Unse­re Peli­k­an­träu­me in der Kara­vas­te-Lagu­ne sind nun gründ­lich zer­platzt. Das Ört­chen Divja­ka ent­puppt sich als wenig reiz­voll, die anvi­sier­te Über­nach­tung als Desas­ter. Guter Rat ist 17:15 Uhr (in einer Stun­de wird es dun­kel) mit­ten im land­wirt­schaft­li­chen Nie­mands­land, teu­er. Mobi­le Daten sind eben­falls teu­er im Nicht-EU-Land Alba­ni­en – 10 MB (sagen wir mal 3 Fotos per Mail ver­schi­cken – kos­tet 30 Euro). Eigent­lich kommt man gut ohne zurecht. Frei­es WiFi gibt es in jedem Café, Restau­rant und Hotel. Um schnell eine gemüt­li­che Ersatz­un­ter­kunft zu fin­den brau­chen wir Inter­net. In Divja­ka fin­den wir zwar eini­ge Cafés aber die­se haben kein Hot­spot.

Der Rabe schaut sich die Off­line-Kar­te der Gegend in sei­nem Han­dy an. Die­se haben wir vorm Urlaub run­ter­ge­la­den um (eben ohne Inter­net) navi­gie­ren zu kön­nen. Der Feh­ler aus Nord-Zypern pas­siert uns nicht noch ein­mal :-).  Schnell ist ein Not­fall­plan erstellt. Durrës ist nur 60 Kilo­me­ter ent­fernt. In Durrës gibt es gefühl­te 5000 Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten, es ist Nach­sai­son, da wird sich was stan­des­ge­mä­ßes für das „fürst­li­che“ Vogel­paar fin­den. Gesagt, getan, rund 90 Minu­ten spä­ter nähern wir uns dem Moloch. Schon meh­re­re Kilo­me­ter vor dem Stadt­kern sieht man unun­ter­bro­chen nichts ande­res als Beton, Beton und etwas Beton. Rie­si­ge Wohn­hoch­häu­ser, Hotels (wir­ken ver­las­sen oder unfer­tig), Büro­kom­ple­xe, Fir­men­ge­bäu­de soweit das Auge reicht. Es wird immer dunk­ler. Run­ter von der Schnell­stra­ße wird auch die Fahr­bahn gefähr­li­cher. Der Rabe passt sei­ne Fahr­stil an 🙂
.
.
Hier leben knapp 200 000 Men­schen, plus Tou­ris­ten, selbst zu die­ser Zeit noch genug. Um nicht lan­ge suchen zu müs­sen lenkt der schlaue Rabe den Fabia zum Strand. In der „ers­ten“ Rei­he wer­den am ehes­ten noch eini­ge Restau­rants geöff­net haben. Der kon­ge­nia­le Plan geht auf. Wir lan­den in einem Ita­lie­ner auf der Rru­ga Cur­ri­la, nörd­lich des Hafens. Schi­cke Adres­se direkt am Was­ser. W‑Lan ist da, das Essen ist genieß­bar. Woll­ten eigent­lich was lan­des­ty­pi­sches aber die ers­te Rei­he ist eben mit Ita­lie­nern, Grie­chen und Asia­ten gespickt.
.
.
Nach der ers­ten Betan­kung mit Haus­wein und einem Ziga­ril­lo  beim Mee­res-rau­schen der Adria – star­ten wir die Recher­che. Die Köni­gin am IPad, der Rabe (eben nur Prinz L) am IPho­ne. Schnell sind drei bis vier Häu­ser gefun­den. Zwei kom­men in die enge­re Wahl. Die Rei­hen­fol­ge wird fest­ge­legt. Nach dem sät­ti­gen­den aber wenig alba­ni­schen Essen steu­ern wir die ande­re Sei­te der Bucht an. Es ist schon kurz vor Neun. An der Rru­ga Pava­re­sia hat das Eul­chen ein schnu­cke­li­ges, klei­nes Hotel­chen gefun­den – das EDART Hotel. Direkt am Was­ser und am SANDSTRAND. Dur­res besitzt etwa 20 Kilo­me­ter Strand, davon etwa 90% ganz fei­ner Kie­sel­strand. Jetzt müs­sen wir nur noch ein Zim­mer bekom­men.
.
.
Nach 20 min Fahrt plat­zen wir ins Restau­rant des Hau­ses. Wir wur­den schon beim Ein­par­ken „erspäht“. Die Rezep­ti­on scheint unbe­setzt aber meh­re­re Kell­ner deu­ten an – „kommt rein“. „Do you have a nice room for us?“ grinst der Rabe die Män­ner an. Unse­re aus­ge­las­se­ne Freu­de über die Ant­wort und die erfolg­rei­che Preis­ver­hand­lung holt die Che­fin des Hotels auf den Plan. Eul­chen und Sanie (so ihr Name) das ist Lie­be auf den ers­ten Blick. Es wird gelacht, gewit­zelt und geknud­delt. Die Frau passt in die Welt – eine strah­len­de, direk­te, selbst­be­wuss­te, hüb­sche Matro­ne.
.
.
Hat den Laden im Griff. Vor 35 Jah­ren, noch zu kom­mu­nis­ti­schen Zei­ten hat sie mit einem Eis­stand ange­fan­gen. Spä­ter kam eine Patis­se­rie. Heu­te besitzt sie ein Hotel in der ers­ten Rei­he. Hut ab. Auch das ist Alba­ni­en wie es leibt und lebt. Die „Mädels“ sind sich so sym­pa­thisch, dass „sea view and bal­co­ny“ ohne Auf­preis raus­sprin­gen – davon gibt es nur zehn. Der Kell­ner, der uns ins Zim­mer führt, erzählt uns, dass er Deutsch­land-Fan ist, zeigt uns Fotos vom Okto­ber­fest mit sei­nen Kum­pels. Irgend­wie mögen die Alba­ner die gjer­manët. Das Zim­mer ist klein aber fein. Das Bad fürst­lich. Wir bli­cken vom Bal­kon direkt auf die Bucht.
.
.
Unse­re Schutz­en­gel haben es wie­der gerich­tet. Coool und dan­ke euch:-)

Mitt­ler­wei­le ist es nach zehn. Es ist noch warm drau­ßen. Wir keh­ren ins Erd­ge­schoss und ordern zwei Schop­pen Wein – herr­lich ist es die Lich­ter des Hafens und der Hotels und Restau­rants ent­lang der Bucht vom Strand aus zu beob­ach­ten. Wir lie­ben es. Erst viel spä­ter ver­sin­ken wir in unse­ren Bett ….. das Leben ist so schöööön.

Das Früh­stück neh­men wir eben­falls im Gar­ten­re­stau­rant ein. Es ist ein herr­li­cher Tag. Dar­auf hat der cle­ve­re Rabe spe­ku­liert. Den vor­letz­ten Tag in der Son­ne zu ver­brin­gen. Spä­te­res Aus­che­cken ist im EDART kein Pro­blem – alba­ni­sche Gast­freund­schaft. Zwei Lie­gen sind gleich nach dem Früh­stück unse­re.
.
.
Son­nen, Baden, Kaf­fee schlür­fen – vier Stun­den ver­ge­hen wie im Flug. Neben uns ein „muti­ges“ Pär­chen aus Pots­dam. Sind mit dem eige­nen PKW hier … erzäh­len uns wie toll Alba­ni­en ist …. sie haben es immer­hin geschafft (in zwei Wochen hier) Tira­na zu sehen …. Wir grin­sen. Ein älte­rer Alba­ner der frü­her den VEB Frei­ber­ger Zell­stoff und Papier­fa­bri­ken mit auf­ge­baut hat und heu­te mit einer Schwei­ze­rin ver­hei­ra­tet ist besitzt neben­an ein Som­mer-Apart­ment.   Er erzählt wie Radio Frei­es Ber­lin. In zwei Stun­den erfah­ren wir mehr über die Zeit unter Hoxha als man in einem Buch fas­sen könn­te. Kom­plet­te Iso­la­ti­on des Lan­des, Nie­mand rein, Nie­mand raus und falls doch nur in klei­nen Grup­pen. Jeder muss­te über ande­re berich­ten, ob beim Sigu­ri­mi (alba­ni­sche Staats­si­cher­heits­dienst) oder nicht. Ein Geschenk von einem Aus­län­der konn­te einen ins Gefäng­nis brin­gen. Er selbst hat einen Elek­tro­ra­sie­rer aus Angst sein Sohn ver­quatscht sich in der Schu­le, von einer Brü­cke in den Fluss gewor­fen. Miss­gunst und Miss­trau­en unter Nach­barn und Fami­li­en­mit­glie­dern, selbst unter Ehe­leu­ten, war nichts Unge­wöhn­li­ches. Dage­gen scheint die DDR ein Schla­raf­fen­land gewe­sen zu sein.
.
(Spie­ler des loka­len Fuß­ball­clubs beim Trai­nings­lauf, blaue Bade­ho­se im Vor­der­grund unser Deutschalba­ner)

Wir hören gern zu sind dann aber doch froh als ihn sei­ne Frau nach Hau­se kom­man­diert. Noch ein klei­ner Spa­zier­gang auf der Laden­stra­ße und er geht zu Ende, unser unge­plan­ter und unge­woll­ter Auf­ent­halt in Dur­res.

Schön ist die­se Stadt nicht. Im Som­mer wird sie von Hun­der­tau­sen­den Tou­ris­ten bevöl­kert. Sie drän­geln sich dann am Strand, auf im Zen­ti­me­ter­ab­stand ste­hen­den Lie­gen wie Amei­sen. Restau­rants, Bars, Cafes sind völ­lig über­füllt.
.
.
Und – Dur­res ist nicht Alba­ni­en. Nicht falsch ver­ste­hen – man spricht hier schon alba­nisch, und die Men­schen sind nett aber wer das rich­ti­ge Alba­ni­en sehen möch­te … mei­det bes­ser die­se Stadt. Man braucht kein schlech­tes Gewis­sen hin­ter­her zu haben – ver­passt hat man nichts. Wer auf Son­nen­lie­gen, Umbrel­las, kal­tes Bier und war­mes Mit­tel­meer­was­ser steht – soll­te im Juni oder Sep­tem­ber hier­her fah­ren. Das Edart-Hotel kön­nen wir wärms­tens emp­feh­len.

Nach­trag: Es gibt in Durrës wirk­lich Tau­sen­de Hotel­bet­ten – die im EDART schei­nen dabei wirk­lich gefragt zu sein. Wie wir grad erfah­ren haben, hat eine Freun­din aus Polen Ihren kom­plet­ten Som­mer­ur­laub hier zuge­bracht. Sie schwärmt bis heu­te.

Nach­trag 2. Das EDART-Restau­rant hat sich einen Namen mit sei­nen aus­ge­fal­le­nen Mee­res­ge­rich­ten gemacht. Der Chef­koch hat ein gol­de­nes Händ­chen dafür, die Gerich­te sehen schon lecker aus und die Prei­se für der­art Spe­zia­li­tä­ten sind im Ver­gleich zu deut­schen lach­haft. Na dann guten Appe­tit 🙂
.

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Dei­ne E‑Mail-Adres­se wird nicht ver­öf­fent­licht. Erfor­der­li­che Fel­der sind mit * mar­kiert.

Ich akzep­tie­re

Die­se Web­site ver­wen­det Akis­met, um Spam zu redu­zie­ren. Erfah­re mehr dar­über, wie dei­ne Kom­men­tar­da­ten ver­ar­bei­tet wer­den.