Nina Hagen … Erfurt Thomaskirche

20, Dez. 2015 | Kon­zer­te, Loka­levents, Ver­an­stal­tun­gen | 0 Kom­men­ta­re

Nach einer sehr schö­nem und rund­um gelun­ge­nen Weih­nachts­fei­er in Eul­chens ehe­ma­li­ger “Wir­kungs­stät­te”, der Tanz­schu­le Traut, mit alten Freun­den und Bekann­ten folgt der Tag auf den wir uns bei­de schon lan­ge freu­en.
Nina Hagen mit Band im Schein­wer­fer­licht der ehr­wür­di­gen Gemäu­er der Tho­mas­kir­che, gleich bei uns um die Ecke.
Die Kar­ten waren Eul­chens Geburts­tags­ge­schenk für ihren gelieb­ten Raben. Wir sind bei­de auf­ge­regt, Eul­chen etwas mehr als Rabe — mess­bar an der Anzahl der Toi­let­ten­gän­ge:)))) Pünkt­lich zu Ein­lass-beginn sind wir vor dem Got­tes­haus, kei­ne fünf­zehn Minu­ten spä­ter sit­zen wir in der ers­ten Rei­he — Eules Spür­na­se für gute Plät­ze wie­der unschlag­bar. Auf Nina scheint auf­ge­regt zu sein — sie luckt durch einen klei­nen Tür­spalt hin­ter dem Altar auf das Publi­kum und quietscht vor Freu­de. Sie hält es eben­falls nicht aus und bereits hal­be Stun­de vor dem offi­zi­el­len Beginn stürmt sie (erst­mal allein) auf die Büh­ne und erzählt von Gott, der Welt und Jür­gen Fuchs — dem DDR Schrift­stel­ler und Bür­ger­recht­ler, des­sen Geburts­tag und Wür­di­gung der Anlass Ihres Auf­tritts in Erfurt ist. Bereits da hat sie alle Sym­pa­thi­en des Publi­kums auf ihrer Sei­te.
Noch nie haben wir erlebt, dass ein Künst­ler so selbst­ver­ständ­lich, unbe­fan­gen, frei und locker, wie am hei­mi­schen Abend­brots­tisch mit dem Publi­kum sprach, noch dazu lan­ge vor Auf­tritts­be­ginn. Und wir in der ers­ten Rei­he!!!!
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Ganz neben­bei — wei­te­re Sym­pa­thi­en ern­tet Nina am nächs­ten Tag. Ein betrü­ge­ri­scher Ver­an­stal­ter, setz­te ein “NIna Hagen Kon­zert” in Bad Els­ter an — weder Nina noch ihr Manage­ment wuss­ten irgend­et­was davon. Der Betrü­ger ver­kauf­te Kar­ten und lan­cier­te kurz­fris­tig eine Kon­zert­ab­sa­ge aus … gesund­heit­li­chen Grün­den. Nina erfuhr davon und ent­schied ihre betro­ge­nen Fans nicht zu ent­täu­schen. Sie ras­te gleich nach unse­rem Auf­tritt nach Bad Els­ter um am Sonn­tag, ihren frei­en Tag, das Kon­zert doch statt­fin­den zu las­sen. Wahn­sinn und toll.

Nun zum Auf­tritt in der Tho­mas­kir­che. Wie ihre natür­lich, leben­di­ge und ver­rück­te Erschei­nung und Vor­re­de bereits ankün­dig­ten — schmet­ter­te die 60 jäh­ri­ge “Old Queen of Punk” wun­der­schö­ne Gos­pels, Spi­ri­tu­als, Adap­tio­nen von bekann­ten Songs

und ver­ton­te Lyrik von Jür­gen Fuchs, Bert­hold Brecht und Theo­dor Fon­ta­ne ins Publi­kum. Ein Feu­er­werk an Natür­lich­keit, Authen­ti­zi­tät und Lebens­freu­de erhell­te das Gewöl­be der Kir­che.
Oft nahm sie sich die Zeit den nächs­ten Song lang anzu­kün­di­gen. Nach­denk­li­che und tiefrei­fen­de Gedan­ken über die Welt und die Men­schen aber auch Kri­ti­sches zu Poli­tik, Indus­trie­mo­no­pol und Gesell­schaft zeig­ten die Nina wie wir, DDRler sie in Erin­ne­rung hat­ten, als unzähm­ba­re, eigen­wil­li­ge und kri­ti­sche Per­sön­lich­keit die sich weder poli­ti­schen Sys­te­men und gesell­schaft­li­chen Nor­men unter­ord­net — son­dern gera­de aus, unver­blümt und emo­tio­nal durchs Leben geht und mit Ihrer Popu­la­ri­tät so eini­ges für Min­der­hei­ten und Ver­folg­te bzw. Unter­drück­te tut.
Ein auf­rech­tes Vor­bild für Eul­chen — und das nicht nur weil Nina mit 60 jung, frisch und extro­ver­tiert geklei­det ist son­dern weil sie ihre Hal­tung auch gegen den Strom lebt und durch­setzt.

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