der Herr des Hau­ses und schenkt uns und sich lecke­ren, selbst­ge­brau­ten Schnaps ein. Jeder Schnaps heißt in Alba­ni­en Raki auch wenn kei­ner davon was mit dem Anis­schnaps der Tür­ken zu tun hat. Mit Hän­den, Füßen und Goog­le-Trans­la­tor wird geschnat­tert was eben geht. Bei­de sind Rent­ner. Jolan­ta war Leh­re­rin, Satir Elek­tri­ker. Sie woh­nen eigent­lich in Korce, der nächs­ten gro­ßen Stadt, aber den Som­mer ver­brin­gen sie in Sini­ca – weil es hier so warm und ruhig ist.

In dem klei­nen Gar­ten ste­hen eini­ge Obst­bäu­me – wir wer­den mit Mira­bel­len beschenkt und noch im Haus gibt es köst­li­che Äpfel zur Stär­kung.

Wir reden über Kin­der und über unse­re Beru­fe und über vie­les mehr. Zum Abschied gibt es noch ein Erin­ne­rungs­fo­to., Wir sind total hap­py über die Gast­freund­schaft in die­sem Land. Die Men­schen hier haben nicht viel – eine Durch­schnitts­ren­te beträgt in Alba­ni­en zwi­schen 50–100€ — sind trotz­dem stolz und glück­lich, und laden sogar Frem­de zu sich nach Hau­se ein und tei­len mit ihnen das Weni­ge das sie haben. Sol­che Begeg­nun­gen erin­nern uns immer wie­der dar­an, das wir (damit mei­nen wir uns alle, die wir im rei­chen West­eu­ro­pa leben) uns wirk­lich nicht beschwe­ren brau­chen.   Genau sol­che Begeg­nun­gen sind aber auch, die wir auf unse­ren Rei­sen suchen – und erstaun­lich oft fin­den. Sie sind uns wich­ti­ger als berühm­te Sehens­wür­dig­kei­ten gemein­sam mit Tau­send ande­ren anzu­schau­en.

Auf dem Rück­weg sehen wir noch mehr Dorf­be­woh­ner die uns neu­gie­rig beäu­gen. Neu­gie­rig aber irgend­wie freund­lich. Wir grü­ßen auf alba­nisch – dite e mire – und ern­ten von allen lächeln­de Gesich­ter. Glück­lich und aus­ge­las­sen wan­dern wir zurück. Kurz vor Dard­he, noch im Tal, bewor es links berg­auf geht in den Ort – ent­de­cken wir eine herr­li­che Wie­se mit einem inter­es­san­ten Baum dar­auf. Meh­re­re dün­ne­re Stäm­me bil­de­ten eine statt­li­che Erschei­nung. Spon­tan mach sich das Eul­chen nackig und der Rabe knippst „Erwach­se­nen-Fotos“. Es wird eine sinn­li­che Akt-Ses­si­on. Was man alles in Alba­ni­en machen kann😊

Am Abend über­rascht uns Ardi mit tra­di­tio­nel­ler Küche. Meh­re­re typi­sche Gerich­te zau­bert unser Gast­ge­ber auf den Tisch – wir sind ein­ge­la­den und essen alle zusam­men. Auch das ist typisch für Alba­ni­en – Freu­de emp­fan­gen, Freu­de schen­ken. Ardi beschenkt uns auch noch mit reich­lich Raki und Apfel­ra­ki sowie Gli­ko. Gli­ko ist Mar­mel­da mit gro­ßen Frucht­stück­chen drin –  Mira­bel­le-Zimt und Pflau­men- Gli­co wer­den uns auch noch zu Hau­se an die­se wun­der­schö­ne Gegend und unse­ren Freund erin­nern.

Wie­der wird bis zum spä­ten Abend erzählt und viel gelacht. Auch hier etwas eng­lisch, Goog­le­trans­la­te­risch und Händ­fü­ßisch – klappt sogar mehr Recht als schlecht. Wir haben alle zusam­men jeden­falls viel Spaß dabei.

Man muss nicht extra erwäh­nen, dass wir in die­ser Ruhe und Natur schla­fen wie die Bären. Apro­pos Bären – eine grö­ße­re Popu­la­ti­on lebt in den Ber­gen von Malet i Mora­vës. Ins Dorf selbst hat sich noch kei­ner ver­irrt – wie es oft in Rumä­ni­en pas­siert. Am nächs­ten Tag müs­sen wir Dard­he bereits ver­las­sen. Eigent­lich könn­ten wir hier Wochen, gar Mona­te ver­brin­gen – viel­leicht irgend­wann. Bye Ardi, bye Dard­he … bis zum nächs­ten Mal.

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