Krakau — schlesische Adoption und polnischer Star

12, Mrz. 2017 | Essen & Trin­ken, Freun­de & Fami­lie, Polen, Rei­sen

Die letz­te, hek­ti­sche Woche vor unse­rem ers­ten, län­ge­ren Urlaub des Jah­res ist nun Geschich­te. Damit wir in die­sen nicht eben­falls hek­tisch hin­ein­rut­schen — gön­nen wir uns einen frei­en Gam­mel-Sams­tag, der voll mit uner­war­te­ten, klei­nen Höhe­punk­ten auf­war­ten wird. Kaum aus dem Haus, tanz­ten wir schon mit­ten auf dem Anger (Erfurts größ­ter Shop­ping­mai­le) zu exzel­len­ten Gitar­ren-Klän­gen eines Stra­ßen­mu­si­kers des­sen Stim­me — Welt­klas­se war. Ein wür­di­ger Kan­di­dat für “Voice of Ger­ma­ny”.

Ein stun­den­lan­ges, inti­mes, erfül­len­des, phi­lo­so­phi­sches Gespräch, wie so oft beim guten Wein, dies­mal sogar mit Son­ne im Gesicht, in einem Café am Dom­platz (Erfurt’s ers­ter Adres­se) und schluss­end­lich …. ein Kaf­fee-Orgas­mus im Café Land.

krakow_000.jpgBreit­barts, die Besit­zer, laden uns bei eben­falls seeeeehr inti­men Gesprä­chen zum Glas vor­treff­li­chen Bom­bay-Gin ein. Es sind erfri­schend anders-net­te Men­schen. Sie, wir, …. pas­sen in die­se Welt ….. und nicht in die graue Mas­se.

Aber zum Eigent­li­chen!

KRAKOW — Kra­kau steht auf dem Pro­gramm. Eine der schöns­ten wenn nicht die schöns­te Stadt Polens und über Jahr­hun­der­te ihre Haupt­stadt. Noch heu­te die Kul­tur­haupt­stadt, ein Mek­ka für Künst­ler und Tou­ris­ten. Alle paar Meter mit Geschich­te und Sehens­wür­dig­kei­ten gespickt. Seit lan­gem unser ers­ter Städ­te­tripp — zuletzt stand 2015 Prag auf der Agen­da. Nicht min­der freu­en wir uns auf unse­re Köpe­ni­cker Haupt­männ­lein (… und Weib­lein). Spon­tan sind Sie schon einen Tag vor uns …. wow … ein­ge­flo­gen;)))) Trotz der “Haupt­manns-Dienst­gra­de”;)))) — sind Sie in unse­rer Sol­da­ten­un­er­kunft abge­stie­gen und haben nur wenig “gemault”;)))

Unter­wegs, in Ober­schle­si­en, gab es aber noch “LÄNGST FÄLLIGES” nach­zu­ho­len. Rabe hat dort Famil­lie, die letz­ten Mohi­ka­ner, die ein­zi­gen in Poland ver­blie­be­nen. Die Enge der Bezie­hung zu Beat­ka, Rabens Cou­si­ne, lässt sich nicht an der Häu­fig­keit der Tref­fen able­sen. Auch wenn jedes­mal meh­re­re Jah­re dazwi­schen lie­gen — ist es als wäre es erst ges­tern, dass man das letz­te Glas Wein gemein­sam geleert hat. Die beson­de­re Nähe ent­stand bereits wäh­rend der gemein­sa­men Kind­heit und Jugend­zeit und basiert zudem auf einer ein­zig­ar­ti­gen Seelen‑, Humor- und Tem­pe­ra­ments-Ver­wand­schaft.
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Dem Eul­chen war etwas Ban­ge vor dem gro­ßen KENNENLERN-DAY aber schon nach weni­gen Minu­ten war klar — völ­lig unbe­grün­det und nach kaum zwei Stun­den hat sie mit Rabens Cou­sin­chen (wohl­ge­merkt mit­ten am Tag) die ver­rück­tes­ten Moves auf­ge­führt.

Bea­ta, Kszy­siek, Mateusz (25) ‑Rabens Paten­sohn — und Nata­lia sei­ne Freun­din — es war kei­ne Fami­li­en­EIN­FÜH­RUNG son­dern defi­ni­tiv eine ZUSAMMENFÜHRUNG. Lie­be auf den ers­ten Blick und eine boden­lo­se Sym­pa­thie — bei der schmerz­li­chen Abrei­se aus Ruda Slas­ka war Eul­chen bereits adop­tiert — wie eine Zwil­lings­schwes­ter. Ähn­li­cher könn­ten die Art, das Tem­pe­ra­ment und die Men­ta­li­tät nicht sein …. ein Hoch auf Eul­chens schle­si­sche Wur­zeln.

Die rest­li­chen 80 km nach Kra­kau absol­vie­ren wir im Regen um (un)pünktlich gegen 19:00 Uhr vor dem PIANO GAST HOUSE “mit­ten” (hihi) in der Alt­stadt ein­zu­par­ken. Unse­re Ber­li­ner Bär­chen muss­te auch den zwei­ten Tag in der Fer­ne allein Spei­sen aber dann …

Pani Ola und ihr Sohn haben uns in dem, von außen eher unschein­ba­ren, drin aber ein­ma­lig lie­be­voll ein­ge­rich­te­ten Haus emp­fan­gen. Tee und Kuchen ver­kürz­ten uns die War­te­zeit bis zum Ein­tref­fen des Wei­nes ;))) … ähhh der Ber­li­ner.

Und dann fie­len wir uns in die Arme — die Freu­de rie­sig — als hät­ten WIR uns über sechs Jah­re nicht gese­hen;)) Die Stun­den und der Wein ver­schwan­den wie von Geis­ter­hand als wir end­lich ermat­tet in unse­rem traum­haf­ten Zim­mer im Bett ver­san­ken. Es ist schön so net­te und lie­be Men­schen zu ken­nen.
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Was unse­re klei­ne Unter­kunft an “Glanz und Glo­ria” gegen­über einem aus­ge­wach­se­nem X‑Sterne Hotel ver­mis­sen lässt ist genau das was wir an einem gro­ßen Hotel nicht mögen. Eine (Zimmer)NUMMER zu sein — mit einem ver­trag­lich umris­se­nen Leis­tungs­um­fang der im Com­pu­ter schön fest­ge­schrie­ben steht, so dass die täg­lich wech­seln­den Ange­stell­ten einem nicht zuviel Gutes zukom­men las­sen.

krakau_000.jpgDas “Pia­no Guest House” bie­tet kei­ne extra­va­gan­ten Luxus-Bequem­lich­kei­ten wie Spa, eine Bar oder Room­ser­vice dafür bekommt man pol­ni­sche Gast­freund­schaft, lie­be­vol­le Auf­merk­sam­keit und hal­ben Fami­li­en­an­schluss gra­tis gebo­ten. Ein char­man­tes Ambi­en­te ver­gan­ge­ner Tage mit anti­ken Möbeln, Bil­dern, Büchern, fri­schen Blu­men kom­bi­niert mit Frau Ola’s lie­bens­wer­ter Art und ihrem unver­gess­li­chen Früh­stück wür­den wir um nichts in der Welt gegen ein aus­tausch­bar, anony­mes Zim­mer im Hil­ton ein­tau­schen.

Und dann die net­ten Gesprä­che — der Rabe braucht sich nicht mal anzu­stren­gen um fast alles über die Musi­ker Fami­lie zu erfah­ren, auch wie­viel Pani Ola zuge­nom­men und anschlie­ßend abge­nom­men hat, und wann sie mit den Rau­chen auf­ge­hört hat. Das ist wie­der­um Polen live — hier ist ein Mensch noch Mensch und kei­ne Insel. Hier ist man neu­gie­rig auf sein Gegen­über und gibt gern von sich Preis. Kein Pole hat dabei das Gefühl sich zu ent­blö­ßen son­dern im Gegen­teil … dazu zu gehö­ren. Schließ­lich haben alle ähn­li­che “Igel zu käm­men”;))

krakau_273.jpgNach dem vor­züg­li­chen Früh­stück tei­len wir das Batail­lon in zwei Kom­pa­ni­en auf und stür­men getrennt ins Getüm­mel. Uns reizt beson­ders Kazi­mierz — das Jüdi­sche Vier­tel. Vol­ler klei­ner Gale­ri­en, Künst­ler­ate­liers, Bou­ti­quen, Cafés und Restau­rants soll es laut sonn­täg­li­cher Auf­klä­rung der Ber­li­ner Kom­pa­nie traum­haft sein. Lei­der fin­den wir das Vier­tel und sei­ne öffent­li­chen Plät­ze fast leer vor. Wo ges­tern noch Stra­ßen­ca­fés, Buden mit aller­lei Köst­lich­kei­ten und Live­mu­sik ein Men­schen­meer auf die Stra­ßen lock­ten — ist heu­te gäh­nen­de Lee­re. Scha­de, das Schau­spiel hät­ten wir gern erlebt — nächs­tes Mal sind wir klüger.Wir lau­fen zurück Rich­tung Alt­stadt. Unter­wegs ergat­tern wir bei einem lus­ti­gen, net­ten Händ­ler zwei rote Shirts mit wei­sen Adler drauf. Es wird ein put­zi­ges Paar­lau­fen wenn wir damit auf der erfur­ter, zypri­schen oder alba­ni­schen Pis­te erschei­nen;)))

Der klei­ne Hun­ger treibt uns in die uli­ca Sto­lar­s­ka. Gegen­über dem Ame­ri­ka­ni­schen und Deut­schen Kon­su­lat befin­det sich Amba­sa­da Sled­zia — die Bot­schaft des Her­rings. Eine ein­ma­li­ge Tapas-Taver­ne und Bar, die aus­schließ­lich Her­ring anbie­tet — den aber in allen Varia­tio­nen, in Öl, in Sah­ne (das kennt der Deut­sche grad noch so), mit roter Bee­te, mit Cur­ry, mit ….., scharf, wür­zig, süß­lich — der hel­le Wahn­sinn. Wir ordern ein Misch-Masch Tel­ler mit vier Sor­ten und bekom­men fast ein hal­bes Kilo Herings­sa­lat. Dazu zwei Wod­ka, unse­re Lieb­lings­sor­te Him­bee­re von Sopli­ca und ein Bier­chen — aus der klei­nen wird eine aus­ge­wach­se­ne Mahl­zeit. Ob wir heu­te noch was run­ter krie­gen?;(((krakau_031.jpgUm uns einen Über­blick zu ver­schaf­fen entern wir im Anschluss an die Herings-Orgie einen roten Dop­pel­de­cker der City-Tour-Line und dre­hen damit ein­ein­hal­be Run­de durch den halb­wegs inter­es­san­ten Teil der Stadt. Lau­fen wäre nach dem opu­len­ten Mahl kaum drin gewe­sen. Die etwa 90 minü­ti­ge Rund­tour ist nicht unbe­dingt ein MUSS für einen Kra­kau-Tou­ri, klärt uns aber gera­de aus die­sem Grund dar­über auf, dass wir uns am Mitt­woch ruhig und ent­spannt auf den Wawel und die Alt­stadt kon­zen­trie­ren kön­nen.

Nach der Bus­tour schlen­dern wir noch has­tig ein­mal durch die Tucher­hal­len, mehr um einen Ort der Erleich­te­rung für das Eul­chen als um etwas ori­gi­nel­les als Sou­ve­nir zu fin­den und lan­den anschlie­ßend, durch klas­si­sche Kla­vier­mu­sik ange­lockt, im “Cho­pin” — einem der edle­ren Restau­rants auf dem Kra­kau­er Markt. Die Ber­li­ner Kom­pa­nie stößt dazu als wir gra­de zwei Cho­pin …. ähhh Schop­pen Wein geor­dert haben. Ein kur­zes Front­brie­fing der vier Kom­man­deu­re ergibt eine Ver­la­ge­rung der “Front­li­nie” ins jid­di­sche Vier­tel. (Also echt — lesen darf das hier nie­mand;))))

krakau_054.jpgWir bezah­len den teu­ers­ten Wein der Geschich­te — zwei Schop­pen für rund 27€ — und “wech­seln” ins stim­mungs­vol­le “Daw­no temu w Kazi­mier­zu” wo die Klez­mer-Band schon am Werk ist. Dank der per­fek­ten Ope­ra­ti­ons­vor­be­rei­tung von Haupt­mann Ines, war bereits ein kusch­li­ger Tisch reser­viert. Israe­li­scher Wein und lecke­re jid­di­sche Spei­sen lie­ßen nicht lan­ge auf sich war­ten.

Zwi­schen Mit­schun­keln, Mit­sin­gen und Klat­schen rut­schen zwei Tel­ler Jeru­sa­lem-Mix (Hähn­chen, Leber, Gemüs­se, ori­en­ta­li­sche Gewür­ze) und zwei Tel­ler Cho­lent (ein Ein­topf aus Fleisch, Boh­nen, Grau­pen und Kar­tof­feln, wel­cher von allen Juden am Schab­b­at­mit­tag geges­sen wird) unse­re mitt­ler­wei­le hung­ri­gen Gau­men her­un­ter. Eins muss man unse­ren jid­di­schen Mit­bür­gern las­sen — trotz all dem Leid, wel­ches sie in der Geschich­te erfah­ren muss­ten, ver­ste­hen Sie es zu Fei­ern. Musi­zie­ren, Sin­gen, Tan­zen, Lachen — ste­cken ein­fach an.

Die Atmo­sphä­re der 30er Jah­re Klez­mer-Wei­sen pass­te per­fekt in die Räum­lich­kei­ten und die Deko­ra­ti­on der Wirts­räu­me.

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Es wur­de ein ein­ma­li­ger, wun­der­schö­ner und ori­gi­nel­ler Abend. Ledig­lich Rabens Aus­ge­las­sen­heit, vom Nacht­jä­ger dem Wein zuge­schrie­ben, sorg­te für eine stil­le Nacht und heilige(n) …. Mor­gen:( Mal sehen wie das bei den nächs­ten Whis­ky­ta­gen umge­kehrt wird?;-)
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Der dar­auf fol­gen­de Diens­tag wur­de bereits an der Hei­mat­front, vor Wochen, gene­ral­stabs­mä­ßig vor­be­rei­tet. Major Eule hat Fern­auf­klä­rung betrie­ben und den pas­sen­den Zeit­punkt für den Sturms auf Wie­li­cz­ka fest­ge­macht. Wie­li­cz­ka — das ist die an Super­la­ti­ven nicht zu über­tref­fen­de, gröss­te Salz­mi­ne der Welt. Seit über 700 Jah­ren in Betrieb, auf 9 Ebe­nen bis 370m unter der Erde erstreckt sie sich auf 300 Km !!!!! unter­ir­di­scher Stol­len.

krakau_061.jpgVon Agniesz­ka (Agnes), unse­rer Füh­re­rin, erfah­ren wir in rela­tiv gutem Deutsch Kurio­ses und Inter­es­san­tes über die Arbeit der Berg­leu­te, die Mine und über all die prunk­vol­len Salz­kam­mern, ‑grot­ten und ‑säle die in ihr über Jahr­hun­der­te errich­tet wor­den. Die etwa drei Kilo­me­ter die wir, wäh­rend der Füh­rung, zusam­men mit noch etwa zehn ande­ren Deut­schen, zurück­le­gen bil­den ledig­lich EIN PROZENT der Mine.

Unter­wegs bestau­nen wir ungläu­big Kam­mern, Kapel­len und Säle die in ihren Aus­ma­ßen die größ­ten Kathe­dra­len die­ser Welt wie Gebets­zim­mer aus­se­hen las­sen. Und noch etwas darf nicht uner­wähnt blei­ben. Alles, aber auch wirk­lich ALLES!!!! ist hier aus Salz!!!
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Ledig­lich eini­ge Holz­trep­pen erleich­tern den Tou­ris­ten die Bege­hung. Flie­ßen, Böden, selbst die gewal­ti­gen Kron­läuch­ter sind aus Salz. All das ist unbe­schreib­lich schön und ver­setzt uns in ein Zustand des Dau­er­stau­nens — um ein Haar ver­ges­sen wir das Atmen. Etwas Ver­gleich­ba­res haben wir und wer­den wir nie zu Gesicht bekom­men.
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Nach der offi­zi­el­len Tour besu­chen wir mit Agnes, immer noch 130m unter der Erde, auf der drit­ten Ebe­ne, das Muse­um. Wir sind unter uns, nie­mand sonst hat sich dafür inter­es­siert. Übri­gens das übli­che Bild des trä­gen, fau­len, unin­ter­es­sier­ten Deut­schen. Laut Agnes besu­chen etwa 50% der Besu­cher ande­rer Natio­nen das Muse­um im Anschluss an die Füh­rung. Von den Deut­schen sind es kei­ne 5% — trau­rig für das Land der Dich­ter und Den­ker.
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Erst im Muse­um bekom­men wir den kom­plet­ten Über­blick in die Geschich­te der Mine und über die Schwe­re der Arbeit der Kum­pel. Auch Pfer­de arbei­te­ten in der Mine und wur­den von den Berg­leu­ten über alles gepflegt und gehegt. Unser Dich­ter­fürst J.W.Goethe besuch­te die Gru­be am 10.September 1790 genau so wie ande­re Berühmt­hei­ten wie Adam Mickie­wicz, Koper­ni­kus, oder heut zu Tage Papst J.P. II., G. Bush, L. Walen­sa und Jim Car­rie vor bzw. nach ihm.

Die ein­drucks­vol­len Erleb­nis­se woll­ten wir noch um eine Mahl­zeit Unter­ta­ge ergän­zen aber …. aber die stil­len, heid­ni­schen Gebe­te, die unser Ber­li­ner Geiß­lein gen Him­mel stieß, durch­dran­gen das Gestein bes­ser als der selbst­si­che­re, lei­se Ruf an Oma Anna.
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Den Rück­weg vom Muse­um (wel­ches sich allein über fast einem Kilo­me­ter Stol­len und Kam­mern erstreckt) zum unter­ir­di­schen Berg­manns-Restau­rant dür­fen wir nicht mehr gehen, obwohl Agnes extra eine Geneh­mi­gung der Auf­sicht ein­zu­ho­len ver­sucht hat. Geiß­leins Gesicht hell­te sich ob der Schick­sals-Ent­schei­dung wegen oder ob der Erwar­tung einer hei­ßen (schon den gan­zen Tag erson­ne­nen) Ente, auf;)))))

Letzt­end­lich war das anschlie­ßen­de Fest­mahl in der Wirt­schaft “Pod wie­l­ką solą” ein High­light. Kuli­na­risch konn­ten wir unse­ren öst­li­chen Nach­barn noch nie das Was­ser rei­chen aber in den letz­ten Jah­ren sehen wir sie auf dem Hori­zont, vor uns, kaum noch. Haxe, Rin­der­rolla­de, Ripp­chen und eine hal­be Ente waren der­art zart und deli­zi­ös zube­rei­tet, dass wir die Tel­ler fast abge­leckt haben. Auch das, seit weni­gen Mona­ten, vor Ort selbst gebrau­te “Żupne”-Bier, ob hell, ob dun­kel war ein Genuss.
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An die­sem Tag sind wir, nach knapp 20 000 Schrit­ten — rund 14 gelau­fe­nen Kilo­me­tern schleu­nigst in den Federn ver­sun­ken.

Beim Früh­stück am nächs­ten Mor­gen ver­tieft der Rabe die inni­gen Gesprä­che mit unse­rer Gast­ge­be­rin. Erst heu­te, nach drei Tagen, ent­lockt er Frau Ola, dass sie in Kra­kau eine gro­ße und im Land eine klei­ne Berühmt­heit ist. Begon­nen hat sie ihre Kar­rie­re im sei­ner­zeit bekann­tes­ten pol­ni­schen Kaba­rett “Piw­ni­ca pod bara­na­mi” (dort tritt sie übri­gens bis heu­te manch­mal auf), als Sän­ge­rin nahm sie etli­che Plat­ten auf (zuletzt 2012), es kamen Rol­len in Kino- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen dazu, Auf­trit­te um die gan­ze Welt (erst letz­tens an der Volks­büh­ne in Ber­lin). Als Jour­na­lis­tin und Mode­ra­to­rin war sie auch dem Fern­seh­pu­bli­kum ein Begriff. Die Sym­pa­thie ist ein­ma­lig und beid­sei­tig. Pani Ola ist unser Anders­sein sofort auf­ge­fal­len und sol­che Men­schen mag sie beson­ders — wir bekom­men sogar zwei CD’s der Künst­le­rin geschenkt und signiert — Wahn­sinn. Wir revan­chie­ren uns mit unse­ren You­Tube-Auf­trit­ten und lachen uns alle sche­ckig.
Ola Mau­rer-Szew­c­zyk

Schon in vor­her­ge­hen­den Gesprä­chen hat sie uns Anek­do­ten aus ihrem Leben aber auch über ihr Leben erzählt. Zum Bei­spiel, dass sie 1984 tele­fo­nisch eine wich­ti­ge Nach­richt dem Karol Woj­ty­la (mit dem sie befreun­det war) im Vati­kan über­bracht hat — die­ser war zu dem Zeit­punkt bereits Papst Johan­nes Paul der II.
Eul­chens gött­li­ches Händ­chen bei der Unter­kunftsu­che hat uns zum zigs­ten Mal eine gol­de­ne Per­le beschert — am liebs­ten wür­den wir bei Ola ein­zie­hen;))))

krakau_193.jpgDen letz­ten vol­len Tag in der Raben­stadt (Erklä­rung wei­ter unten) begin­nen wir in der Mari­en Basi­li­ka auf dem Haupt­markt. Die­se Kir­che ist wie kaum ein ande­res Bau­werk der Stadt auf Grund Ihrer Geschich­te, der Archi­tek­tur und der Kul­tur­schät­ze die sie birgt, ein Wahr­zei­chen der Stadt. Erbaut Ende des 13. Jahr­hun­derts ist sie bis heu­te ein Para­de­bei­spiel goti­scher Bau­kunst. Ihr Inne­res lässt zwei Hei­den, wie uns, den Atem sto­cken. Prunk und Reich­tum der katho­li­schen Kir­che las­sen die Men­schen bis heu­te in Ehr­furcht und Demut erstar­ren. Täg­lich, zehn vor 12 Uhr wird das Hei­lig­tum der Kir­che dem Publi­kum prä­sen­tiert- der größ­te Hoch­al­tar Euro­pas. Ent­stan­den in 12 Jah­ren mühe­vol­ler Arbeit des Deut­schen Bild­hau­ers Veit Stoß zwi­schen 1477–1489. Der gewal­ti­ge Mari­en­al­tar ist 11m breit und 13m hoch. Die Figu­ren sind fast drei Meter groß. Er wur­de aus Eichen- (Kon­struk­ti­on) und Lin­den­holz (Figu­ren) geschnitzt und erzählt bei geöff­ne­ten Türen die Geheim­nis­se der Freu­de Mari­ens von der Ver­kün­di­gung bis zur Him­mel­fahrt. Bei geschlos­se­nen Türen sind dage­gen die zwölf Sze­nen der Lei­den Mari­as zu sehen.

Noch benom­men und geblen­det von all dem Gold an Figu­ren, Gemäl­den, Kunst­schät­zen, Wän­den und sogar Decken (Tür­kis mit gol­de­nen Ster­nen) der Basi­li­ka eilen wir hin­aus um das Hej­nau zu hören. Wir sprin­ten die weni­gen Meter bis zu den Tucher­hal­len um den Trom­pe­ter im Nord­turm der Mari­en­kir­che zu sehen.

Das Hej­nał Maria­cki wur­de im Mit­tel­al­ter zur Mor­gen- und Abend­däm­me­rung gespielt, um die Öff­nung und Schlie­ßung der Stadt­to­re anzu­kün­di­gen. Seit 1810 wird es wie­der regel­mä­ßig auf­ge­führt, zu jeder vol­len Stun­de in alle vier Him­mels­rich­tun­gen, und seit 1927 auch zur Mit­tags­zeit im Radio über­tra­gen. Im 20. Jahr­hun­dert ver­schmol­zen his­to­ri­sche Tat­sa­chen (der Schlacht von Wahl­stadt 1241), Legen­den, und das 1928 erschie­ne­ne Kin­der­buch des Ame­ri­ka­ners Eric P. Kel­ly zu der erst­mals 1935 in Rei­se­füh­rern erwähn­ten Legen­de, wonach das Signal abbrä­che, weil beim Tata­ren­an­griff von 1241 der Trom­pe­ter von einem Pfeil getrof­fen wor­den sei. Nun wer­de ihm zu Ehren das Hej­nał immer nur bis zu dem Ton gespielt, den der Trom­pe­ten­spie­ler als letz­ten vor sei­nem Tode noch gespielt habe. Jeder Kra­kau-Besu­cher soll­te ein­mal das Hej­nau gehört haben — nun haben wir der Pflicht genü­ge getan;))))

Jetzt zu Kür. Im Jah­re 2010 eröff­ne­te unter den Tucher­hal­len eine ein­zig­ar­ti­ge Aus­stel­lung. Auf rund 4.000 qm Flä­che kön­nen wir in die span­nen­de Geschich­te Kra­ka­us ein­tau­chen – von der Stein­zeit über den Mon­go­len­ein­fall im 13. Jahr­hun­dert bis in die Neu­zeit. Archäo­lo­gi­sche Fun­de wie befes­tig­te, erstaun­lich gut erhal­te­ne Pflas­ter­we­ge aus dem frü­hen Mit­tel­al­ter, Brun­nen, Fun­da­men­te alter Wohn- und Geschäfts­häu­ser, Kel­ler­ge­wöl­be, die einst den Händ­lern als Waren­la­ger dien­ten sowie mit­tel­al­ter­li­che Grab­stät­ten wur­den sorg­sam rekon­stru­iert, kon­ser­viert und durch anschau­li­che Infor­ma­tio­nen in mul­ti­me­dia­ler Form (Touch­screens, Film­lein­wän­de, audio­vi­su­el­le Effek­te) über die Geschich­te der Stadt und ihre Bedeu­tung im weit ver­zweig­ten Flecht­werk der Han­dels­rou­ten ergänzt. Die Aus­stel­lung befin­det sich auf einer Ebe­ne, die noch im 10. Jahr­hun­dert der eigent­li­che Markt­platz war. Die Tat­sa­che, dass im Mit­tel­al­ter Abfäl­le auf Stra­ßen und Plät­zen nicht besei­tigt, son­dern ein­fach mit Sand zuge­schüt­tet wur­den, führ­te dazu, dass die ehe­ma­li­ge Erd­ge­schoss­ebe­ne der Häu­ser zu Kel­lern wur­de. Wir erfah­ren auch, dass Kra­kau im Lau­fe sei­nes Bestehens mehr­fach zer­stört wur­de und, dass man die Stadt ein­fach auf den Über­res­ten der alten Bebau­ung wie­der auf­bau­te, was eben­falls zur Erhö­hung des Gelän­des führ­te.
krakau_199.jpgWie die Polen die, an sich tro­cke­ne, Geschichts­lek­ti­on wie­der Mal zu einem High­light gestal­tet haben könn­te den Deut­schen Muse­ums­de­si­gnern als Bei­spiel die­nen.

Wir sind mit, vor Begeis­te­rung offe­nen Mün­dern durch die Unter­welt — mit dem spür­ba­ren Gefühl mit­ten­drin im Mit­tel­al­ter zu sein — unbe­schreib­lich!!!! Wir beob­ach­te­ten sogar eine pol­ni­sche Schul­klas­se die an der Erzäh­lung ihres Füh­rer dran klebt (und zwar ALLE etwa 20 Mann) als wären sie bei einem Emi­nem Kon­zert. Ein tol­les Erleb­nis — ein must have in Kra­kau.

Apro­pos Kra­kau — bei der unter­ir­di­schen Besich­ti­gung gab es eine Sta­ti­on für Kin­der. Ein Film ver­mischt mit lebens­ech­ten Figu­ren erzähl­te die Geschich­te Kra­ka­us. Dem Eul­chen ist dabei ein präch­ti­ger wei­ßer Rabe auf­ge­fal­len und schon hör­ten wir einem Stück der Geschich­te zu und erfuh­ren …… ‚dass
Krak (heu­te kruk) frü­her Rabe hieß. An der Stel­le wo heu­te die Stadt ist leb­ten frü­her ganz vie­le Raben. Die Men­schen hiel­ten sie für die klügs­ten Vögel, sogar für hei­lig — uns so brach­ten sie ihnen Gaben und Opfer. Aus dem Flug der Raben wur­de gedeu­tet ob etwas gelingt. Der schlaus­te und wich­tigs­te war ein wei­ßer Rabe der am Krze­mi­on­ka Wald leb­te. Heu­te ist hier der Bed­nar­ski Park. Der wei­ße Rabe hat aber nach einem Groß­brand den Wald ver­las­sen und wur­de seit dem nie mehr gese­hen.

So ent­stand nun erst der Name KRA­Kow und spä­ter nann­ten sich nach der Stadt auch die ers­ten Herr­scher und Stadt­grün­der Krak der I. bis Krak der IV. (der den Dra­chen besieg­te … eine lan­ge Legen­de;)))) nach Raben.

Am Aus­gang der Unter­welt gibt es ein schö­nes, klei­nes Café wo wir dem Ermü­dungs­tod nah, erst­mal einen Schuss Kof­fe­in intra­o­ral ein­neh­men. Dabei hören wir auf ein­mal bekann­te Stim­men — die Ber­li­ner Kom­pa­nie hat eben­falls die Unter­welt erstürmt und so fei­ern wir den Abschied (sie wer­den heu­te Abend aus­ge­flo­gen) hier und nicht wie ursprüng­lich aus­ge­macht im “Pola­kow­ski”, einer typisch pol­ni­schen Stu­den­ten- und Taxi­fah­rer­knei­pe in der uli­ca Miodo­wa. Knud­del, Bus­si und Adieu — und schon krie­chen wir den Wawel-Hügel hin­auf.

Kra­kau war über Jahr­hun­der­te als pol­ni­sche Haupt­stadt Sitz der pol­ni­schen Köni­ge und auf dem Wawel steht das Königs­schloss und die Wawel-Kathe­dra­le — die Krö­nungs­kir­che der Staats­ober­häup­ter und deren Grab­stät­te. Das Schloss mit sei­ner ein­ma­li­gen Kunst­samm­lung (unter ande­rem Gemäl­de von Rem­brandt und Van Gogh) kön­nen wir lei­der nicht besich­ti­gen. 15:00 Uhr begann die let­ze Füh­rung- wir sind 10 min zu spät.

krakau_224.jpgDie König­li­che Basi­li­ka strotzt vor Prunk, unzäh­li­ge Sei­ten­ka­pel­len gewid­met berühm­ten Per­sön­lich­kei­ten, Hei­li­gen, Kunst­schaf­fen­den und dem Polen-Papst schmü­cken die Sei­ten des Kir­chen­schiffs. In ihnen lie­gen in über­gro­ßen Sar­ko­pha­gen gebet­tet die Gebei­ne fast aller pol­ni­scher Köni­ge seit dem 13. Jahr­hun­dert. In der Kryp­ta kann man die Grä­ber von Fre­de­ric Cho­pin, Adam Mickie­wicz und ande­rer sehen.

Wir klet­tern auch auf den Glo­cken­turm der Erz­ka­the­dra­le. Vier rie­si­ge Glo­cken sind dort auf dem Weg nach ganz oben zu der gewal­ti­gen und mit fast 10 Ton­nen größ­ten Sig­munds­glo­cke zu sehen. Sie kön­nen wegen der Besu­cher­trep­pe nicht mehr geläu­tet wer­den. Vier wei­te­re Glo­cken aus dem 17. bis 19. Jhd. befin­den sich im Nord­turm und wer­den täg­lich geläu­tet.
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Die Sig­munds­glo­cke erklingt rund 30 mal im Jahr zu den wich­tigs­ten katho­li­schen und staat­li­chen Fei­er­ta­gen. Die Glo­cke ist so schwer, dass sie von einer Grup­pe von 8–12 Glöck­nern bewegt wer­den muss.

Laut einer Legen­de bringt die Berüh­rung der Glo­cke Lie­ben­den ewi­ges Glück — natür­lich haben wir die­se Chan­ce wahr­ge­nom­men unse­re Lie­be in Ewig­keit zu gie­ßen;))) Hoch lebe König Zyg­munt der Stif­ter der Glo­cke;))))))

Nun aber end­gül­tig aus­ge­hun­gert wat­scheln wir wie­der in das Jid­di­sche Vier­tel. In Kazi­mierz gibt es mehr Jid­di­sche Restau­rants als in ganz Deutsch­land.

krakau_212.jpgWir befol­gen Pani Ola’s Tipp und heu­ern im “Klez­mers Hois” an. Ver­setzt im die zwan­zi­ger Jah­re, umge­ben von anti­ken Möbeln, Fotos, Bil­dern und Kunst­ge­gen­stän­den genie­ßen wir vom Ori­gi­nal Geschirr, mit bun­ten Blu­men­mus­tern und mit Sil­ber­be­steck die Köst­lich­kei­ten der kosche­ren Küche. Gebra­te­ne Gans, Hum­mus, zar­ten Rin­der­bra­ten mit Küm­mel­knob­lauch­sos­se … Zwie­bel­sup­pe, Zupa Jan­kie­la, Kar­cz­mar­za z Ber­dy­c­zo­wa (eine Jid­di­sche Spe­zia­li­tät) sowie Purim-Küch­lein schmeck­ten alle­samt ober­le­cker. Abends soll­te ein Kon­zert in der gro­ßen Stu­be des Hau­ses statt­fin­den — es wur­de bereits fei­er­lich ein­ge­deckt — aber unse­re Kräf­te neig­ten sich dem Ende. Vol­le 12 von 10 mög­li­chen Punk­ten ver­ge­ben wir die­sem lie­bens­wer­ten Spei­sen­trog und das trotz stol­zer, durch­aus deut­scher Prei­se. Selbst der Israe­li­sche Mer­lot war beson­ders vor­züg­lich.!!!!!!!!

Abend wol­len wir Pani Ola auf ein Glas­sel Wein ein­la­den aber sie ist vorm Fern­se­her ein­ge­schla­fen. Wir bedan­ken uns für den hei­ßen Essens-Tipp mit einem kosche­ren Purim-Tört­chen.

Zum Früh­stück dar­auf wer­den wir mit einer Geor­gi­schen Wein­pro­be über­rascht — die Frau ist ein­fach gol­dig. Der Abschied fällt allen schwer — Ola hat uns ins Herz geschlos­sen — naw­za­jem, wir sie eben­falls. Viel­leicht schaf­fen wir es, sie noch­mal auf­zu­su­chen.

Die Rück­fahrt gen Wes­ten führt uns wie­der durch Ober­schle­si­en. Dies­mal neh­men wir uns die Zeit — der Raben­prinz zeigt sei­ner gelieb­ten Eulen­kö­ni­gin hin­ter wel­chen Baum er als Kind ver­ste­cken gespielt hat, von wel­chem Dach er den Mäd­chen beim Brüste­wett­be­werb zuge­schaut hat, in wel­che Schu­len er gegan­gen ist und wo er mit sei­nen Raben­el­tern gewohnt hat. Zab­rze und Szc­zy­glo­wice hei­ßen die Sta­tio­nen. Die Zeit scheint fast ste­hen geblie­ben zu sein. Die Neu­bau­ten haben etwas Far­be abbe­kom­men, die Alt­bau­ten sind noch älter gewor­den. Indus­trie-Tris­tes des post­kom­mu­mis­ti­schen Urba­nis­mus.
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Schon vor 50 Jah­ren for­der­te Hen­ri Lef­eb­v­re das „Recht auf Stadt“ für alle. Wohn­raum für die Arbei­ter­klas­se haben die Kom­mu­nis­ten dar­aus gemacht. Alles da — Schu­le, Kino, Restau­rant, Ärz­te, Läden, Wohn­raum — nur Ent­wick­lung, Fort­schritt und Kul­tur sind auf der Stre­cke geblie­ben. Die Men­schen leben hier weil sie kaum Alter­na­ti­ven haben nicht weil es schön ist.

Wei­ter in unser gelieb­tes Nie­der­schle­si­en. Kar­pacz wir kom­men. Zwi­schen Wro­claw und Wal­brzych ereilt uns der klei­ne Hun­ger — nur lei­der fah­ren wir grad durch tou­ris­ti­sche Wüs­ten­land­schaft. Eine schö­ne Müh­le, zum uri­gen Gast­hof umge­baut, las­sen wir in der Hoff­nung auf noch schö­ne­res pas­sie­ren — es war ein Feh­ler. Erst im Ziel, völ­lig aus­ge­hun­gert, mit einem Zucker­spie­gel im Nega­tiv­be­reich — stür­men wir eine ver­meint­lich viel ver­spre­chen­de neue Gast­stät­te an — die sich aber als Durch­schnitt erweist. Ver­wöhnt von kosche­rer Küche und male­ri­schem, anti­kem 20er Jah­re Ambi­en­te — fällt die Bewer­tung der Loka­li­tät eben­falls nega­tiv aus (im Nor­mal­fall wür­de das Kneipp­chen wenigs­tens 6 von 10 Punk­tem bekom­men).

Abends wer­den wir aufs herz­lichs­te vom Pio­tr begrüßt — ein Tee, zwei Mali­now­kas — gegen neun fal­len wir aber halb tot in die Bet­ten. Kichern, Klö­nen, Kuscheln und Heia. Gute Nacht!!!!

krakau_256.jpgSo son­nig wie der Vor­tag sich ver­ab­schie­det hat, so reg­ne­risch (bes­ser schnee­ig) stell­te sich der neue Tag vor. Trotz des Graus hin­ter den Fens­tern — fül­len wir den Raum mit Lie­be:))) An eine Sigth­seen-Tour ist nicht zu den­ken, was uns nicht unge­le­gen kommt. Ein Gam­mel­vor­mit­tag und hei­ße Scho­ko­la­de mit einem Obst­sa­lat im Gol­em­biew­ski, zusam­men mit Pio­tr, ver­süß­ten uns den, zuge­ge­be­ner­ma­ßen lan­gen Start in den Tag.

Auch der Rest des Tagen wur­de der Erho­lung gewid­met. Das Spa des Schlos­ses Stons­dorf ist an Design, Still und Ambi­en­te nicht zu über­bie­ten. Herr­schaft­li­che Kron­leuch­ter, ein anti­ker Kamin, eine Biblio­thek, Sau­na Land­schaft per exzel­lent, ein 20m Becken mit Boden­flies­sen gelegt wie ein Schloss­par­ket, Jac­cu­zi, Aus­sen­pool und … (wür­de in D wie­derkrakau_259.jpg nicht mach­bar sein) eine klei­ne Bar mit einer Kas­se des Ver­trau­en. Die leckers­ten Säf­te und kei­ne bil­li­gen Wei­ne — zum selbst abfül­len, Zet­tel aus­fül­len, bezahlt wird beim hin­aus­ge­hen. Das Gan­ze für 12€ für den gan­zen Tag. Viva Polo­nia!!!!!

Wir genie­ßen Stund um Stund bis uns der Hun­ger hin­aus treibt. Wie­der­mal der klei­ne Hun­ger, der Schla­wi­ner, des­halb reicht uns ein klei­nes Essen, viel­leicht ein Süpp­chen? Pol­s­ka Cha­ta, ziem­lich abseits, unter­wegs ent­deckt hat wegen der “gro­ßen Tou­ris­ten­zah­len außer­halb der Sai­son” lei­der geschlos­sen. Ein wei­te­res Gast­haus hat des Raben Auf­merk­sam­keit bei Recher­chen geweckt. Dort­hin lenkt er auch die Kut­sche mit der Eulen­kö­ni­gin. “Dwór Lic­zyr­ze­py” (Rübezahl’s Schloss) ist nicht klein, und sei­ne Ein­rich­tung baut auf der Legen­de vom plötz­lich aus dem Nichts, zwi­schen den Ber­gen, weit oben im Rie­sen­ge­bir­ge auf­tau­chen­den, Fels-Schloss des Berg­geis­tes.
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Übri­gens, die Her­kunft des Namens Rübe­zahl ist bis heu­te nicht geklärt. Seit 1561 gibt’s ers­te Erwäh­nun­gen des Namens mit ver­schie­de­nen Schreib­wei­sen (Rüben­cz­al, Rübe­zal, Ribe­zal, Rie­ben­zahl). In den unzäh­li­gen Legen­den, erscheint Rübe­zahl viel­ge­stal­tig, mal als Rie­se, Bewa­cher des Berg­schat­zes, als Mönch, der Men­schen vom Weg abbringt, als Rabe (na gucke die schau — wo der Rabe noch ne Rol­le spielt) oder Esel und viel­fach als Dia­bo­lus, Satan. In einer Rübe­zahl-Geschich­te gab Johann Karl August Musä­us 1783 eine legen­dä­re Erklä­rung des Namens. Laut die­ser Erzäh­lung ent­führt Rübe­zahl die Königs­toch­ter Emma, die er hei­ra­ten will, in sein unter­ir­di­sches Reich. Mit Rüben, die sie in jede gewünsch­te Gestalt ver­wan­deln kann, ver­sucht er ihre Sehn­sucht nach ihrem Zuhau­se zu stil­len. Doch die Rüben ver­wel­ken. Schließ­lich ver­spricht ihm die Frau ihre Hand, wenn er ihr die Zahl der Rüben auf dem Feld nennt. Gelingt ihm dies nicht, muss er sie gehen las­sen. Sofort macht sich der Berg­geist an die Arbeit. Um auch sicher zu sein, dass die Anzahl stimmt, zählt er gleich noch ein­mal, kommt aber zu einem ande­ren Ergeb­nis. Wäh­rend­des­sen flieht die Gefan­ge­ne auf einer zum Pferd ver­wan­del­ten Zau­ber­rü­be zu ihrem Prin­zen Rati­bor und ver­spot­tet den Geist mit der Anre­de als Rübe­zahl. Daher wird er sehr zor­nig, wenn er mit die­sem Spott­na­men bedacht wird.

Sor­ry, etwas abge­schweift aber inter­es­sant. Das Inne­re des Hau­ses erin­nert an das stei­ni­ge Inne­re des Schlos­ses des Rübe­zahl. Die The­ke und Bar glei­chen einer Höh­lenn­grot­te, die Wän­de sti­li­sie­ren Fel­sen usw. Uns viel wich­ti­ger ist die Spei­se­kar­te. Das Lokal gehört der Ver­ei­ni­gung “Regio­na­les kuli­na­ri­sches Erbe”, die sich dem Erhalt der Regio­na­len Küche ver­schrie­ben hat. Man bie­tet teil­wei­se uralte Gerich­te aus der Gegend an, die es sonst nir­gend­wo mehr gibt und die auch bei Ein­hei­mi­schen in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind.
Wir Spei­sen Klu­ski Kar­ko­no­skie — wie schle­si­sche Klö­se aber groooooß gefüllt mit Fleisch, Gemü­se, Kohl und Pil­zen und Cze­bu­re­ki — Hack­fleisch mit loka­len Kräu­tern gewürzt, in Teig ein­ge­wi­ckelt und gedämpft dazu Salz­gur­ken-Salat …… alles ein­ma­lig köst­lich. Es ste­hen noch wei­te­re Lecker­bis­sen auf der schön zwei­spra­chig gehal­te­nen Kar­te. Hier waren wir defi­ni­tiv nicht zum letz­ten Mal.

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