Roman­tisch in den Wein­ber­gen gele­ge­ne Hüt­ten oder Bänk­chen an Aus­sichts­punk­ten, waren schon immer Orte der Lie­be. Zar­te Lie­bes­ban­de began­nen in manch einer von ihnen aber auch amou­rö­se Affä­ren. Nicht von Unge­fähr ent­stan­den unzäh­li­ge Sprü­che wie z.B. der Fol­gen­de.Wenn mei­ne Zun­ge im Löch­lein steckt und gie­rig jedes Tröpf­chen leckt, den­ke nicht ich sei ein Schwein, ich red von einer Fla­sche Wein.”


 

Wo sich Maria War­ten­berg und Hein­rich Sau­er ken­nen & lie­ben lern­ten  wis­sen wir nicht. Die bei­den renom­mier­ten Pro­fes­so­ren der Medi­zin haben sich defi­ni­tiv aber noch ein zwei­tes Mal ver­liebt. In den Wein …  bes­ser, in den Wein­berg. Sie erwar­ben vor eini­gen Jah­re , das Wein­gut Stein­meis­ter bei Naum­burg an der Saa­le, wel­ches sich in einem trau­ri­gen Zustand, fern­ab sei­ner Bestim­mung, befand.  Zwei Jah­re Arbeit ver­gin­gen bis die dazu­ge­hö­ri­ge Bau­sub­stanz wie­der glänz­te und auch die, teil­wei­se 90 jäh­ri­gen, Wein­re­ben benö­tig­ten inten­si­ve Pfle­ge. Das Ergeb­nis lässt sich nicht nur sehen, es strahlt eine, hier zu Lan­de sel­ten gewor­de­ne, Gast­freund­schaft und (da haben wir’s wie­der) Lie­be zum Detail. Wie es sich für zwei Wis­sen­schaft­ler gehört wur­de inten­siv zum The­ma recher­chiert. Archi­ve und Hören­sa­gen för­der­ten Inter­es­san­tes wie Legen­den zu Tage, die Maria bei manch Gele­gen­heit char­mant, lie­be­voll und wit­zig an die “Fans” wei­ter gibt. Wir dür­fen ihren Erzäh­lun­gen wäh­rend  einer “süf­fi­gen” Wein­wan­de­rung lau­schen. Natür­lich wird dabei auch ver­kos­tet, jeweils da wo die ent­spre­chen­de Rebe wächst — aus einem, am Leder­riem­chen mit­ge­führ­ten, Glasel. Aber der Rei­he nach.

Wir sind gewohnt recht­zei­tig da und so kön­nen wir den schö­nen Gar­ten des Wein­guts genie­ßen. In der Strauß­wirt­schaft gibt’s ein Käse­spieß­chen und den ers­ten Rose … schon mal lecker. Sowohl in der Gast­stu­be als auch im Gar­ten muss man sich ein­fach wohl­füh­len. Eine statt­li­che Men­schen­men­gen fin­det sich all­mäh­lich zur „Gro­ßen Wein­bergs­wan­de­rung durch den Stein­meis­ter“ ein. Etwa 13:00 Uhr setzt sich der rund 30 Mann (und Frau) zäh­len­de Troß in Bewe­gung.

Die Mönchshütte“

Das klei­ne aber fei­ne Häus­chen stand hier schon im 13. Jahr­hun­dert. Davon zeugt die Tie­fe des Kel­ler­bo­dens, der sei­ner­zeit kein Kel­ler war. Im lau­fe der Geschich­te, und mit jeder Flut spül­te die Saa­le Sedi­men­te her­bei, die dafür gesorgt haben, dass das Häus­chen heu­te etwa 1,5 Meter tief in der Erde steht. Zu bestimm­ten Ver­an­stal­tun­gen wir aus der Boden­lu­cke Wein gereicht, die Bedie­nung ragt ab der Brust her­aus – sieht bestimmt lus­tig aus. Hier erfah­ren wir so eini­ges über das Wein­gut und sei­ne Anfän­ge. Es fal­len wit­zi­ge Begrif­fe. Zum Bei­spiel Spon­tan­gä­rung … wenn die Trau­ben in einem Gefäß begin­nen selb­stän­dig Che­mie zu ler­nen (wir erin­nern uns an den Film „Die Feu­er­zan­gen­bow­le“ … die alko­ho­li­sche Gärung ist die Gärung des Alko­hols ……🤣

… und semi­s­te­ril😉 – das soll­te nach dem mischen mit Wein das Was­ser wer­den. Frü­her war das Was­ser nicht immer rein. Mön­che haben es also mit Wein, den sie im Über­fluss hat­ten, ver­mischt — damit es trink­bar wur­de.

Das klei­ne Häus­chen gehör­te frü­her  einer gewis­sen Olga Thie­ne­mann, der Schwes­ter von Gerd Haupt­mann. Eini­ge Sze­nen des Buches „Das dra­ma­ti­sche Werk“ (Band zwei) von G. Haupt­mann, sol­len sich im Häus­chen abspie­len.

Neben den bei­den Wis­sen­schaft­lern gibt’s auch einen Win­zer. Einen jun­gen dazu. Auch er hat sich ver­liebt, zum einen in die Toch­ter der net­ten Medi­zi­ner und zum ande­ren in den Wein­an­bau. Schon sein Urgroß­va­ter ent­wi­ckel­te vor 100 Jah­ren in der Gegend Reb­sor­ten. Der jun­ge Mann kre­denzt uns an jeder Sta­ti­on Wei­ne und schmückt die­se Ver­kos­tun­gen mit fach­fun­dier­ten wie amü­san­ten Fak­ten zum jewei­li­gen Wein und zum Wein­an­bau über­haupt. An die­ser Stel­le ein rie­sen Dan­ke­schön. Selbst der Raben­prinz als „Semi­wein­ken­ner“😁 saugt neu­es Wis­sen auf wie ein Ele­fan­ten­schwamm Was­ser.

Am Mönchs­häus­chen gibt’s übri­gens einen Sil­va­ner. Die­se Reb­sor­te ist etwa 400 Jah­re alt.  „Unser“ Sil­va­ner stammt von teils 90 jäh­ri­gen Reb­stö­cken. Die tra­gen weni­ger, die Trau­ben sind klei­ner und ein rein am Gewinn inter­es­sier­ter Win­zer hät­te die­se Stö­cke längst ver­heizt, aber wenn man den weni­ger Ertrag in Kauf nimmt kann man einen exqui­si­ten, qua­li­ta­tiv uner­reich­ten Trop­fen genie­ßen. Das tun wir und sind begeis­tert. Im Abgang schmeckt er leicht nach Apfel … gar Lit­schi.

Höhlenwohnung

Wei­ter geht es zu den Höh­len­woh­nun­gen. Davon gibt es zwei. Eine klei­ne und eine grös­se­re. Die zwei­te inspi­zie­ren wir nun genaus­tens😁 Male­risch mit­ten im Wein­berg gele­gen – mit Aus­sicht über da gan­ze Tal und auf den Naum­bu­rer Dom, zeugt sie wie­der von alten Glanz­ta­gen.  Die Alt­ei­gen­tü­mer lager­ten hier Alt­rei­fen und zwar jede Men­ge davon. Wit­te­rung und Zeit haben ihr Übri­ges getan, doch heu­te wür­de man hier am liebs­ten sofort ein­zie­hen. Auch um die­se „Immo­bi­lie“ ran­ken sich Legen­den. Unter ande­rem sol­len die Pfor­ten­ser Mön­che hier ihren Schatz ver­steckt haben. Alles Lug und Trug ver­si­chert uns Frau War­ten­berg. Wir wür­den auch nie­man­dem ver­ra­ten wenn wir einen Schatz gefun­den hät­ten🤣


Und erneut springt der jun­ge Win­zer ein (scha­de, dass wir sei­nen Namen nicht erfah­ren haben)😫

Dies­mal gibt es zwei Wei­ne. Eine Weiß­bur­gun­der Spät­le­se von 2016 den bereits die Zis­ter­zi­en­ser Mön­che vor 1000 Jah­ren hier ange­baut haben, und einen Ries­ling Kabi­nett. Bei­de mun­den vor­züg­lich. Im ers­te­ren ver­liebt sich (… schon wie­der😘) die Eulen­kö­ni­gin. Wenn es nach ihr gin­ge müss­ten wir kei­ne wei­te­ren Sor­ten ver­kos­ten. Hier erfah­ren wir auch war­um die Aka­de­mi­ker in ihrem Wein­gut (fast) kei­nen Eis­wein her­stel­len. Sie trin­ken ihn lie­ber selbst.

Eis­wein wird im Win­ter, bei minus acht bis zehn Grad geern­tet. Einen Berg Trau­ben braucht man dafür. Die Men­ge wür­de rei­chen um gut 1000 Liter Wein her­zu­stel­len — her­aus­kom­men aber ledig­lich gan­ze 5.5 Liter erst­klas­si­gen Eis­wein. Wei­ter erfah­ren wir, dass nur Sor­ten­rei­ne Wei­ne abge­füllt wer­den und dass man hier fast ohne Dün­ger aus­kommt. Teil­wei­se wird zehn Jah­re lang nicht gedüngt. An sol­che Details spürt man schon die Phi­lo­so­phie der Wein­berg­be­sit­zer. Der klei­ne Betrieb pro­du­ziert auf 4,4 Hekt­ar etwa 25 000 Liter des Lebens­saf­tes. Das sind gut 33 Tau­send Fla­schen pro Jahr­gang die in der Staruß­wirt­schaft und in zwei Läden (Leip­zig und Erfurt) ver­kauft wer­den.

Das Türmchen

Das Türm­chen ist unse­re nächs­te Sta­ti­on. Oben auf dem s.g. Kai­ser­hü­gel thront es über dem Besitz und dien­te frü­her dem Schutz des sel­bi­gen vor … Wein­die­ben. Spä­ter dien­te es einem sei­ner Besit­zer, dem Herrn Golon­eck, mehr als Lie­bes­nest. Angeb­lich schwer im Wein­berg schuf­tend, beglück­te der Lust­molch jun­ge Mäd­chen aus den umlie­gen­den Orten hier oben. Ein wun­der­schö­nes Fleck­chen Erde ist es hier um das Türm­chen her­um.  Eine 800 Jah­re alte Sou­bi­se-Eiche (so benannt wahr­schein­lich nach dem fran­zö­si­schen Prin­zen Sou­bi­se, der hier im Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg weil­te und tafel­te, ver­leiht dem Ort zusätz­lich einen geheim­nis­vol­len Charme.

 

Die­ser Stand­ort war auch im Kai­ser-Manö­ver 1903 Füh­rungs­stand … und sicher auch 1850 als die unver­schäm­ten Ross­ba­cher wegen zu hoher Steu­ern gegen die Mön­che im Klos­ter Pfor­ta mar­schier­ten. Scha­de, dass heut zu Tage nie­mand mehr aus sel­bi­gen Grund mar­schiert. Zeug­nise jener Tage fan­den sich bei der Reno­vie­rung der Gebäu­de – hier Patro­nen­hül­sen aus dem 19. Jh.

Nun ist wie­der Schwie­ger­sohn an der Rei­he. Es gibt einen Johan­ni­ter – eine Neu­zich­tung eines Dr. Becker aus Frei­burg im Breis­gau (eine Rebe die kei­nen Pflan­zen­schutz benö­tigt) und einen Mus­ka­ris Aus­le­se. Eine eben­falls sehr sel­te­ne Rebe, die wegen ihrer Süße nicht unser Favo­rit wird aber bestimmt man­chen Nicht­wein­trin­ker vom Wein über­zeu­gen könn­te.

 

Und dann kommt end­lich ein Roter. Dar­auf hat der Rabe gedul­dig gewar­tet. Ein Spät­bur­gun­der aus dem Holz­fass, natür­lich tro­cken😉 Die­ser gedeiht in der Frey­bur­ger Steil­la­ge dem zwei­ten Wein­berg der Guts. 2016 wur­de er zum bes­ten Rot­wein in der Unstrut prä­miert. Der Rabe ist hap­py. Ein edler Trop­fen und hier wird auch gepick­nickt. Lecke­re Baguettes mit Käse und Sala­mi, Hack­bäll­chen mit Gur­ke, Schmalz­bro­te und Käse­spie­ße dazu Toma­ten satt. Alles lie­be­voll zube­rei­tet.

Beim schlem­men fra­gen wir unse­rem Win­zer Löcher in den Bauch. Mit einer Engels­ge­duld, mit Charme und Stolz stillt er unser Wiss­be­geh­ren. Über eine Stun­de genie­ßen wir sei­ne Erzäh­lun­gen, die Aus­sicht, den Wein und die Häpp­chen. Es ist ein­fach herr­lich hier. Beim Abstieg über die, bereits vor Jahr­hun­der­ten von Mön­chen ange­leg­te, ganz schma­le Wein­berg-Trep­pe zählt das Eul­chen über  250 Stu­fen. Schööööööönnn war es und bestimmt nicht nur wegen der lecke­ren Häpp­chen wer­den wir wie­der kom­men. Die  Wein­ern­te wol­len wir im Herbst eben­falls mit­er­le­ben — Hil­fe wird hier dan­kend ange­nom­men.

 

Zum Abschluss noch etwas zum The­ma Gesund­heit und Wein … Frau War­ten­berg ver­bin­det im Vor­trag Pas­si­on und Pro­fes­si­on.

Dan­ke und bis zum nächs­ten Mal.

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