Zuge­ge­ben jede die­ser bei­den Behaup­tun­gen klingt an sich schon obstruz. Bei­de an einem Tag geäu­ßert könn­ten eine Ein­wei­sung in die Psych­ia­trie recht­fer­ti­gen, aber glaubt uns — nichts davon ist gelo­gen. Bal­kan-Ken­ner ahnen bestimmt schon was gleich kommt und bevor uns die Ver­tre­ter aller Welt­re­li­gio­nen an den Pran­ger stel­len — leßt zu Ende — nichts liegt uns fer­ner als Got­tes­läs­te­rung. Der heu­ti­ge Tag ist unser ers­ter in Alba­ni­en und beschert uns bei­de Erleb­nis­se tat­säch­lich.

Die­ses  geheim­nis­vol­le Land erreicht man sicher auch mit dem Auto, wir haben uns aber für das Flug­zeug ent­schie­den. Da es hier nur einen inter­na­tio­na­len Flug­platz gibt kommt man unwill­kür­lich mit Mut­ter The­re­sa in Berüh­rung und unwei­ger­lich durch sie durch.

Die, welt­be­kann­te (aber umstrit­te­ne) Mis­sio­na­rin und Ordens­schwes­ter ist mit Abstand die berühm­tes­te Alba­ne­rin und nach ihr wur­de der Haupt­stadt- Flug­ha­fen benannt. Wobei … Flug­ha­fen ist etwas über­trie­ben. Es ist ein klei­ner, über­schau­ba­rer aber sehr moder­ner Platz mit einer Lan­de­bahn, einem Tower und einem Gebäu­de von der Grö­ße des Erfur­ter Haupt­bahn­ho­fes. Die Abfer­ti­gung des ADRIA-Air­lines Air­bu­ses, mit dem wir aus Frank­furt ein­ge­flat­tert kamen, ist vor­bild­lich pro­fes­sio­nell und super schnell.

Die Alba­ni­sche Luft­waf­fe, sie hat ihre alten MIGs auch auf Mut­ter-Tere­sa geparkt, wird kei­ne ernst zu neh­men­der Rol­le im Fal­le eines Fal­les spie­len:)

Mit iden­ti­schen Attri­bu­ten behaf­tet ver­läuft auch die Miet­fahr­zeug-Über­ga­be. Obwohl sich der Schal­ter der Enter­pri­se Auto­ver­mie­tung gut sicht­bar, direkt in der Flug­ha­fen­hal­le befin­det, wer­den wir mit einem gedruck­ten Rie­sen-Namens­schild von einem Mit­ar­bei­ter emp­fan­gen. Ein fast nigel­na­gel­neu­es Fahr­zeug vom Por­sche-Zen­trum Tira­na wird uns mit allen erdenk­li­chen Erläu­te­run­gen und pro­fes­sio­nel­ler Auf­nah­me von (den weni­gen, klei­nen) Lack­krat­zern in das Über­ga­be­pro­to­koll, über­reicht. Lei­der kein Por­sche … “nur” ein Sko­da. Mit einem Por­sche wären wir auf Alba­ni­ens Stras­sen zwar in guter Gesell­schaft — etwa 70% aller zuge­las­se­nen Autos schei­nen hier aus Stutt­gart zu kom­men — aber es hät­te schon ein Che­yenne sein müs­sen, manch Pis­te ähnelt hier ver­däch­tig einer Pan­zer-Test­stre­cke.

Mit unse­rem schnee­wei­ßen Mobil machen wir uns auf den Weg Rich­tung Ohrid-See. Zuerst auf einer Schnell- dann auf einer gut aus­ge­bau­ten Land­stra­ße schlän­geln wir uns durch male­ri­sche Täler, ent­lang des Lumi Shkum­bin, zwi­schen den schrof­fen Gip­feln des She­be­nik-Jablla­nicë Natio­nal Parks. Unzäh­li­ge Stän­de mit Obst und Gemü­se säu­men die Stre­cke. Fei­gen, Orangen,Granatäpfel und Zwie­bel-Ket­ten die locker jeden Guin­ness-Buch Rekord bre­chen wür­den, kann man hier, auch mit­ten in der Pam­pa, kilo­me­ter­weit von jeg­li­cher Zivi­li­sa­ti­on ent­fern, für umge­rech­net Cent-Beträ­ge kau­fen.
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Uns sucht all­mäh­lich der klei­ne Hun­ger auf und der Rabe beginnt von einem duf­ten­dem Lamm- oder Zie­gen-grill zu träu­men — immer­hin befah­ren wir gera­de das Land der ein­ge­fleisch­ten Fleisch­esser — als wir  plötz­lich am Stra­ßen­rand auf­stei­gen­den Rauch ent­de­cken. Voll­brem­sung, Wen­de­ma­nö­ver, Ein­park­vor­gang, ein Berg Gegrill­tes auf unse­rem Tel­ler, eine Schüs­sel Salat und natür­lich Geträn­ke erle­ben wir in genau die­ser Rei­hen­fol­ge, kurz dar­auf. So genau wis­sen wir nicht was uns vor­ge­setzt wird, defi­ni­tiv Huhn und wahr­schein­lich Lamm, aber es ist köst­lich zube­rei­tet und schmeckt vor­züg­lich .… und zwar alles. 
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Wir genie­ßen die Fahrt­un­ter­bre­chung aus­gie­big. Der Grill­be­sit­zer, sei­ne Frau und der Rest der Fami­lie sind sehr freund­lich und bemü­hen sich red­lich und zu ver­ste­hen. Zum ers­ten Mal kann das Eul­chen Ihre neu erwor­be­nen Alba­nisch-Kennt­nis­se anwen­den. Rie­sen-Freu­de unse­rer Gast­ge­ber ist ihr Lohn.

Ohrid-See

Es geht wei­ter und schon bald erha­schen wir, zwi­schen den Ber­gen,  einen ers­ten Blick auf DEN See. Der Ohrid-See ist der ältes­te (.  ) und tiefs­te See Euro­pas. Betö­ren­de Aus­sich­ten eröff­nen sich uns je näher wir ran kom­men. Am gegen­über lie­gen­den Ost­ufer kann man eine gro­ße Stadt erah­nen — es ist Ohrid in Maze­do­ni­en. Der See bil­det die natür­li­che Gren­ze zwi­schen bei­den Län­dern.

Lin — das kleine Fischerdorf.

Wir fol­gen dem Tipp aus Kat­jas Blog und fah­ren nach in das klei­ne Fischer­dorf — Lin, direkt am Ufer des Ohrid See’s. Wir sind fas­zi­niert. Ein­fa­che, klei­ne Häu­ser säu­men die ein­zi­ge, schma­le Dorf­stra­ße. Über­all Gepfleg­te Gär­ten, Blu­men, es ist pieksau­ber, Fischer­boo­te lie­gen am See­ufer.
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Frau­en jeden Alters sit­zen in Grup­pen am Weges­rand vor den Häu­sern — es scheint ein beim uns längst ver­ges­se­ner Brauch zu sein. Klat­schen und trat­schen … ein funk­tio­nie­ren­des Sozi­al­ge­fü­ge. Wir wer­den neu­gie­rig, lächelnd freund­lich beäugt. Wir machen die Schei­ben run­ter, Eul­chens grüßt auf Alba­nisch. Wie­der freu­en sich die Men­schen. Wir wer­den spon­tan zum über­nach­ten ein­ge­la­den … es gibt hier sogar ein Gäs­te­zim­mer — ein kusch­li­ges Guest­house. Lei­der haben wir für die­se, ers­te Nacht bereits etwas reser­viert. Aber viel­leicht mor­gen.

Auf dem Dorf­platz steht ein Dorf­kneip­chen … schick, mit einer Ter­as­se auf Pfäh­len über dem See. Wir zischen unse­re ers­ten zwei Kor­ca-Bir­re … super­le­cke­res Alba­ni­sches Bier. Und auch hier alle nett und freund­lich wie man es in der Hei­mat kaum noch erlebt.
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Nur drei Kilo­me­ter wei­ter, direkt am Ufer — end­lich unser Nacht­la­ger. Ein neu­es, fei­nes, groß­zü­gi­ges Hotel — Lake Park Resort. Unse­re Sui­te mit zwei Bal­kons, und vol­lem Aus­blick auf das nas­se Natur­wun­der kos­tet 22 € mit Früh­stück .. für uns bei­de zusam­men!!!

Wir essen den Koran.

Und hier pas­siert es … hier ver­spei­sen wir den Koran. Es ist frü­her Abend. Wir sind die ein­zi­gen Gäs­te und weit und breit die ein­zi­gen Tou­ris­ten hier. Gro­ßen Hun­ger haben wir nicht mehr, aber eine Spei­se wol­len wir in die­ser Gegend unbe­dingt kos­ten. Im Ohrid-See lebt ein ganz beson­de­rer Fisch. Wür­den sich zwei deut­sche Tier­for­scher über ihn unter­hal­ten — wür­den sie von der Ohrid-Forel­le spre­chen. In Alba­ni­en heißt der Fisch .… rich­tig … Koran! Eine Forel­len­art, mit mar­kan­ten leuch­tro­ten Punk­ten am Kör­per und rosa Fleisch. Die­ser Fisch lebt NUR im Ohrid-See, sonst nir­gend­wo auf der Welt. Wir bestel­len also zwei .., ich befürch­te es gibt kei­ne Mehr­zahl vom Koran, den es gibt nur den Einen, aber beim Fisch wird die Aus­nah­me wohl erlaubt sein … wir bestel­len also zwei Kora­ne.

Für uns wird extra der Grill ange­wor­fen. Die Eulen­kö­ni­igin poliert wei­ter ihr Alba­nisch — das Per­so­nal freut sich sicht­lich und im der Zwi­schen­zeit bekom­men wir wie­der Salat und einen Gruß aus vom Haus, eine Art Piz­za-Quark-Keul­chen … sehr lecker. Die Kora­ne kom­men duf­tend, frisch vom Rost und quit­tie­ren dem Tag mit einem Gau­men-Orgas­mus … unbe­schreib­lich. Noch ein Glas Wein zum Anschluss und ab ins Bett­chen.  Für alle ande­ren Freu­den ;)) sind wir nach den Anrei­se-Stra­pa­zen zu schwach;)))

Erster Eindruck … Albanien ist ein wunderschönes Land und .…..
das Leben ist sooo schön. Gute Nacht. 😴

Wir schla­fen wie zwei Mur­mel­tie­re bis zum Son­nen­auf­gang. Die­ser ist hier am See ein Natur­schau­spiel.
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Noch aus dem Zim­mer wer­den die ers­ten Fotos geschos­sen — dann wol­len wir die Natur auch haut­nah genie­ßen. Ein — Zwei Kilo­me­ter links und rechts vom Hotel, am Ufer ent­lang ist ein­fach NICHTS — Strand, Was­ser, Vögel und ein herr­li­ches Pan­ora­ma auf die Maze­do­ni­sche Sei­te des See’s. Wir hal­ten die Füße ins Was­ser, lau­fen in Rich­tung der Kor­mo­ra­ne die am Ufer gra­de Krach machen und ergöt­zen uns an unse­rem Glück. Apro­pos Glück — Eul­chen fin­det einen aus­ge­trock­ne­ten, ske­let­tier­ten Zehn­fuß-Krebs. Der Ohrid­see ist eins der ältes­ten Still­ge­wäs­ser der Welt und exis­tiert unver­än­dert seit 5–2 Mio. Jah­ren. Rund 200 nur hier (ende­mi­sche) leben­de Tier­ar­ten stel­len die höchs­te ende­mi­sche Tier­ar­ten-Dich­te WELTWEIT dar. Für uns ein schö­nes Sou­ve­nir … hof­fent­lich kommt er heil zu Hau­se an.
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Die Kor­mo­ra­ne las­sen uns nicht sehr dicht an sich her­an. Der Auf­pas­ser schlägt Alarm als wir noch meter­weit weg sind — komisch, die hin und wie­der vor­bei fah­ren­den Autos, stö­ren die “Ban­de” nicht. Trotz­dem erfreu­en wir unse­re Her­zen mit dem Anblick die­ser wun­der­schö­nen Vögel.

Zurück im Hotel spei­sen wir fürst­lich, auf der Ter­ras­se unser ers­tes alba­ni­sches Früh­stück. Die Son­ne strahlt auf die Köst­lich­kei­ten … Ome­lett, Zie­gen­kä­se und Salat. Plötz­lich springt das Eul­chen auf und ver­schwin­det samt unse­ren Foto­ap­pa­rat — wir bekom­men Besuch von einer Schafs Her­de. Der Rabe hät­te es fast über­se­hen. Wie­der ein “guten Tag” auf alba­nisch —  mirëm­ëng­je­si — und der Schä­fer macht für die Köni­gin sogar eine Reit­ein­la­ge auf einem sei­ner Woll-Knäu­els.

Win­ke-win­ke und auch wir müs­sen wei­ter … die Regi­on um Kor­ca war­tet auf uns.
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