Seit wir unse­re Schick­sa­le mit­ein­an­der ver­eint haben ver­än­dert sich ste­tig so eini­ges in unser bei­der Leben. Was mit frü­he­ren Partnern(innen) unmög­lich schien — wonach wir uns aber bei­de, unab­hän­gig von ein­an­der, bewusst wie unter­be­wusst, ver­zehrt haben — ist auf ein­mal so leicht und ein­fach — fast selbst­ver­ständ­lich. Den­noch will es ent­deckt, erkun­det und gelebt wer­den.

Die Art Urlaub zu ver­brin­gen ist da nur eine Facet­te von vie­len. Wir sind wahr­schein­lich gene­tisch ähn­lich pro­gram­miert … aktiv, neu­gie­rig, offen, umtrie­big, kom­mu­ni­ka­tiv. Men­schen, Tie­re, Land­schaf­ten, stil­le und “gehei­me” Orte geben uns mehr als über­füll­te 5 Ster­ne Club­an­la­gen mit All-Inclu­si­ve Abfüll­sta­tio­nen oder Must-Have-Sehens­wür­dig­kei­ten die man gleich­zei­tig mit 100 oder gar 1000 ande­ren Men­schen gleich­zei­tig erle­ben muss.
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Es so rich­tig aus­zu­le­ben “trau­en” wir es uns erst seit einem Jahr. Wir haben uns lang­sam her­an­ge­tas­tet. Klas­si­sche Pau­schal-Tou­ris­ten waren wir zwar vom Beginn unse­rer gemein­sa­men Zeit nie, aber bis zur end­gül­ti­gen Meta­mor­pho­se zu Hard­core-Indi­vi­du­all-Tou­ris ver­gin­gen vie­le Mon­de.

Zumin­dest ein Miet­au­to war immer unser Beglei­ter für die kom­plet­te Auf­ent­halts­zeit. Damit haben wir mit Sicher­heit schon viel mehr gese­hen als die Meis­ten — den­noch: wie weit kommt eine Kuh tags­über auf der Wei­de wenn sie abends wie­der zum Mel­ken da sein muss.

Schritt zwei

war — Pau­schal­rei­se (Flug, Hotel, Früh­stück) + Miet­wa­gen + eini­ge Näch­te woan­ders als im gebuch­ten Hotel zu schla­fen. Das erwei­ter­te den Akti­ons­ra­di­us gewal­tig und bestä­tig­te uns, dass wir nicht zu den 85% der Deut­schen zäh­len, die ins Aus­land rei­sen um mit ande­ren Deut­schen unter einem Dach zu woh­nen und (angeb­lich lan­des­ty­pi­sche) Spei­sen aus dem Groß­han­del — die in einer Groß­kü­che, nach kal­ku­la­to­ri­schen Vor­ga­ben zube­rei­tet wur­den, unse­ren ver­wöhn­ten Gau­men zu offe­rie­ren.

Unse­re heu­ti­gen Rei­sen sind gut recher­chiert. Gut aber nicht per­fekt und nie end­gül­tig. Wir wis­sen wie wir hin­kom­men, ein pas­sen­des Fahr­zeug wird im Vor­feld ange­mie­tet (immer mit einem Rund-um-sorg­los Paket, allen erdenk­li­chen Ver­si­che­run­gen und ohne irgend­wel­che Zuzahlungen/Selbstbeteiligungen im Ziel­land) und die ers­te Über­nach­tung ist reser­viert. Alles Wei­te­re ist Aben­teu­er. Na gut — fast alles 🙂

Als Aller­ers­tes nach der Wahl des Rei­se­ziels — druckt der Rabe eine Kar­te des Lan­des im A4-Quer­for­mat aus. Dar­auf wer­den wäh­rend unse­rer, teils mona­te­lan­gen Recher­chen, klei­ne, bun­te, mit Zah­len ver­se­he­ne Pünkt­chen gemalt. Die Zah­len wer­den auf der Rück­sei­te der Kar­te beschrif­tet — mit Sachen, die wir gern sehen oder erle­ben möch­ten. Rotes Pünkt­chen bedeu­tet — wol­len wir unbe­dingt sehen — ein grü­nes, even­tu­ell. Beim schau­en von Rei­se­do­ku­men­ta­tio­nen, beim lesen von Rei­se­b­logs, beim durch­stö­bern von sozia­len Medi­en und loka­len Sei­ten des Ziel­lan­des fin­den wir meist etwa 10–15 inter­es­san­te Geschich­ten, die wir in unse­re Kar­te ein­tra­gen. Dar­aus resul­tiert die gro­be Fahrt­rich­tung.

Die Eulen­kö­ni­gin krit­zelt zumeist meh­re­re Zet­tel mit Noti­zen voll (Köni­gi­nen hal­ten nicht viel von digi­ta­ler Notiz­ab­la­ge … dafür haben sie “Die­ner”:) die, falls der Köni­gin noch ein­fällt wozu sie gehö­ren, sich dann auch für das “Fina­le” qua­li­fi­zie­ren.
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Unter­wegs kann aber viel pas­sie­ren. Wir ent­de­cken jedes Mal bis Dato unbe­kann­te Orte, bekom­men lie­be Tipps von Ein­hei­mi­schen, ler­nen inter­es­san­te Men­schen ken­nen oder stol­pern in letz­ter Minu­te, bereits vor Ort, bei einem kur­zen Blick ins Inter­net oder auf ein Plakat/Flyer über etwas Inter­es­san­tes. Wo es uns gefällt ver­wei­len wir. Wir müs­sen des­we­gen den Rei­se­plan nicht ändern denn es gibt kei­nen. Der nächs­te Tag wird spon­tan am Vor­abend geplant. Es ist Frei­heit pur.

Zum Über­nach­ten bevor­zu­gen wir uri­ge Bau­ern­häu­ser, rus­ti­ka­le Pen­sio­nen oder klei­ne Hotels. Auf einen spe­zi­el­len Stan­dard sind wir nicht fest­ge­legt, Haupt­sa­che es ist sau­ber und es gibt Bal­kon, Ter­ras­se oder Gar­ten. Es darf die Prä­si­den­ten-Suite sein aber es reicht auch eine Bau­ern­stu­be. Die ist meist wesent­lich reiz­vol­ler.

Wich­tig sind uns vor allem Men­schen. Wo es nur geht ver­su­chen wir mit ihnen ins Gespräch zu kom­men. Erfah­ren oft eini­ges über sie, hören ihnen zu und stau­nen. Bei Sym­pa­thie ent­ste­hen so Bekannt­schaf­ten und Freund­schaf­ten. Das war frü­her schlicht unmög­lich weil die Zeit zu kurz war. In einem gro­ßen Hotel lernt man viel­leicht einen Kell­ner oder die Putz­frau ken­nen, die im täg­li­chen Arbeits­stress, freund­lich zu sein ver­sucht oder gar freund­lich sein muss. Auch die­se bei­den haben kaum Zeit sich mit den Tau­sen­den von Gäs­ten stun­den­lang zu unter­hal­ten.


Bei unse­ren letz­ten Rei­sen durch Rumä­ni­en, Alba­ni­en und in die Repu­blik Nord­zy­pern konn­ten wir uns erst­mals auf die Men­schen ein­las­sen …. Und die­se auf uns, weil ein­fach die Zeit dafür da war. So lern­ten wir nicht nur Onton, Jari und Maria ken­nen, son­dern noch eini­ge mehr. Die­se Erfah­run­gen, die­se Erleb­nis­se, die­se Gesprä­che sind weder mit VISA noch mit etwas Ande­rem zu bezah­len.

Auch zeit­rau­ben­de Natur­er­eig­nis­se und aus­dau­ern­de Tier­be­ob­ach­tun­gen konn­ten wir über­haupt erst erle­ben — weil wir uns die ZEIT dafür neh­men konn­ten .… und zwar, soviel wir woll­ten. Ob eine gan­ze Nacht lang in Zypern zwei Schild­krö­ten bei der Eiab­la­ge zu assis­tie­ren oder in den Süd­kar­pa­ten, fast zwei Tage die Braun­bä­ren zu beob­ach­ten oder Wild­pfer­de zu tref­fen  — es geht nur wenn man frei ist. Frei von jeg­li­chen Zwän­gen und Ver­pflich­tun­gen, frei in sei­nen Ent­schei­dun­gen und frei in Orts- und Zeit­wahl.

Ein zurück ist schlicht und ein­fach unmög­lich. Ein­mal mit die­sem “Tra­ve­lis indi­vi­dua­lis” Virus ange­steckt kann man wahr­schein­lich nicht mehr anders rei­sen. Wir zwei ver­rück­te, bun­te und lus­ti­ge Vögel kön­nen es jeden­falls nicht mehr. Wir kön­nen es allen nur emp­feh­len

1 Kommentar

  1. All­zeit gute Rei­se! Es liest sich span­nend bei euch. Ich wer­de bestimmt ab und zu mei­ne Flü­gel aus­brei­ten und bei euch zwi­schen­lan­den.

    Es grüßt

    DieR­ei­se­Eu­le

    Ant­wor­ten

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