Die Zeit ver­geht viel zu schnell. Am liebs­ten wür­den wir viel län­ger in Dard­he blei­ben aber wir wol­len mehr. Mehr von die­sem Wun­der vol­len (kein Feh­ler!!! 😉 Land sehen. Wir ver­ab­schie­den uns von Ardi und den anwe­sen­den Dorf­be­woh­nern und steu­ern unse­ren Fabia die Ser­pen­ti­nen dies­mal run­ter.

Ihre Eulen­tät möch­te das Hotel unse­rer heu­ti­gen Über­nach­tung vor dem Start zum Sight­see­ing bezie­hen. Ein tak­tisch-stra­te­gi­scher Feh­ler wie sich raus­stel­len soll­te. Mein Nacht­jä­ger hat wahr­haf­tig nachts im Boo­king gejagt und hat sich von Fotos einer pom­pö­sen Sui­te “blen­den” las­sen. Das Gold-Hotel ist ein klei­nes aber fei­nes Gar­ni mit ordent­li­chen Stan­dard­zim­mern aber eben die­ser Stan­dard ist irgend­wie ohne Charme.

Unse­res Nacht­la­gers sicher (11:30 bezahlt und bezo­gen) star­ten wir zu Bir­ra Kor­ça — der ältes­ten Braue­rei des Lan­des. 1928 von EINEM Ita­lie­ner gegrün­det — stel­len wir uns eine klei­ne, alte, pri­va­te Brau­stät­te vor, die wir natür­lich besich­ti­gen wol­len. Aber wie schon Kon­fu­zi­us sag­te — “wer lesen kann ist klar im Vor­teil”. Hät­ten wir den Auf­klä­rungs­trupp unter Leut­nant Goog­lë vor­her aus­spä­hen las­sen — wür­den wir wis­sen, dass es sich um eine gro­ße, hoch­mo­der­ne Braue­rei mit deut­schem und ita­lie­ni­schem Know-how han­delt. Davor ste­hend ver­zich­ten wir auf Indus­trie-Tou­ris­mus und ent­schei­den doch lie­ber alte Kno­chen sehen zu wol­len.

Kamenicë Tumulus — ein cooler (antiker) Friedhof

Kei­ne 10 Kilo­me­ter von Kor­cë weg liegt das Dorf Kamenicë. Dort wie­der­um befin­det sich der Kameni­ca Tumu­lus — einer der bedeu­tends­ten Archäo­lo­gi­schen Fun­de Alba­ni­ens. Bin­nen weni­gen Minu­ten errei­chen wir  die Kno­chen-Ruhe­stät­te. Ein Tumu­lus ist ein Hügel­grab … eher unspek­ta­ku­lär. Die­ser wird dann doch inter­es­sant und sehens­wert.

Ein paar Minu­ten nach dem wir das men­schen­lee­re Gelän­de betre­ten kommt aus dem Dorf ein sehr freund­li­cher Mann auf uns zu, schließt den höl­zer­ne  Por­ti­kus (Säu­len­hal­le) auf und deu­tet uns, dass wir uns umse­hen kön­nen. Eine klei­ne Aus­stel­lung mit Tafeln, einem Film und bei Aus­gra­bun­gen gefun­de­nen Arte­fak­ten ver­deut­licht sehr bild­haft was das Beson­de­re an die­sem (eigent­lich) Grab-Hügel ist.

Der Tumu­lus von Kameni­ca ist das größ­te und mit Abstand bedeu­tends­te von über 200 Hügel­grä­bern auf dem Bal­kan. Über 400 Grä­ber, 440 Ske­let­te und 3500 archäo­lo­gi­sche Objek­te wur­den hier gefun­den. Die zen­tra­le Grab, das in die Bron­ze­zeit zurück­reicht wird von zwei gro­ßen kon­zen­tri­schen Krei­sen anders als alle ande­ren Grab­hü­geln in Alba­ni­en ent­deckt umge­ben. Der Tumu­lus wuchs auf 40 Grä­bern in der spä­ten Bron­ze­zeit und bis 200 in der frü­hen Eisen­zeit und wei­ter.

Vor kur­zem haben Archäo­lo­gen in einem der Grä­ber das Ske­lett einer schwan­ge­ren Frau und ihr unge­bo­re­nes Kind aus dem Jahr 3000 vor Chris­tus gefun­den. Sehr beein­dru­ckend ist auch die Dar­stel­lung der Ope­ra­ti­on eines männ­li­chen Schä­dels, im 6. Jahr­hun­dert vor Chris­tus, die das fort­schritt­li­che medi­zi­ni­sche Wis­sen in die­ser Zeit belegt.

Mit dem Wis­sen aus der Aus­stel­lung bege­hen wir dann in aller Ruhe und ganz allein, den Mann haben wir ver­ab­schie­det, die Anla­ge. Irgend­wie brei­tet sich eine magi­sche Aura um die Stät­te aus … der mensch­li­che Kopf ist pri­ma Film­pro­jek­tor😀😀😀 Ein selt­sa­mes Gefühl auf einem stein­zeit­li­chen Fried­hof zu spa­zie­ren … auf jeden Fall den Besuch wert.

Han i Elbasanit und Basar

Wir keh­ren zurück in „die Wie­ge der alba­ni­schen Kul­tur“ oder „das Paris Alba­ni­ens“ wie Kor­ca auch bezeich­net wird. Die Stadt­ar­chi­tek­tur mit ihren osma­ni­schen und fran­zö­si­schen Ein­flüs­sen, den brei­ten, von Bäu­men gesäum­ten Bou­le­vards und den üppi­gen Park­an­la­gen sowie den Stadt­märk­ten, Monu­men­ten, Mosche­en und Kir­chen macht Kor­ça zu einer beson­de­ren Sel­ten­heit in Alba­ni­en. Soweit Wiki­pe­dia – wir kön­nen es erst nicht gänz­lich nach­voll­zie­hen. Es ist unse­re ers­te „grö­ße­re“ Stadt die wir in die­sem Land besu­chen. Vie­le Blogs beschrei­ben sie als ein abso­lu­tes „must see“ … haupt­säch­lich wegen der „Alt­stadt“, dem Basar und wegen Han i Elba­sa­nit – einer Kara­van­se­rei aus dem 18. Jahr­hun­dert – die aber in einem mise­ra­blen Zustand ist.

Das Gebäu­de umgibt einen fünf­ecki­gen Innen­hof mit Brun­nen. Die­ser dien­te als Stand­platz für Pfer­de und als Markt. Das Erd­ge­schoss dien­te als Lager­raum. Dar­über befin­det sich eine höl­zer­ne Gale­rie mit Zugang zu den Kam­mern. Letz­te­re sind noch bedingt als Unter­kunft nutz­bar. Rund her­um wird gehan­delt .. mit Allem was das Herz begehrt.

     

Die Atmo­sphä­re des Ori­ents ist spür­bar. Den­noch beein­druckt uns das Bild wenig.

City und Kathedrale

Wir zie­hen es vor einen Kaf­fee am Bule­var­di Shën Gje­rg­ji, der „Protz­mei­le“ von Korce, zu trin­ken. Sei­ne bei­den Enden wer­den von mar­kan­ten Bau­ten begrenzt. An einem ein sehr futu­ris­ti­sche Turm­bau, mit einem Aus­sicht­s­ca­fe und am ande­ren (über den Bule­var­di Repu­bli­ka) die Kathe­dra­le ‚Auf­er­ste­hung Chris­ti‘ — Kate­dral­ja “Ngjall­ja e Krish­tit” — ein byzan­ti­ni­scher Neu­bau.


An ihrer Stel­le lag seit dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert die Sankt-Georgs-Kathe­dra­le, jene wur­de 1967 im Zuge der anti­re­li­giö­sen und athe­is­ti­schen Poli­tik Enver Hoxhas vom dama­li­gen kom­mu­nis­ti­schen Staat zer­stört. Der Turm reizt uns nicht – wir ent­schei­den und für die Kir­che. Ein Pracht­bau mit beein­dru­cken­den Wand­ma­le­rei­en und prunk­vol­ler Aus­stat­tung — nichts ver­rät, dass der Bau kei­ne 25 Jah­re alt ist. Mög­lich mach­te es die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Grie­chi­schen Staa­tes .… da hat­ten Sie noch biss­chen Geld:-)
 .
 .

Lecker Essen

Den Ohrid-See und Dard­he kann Korce auch mit sei­nem, zuge­ge­be­ner Maßen köst­li­chen, Bier (wir fin­den eines der Bes­ten welt­weit) irgend­wie nicht top­pen. Der Tag MUSS drin­gend geret­tet wer­den. Dies­mal dik­tiert der Rabe die Fut­ter­stel­le – und dul­det kei­ne Wider­re­de. „Vil­la Cofiel“ liegt etwas abseits des Zen­trums – wir bemü­hen den Fabia und wer­den ver­zau­bert.

Uhrig tra­di­tio­nell ein­ge­rich­tet mit typisch alba­ni­schen Spei­sen, per­fek­ten Ser­vice und köst­li­chen Wein – las­sen wir es uns schme­cken … beson­ders die „four sau­ces“ – vier .. ja was eigent­lich … vier Dip’s von scharf, über exo­tisch bis ori­en­ta­lisch ….ein­fach ein Gedicht.

Nobel geht die Welt .…. 

Der Tag war bereits halb geret­tet – um ihn ganz zu ret­ten wech­seln wir in unse­rem (Gold) Hotel in die teu­ers­te Sui­te des Hau­ses. Die extra­va­gan­te Edel­sui­te im obers­ten Stock, mit einem edlen Bad und einem 10 Meter Ban­kon kos­tet uns deka­den­te 40€ …… Wahn­sinn. Das Tag ist nun offi­zi­ell geret­tet. Die Eul­sche Majes­tät nimmt ein hei­ßes Bad, der Rabe genießt eine Zigar­re und Rot­wein über den Dächern Korca’s …


die Spiel­wie­se hält was sie auf Bil­dern ver­spricht … das Leben ist so schöööööön.

Shën Ilia — Hausberg, Kapelle, Kreuz

Wir schla­fen gut und lan­ge – auf Früh­stück im Hotel ver­zich­ten wir. Ein Geheim-Tipp lockt uns, aus zu recht frü­hen Stun­de, aus der Stadt. Auf dem Berg, zu des­sen Füßen die Stadt liegt, steht ein gewal­ti­ges Beton-Kreuz (auch ein Wahr­zei­chen Kor­cas) und eine klei­ne Kapel­le, die Shën Ilia.

 .

 .
Eine lan­ge kur­vi­ge Stra­ße führt auf 1300 m.ü.d.M.wo sie vor dem „Res­torant La Mon­ta­gna“ endet und von wo aus man die, noch paar Meter höher gele­ge­nen, Sehens­wür­dig­kei­ten erlau­fen kann. Was für ein Aus­blick … das Pan­ora­ma wun­der­schön.

Vor dem kur­zen Marsch stär­ken wir uns aber im „La Mon­ta­gna“. Etwas zu essen gibt es zwar erst ab um 9:00 Uhr (geöf­fent ist ab 7:00) aber der net­te Kell­ner bringt uns kurz nach halb neun schon mal ordent­li­chen alba­ni­schen Kaf­fee, einen Tee und genießt gemein­sam mit dem Raben einen bel­gi­schen Ziga­ril­lo. Das stört kei­nen der übri­gen Alba­ner .. was die um die­se Zeit auf die­sem ein­sa­men Hügel wol­len – wis­sen wir bis heut nicht. Tou­ris­ten sind es nicht. Punkt 9 wird das Früh­stück ser­viert … wie immer aus­schließ­lich frisch und aus der Regi­on. Die­se Stär­kung wer­den wir auf der heu­ti­gen Fahrt drin­gend benö­ti­gen.

 .

Nach dem Essen schau­en wir uns noch schnell die gewal­ti­ge Invest-Rui­ne neben­an. Es soll­te sicher ein gr0ßes Hotels wer­den. Inter­es­sant ist die fast sta­li­nis­ti­sche Fun­da­ment-Archi­tek­tur. Das unfer­ti­ge Hotel steht auf einem rie­si­gen, fla­chen Gebäu­de des­sen Dach gleich­zei­tig Park­platz und Fun­da­ment ist …. Höchst inter­es­sant.

 .

Kurz dar­auf sagen wir „bye, bye Korce“ und begin­nen die fan­tas­tischs­te Berg­über­que­rung unse­res Lebens.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Dei­ne E‑Mail-Adres­se wird nicht ver­öf­fent­licht. Erfor­der­li­che Fel­der sind mit * mar­kiert.

Ich akzep­tie­re

Die­se Web­site ver­wen­det Akis­met, um Spam zu redu­zie­ren. Erfah­re mehr dar­über, wie dei­ne Kom­men­tar­da­ten ver­ar­bei­tet wer­den.