Einem Deut­schen, der von pol­ni­scher Geo­gra­phie Null Ahnung hat, (also fast jedem;-)) zu erklä­ren, wel­ches Fleck­chen Erde wir beson­ders lieb gewon­nen haben, ist kei­ne leich­te Auf­ga­be. Rie­sen­ge­bir­ge … ja Rie­sen­ge­bir­ge … wo liegt denn ver­dammt das Rie­sen­ge­bir­ge? Es wäre etwas leich­ter wenn man wüss­te, dass es ein Teil der Sude­ten ist.

Sude­ten, da war was — Sude­ten­land — war das aber nicht in Böh­men in der Tschesch­ei??? Der eine oder ande­re hat sogar von der Schnee­kop­pe gehört, aber wie­der ver­sagt das Geo­gra­phie-wis­sen — wo ver­flucht liegt die Schnee­kop­pe???

Schle­si­sche Kamm, Böh­mi­scher Kamm, Forst­kamm, Kes­sel­kamm, Wolfs­kamm … (der Käm­me gibt’s gan­ze sech­zehn) — spä­tes­tens da hört es end­gül­tig auf.

Die Sude­ten erste­cken sich ent­lang der Pol­nisch-Tsche­chi­schen Gren­ze, also zwi­schen (Nieder)Schlesien und Böh­men auf einer Län­ge von 310 Km und ver­bin­den somit (fast) das Erz­ge­bir­ge mit den Kar­pa­ten. Die Kar­pa­ten ihrer­seits schlie­ßen die Bes­ki­den ein und die wie­der­um die “mini­klei­ne” Tatra.

Der pol­ni­sche Name des Gebir­ges lau­te­te bis ins 20. Jahr­hun­dert meist Góry Olbrzy­mie was die deut­sche Namens­ge­bung RIESENGEBIRGE erklärt. Sel­te­ner bezeich­ne­te man es auch als  Góry Śnież­ne — Schnee­ge­bir­ge. Die heu­te gän­gi­ge, offi­zi­el­le Bezeich­nung Kar­ko­no­sze war par­al­lel in Gebrauch.


Die Sude­ten sind zwar ein Mit­tel­ge­bir­ge aber mit sub­al­pi­nem Cha­rak­ter — das heißt teils schrof­fe, stei­le Hän­ge und Rücken und ent­spre­chen­de Vege­ta­ti­on. Sie sind etwa 2x so groß wie das Tirol. Höchs­ter Gip­fel ist mit 1603m Sniez­ka — die Schnee­kop­pe, und die­sen wol­len wir heu­te (eigent­lich;))) “angrei­fen.

Damit wir abends noch fit für das Har­ley-Tref­fen sind ent­wi­ckel wir einen raf­fi­nier­ten Plan. Vorm Bia­ly Jar fährt halb neun ein Bus nach Pec (Pet­zer) ab. Pec pod Sněž­k­ou liegt auf der Tsche­chi­schen Sei­te des Ber­ges. Von dort fährt eine Gon­del bis auf den Gip­fel. Der 7–8 Kilo­me­ter Abstieg über zwei Bau­den, mit lecker Essen, reicht uns heu­te völ­lig.

Der Tag beginnt der­weil mit einem Alarm­we­cken. 8:16 Uhr schreckt die Eulen­tät neben dem Raben­prin­zen mit Gen­öl­le auf. Die­ser war zwar seit über einer Stun­de wach aber im Blog­schrei­ben so ver­tieft, dass er die Welt um ihn rum ver­ges­sen hat. Alarm­waschen, Alarm­an­zie­hen, Früh­stück fällt aus, Gen­öle geht wei­ter — Bus fährt 8:37 Uhr ab. Ein glat­ter Fehl­start.

Lei­der müs­sen wir vor der Bus­tür kehrt machen — der zwei­te Seil­bahn­ab­schnitt (der zur Spit­ze) ist heu­te nicht in Betrieb. Wind­stär­ken bis 100 Km/h durch­kreu­zen unse­re aus­ge­klü­gel­te Stra­te­gie.

Gen­öle hört augen­blick­lich auf — das Früh­stück kann begin­nen;))) Nun gestärkt — star­ten wir erneut.

Dies­seits der Gren­ze ist das Wet­ter der­weil traum­haft. Wir fah­re direkt vorm Bia­ly Jar mit dem 6er Ses­sel­lift hoch, wech­seln in die Einer­seil­bahn und sind nach rund 30 min auf der Kop­pe, einem 1400m hohen Gip­fel unter­halb der Schnee­kop­pe.

Von dort aus erwan­dern wir, wie schon zuletzt, die bei­den über 250 Jah­re alten Bau­den Strze­cha Aka­de­mi­cka und Samot­nia. Lecke­re Stär­kung gibt’s oben bei jedem Wet­ter. Die Polen sind ein Lauf­freu­di­ges Völk­chen, in Scha­ren, selbst bei wid­ri­gen Bedin­gun­gen unter­wegs. Die his­to­ri­schen Her­ber­gen müs­sen Gold­gru­ben sein. Weit­blick Pan­ora­men, Natur pur, Traum­haf­te Berg­ku­lis­sen, all das belohnt unse­re Geis­ter. Die See­len Tan­ken, trotz der Anstren­gung, Kraft die wir so drin­gend im trü­ben Deutsch­land brau­chen.

Die Luft, das Kli­ma, das Essen und vor allem die Men­schen hier bewir­ken , dass wir bin­nen Stun­den kom­plett rege­ne­rie­ren. Abends ange­kom­men sind unse­re Akkus schon am nächs­ten Mor­gen auf­ge­la­den — uner­klär­lich aber wahr. Unter­wegs ergöt­zen wir uns an der Schön­heit der Natur und Ihrer Geschöp­fe. Jaaaaa wir kön­nen uns noch über die Klei­nen Din­ge freu­en … über die Wes­pe, die unser Bier für ihre Art­ge­nos­sen abzwei­gen will und dabei sturz­be­sof­fen wird, über die Orchi­deen am Weges­rand (jaaa da wach­sen sie noch … ein­fach so in 1000 Metern Höhe) oder über eine fast waa­ge­recht wach­sen­den Baum. Ein Oze­an von Hei­del­bee­ren bedeckt das Gebir­ge wo man nicht hin­sieht … die schme­cken übri­gens köööööööst­lich.

Die­ses Mal pro­bie­ren wir einen “neu­en” Weg nach unten, zurück nach Kar­pacz. Die­ser biegt paar hun­dert Meter (von der Kop­pe aus gese­hen) vor der Strze­cha ins Tal ab. In einer Weg­bie­gung über­quert ein Berg­bach ein klei­nes Stein­feld am tiefs­ten Punkt und genau da beginnt unser Abstieg. Der ers­te Teil ist sehr steil, stei­nig und fel­sig — man kann sich nur sehr vor­sich­tig von Stein zu Stein tas­ten. Nach eini­gen hun­dert Metern wird es aber ange­neh­mer. Kei­ne Stei­ne mehr, eine Art Kies belegt die Stre­cke die aber immer noch sehr abschüs­sig bleibt. Immer­hin sind gut 600 Höhen­me­ter zurück zu über­win­den. Trotz­dem der beque­me­re Weg und gefühlt etwas kür­zer. Nach gut fünf Stun­den und rund 10 Kilo­me­tern sind wir, immer noch Fit, zurück im Bia­ly Jar. Klas­se, wir sind stolz auf uns.

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