Schon lan­ge woll­te der Rabe sei­ner Köni­gin zei­gen, wo er sein Land “ver­tei­digt” hat. Vor vie­len Jah­ren gab es da eine Gren­ze, mit­ten durch ein wun­der­schö­nes Land. Hier und da stan­den jun­ge Män­ner und bewach­ten die­se, von ihren Sys­te­men, ihren Regie­run­gen, ihren Vor­ge­setz­ten mani­pu­liert als wür­de es sich um den hei­li­gen Gral han­deln. Anfang der 80er Jah­ren hat man zwar die schreck­lichs­ten Tötungs­werk­zeu­ge an die­ser Gren­ze abge­baut, die poli­ti­sche Stim­mung wur­de ent­spann­ter — den­noch bewach­ten, allein auf der Ost­sei­te durch­schnitt­lich 44000 Mann unter Waf­fen den s.g. Todes­strei­fen auf dem über 1000 DDR-Bür­ger gestor­ben waren.

Rabens Dienst­zeit war, bis auf weni­ge Aus­nah­men, nicht unan­ge­nehm. Als UaZ (Unter­of­fi­zier auf Zeit) genoss der Jung­vo­gel wöchent­lich Aus­gang und einen frei­en Tag, monat­lich 4 Tage Urlaub (macht 48 im Jahr😊, durch­schnitt­lich 6h Dienst­zeit am Tag und fast 1200 Ost­mark plus Zula­gen im Monat (DDR-Durch­schnitts­ge­halt lag damals bei etwas über 800 Mark). Wie gesagt — es war Kom­mu­nis­mus!

Die, zuge­ge­ben har­te, halb­jäh­ri­ge Grund­aus­bil­dung hat aus einem Jun­gen einen Mann gemacht der bis heu­te in der Welt zu recht kommt. Der anschlie­ßen­de Dienst in einem ver­schla­fe­nen, Süd Thü­rin­ger Dorf leg­te einen Grund­stein für Rabens Lie­be zur Natur und zum Wan­dern — und ver­edel­te Rabens Fähig­kei­ten im Umgang mit Men­schen sowie sei­ne orga­ni­sa­to­ri­sche und kul­tu­rel­le Ader. Einen Club­raum füll­te der jun­ge Rabe mit Leben — schmu­cke The­ke, täg­lich mit Geträn­ken und Kaf­fee (unter der The­ke gabs auch mal was ande­res😊) wöchent­li­che Spiel- und Film­aben­de, eine Rock­band die er aus der Sin­ge­grup­pe der Kom­pa­nie und dem ört­li­chen Mäd­chen­chor form­te und so vie­les mehr — lie­ßen die Zeit in die­sem 170 See­len Dorf nicht lang­wei­lig wer­den.

August 1961  war ein geschichts­träch­ti­ges Datum in der Deut­schen His­to­rie, der August 1988 war auch ein bewe­gen­des Datum im Lebens­lauf des Raben­prin­zen aber weder das eine noch das ande­re Datum hat uns ermun­tert die ehe­ma­li­ge inner­deut­sche Gren­ze zu besu­chen. Erst im Nach­hin­ein wur­de uns klar in welch einem his­to­ri­schen Kon­text unse­rer Wochen­end­aus­flug zu sehen ist.

So mach­ten wir uns los in den ent­le­gens­ten Zip­fel Thü­rin­gens nach Lich­ten­hain an der Gren­ze zu Bay­ern. Die Fahrt über end­los ver­schla­fe­ne Dör­fer und eine intak­te, wun­der­schö­ne Natur ließ erah­nen, dass hier zu DDR Zei­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes  “der Hund begra­ben war” (zum The­ma Sprich­wör­ter der 1.) und die Men­schen von der Außen­welt so ziem­lich abge­schnit­ten. Gleich am Orts­ein­gang die “Kaser­ne”  — in der der Rabe 28 Mona­te sei­nes Lebens zubrach­te.

Sei­ner­zeit die 7. Grenz­kom­pa­nie des 2.Grenzbatallions im Grenz­re­gi­ment 15  Son­ne­berg. Ich bekom­me gleich ein mul­mi­ges Gefühl, ob der Ört­lich­keit oder der Erin­ne­rung an zurück­lie­gen­de Zei­ten wegen.  Das Gelän­de und die Gebäu­de sind ver­las­sen und ver­wahr­lost. Alles wie in Tscher­no­byl zuge­wu­chert und zuge­wach­sen — und das obwohl die “Immo­bi­lie” wohl bis zum Jahr 2006 als Asyl­heim, dann als Jugend­her­ber­ge genutzt wur­de.

Schnell ist ein Loch im Zaun gefun­den und wir sind drin. Der Rabe voll im Erin­ne­rungs­wahn, ich mit Gän­se­haut, auf­ge­stell­tem Nacken­haar und die Augen wie ’ne Rund­um­leuch­te. Die Türen der ehe­ma­li­gen Gara­gen las­sen sich öff­nen, naja nur alter Krem­pel, unzäh­li­ge  Kar­tons mit Bier­glä­sern, Tische, Bar­ho­cker, Kron­leuch­ter, eine Dis­co­ku­gel. Der Rabe bringt sich vor dem Ein­gang in Pose für die abso­lut geils­ten Fotos. Dann .… ach du Schreck — die Tür der Kom­pa­nie ist nicht ver­schlos­sen. Jetzt gibt es kein zurück!

Zim­mer für Zim­mer wird unter die Lupe genom­men, jede Schrank­tür geöff­net, die Duschen und Toi­let­ten in Augen­schein genom­men …ich immer mit einem wachen Blick über die Schul­ter. Ich erfah­re wo geschla­fen, geges­sen und sich ver­sam­melt und berat­schlagt wur­de. Ach ist das auf­re­gend. Als der Rabe in den Kel­ler will, kapi­tu­lie­re ich, für heu­te reicht es. Ein letz­ter Blick auf den Sport­platz, der mitt­ler­wei­le mit dich­ten Gebüsch zuge­wach­sen ist.

Genug der Nost­al­gie und der war­nen­den Erin­ne­rung vor Zei­ten in denen sich jun­ge Men­schen mit gela­de­nen Maschi­nen­ge­weh­ren auf zwei Sei­ten gegen­über stan­den nur weil Poli­ti­ker das Den­ken und Han­deln der blin­den Mas­sen dik­tier­ten … durch­aus eine War­nung an die heu­ti­ge Zeit.

Eine kur­ze Rund­fahrt durch den ehe­ma­li­gen Grenz­strei­fen ergänzt das Besich­ti­gungs­pro­gramm. Die Grenz­an­la­gen sind ver­schwun­den. Im frü­he­ren benach­bar­ten Grenz­ab­schnitt, in Neu­en­bau, steht noch ein BT9 — damals eine s.g. Füh­rungs­stel­le. Lei­der ist sie abge­schlos­sen … viel­leicht bes­ser so.

Von einem der Beob­ach­tungs­tür­me sah der Rabe in den 80ern manch­mal die Dächer und Türm­chen einer Burg. Der Burg Lau­en­stein — der eigent­li­che Grund für Eul­chens Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung zum heu­ti­gen Aus­flug. In Lau­en­stein gibt es näm­lich eine Scho­ko­la­den­fa­brik — so zu sagen ein Eulen-Köni­gi­nen-Eldo­ra­do. Da müs­sen wir UNBEDINGT hin.

Aber zuerst noch etwas älte­re Geschich­te. Lau­en­stein ist eine wirk­lich traum­haf­te Burg. Die 3/4 stün­di­ge Füh­rung mit nur 6 Per­so­nen lässt viel Platz für Geschich­ten, Sagen und Erwäh­nens­wer­tes. Wir erfah­ren etwas üben den Besit­zer und die Ent­ste­hung eini­ger Sprich­wör­ter wie zum Bei­spiel “Etwas auf die hohe Kan­te legen”, “eine Gar­di­nen­pre­digt hal­ten”, “tief in der Krei­de ste­hen” oder “ins Bett stei­gen”.

Wir kön­nen foto­gra­fie­ren soviel wir wol­len und über­all hin­ein­schau­en — sel­ten in deut­schen Schlös­sern, Bur­gen und Muse­en. Für einen Moment füh­len wir uns wie die könig­li­chen Burg­her­ren — sor­ry für das Sel­fie:)

Nun will ich aber end­lich in die Pra­li­nen­fa­brik. Hal­le­lu­ja — ich wer­de nicht ent­täuscht. Es ist der Wahn­sinn — 99 Pra­li­nen­ar­ten und Bruch­scho­ko­la­de in tol­len Geschmacks­rich­tun­gen, da kann sogar der Rabe nicht wider­ste­hen.  Edel­mar­zi­pan, Him­beer­trüf­fel, Wal­nuss­nou­gat, Wald­meis­ter­trüf­fel, Trüf­fel mit Bal­sa­mi­co, wei­ße Scho­ko­la­de mit Hei­del­beer ‑Sah­ne- Geschmack, Cap­puc­ci­no­t­rüf­fel und und und . Ein ver­mö­gen für fast ein Kilo süßer Kalo­ri­en über­las­sen wir frei­wil­lig dem eins­ti­gen Klas­sen­feind😊

 

 

Wie immer nach einem auf­re­gen­dem Tag, suchen wir nun ein lau­schi­ges Plätz­chen für ein lecke­res Abend­essen. “Die Stein­bachs­müh­le” hat geschlos­sen wegen einer Fei­er zur Schul­ein­füh­rung. Erst etwas ent­täuscht machen wir dann DIE Ent­de­ckung, Hotel “Zum Stei­ger” in Gebers­dorf, das Dörf­chen kennt bestimmt jeder -:))) Von Außen unschein­ba­res Gebäu­de, dörf­lich, alt­ba­cken, mit DDR Charme aber die Küche .… vom Aller­feins­ten. Es gibt alles was das Herz begehrt, vom Reb­huhn, Tau­be, Gans über Wild­schwein und Wei­delamm. Dazu rich­ti­ge hand­ge­mach­te Thü­rin­ger Klö­ße, es ist der abso­lu­te Ham­mer. Ein­stim­mig ver­ge­ben wir 30 von 10 mög­li­chen Punk­ten — und das obwohl wir sehr streng sind in der Dis­zi­plin Gas­tro-Kri­tik — vor allem in Deutsch­land. Welch ein wun­der­schö­ner Tag auf den Spu­ren der Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart!

 

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